Die Handballer der Borussia peilen in diesem Jahr den Aufstieg an
Während die Fußballprofis von Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga bereits auf Punkte- und Torejagd gehen, so startet am morgigen Sonntag auch die Handballabteilung der Borussia in die neue Saison. Um 16 Uhr tritt die erste Mannschaft in der Oberliga Niederrhein bei der Zweitvertretung des ehemaligen Bundesligisten TUSEM Essen an. Nach dem zuvor verpassten Aufstieg peilt die Truppe von Chef-Trainer Zoran Cutura nun den Aufstieg in die reformierte 3.Liga an. Borussias 1. Vorsitzender Stefan Krebs geht mit Zuversicht in die neue Saison und gibt zudem Einblicke in die Handballabteilung des VfL.
Es sah recht gut aus in der vergangenen Saison, die Oberliga Niederrhein nach zwei Jahren in Richtung 3.Liga zu verlassen. Gerade in der Rückrunde trumpfte die Truppe. Von dreizehn Spielen konnte man zehn siegreich gestalten, spielte zweimal Unentschieden und blieb lediglich einmal gänzlich ohne Punkte.
Dabei bezwang man am 27.Februar 2010 in der Mönchengladbacher Jahnhalle sogar den ambitionierten und späteren Aufsteiger TV Aldekerk in einer tollen Partie mit 25:23. Dafür mitverantwortlich waren auch die Fußballfans der Borussia. So machten sich an dem Tage zahlreiche Fans des bekannten „Block 1900“ auf in die Jahnhalle, um die Handballer bei dem Spitzenspiel zu unterstützen.
»Das war eine einfach klasse Sache, die toll angekommen ist. Sie haben von der ersten bis zur letzten Minute Stimmung gemacht und die anderen Zuschauer mitgerissen. Es herrschte eine tolle Stimmung in der Jahnhalle, die unsere Mannschaft gepusht hat. Ich muss einfach sagen, dass wir dem Block 1900 gerade in der Rückrunde den Sieg gegen den Aufsteiger TV Aldekerk zu verdanken haben. In dem Spiel haben wir erst in der Schlussphase den Sieg herausgeworfen, wofür auch der Block 1900 mit seinen Anfeuerungen gesorgt hat. Ich glaube, dass wir das Spiel ohne die Fans nicht gewonnen hätten«, schwärmt Borussias Abteilungsleiter Stefan Krebs noch heute von den Fußballfans der Borussia.
Dennoch reichte es am Ende nicht für den angestrebten Aufstieg, obwohl man in der Folgezeit mit der knappen 27:28-Niederlage gegen die HG LTG/HTV Remscheid lediglich einmal das Nachsehen hatte. »Die oberen Mannschaften gaben sich eben keine Blöße, sodass es am Ende leider nicht gereicht hat«, beschreibt Stefan Krebs.
So wird man in der neuen Saison einen weiteren Anlauf nehmen, um die 4.Liga am Ende verlassen zu können. » Wir wollen in diesem Jahr ganz oben mitspielen und peilen zwar den Aufstieg an. Das ist durchaus möglich, ein Muss ist er jedoch nicht. Man darf keine Verletzten und man muss viel Glück haben. Dazu muss das ganze Drumherum stimmen. Dann hat man die Chance, aufzusteigen«, sagt Borussias Abteilungsleiter.
Doch ein einfaches Unterfangen wird es wohl auch in dieser Saison nicht, denn die Borussen werden sich wohl auch mit den Sportfreunden Hamborn 07 und mit der HG LTG/HTV Remscheid um den Platz an der Sonne streiten. Der erste Platz ist jedoch nicht gleichzeitig mit dem direkten Aufstieg in die dritthöchste Spielklasse verbunden. »Wir müssen Tabellenerster werden und dann mit dem Ersten vom Mittelreihen in einem Relegationsspiel um den Aufstieg in die 3.Liga kämpfen«, erklärt Krebs.
Generell sieht 1. Vorsitzende der Handballabteilung seine Truppe um Chef- und A-Jugend Trainer Zoran Cutura für das Unternehmen Aufstieg gut gerüstet. »Wir haben bis auf einen Spieler, der Vater geworden ist und so keine Zeit mehr hat, alle Leistungsträger halten können. Dazu haben wir mit Torhüter Martin Becker und mit Rechtsaußen Nico Merten zwei neue Spieler verpflichtet. Ansonsten denken wir, dass unsere Mannschaft genauso stark ist wie in der letzten Saison. Im Prinzip hat sie sich noch mehr gefestigt, was auch schon die letzte Saison gezeigt hat. Da hatten wir bis auf den Schluss seit Dezember kein Spiel mehr verloren. Das spricht eigentlich für die Mannschaft«, geht Stefan Krebs zuversichtlich in die neue Saison.
Trainer Zoran Cutura kann dabei auf eine recht junge Truppe zurückgreifen, die zudem zukunftsorientiert zusammengestellt wurde. »Der älteste Spieler ist 32 Jahre alt, der jüngste 18 Jahre. Die übrigen Spieler sind um die 25 Jahre alt. Alle Spieler haben bei uns ein bis zwei Jahresverträge«, sagt Stefan Krebs.
Im Jugendbereich kann Stefan Krebs im Männerbereich auf sieben Nachwuchsmannschaften schauen. Anders als in anderen Sportarten wie gerade auch dem Fußball gestaltet sich die Nachwuchsgewinnung im Handball aber etwas anders.
Sind bei der Borussia im Fußball Kooperationen mit Schulen Gang und Gebe, so gestaltet sich die Nachwuchsgewinnung bei den Handballern etwas anders. »Man macht Handballcamps, die über den Verband und über den Kreis organisiert werden, wo sehr viele Kinder sind. Handball wird in den Schulen fast gar nicht mehr gespielt, weil auch nur noch wenige Lehrer diesen Sport vermitteln können. Zu meiner Zeit gab es noch Handball-AG’s, aber heute ist das eher selten. Somit haben wir auch keine direkten Kooperationen mit Schulen, um unseren Nachwuchs zu rekrutieren«, erklärt Stefan Krebs.
»Wir haben Mutter- und Kindturnen, woher wir im Prinzip unseren Nachwuchs ziehen. Sozusagen ist das im Bezug auf den Fußball unser Scouting. Ein guter Handballer ist meist auch ein guter Fußballer, aber ein guter Fußballer ist meist kein guter Handballer. Handball ist da etwas anders als Fußball. Als Handballer muss man von Beginn an technisch besser sein. Handball fängt man mit neun Jahren an, wir machen das ab vier Jahren«, beschreibt der Abteilungsleiter die Vorgehensweise seiner Handballer.
Gibt es gerade auch im Fußball diverse Auswahlmannschaften, wie zum Beispiel die Länderpokale, so wird dies im Handball etwas anders gehandhabt. »Es gibt Sichtungsturneire für die C-, B- und A-Jugend. Da können wir einerseits Spieler hinschicken und andererseits können sich unsere Spieler dort auch vorstellen. Wenn man gut ist, dann wird man nach einer Beurteilung auch genommen. Aktuell hat Borussia aber keinen Spieler in einer solchen Auswahl«, sagt Borussias Abteilungsleiter.
Generell sieht Stefan Krebs seine Abteilung gut aufgestellt und kann zudem auf die Volle Unterstützung des Vereins zurückgreifen. »Wir machen zwar im Bezug auf den Handball alles mehr oder weniger in Eigenregie, werden aber dennoch vom Verein in allen Belangen unterstützt. Im Prinzip ist es aber so, dass unser Handballgeschäft ja abends ab 19 Uhr stattfindet und wir auch nicht bei Borussia vor Ort sind. Dort spielt sich alles überwiegend tagsüber ab. Wir machen das alles ehrenamtlich und sind berufstätig, sodass wir nicht tagsüber vor Ort sein und unsere Stunden verbringen können«, so der 1. Vorsitzende, der sich nicht lediglich am Schreibtisch ehrenamtlich für die Borussia engagiert.
»Ich trainiere selbst die A- und B-Jugend der Mädchen. Das auch, weil meine Töchter dort aktiv sind. Dazu spiele ich auch bei den 2.Herren. Unser Chef-Trainer trainiert zusätzlich die A-Jugend und unser 2. Vorsitzender Bodo Greve trainiert die 1.Damenmannschaft (Landesliga Gruppe 4, Anm. d. Red.). Jugendtrainer die selber noch spielen, trainieren die Jugendmannschaften. Das ist alles so gewollt. Wir sind im Prinzip mehr oder weniger auch ein Familienverein. Da brauchen wir jede helfende Hand«, sagt Krebs.
Während Borussia Mönchengladbach im Bezug auf den Fußball in der Vitusstadt klar die Nummer eins ist, so ist dies im Handball nicht der Fall. Hier hat Zweitligist TV Korschenbroich (noch) die Nase vorn. »Wir haben vor fünf Jahren zusammen in einer Liga gespielt. Da waren wir tabellarisch auch besser. Korschenbroich spielte gegen den Abstieg, konnte sich aber am letzten Spieltag retten. Von da an kamen andere Leute nach Korschenbroich, die mehr Geld zur Verfügung stellten und noch stellen. So haben sie sich dann gute Spieler gekauft und den Durchmarsch von der Oberliga bis in die 2.Bundesliga gemacht. So ist dann also alles etwas auseinander gedriftet«, beschreibt Stefan Krebs.
Dem möchte man in den kommenden Jahren Abhilfe schaffen und versuchen, näher an den Konkurrenten in der Stadt heranzurücken. Doch wie auch bei den Fußballern gilt auch bei den Handballern die Devise Schritt für Schritt. »Wir schauen von Jahr zu Jahr. Anders geht es nicht. Erst mal peilen wir in diesem Jahr den Aufstieg in Liga 3 an. Dann schauen wir in Ruhe weiter«.
Im Bezug auf eine eventuelle Professionalisierung, wie sie zum Beispiel bei Borussias Mädchen- und Frauenabteilung vorangetrieben wird, gibt sich der 1.Vorsitzende der Handballabteilung zunächst zurückhaltend
»Wir würden zwar gerne, aber im Moment ist das für uns kein Thema. Man muss zunächst sehen, ob wir es schaffen, in die 3.Liga aufzusteigen und dann muss man weiter schauen, was möglich ist. Dann muss im Prinzip der Verein auch die Signale geben und sagen, dass man vor hat, weiter nach oben zu gehen. Das muss aber finanziell auch zu stemmen sein und sich auch lohnen. Man muss ja auch bedenken, dass im Handball nicht so viel bezahlt und machbar ist, wie im Fußball. Alle kämpfen um Sponsoren und im Handball ist das umso schwerer«.
Finanziell erhält die Handballabteilung, dessen 1.Mannschaft auch den Schriftzug Postbank auf der Brust trägt, vom Verein Unterstützung. »Wir bekommen von der Borussia einen gewissen Etat zur Verfügung gestellt, womit wir dann arbeiten können«, beschreibt Krebs, der ansonsten gerade im Bezug auf die Zuschauereinnahmen und Sportstädten Verbesserungspotenzial sieht, denn eine große Halle mit mehr als 500 Zuschauern gibt es in Mönchengladbach nicht.
»Das liegt auch an der Stadt. Mönchengladbach ist eine Sportstadt und Sport findet nicht nur draußen statt«, befindet Krebs. »Jetzt kann man zwar sagen, dass genügend Hallen vorhanden sind, aber man hat eben keine große Halle, wo auch größere Sportarten durchgeführt werden können. Daran ist auch der Basketball gescheitert und daran scheitert auch ein wenig der Handball. Wir haben zwar jetzt nicht mehr so viele Sportarten, die die Halle füllen können, aber man kann im Prinzip in der Sportstadt Mönchengladbach nicht so viel aufbauen, weil die größte Kapazität die Jahnhalle mit 500 Zuschauern ist. Daran scheitern auch größere Einnahmen und es ist schwer, weiter nach oben zu kommen«, sagt Borussias Abteilungsleiter.
»Wir haben zwar jetzt eine Halle in Mönchengladbach aber da ist es mir unbegreiflich, warum da keine Tribüne gebaut wurde. Wir haben jetzt drei Hallen, wo keine richtigen Tribünen vorhanden sind. Hardt, Neuwerk und Volksgarten. Da wurden vielleicht 40.000 um 50.000 Euro an der Tribüne gespart«, wünscht sich Krebs Verbesserungen.
Gerade der Auftritt der Fans des Blocks 1900 hat dem Abteilungsleiter in der vergangen Spielzeit kleine Bauschmerzen bereitet und richtet gleichzeitig einen Appell an die Fans. »Ich weiß nicht, ob es die Statik der Tribüne in der Jahnhalle aushält, wenn eine Gruppe von 250 Mann eng beisammen stehend gleichzeitig hüpft. Das geht nicht mehr, muss geklärt werden und wird jetzt mit Borussia und dem Block 1900 besprochen. Es sieht zwar super aus, aber ich hätte sonst Bauchschmerzen und ein schlechtes Gewissen, wenn da was passiert. Es ist zwar bisher gut gegangen, aber das muss jetzt gelockert werden«, sagt der 48-Jährige.
Doch beschweren möchte sich Stefan Krebs, der genau wie alle anderen tagsüber seinem Beruf nachgeht, nicht, denn der Abteilungsleiter trägt die Raute im Herzen. »Ich mache das aus Freude und mit Herzblut«, sagt Krebs, der sich auch in der neuen Saison auf über zahlreiche Zuschauer freuen würde. »Wir hatten in der letzten Saison im Schnitt immer so um 250 bis 300 Zuschauer. Das wollen wir auch in diesem Jahr erreichen. Die Zuschauer setzten sich aus Gästefans, Vereinsangehörige und natürlich nicht zuletzt aus dem Block 1900 zusammen«.
Gerade über einen Besuch des Blocks 1900 würde sich der 1. Vorsitzende auch in der neuen Spielzeit freuen. Auch andere Handballfreunde und Borussen sind selbstverständlich herzlich Willkommen. »Wir freuen uns über jeden, der kommt. Die Fans des Blocks 1900 sind alle super nett, haben sich benommen und sind genau wie alle anderen Fans herzlich Willkommen. Ich glaube, dass sie sich auch wohl gefühlt haben. Wir würden uns sehr freuen, wenn sie wiederkommen und genau so abgehen würden, wie in der letzten Saison«.
Die erste Gelegenheit, die 1.Mannschaft zu unterstützen bietet sich in der kommenden Woche. Dann empfangen die Handballer am 18.Septmeber in der Jahnhalle an der Volksgartenstraße die Sportfreunde Hamborn 07. Anwurf ist um 19:45 Uhr. Die Eintrittspreise liegen bei 5 Euro für Erwachsene, 4,50 Euro für Rentner und 2,50 Euro für Jugendliche bis 14 Jahre.
Doch zunächst gilt es, mit einem Sieg gegen die Zweitvertretung von TUSEM Essen erfolgreich in die heute beginnende Oberliga-Saison zu starten. Stefan Krebs sieht der Aufgabe mit Zuversicht entgegen. »Wir haben die Testspiele alle siegreich gestalten können. Es ist die zweite Mannschaft vom ehemaligen Bundesligaverein. Man weiß zwar nie so recht, wer da aufläuft, aber wir sollten diese Aufgabe lösen«.
Dazu wird sich die Mannschaft wie gewohnt in Eigenregie auf den Weg machen. »Wir legen die Strecken zu den Auswärtsspielen größtenteils mit eigenen PKWs zurück. Alle Spiele, die mehr als 50 Kilometer zurückliegen, legen wir mit dem Busunternehmen zurück, dass auch den Verein sponsert«, erklärt Stefan Krebs.
In der 3.Liga werden Busreisen wohl vermehrt der Fall sein, denn dann sind Strecken bis in den hohen Norden zu bewältigen. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg, bei dem sich die Mannschaft sicherlich über zahlreiche und tatkräftige Unterstützung der Borussen freuen würde…





