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HomeAbseitsSaison 2010 / 2011Borussia Fans on Tour: Über die Ardia nach Kasachstan

Borussia Fans on Tour: Über die Ardia nach Kasachstan

Ein Wochenende im Auftrag des Groundhopping

Länderspielpause im goldenen Oktober - und da ich ja keine Heimspiele der Nationalmannschaft besuche und Ryanair seine Flüge quasi wieder verschenkte, ging es über‘s Wochenende zunächst nach Italien, um ein bisschen zu entspannen, aber natürlich auch um Fußball zu gucken. Im Anschluss hieß das Reiseziel Astana, um die deutsche Fußballnationalmannschaft im EM-Qualifikationspiel gegen Kasachstan zu unterstützen.

Freitag ging es also vom belgischen Charleroi los Richtung Pescara an der Adria wo, wir bis Sonntag früh blieben. Kurz im Hotel eingecheckt und uns mit reichlich Wein und Bier versorgt, ging es nach einem Strandspaziergang Richtung City, um das Länderspiel der Deutschen irgendwo im TV anzusehen.

In den örtlichen Kneipen lief erwartungsgemäß das langweilige Spiel der Squadra Azzura, die sich in Nordirland ein 0:0 erkämpfte. Also wurden die hiesigen Dönerbuden abgeklappert. Auch dort lief nur das Spiel der Italiener. Also blieb nichts anderes übrig, als per SMS mit Deutschland in Kontakt zu bleiben, auch wenn der 3:1-Sieg so nur halb so schön war.

Samstag stand dann das Heimspiel von Delfino Pescara gegen Sassuolo Calcio auf dem Programm. Tickets gab’s nur gegen Vorlage des Personalausweises in der nahegelegenen Kneipe und auch beim Einlass wurde genau drauf geachtet, dass der Name auf dem Ausweis mit dem auf dem Ticket übereinstimmte. Das Spiel war in der ersten hälfte langweilig und ohne nennenswerte Torchancen, lediglich die Heimkurve von Pescara wusste zu überzeugen, da zahlreiches Tifo-Material den Weg in die Kurve gefunden hatte.

Mit zahlreichen Blockfahnen, Schwenkern und Bengalos gab das optisch einen sehr schönen Anblick. Sassuolo brachte lediglich an die 20 Supporter mit, die aber lediglich durch ein bisschen „Gepöbel“ auffielen, was aber von Pescara gnadenlos niedergepfiffen wurde.

Als die zweite Halbzeit auch nicht besser wurde als die erste, machten die „Rangers“ von Pescara erst mal ein bisschen Krach und warfen einige La Bombas und ein paar Fackeln Richtung Platz, was wohl ein Signal zum Aufwachen für die eigene Mannschaft sein sollte. Es funktionierte auch, denn einige Minuten später erzielte Pescara den einzigen Treffer des Abends und schaukelte dann den verdienten Sieg nach Hause.

Sonntag ging es dann in aller Frühe Richtung Norditalien, wo wir zuerst das Serie C-Spiel von US Cremonese gegen den FC Südtirol verfolgten. Angekommen in Cremona wurden wir dank vollgestopfter Rücksäcke natürlich als auswärtige erkannt und von der hiesigen Ultrajugend erst mal gefragt, ob wir Gästefans seien. Als ob wir ausschauen wie Südtiroler - wir sind Gladbach und wollen mal sehen, was eure Ultras so drauf haben, deshalb sind wir hier. Als das geklärt war, gab es ein „Welcome to Cremona“ und wir wurden nicht weiter belästigt.

Tickets gab es wieder nur gegen Vorlage des Personalausweises. Das Spiel endete ohne viele Chancen 0:0 Auch der Support war lahm, Cremona nur mit ein paar Schwenkern und im Gästeblock wurden auch nur drei Fans ausgemacht, die aber die ganze Zeit nur rumsaßen. Also nix wie weg hier, schnell noch eine Pizza gegessen, ein paar Bierchen besorgt und weiter ging es Richtung Bergamo, wo der eigentliche Hauptgrund unseres Italienbesuches wartete - das Spiel von Atalanta Bergamo gegen Torino Calcio.

Man hatte natürlich vorgesorgt und Bergamo wegen Tickets angeschrieben, aber die Italiener waren wohl zu sehr damit beschäftigt, ihre Fans zu versorgen und hielten es nicht für nötig, auf meine E-Mail zu antworten. Angekommen in Bergamo hatten wir noch eine knappe Stunde bis zum Anstoß Zeit. Mit dem Taxi sollte es Richtung Stadion gehen, aber kein Taxi weit und breit in Sicht. Nach zehnminütiger vergeblicher Warterei blieb uns leider nichts anderes übrig, als zu Fuß ins ca. sechs Kilometer entfernte Stadio Atleti Azzurri d'Italia zu laufen. Kurz nach Anstoß kamen wir dort an, aber an der Kasse dann der Schock: „No Tickets“.

Es half nichts, man ließ sich einfach nicht erweichen. Weder die Pressenummer klappte, noch der Versuch zu erklären, dass wir extra aus Deutschland angereist und schon 500 Kilometer quer durch das Land gereist sind, nur um das Spiel zu sehen. Da die Stadien in Italien auch alle gesichert sind wie Hochsicherheitsgefängnisse, wurde auch kein Weg gefunden sich irgendwie einzuschleichen. Man steht vor verschlossenen Türen, sieht Rauch aufsteigen, hört die Atemberaubende Stimmung der Tifosi und kann nichts machen um hinein zu gelangen.

Also frustriert ab ins Hotel, denn um drei Uhr war die Nacht auch schon wieder vorbei. Es ging Richtung Bologna, wo der Flieger Richtung Charleroi wartete, den wir auf keinen Fall verpassen wollten. Pünktlich gelandet ging es dann wieder Richtung Heimat, wo eigentlich nur Zeit zum Duschen und umziehen blieb, denn schließlich musste ich noch weiter Richtung Frankfurt, wo in der Nacht der Tagesflieger Richtung Kasachstan wartete, wo unsere Nationalelf im WM- Qualifikationsspiel antreten musste...

Normalerweise bin ich kein Freund von durchorganisierten Reisen und lieber auf eigene Faust unterwegs, aber da ich keine günstigere Alternative fand, schloss ich mich der Masse an. Angekommen am Frankfurter Flughafen war ich doch positiv überrascht, denn so ziemlich alles was Rang und Namen hat, war mit an Bord und der Flug war mit 270 Reiseteilnehmern restlos ausgebucht.

Endlich normale Leute und kaum 08/15 „Neckermänner“, die man sonst auf so einer durchorganisierten Reise erwartet. Mit so einer tollen Truppe an Bord verging der knapp 5 ½ Stündige Flug äußerst schnell, auch wenn die Flugzeugbesatzung ziemlich mit dem Bier knauserte. Naja, wahrscheinlich hätten wir den „Vogel“ sonst trocken gelegt. Kurz vor der Landung warnte uns der Pilot schon mal vor, denn angeblich sollte Astana nach Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei die zweitkälteste Hauptstadt der Welt sein.

Doch davon merkten wir zum Glück nichts, denn die Temperatur war mit 16°C äußerst angenehm. Schnell ein bisschen Geld getauscht (1EUR = 210KZT), und dann ging es mit bereitgestellten Bussen ab zur Stadtrundfahrt. Astana ist eine sehr junge Hauptstadt, denn erst 1997 wurde sie vom kasachischen Präsidenten zur Hauptstadt erklärt und löste die weiter südlich gelegene Stadt Almaty ab.

Ähnlich wie in Dubai wird auch in Astana an jeder Ecke gebaut, natürlich nicht so prachtvoll und luxuriös wie im Wüstenemirat, aber man sieht schon, dass die Jungs da unten was auf die Beine stellen wollen. Im Übrigen war wohl das einzige was älter war als die Kasachische Hauptstadt, die Busse in denen wir transportiert wurden. Nach der Stadtrundfahrt, auf der man uns die wenigen Sehenswürdigkeiten Astanas zeigte, wurden wir dann an einem Einkaufszentrum raus gelassen, wo wir Zeit zum Frühstücken und dem Konsum von alkoholischen Kaltgetränken hatten.

Anschließend wurde wieder etwas ‚planlos‘ durch die Stadt gegondelt und wir wurden zu einem anderen Einkaufszentrum gebracht, wo allerdings absolut tote Hose herrschte - also alle Mann an die Bar, bis wir dann am Nachmittag unsere Vouchers am Stadion gegen Eintrittskarten eintauschen sollten.

Wieder so eine fragwürdige Aktion des DFB - man hätte uns doch direkt bei der Ankunft mit Karten versorgen können. Die neu erbaute Astana Arena steht mitten in der Pampa und ist von außen auch nicht als Fußballstadion auszumachen. Als dann alle mit Karten versorgt waren, durften wir den Rest des Tages frei gestalten. Im Übrigen kassierte uns die „Fußball-Mafia“ mal wieder ordentlich ab, denn die Tickets, für die wir 30 Euro plus Porto und Versand löhnen mussten, gab es am Stadion noch für umgerechnet 10 Euro. Naja, man kennt es halt nicht anders vom DFB...

Da noch reichlich Zeit bis zum Anstoß totzuschlagen war, machten wir uns also auf die Suche nach einer brauchbaren Kneipe, was sich aber als äußerst schwierig gestalten sollte und selbst mit B.K. als erfahrenem Kneipenterrorist an unserer Seite dauerte es eine Weile, bis wir einen Laden ausgemacht hatten, in dem man sich die Zeit vertreiben konnte. Der Service lies allerdings einiges zu wünschen übrig, denn man kommt in Kasachstan weder mit Deutsch noch mit Englisch sonderlich weit, und alles was die Kellnerinnen dort können, ist einen verliebt anzulächeln. Ich weiß das zwar zu schätzen, aber der Durst geht vom Lächeln alleine leider auch nicht weg.

Mit dem Taxi ging es dann weiter Richtung Stadion, denn schließlich war ja heute noch Fußball. Gegen vor allem in der ersten Halbzeit starke Kasachen fuhr unsere Deutsche Elf einen letztlich doch ungefährdeten 3:0 Auswärtssieg ein, womit ein großer Schritt Richtung Europameisterschaft gemacht wurde, denn unser wohl stärkster Gruppengegner, die Türken verloren gegen die von Berti Vogts trainierten Aserbaidschaner mit 1:0. Im Anschluss des Spiels gab der kasachische Nationalspieler Heinrich Schmidtgal, zur Zeit in Diensten von Rot-Weiß Oberhausen noch ein Interview in einem besseren Deutsch, als manch einer unserer Nationalspieler…

Anschließend ging es wieder in die Busse, welche uns zurück zum Astana International Airport brachten, wo unser Flieger mit knapp einstündiger Verspätung wieder Richtung Frankfurt abhob. Die Flugzeugbesatzung hatte dieses Mal aber eine sehr ruhige Schicht, denn nach dem anstrengenden Tag schlief der Großteil der Passagiere während des kompletten Rückfluges.

Auch ich wachte erst wieder auf, als wir uns bereits im Landeanflug befanden. Nach der Passkontrolle wurde sich noch kurz von Freunden und Bekannten verabschiedet und sich in den Zug Richtung Heimat gesetzt, welche dann auch gegen 11 Uhr sicher erreicht wurde. Nun heißt es wieder Borussia, denn die hoffentlich erfolgreiche Fahrt nach Hoffenheim steht an…


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