Der 22-Jährige geht nun für Rot-Weiß Oberhausen auf Torejagd
Vor der Saison wechselte Moses Lamidi von Borussia Mönchengladbach zum Zweitligisten Rot-Weiß Oberhausen. Satte sieben Jahre spielte der in Lagos geborene Mittelstürmer bei der Borussia, war somit neben Tobias Levels der dienstälteste Borusse, und kam dabei in zwölf Bundesligaspielen sowie in 62 Oberliga- und Regionalligaspielen zum Einsatz. Der richtige Durchbruch ist dem 22-Jährigen bei den Fohlen jedoch nicht geglückt und so wechselte der Stürmer nach Oberhausen, um einen Neuanfang zu starten. Im Ruhrgebiet fühlt er sich richtig wohl und konnte bereits im ersten Pflichtspiel auf sich aufmerksam machen. Wir sprachen mit dem 22-Jährigen unter anderem über seine Zeit in Gladbach.
Fohlen-hautnah: Mo, zwei Monate ist es nun her, als du vom linken Niederrhein ins Ruhrgebiet gezogen und von der Borussia zu Rot-Weiß Oberhausen gewechselt bist. Wo hast du dich häuslich niedergelassen und hast du dich schon gut eingelebt?
Moses Lamidi: Ich habe eine schöne Wohnung in Mühlheim an der Ruhr gefunden. Von dort aus fahre ich etwa zehn Minuten bis zum Trainingsgelände in Oberhausen. Ich fühle mich schon sehr wohl hier.
Fohlen-hautnah: Dies scheinst du auch nicht ausschließlich neben dem Platz zu tun, denn bereits in deinem ersten Spiel hast du für RWO bei der 3:2-Niederlage bei Hertha BSC Berlin zweimal getroffen…
Moses Lamidi: Mit dem Ergebnis war ich natürlich nicht zufrieden, wenngleich Hertha natürlich ein Aufstiegskandidat ist. Wir haben als Mannschaft aber das Maximum herausgeholt und man hat gesehen, dass wir gut mitspielen können. Also die Liga muss schon auf uns aufpassen.
Dass ich in meinem ersten Spiel zwei Tore geschossen habe, freut mich natürlich sehr. Ich konnte gerade bei meinem ersten Tor eigentlich nur noch reagieren. Dann habe ich den Ball einfach mit der Hacke genommen und hatte Glück, das er ins Tor ging. Damit habe ich selbst nicht gerechnet, aber es hat mich natürlich gefreut.
Fohlen-Hautnah: Auch im zweiten Spiel, wo du zwar beim vergangenen 1:0-Sieg gegen den FSV Frankfurt nicht getroffen hast, hast du eine gute Figur abgegeben. Beim Sportmagazin „kicker“ wirst du nach zwei Spieltagen als zweitbester Spieler mit einem Notendurchschnitt von 2,5 geführt. Es scheint also gut anzulaufen…
Moses Lamidi: Absolut. Damit, wie es im Moment läuft, kann ich ganz zufrieden sein, wenngleich natürlich immer Luft nach oben ist. Ich habe mir aber mit meinen beiden Toren gegen die Hertha das nötige Selbstvertrauen und Schwung für die weiteren Spiele geholt. So kann es weitergehen.
Fohlen-Hautnah: Warum ist dir so etwas bei der Borussia nicht gelungen bzw. warum hat es nie bis zum richtigen Durchbruch gereicht?
Moses Lamidi: Das hatte vielerlei Gründe. Irgendwie hat es nicht geklappt. Zum einen hatte ich immer einen vor mir, wie beispielsweise Raúl Bobadilla. Da stand ich immer hinten an und so konnte ich meine Qualitäten nie richtig zeigen, obwohl ich mich immer reingehängt und alles gegeben habe. Zum anderen war mein Selbstvertrauen auch nicht so hoch, das ich mich gegen alle hätte durchsetzten können. Ich habe auch meist einen vor die Nase gesetzt bekommen. Wenn du also nicht voran kommst, dann nagt das auch ein bisschen an dir. Auch das Vertrauen war nicht so in der Form, wie ich es mir gewünscht hätte, vorhanden. Das ist nun anders, was für einen Spieler sehr viel ausmacht.
Es war eben schwierig für mich, mich durchzusetzen und Stammspieler zu werden. Es hat einfach nie so richtig gepasst und auch das Quäntchen Glück, was ich jetzt habe, hat gefehlt. Hätte ich mal ein Tor gemacht, dann hätte ich vielleicht zwei, drei Spiele am Stück gespielt und der Knoten wäre geplatzt. So hatte ich nie Glück und hatte immer nur Fünfminuteneinsätze. Da kannst du natürlich nicht allzu viel zeigen. Aber Fußball ist eben kein Wunschkonzert.
Fohlen-Hautnah: Dann war also der Vereinswechsel die logische Konsequenz…
Moses Lamidi: Ich wäre gerne weiterhin bei Borussia geblieben, aber eben nicht unter diesen Voraussetzungen. Es ging für mich sportlich leider nicht nach vorne. Dazu wollte man auch nicht mehr mit mir planen. Dann muss man auch mal sagen, dass es Zeit wird, etwas anderes und einen Schritt nach hinten um dann vielleicht wieder zwei nach vorne zu machen. Deshalb habe ich mich auch für Oberhausen entschieden.
Obwohl ich erst 22 Jahre alt bin, habe ich schon ein paar Erfahrungen gesammelt. Ich habe auch in Gladbach viele Erfahrungen gemacht und viel gelernt, aber ich habe noch einen sehr langen Weg vor mir. Ich hoffe, dass ich mit diesem Schritt jetzt einen Schritt nach vorne mache und die Zukunft nur Gutes für mich im Sinn hat.
Fohlen-Hautnah: Wie kam der Kontakt mit und zu RWO zustande und warum hast du dich dann für Oberhausen entschieden? Es war ja auch von Angeboten von Union Berlin und vom SC Paderborn die Rede…
Moses Lamidi: Ich war zweimal in Berlin, aber als zu den vertraglichen Details kommen sollte, meinte Berlin, dass ich noch vier Wochen sollte. Das war mir dann zu unsicher. Dann habe mich für Oberhausen entschieden. Das war genau die richtige Entscheidung. RWO ist ein gutes Pflaster. Der Kontakt mit Oberhausen und Herrn Bruns bestand schon immer. Er hat sich sehr um mich bemüht. Schon vor zwei Jahren wollte er mich holen, da hat es dann aber nicht geklappt.
Als er dann im letzten Jahr mitbekommen hat, dass ich ablösefrei wechseln kann und es auch nicht mit dem SC Paderborn geklappt hat, ist Herr Bruns auf mich zugekommen. Wir haben Gespräche geführt und es hat quasi sofort wie die Faust aufs Auge gepasst. Ich hatte von Beginn an ein gutes Bauchgefühl. Das hat sich bestätigt.
Fohlen-Hautnah: Mit Hans-Günter Bruns hast du einen beliebten Ex-Borussen als Trainer, der verdientermaßen sogar auch in der Jahrhundertelf der Borussia vertreten ist. Wie hast du ihn bisher in den ersten Wochen erlebt und was hat bei den Vertragsgesprächen zu dir gesagt?
Moses Lamidi: Herr Bruns ist vom menschlichen her ein super und top Typ. Dazu ist er ein Trainer mit sehr viel Kenntnis. Man kann bei ihm sehr viel lernen und das mache ich. Er hat im Vorfeld mit mir geredet und mir gesagt, dass ich sehr viel Qualität habe und es sehr weit bringen kann, wenn ich Gas gebe.
Ich solle die Zeit in Gladbach abhaken und in Oberhausen meine Leistung bringen und befreit aufspielen. Herr Bruns hat Vertrauen in mir. Dass ist das, was ich auch brauche. Sie wissen hier, was ich drauf habe und was ich für Qualitäten habe an den Tag legen und abrufen kann, wenn ich gut eben gut drauf bin.
Fohlen-Hautnah: Wenn du mal versuchst, Borussia und Oberhausen zu vergleichen…
Moses Lamidi: Borussia ist ein Traditionsverein. Da ist dimensional alles viel größer und auch die Erwartungen sind natürlich ein bisschen anders als in Oberhausen. In Oberhausen ist alles etwas beschaulicher und ruhiger.
Fohlen-Hautnah: Hast du noch Kontakt zur Borussia und zu deinen ehemaligen Mitspielern?
Moses Lamidi: Selbstverständlich. Mit Marco Reus, Neustädter und Fabian Bäcker habe ich noch guten und engen Kontakt. Wir treffen uns des Öfteren, gehen etwas zusammen essen, sitzen einfach nur zusammen oder Ähnliches. Wir stehen im guten Kontakt und das soll auch so bleiben.
Fohlen-Hautnah: Das heißt, dass du das Geschehen rund um die Borussia wohl auch noch verfolgst… Wie schaust du auf deine lange Zeit in Gladbach zurück?
Moses Lamidi: Ich verfolge das Geschehen der Borussia an jedem Wochenende. Ich war gerne in Gladbach. Dort habe ich, wie gesagt, verdammt viel gelernt. Dafür bin ich dankbar. Es war einfach eine grandiose Zeit, die auch genossen habe.
Ich werde auf jeden Fall, wenn es die Zeit erlaubt, bei Borussia beim Training und auch bei Spielen der Profis und der U23 vorbeischauen. Ich komme immer wieder gerne nach Gladbach, weil ich dort eben auch noch gute Freunde habe. Borussia ist für mich schon eine Herzensangelegenheit. Das wird auch immer so bleiben.
Fohlen-Hautnah: Noch mal zum Sportlichen. Warum hat es nie mal funktioniert, dass man dich wie beispielsweise in den Fällen Sebastian Schachten und Frederic Löhe ausleiht um dich zum Beispiel anderweitig weiterzuentwickeln? Es stand ja wohl auch mal der SC Freiburg im Raum…
Moses Lamidi: Es stand mal eine Zeit lang zur Diskussion mich auszuleihen, aber es ist dann nicht zustande gekommen. Borussia wollte mich dann nicht zwingend ausleihen oder abgeben, obwohl ich mich um eine Ausleihe bemüht hatte. Beim SC Freiburg war ich beim Probetraining. Freiburg wollte mich auch haben und ich wollte auch dorthin, aber es ist dann wohl an der Leihgebühr gescheitert. Aber das ist alles abgehakt.
Ich will und werde über Borussia kein böses Wort verlieren, denn wie gesagt, es war eine grandiose Zeit, in der ich viel gelernt habe. Das versuche ich nun in Oberhausen umzusetzen. Bisher klappt das ganz gut. Darauf, was ich gegen Berlin gezeigt habe, habe ich auch in Gladbach hingearbeitet.
Fohlen-Hautnah: Bei Borussia hattest du einige Trainer. Von wem nimmst du am meisten mit bzw. wem hast du am meisten zu verdanken?
Moses Lamidi: Jos Luhukay hat mich zum Profi gemacht. Ihm bin ich am meisten dankbar. Mit Hans Meyer kam ich dann weniger gut zurecht. Michael Frontzeck war und ist ein super Trainer. Er hat sehr viel von mir gehalten und hat auch oft mit mir geredet. Er sagte mir, dass er mich gerne nach Bielefeld geholt hätte, wenn er noch dort wäre.
Fohlen-Hautnah: Nun also Rot-Weiß Oberhausen. Wenn du abschließend deine persönlichen Nah- und Fernziele bei und mit RWO benennst…
Moses Lamidi: Mit RWO steht zunächst ganz klar der Klassenerhalt im Vordergrund. Da gehen wir die Sache von Spiel zu Spiel an. Wenn dieser mit den nötigen Punkten unter Dach und Fach ist, dann kann man schauen, was weiter machbar ist.
Ich bin hier, um Fußball zu spielen und um meine Leitung zu zeigen. Ich persönlich möchte mich in Oberhausen durchsetzten, eine gute Saison spielen und mit meinen Qualitäten dabei helfen, dass wir unsere Ziele erreichen. Dann möchte ich irgendwann wieder in die 1.Bundesliga zurückkehren. Vielleicht ja auch mit Oberhausen. Im Fußball ist ja nichts unmöglich.





