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HomeAbseitsSaison 2010 / 2011Sebastian Svärd: Nach pfeiffrischem Drüsenfieber wieder zurück auf dem Platz

Sebastian Svärd: Nach pfeiffrischem Drüsenfieber wieder zurück auf dem Platz

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Ex-Borusse Sebastian Svärd im Interview (Foto: Andreas Plum / Fohlen-Hautnah.de)

Ex-Borusse Sebastian Svärd im Interview

Im Januar 2010 wechselte Sebastian Svärd von Borussia Mönchengladbach in die niederländische Eredivisie zu Roda JC Kerkrade. Zuvor war der Däne 2006 vom portugiesischen Club Vitória Guimarães nach Gladbach gewechselt. Für den VfL trug der heute 28-Jährige in 15 Bundesliga- und 11 Zweitligaspielen das Trikot. Nach einem pfeiffrischen Drüsenfieber kommt der defensive Mittelelfspieler nun bei den Niederländern, wo er auch mit Ex-Borussia Morten Skoubo zusammenspielt, so langsam wieder in Tritt. Im Interview mit unserer Redaktion spricht Svärd unter anderem über seine Zeit bei der Borussia.

Fohlen-hautnah: Sebastian, seit deinem Wechsel von der Borussia in die Niederlande sind nun dreizehn Monate ins Land gezogen. Wie geht es dir und deiner Familie?

Sebastian Svärd: Danke, gut. Ich wohne mit meiner Verlobten in Maastricht und fühlen uns sehr wohl. Maastricht ist zwar eine schöne Stadt, aber im Bezug auf Restaurants, etc. gibt es nicht so viele Möglichkeiten. Da bin ich etwas enttäuscht. Wenn ich also gut essen möchte, dann fahre ich nach wie vor und oft nach Mönchengladbach zu meinem Stammitaliener ‚Ristorante Michel Angelo‘, um dann auch Freunde zu besuchen.

Fohlen-hautnah: Im Januar 2010 hast du deinen noch bis zum Sommer gültigen Vertrag in Gladbach vorzeitig aufgelöst und bist in die niederländische Eredivisie zu Roda JC Kerkrade gewechselt. Was hat dich zu diesem Schritt bewogen und gab es auch noch andere Möglichkeiten?

Sebastian Svärd: Eine andere Möglichkeit als zu wechseln gab es ja zunächst mal nicht, weil mir Gladbach lediglich die Option gab, in der zweiten Mannschaft zu trainieren. Da kann man sich sicherlich nicht so gut profilieren oder anbieten. Deswegen musste ich auch selber was machen. Dann habe ich bei Roda ein Probetraining absolviert, damit sie sich ein Bild von mir machen konnten, denn sie haben mich ja zuvor nicht spielen sehen können.

Wie Borussia da mit den Spielern, die den Verein verlassen sollen umgeht, ist sicherlich nicht gut. Sie möchten zwar, dass der Spieler geht, machen aber relativ wenig dafür, dass das auch so kommt. Dann muss man selber die Initiative ergreifen, was ich mit dem einwöchigen Probetraining bei Roda dann auch gemacht habe. Ich hätte sicherlich auch in Deutschland bleiben können, aber ich wollte etwas Neues probieren. Jetzt bin ich hier und fühle mich wohl.

Fohlen-hautnah: Du hast in der Rückrunde der Saison 2008/2009 in der 2.Liga für Hansa Rostock gespielt. Nach deiner Rückkehr fandest du dich in der U23 der Borussia wieder. Würdest du im Nachhinein sagen, dass es ein Fehler war, nicht in Rostock geblieben zu sein?

Sebastian Svärd: Nein, weil das  nichts für mich war. Man muss sich ja auch außerhalb des Platzes wohl fühlen und das war in Rostock eben nicht der Fall. Ich war zwar nah an meiner Heimat Dänemark, aber bis auf Warnemünde gab es dort nichts, was mich gereizt hat. Ich bin aber zunächst dort hin, weil ich eben unbedingt spielen wollte.

Fohlen-hautnah: Wie kam dann der Kontakt zu Roda zustande?

Sebastian Svärd: Ich kenne den Sportdirektor gut. Ich hatte mit ihm ein gutes Gespräch in dem er mir sagte, dass ich vor allen Dingen auf Gehalt verzichten müsste. Das war für mich kein Problem, denn wenn man nicht glücklich ist, dann muss man ab und an auch verzichten und schauen, dass man zu dem kommt, was man gerne macht - nämlich Fußballspielen. Dann bin ich zu Roda Kerkrade gewechselt.

Fohlen-hautnah: …was du bisher nicht bereut hast?

Sebastian Svärd: Nein, obwohl ich auch da bisher Pech hatte. Ich kam in einer sehr schlechten Verfassung zu Roda. Ich hatte zuvor nicht gut trainiert und Übergewicht. Dazu kam dann das pfeiffrische Drüsenfieber, was mich vier Monate außer Gefecht gesetzt hat. Es kam also Pech über Pech. Das sollte erst mal für lange Zeit reichen. Erst jetzt bin ich richtig fit.

Fohlen-hautnah: Was sind in deinen Augen die primären Gründe, warum es in Gladbach nicht so geklappt hat, wie du es dir vorgestellt und sicherlich auch gewünscht hast?

Sebastian Svärd: Ich habe mich rückblickend zu sehr unter Druck gesetzt. Ich wollte zu schnell Erfolg bei und mit Gladbach. Dafür habe ich mir nicht genug Zeit gelassen, sondern wollte, dass alles schnell geht. Das war falsch. Jupp Heynckes hat mich aus Portugal zu einem großen Verein geholt. Ich wollte mich schnell zeigen und beweisen, aber ich habe mich da zu sehr unter Druck und Stress gesetzt.

Daraus resultierend kamen dann auch die ganzen Verletzungen. Die waren auch Kopfsache, wenn du dich eben zu großem Druck aussetzt. Dazu gab es Trainerwechsel, wo man dann nicht genau wusste, wo man steht. Das alles war insgesamt nicht einfach. Als dann Hans Meyer kam, war der Zug abgefahren. Mit ihm, seiner Art, seinen Methoden und mit seinem Führungsstil kam ich überhaupt nicht zurecht. Wenn er nicht gekommen wäre, dann glaube ich, dass ich noch für Gladbach spielen würde.

Fohlen-hautnah: Wie hat man dir damals mitgeteilt, dass man nicht mehr mit dir plant?

Sebastian Svärd: Hans Meyer hat ja Tomas Galásek mitgebracht und wusste dann nicht so recht, wohin mit mir. Er wollte, dass ich rechter Verteidiger spiele, aber das bin ich nicht. Infolge dessen hatte ich keine guten Karten mehr und habe gemerkt, dass meine Zeit abgelaufen war. Dann kam Max Eberl auf mich zu und sagte, dass ich etwas anderes finden solle. Das war schmerzvoll für mich und ich war enttäuscht, aber so ist eben das Geschäft.

Fohlen-hautnah: Nach Hans Meyer kam Michael Frontzeck. Hattest du mal mit ihm gesprochen?

Sebastian Svärd: Ja. Ich hatte mit ihm recht gute Gespräche, die aber nichts an der Entscheidung änderten, dass man nicht mehr mit mir plane, selbst wenn er mich hätte haben wollen. Michael Frontzeck passt in meinen Augen zu Gladbach. Er hat einen guten  Charakter, macht seinen Job zu 100 Prozent, ist fair und offen und weiß, was er will. Zudem redet er viel mit den Spielern. Das finde ich gut und sehr wichtig.

Fohlen-hautnah: Nun spielst du also in den Niederlanden. In der letzten Saison kamst du in der Rückrunde zu sechs Einsätzen. In der aktuellen Saison steht lediglich erst ein Einsatz mit 73 Spielminuten zu Buche. Sicherlich alles andere als zufriedenstellend. Woran liegt das?

Sebastian Svärd: Nach dem Spiel gegen Ajax Amsterdam habe ich das pfeiffrische Drüsenfieber bekommen. Da musste ich sehr vorsichtig sein und eine lange Pause einlegen. Wenn man es nicht richtig auskuriert, kann es sehr gefährlich sein. Ich habe im Krankenhaus gelegen. So habe ich vier Monate nichts machen können. Jetzt geht es mir aber wieder gut. Im Wintertrainingslager bin ich dann wieder richtig fit geworden, sodass ich jetzt wieder angreifen und über die zweite Mannschaft Spielpraxis sammeln kann. Dann schauen wir mal, wann ich wieder regelmäßig in der Profimannschaft spiele. Im Kader stehe ich jedenfalls wieder zu den Ligaspielen.

Fohlen-hautnah: Musstest du aufgrund der Krankheit deinen Lebensstil umstellen?

Sebastian Svärd: Nein. Man kann fast nicht professioneller Leben, als ich das als Profisportler sowieso schon mache. Das hat auch nichts mit dem Lebensstil oder so zu tun, sondern das ist einfach nur Pech. Ich muss mich nicht umstellen, sondern kann genauso leben, wie bisher.

Fohlen-hautnah: Roda JC rangiert derzeit auf Platz sieben, der in der Endabrechnung der letzte Platz für die Play-off-Spiele zur Europa League bedeutet. In der letzten Saison seid ihr da im endscheidenden Spiel am FC Utrecht gescheitert. Zweiter Anlauf in diesem Jahr…?

Sebastian Svärd: Natürlich. Im letzten Jahr sind wieder leider knapp gescheitert. Das wollen wir in diesem Jahr selbstverständlich ändern. Bisher sind wir auf einem guten Weg und ich hoffe, dass wir am Ende über die Play-Offs die Europa League erreichen.

Fohlen-hautnah: Wenn man den niederländischen und den deutschen Fußball gegenüberstellt. Welche gravierenden Unterschiede hast du da festgestellt und was ist vielleicht auch gleich?

Sebastian Svärd: Ich glaube, in Deutschland und England herrscht in der Welt die beste Atmosphäre. Fußballerisch ist Deutschland mit mehr Power, Kraft, Ordnung und Aktion ausgestattet. In Holland wird mehr technischer Fußball gespielt.

Fohlen-hautnah: Mit Morten Skoubo, ausgeliehen vom FC Utrecht, spielt ein weiterer Ex-Borusse bei Roda. Habt ihr euch schon mal über eure Zeit in Gladbach ausgetauscht bzw. redet ihr noch über die Geschehnisse beim VfL?

Sebastian Svärd: Morten ist ein super Typ, mit dem ich auch außerhalb des Platzes viel unternehme. Aber über die Zeit bei der Borussia sprechen wir nicht und haben das auch bisher nicht getan. Seine Zeit in Gladbach war ja nun auch nicht sonderlich erfolgreich...

Fohlen-hautnah: Du bist mit 18 zu Arsenal London gewechselt und bist von dort aus zu drei Vereinen verliehen worden. Ähnliches ist ebenso Håvard Nordtveit wiederfahren. Nun hat er bei Borussia einen längerfristigen Vertrag abgeschlossen. Wie hast du die ständigen Wechsel erlebt bzw. wie hast du dich gefühlt? So eher als eine Art ‚Leiharbeiter‘ oder wie war das für dich?

Sebastian Svärd: Ich würde sagen, dass ist das Beste, was Håvard machen konnte. Für junge Spieler ist es nicht gut, ständig ausgeliehen zu werden,  denn um dich entwickeln zu können, musst du im gleichen Verein eine Basis und Vertrauen haben. Das geht natürlich nur schwer, wenn du ständig den Verein wechselst. Du weißt, ich bin nur sechs Monate hier, man versucht sich in die Mannschaft reinzukämpfen bzw. zu integrieren, musst dann aber wieder weg.

Da geht dann die Nachhaltigkeit so ein wenig verloren und du wirst nie so richtig integriert, was für junge Spieler sehr wichtig ist. Man sollte bzw. man muss einen Verein finden, wo man weiß oder wo man gute Chancen hat, jedes Wochenende zu spielen und wo man sich entwickeln kann.

Wenn du ständig wechselst, somit ständig neue Umfelder und neue Spielkonzepte erfährst, dann macht das in meinen Augen auch nur Probleme. Wenn du längerfristig bei einem Verein bist, dann hast du bessere Chancen, dich zu entwickeln.

Fohlen-hautnah: Kommen wir noch mal auf die Zeit bei der Borussia zu sprechen. Wie schaust du auf diese Zeit, auch wenn sie sicherlich nicht sonderlich erfolgreich war, zurück?

Sebastian Svärd: Unter dem Strich hatte ich eine gute Zeit und war auch gerne bei Borussia. Das ist ein super Verein, mit viel Potenzial, mit super Möglichkeiten, mit einem der schönsten Stadien in Deutschland und mit tollen Fans. Sie unterstützen die Mannschaft zu 100 Prozent und stehen voll hinter dem Verein, was sehr wichtig ist. Wie gesagt, wenn Hans Meyer nicht gekommen wäre, würde ich vielleicht immer noch für Gladbach spielen.

Fohlen-hautnah: Hast du noch Kontakt zum Verein bzw. zu ehemaligen Mitspielern und verfolgst du noch das Geschehen der Borussia?

Sebastian Svärd: Ich habe noch guten Kontakt zu Roman Neustädter. Wir telefonieren öfters und treffen uns, wenn ich in Mönchengladbach bin. Ansonsten habe ich wenig Kontakt.

Fohlen-hautnah: Schaust du abschließend noch auf das, was die Borussia macht und wie schätzt du die derzeitige Situation ein?

Sebastian Svärd: Natürlich schaue ich noch, was bei Borussia passiert. Im Moment sind sie in einer sehr schwierigen Situation. Es ist eine Schande, was da aktuell passiert. Sie haben alle Möglichkeiten, wo sie aber zu wenig draus machen. Es kann ja nicht sein, dass Borussia mit diesen Möglichkeiten auf dem letzten Tabellenplatz steht und beispielsweise ein Verein wie Hoffenheim oben.

Die haben zwar mehr finanzielle Mittel, aber Geld ist ja nicht alles. Borussia da da viel mehr Potenzial, was sie derzeit in meinen Augen nicht voll ausschöpfen. Sie haben eine tolle Fankultur und beste Möglichkeiten, aber auf dem Platz läuft es derzeit nicht. Da hoffe ich, dass man die Kurve bekommt und eine Mannschaft auch nachhaltig entwickelt. Wenn man jetzt abstiegen würde, dann würde man dahingehend wieder zurückfallen. Das wäre sehr schade und auch nicht gut.

Ich glaube aber, dass es Stuttgart schaffen wird. Es ist und es wird schwer, die Klasse zu halten, weil man auch die Heimspiele nicht gewinnt, was wichtig ist. Da sollte eigentlich eine 2:0-Führung reichen. Jeder Spieler muss jetzt die eigenen Interessen hintenanstellen und alles für den Verein geben. Dante ist da ein sehr gutes Beispiel, der eben seine Familie in Brasilien gelassen hatte, um sich voll auf den Abstiegskampf zu konzentrieren.

An sowas sollten sich alle ein Beispiel nehmen. Es zählen jetzt nur der Verein, die Mannschaft und der Abstiegskampf, mit dem sich alle identifizieren und für den Verein kämpfen müssen. Dann ist im Verbund mit  dem nötigen Glück einiges möglich. In so einer Phase zeigt sich dann auch, wer Charakter hat und den Kampf annimmt. Es müssen Siege in Form einer Serie her. Ich drücke die Daumen, dass es Borussia schafft. Der Verein gehört ganz einfach in die 1.Bundesliga.


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