Der Ex-Borusse spricht über seine Zeit beim VfL und über das Derby
Für Borussia Mönchengladbach steht am kommenden Samstag das rheinische Derby gegen den Rivalen aus der Domstadt an. Ein gerade auch aufgrund der Tabellensituation wichtiges und auch ein stückweit wohl richtungsweisende Spiel. Wir haben uns mit dem 46-Jährigen, der von 1998 - 2000 das Trikot des VfL trug und heute Trainer der zweiten Mannschaft vom LASK Linz ist, über seine Zeit bei der Borussia und über das bevorstehende Derby unterhalten.
Fohlen-hautnah: Herr Polster, zunächst vielen Dank, das Sie sich die Zeit für ein Interview nehmen. Kommen wir zunächst einmal zur Aktualität und zu ihrem derzeitigen Club LASK Linz. Dort wurde heute nach der gestrigen 0:1-Niederlage gegen den SV Ried Trainer Helmut Kraft freigestellt. Werden Sie nun neuer Cheftrainer?
Toni Polster: Nein, ich werde es nicht.
Fohlen-hautnah: Dann wollen wir über die Borussia und im Anschluss über das rheinische Derby sprechen. Im Jahr 2004 haben Sie die Borussia zum zweiten Mal verlassen nach dem Sie drei Jahre in der Marketing-Abteilung des VfL tätig waren. Aktiv trugen Sie das Trikot von 1998-2000. Wie schauen Sie auf die gesamte Zeit bei der Borussia zurück?
Toni Polster: Sehr gerne. Mein Herz liegt an der Borussia. Ich war 5,5 Jahre in Gladbach. Das war eine wirklich schöne Zeit. Ich habe diesen Verein kennengelernt und ich sage heute noch - das ist ein ganz toller Verein mit tollen Fans. Ich habe, auch wenn es dann sportlich für mich nicht mehr lief, dort jede Sekunde genossen, weil der Club wirklich auch eine Herzensangelegenheit wurde.
Fohlen-hautnah: Sie haben die Borussia-Fans angesprochen. Auch mit diesen hatten Sie ein gutes Verhältnis, so dass sie diese sicherlich ebenso in positiver Erinnerung haben…
Toni Polster: Absolut. Selbst zu meiner Zeit in der Marketing-Abteilung habe ich versucht, wenn es meine Termine beim Spiel zugelassen haben, zwanzig Minuten eher draußen zu sein, um mir auf dem Bökelberg bei den Fans die vierzehntägige Gänsehaut zu holen. Darauf freue ich mich auch wieder, wenn ich am 04.Dezember zum Spiel gegen Hannover 96 in den Borussia-Park komme.
Fohlen-hautnah: Sie kommen also in den Borussia-Park, um die Atmosphäre zu genießen und nutzen dazu auch die Gelegenheit, um alte Freunde und Mitspieler zu besuchen?
Toni Polster: Natürlich. Nun bin ich ja Trainer und so nutze ich die ab 15.November die freie Zeit, um bei Borussia vorbeizuschauen, Freunde zu besuchen und um natürlich meiner Leidenschaft im Fußball der deutschen Bundesliga zuzusehen.
Fohlen-hautnah: Im Anschluss an ihre Marketingausbildung, die Sie ja bei der Borussia absolviert haben, waren Sie Teammanager bei Austria Salzburg. Nun sind sie Trainer der zweiten Mannschaft vom LASK Linz. Liegt im Trainerbereich auch eher ihre Zukunft?
Toni Polster: Auf jeden Fall. Österreich ist ein kleines Land und da kann man sich schwer festlegen, weil man alles ein bisschen mitmachen muss. Da ist es für mich perfekt, dass ich eine tolle Ausbildung habe. Ich kann heute in einem Club Sportdirektor und Trainer sein. Ich habe ja Dank der Borussia alles gelernt und ich bin froh, dass ich diesen Weg eingeschlagen habe. Ich bin sehr, sehr dankbar, dass Borussia mir diese Chance ermöglicht hat.
Dadurch habe ich natürlich die Trainerprüfung erst später gemacht. Ich habe es schon vermisst, auf dem Platz zu stehen. Das hole ich jetzt nach und hoffe, dass ich vielleicht irgendwann einmal in der österreichischen oder deutschen Bundesliga als Trainer arbeiten kann. Das ist mein Ziel.
Fohlen-hautnah: Seit ihrer Zeit bei der Borussia sind nun mittlerweile sechs Jahre vergangen. Wie sehen Sie die Entwicklung des Clubs?
Toni Polster: Na ja. Die Borussia, und das gefällt mir nicht so, ist halt dieses Jahr in der unteren Region der Tabelle. Ich würde mir wünschen, dass die Borussia wiedermal so die Puzzleteile zusammenführt, dass man vielleicht mal noch mehr aspirieren könnte. Dafür drücke ich von Österreich aus die Daumen.
Fohlen-hautnah: Sie schauen also auch aus der Ferne betrachtet noch auf das, was bei Borussia passiert…
Toni Polster: Natürlich und auf jeden Fall. Ich schaue mir alle Spiele an, sei es in der Zusammenfassung oder eben live im Fernsehen.
Fohlen-hautnah: Haben Sie noch Kontakte zu ehemaligen Mitspielern und zur Borussia generell?
Toni Polster: Natürlich habe ich generell noch Kontakt zur Borussia. Es ist so, dass wir natürlich weit entfernt sind, weshalb die Kontakte nicht mehr so intensiv sind, aber ich telefoniere ab und zu mit meiner früheren Abteilung und da auch mit dem Marketingleiter Guido Uhle. Ab und an telefoniere ich mit Max Eberl. Dazu habe ich noch guten Kontakt zu Spielern der Weisweiler-Elf, wie zum Beispiel Karlheinz Pflipsen und Peter Wynhoff.
Fohlen-hautnah: Nun haben Sie auch mit Michael Frontzeck zusammengespielt. Haben Sie noch Kontakt zu ihm, wie haben Sie ihn damals kennengelernt und wie sehen Sie aus der Ferne betrachtet seine derzeitige Arbeit?
Toni Polster: Michael, der damals von Manchester City zurückgekehrt ist und ein gestandener Spieler war, habe ich als wunderbar sympathischen Menschen kennengelernt. Ich hoffe natürlich, dass sich die Borussia in der nächsten Zeit von den Abstiegsplätzen entfernt und ich hoffe, dass Michael sie wieder in die Erfolgsspur zurückführt.
Ich würde mich freuen, wenn es zwischen Borussia und Michael eine längere Zusammenarbeit ist. Ich glaube, bei Borussia hat man Vertrauen in ihn und seine Arbeit. Daher glaube ich, dass er mit der Mannschaft wieder die Kurve bekommt. Ich habe Michael schon länger nicht mehr gesprochen und hoffe, dass ich ihn gegen Hannover sehe.
Fohlen-hautnah: Zu ihrer aktiven Zeit, durchaus auch bei der Borussia, wussten Sie, wo das Tor steht. Wie sehen Sie da ihre derzeitigen Nachfolger beim VfL?
Toni Polster: Ich habe natürlich die Messlatte für jeden Stürmer, der nach mir gekommen ist, sehr hoch gesetzt. Da ist es natürlich schwer. Ich hoffe und wünsche mir, dass beispielsweise Raul Bobadilla ein paar Tore schießt und die Borussia so mit seinen Toren in der Liga oben hält.
Fohlen-hautnah: Kommen wir abschließend zum rheinischen Derby. Wie schauen Sie auf der anderen Seite auf ihre Zeit beim 1.FC Köln zurück?
Toni Polster: Ähnlich wie bei Borussia. Ich würde mir auch da wünschen, dass man die Mannschaft punktuell so verstärkt, dass man höhere Ziele aspirieren kann. Auch dort hatte ich eine schöne Zeit. Ich wurde stets derart respektiert und geliebt, dass es mir schon fast peinlich war. Die Leute haben immer zu 100 Prozent zu mir gestanden und das obwohl ich wusste, dass ich oft nicht gut gespielt habe.
Fohlen-hautnah: Auch Sie haben demzufolge sowohl mit Borussia als auch mit dem 1.FC Köln Derbys gespielt. Gerade auch für die Fans ein besonderes Spiel mit viel Brisanz. Wie haben Sie diese Derbys in Erinnerung und was ist das besondere an diesen Spielen?
Toni Polster: Die Derbys waren von der Stimmung und von der Fanchoreografie her immer super und natürlich auch von der Brisanz her immer tolle Spiele. Einige habe ich verloren und einige gewonnen aber es waren immer tolle Spiele auf einem hohen Niveau mit klasse Fußball. Ich denke, am Wochenende wird es nicht anders sein. Durch die Tabellenkonstellation erhält das Spiel natürlich zusätzliche Brisanz, aber ich bin mir sicher, dass es ein temporeiches und gutes Fußballspiel werden wird.
Fohlen-hautnah: Werden Sie das Spiel am kommenden Samstag von Österreich aus verfolgen und kommen Sie da vielleicht in einen Gewissenskonflikt oder sind Sie da eher neutral…?
Toni Polster: Selbstverständlich. Ich werde mir das von zu Hause aus im Fernsehen anschauen. Ich hoffe, dass der Fußball siegt und man ein tolles Spiel sieht. Beiden Mannschaften wünsche ich viel Glück.
Fohlen-hautnah: Was denken Sie, wird das für ein Spiel und was für einen Tipp würden Sie abgeben?
Toni Polster: Ich denke, dass diesmal ein paar Tore mehr fallen werden. Beide Mannschaften werden auf Sieg spielen, sind aber in der Defensiv relativ anfällig. Ich tippe ein 3:3.





