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HomeAbseitsSaison 2010 / 2011Borussia-Fans on Tour: Mit der U21 des DFB nach Island

Borussia-Fans on Tour: Mit der U21 des DFB nach Island

Groundhopping-Tour durch Island

Die neue Saison hat noch nicht mal angefangen, da stand auch schon wieder die erste Länderspielreise nach der Weltmeisterschaft in Südafrika auf dem Programm. Da ich aber bereits zweimal in Kopenhagen war, entschied ich mich dieses Mal gegen die A-Mannschaft, welche mit einer Notbesetzung gegen den Nachbarn aus Dänemark testete und stattete lieber dem Nachwuchs der U21 einen Besuch ab, die in Island antreten musste.

Dienstagnacht startete der Flieger Richtung Keflavik und landete pünktlich um 23:15 Ortszeit auf dem internationalen Flughafen. (Island ist zwei Stunden hinter der Deutschen Zeit) Da sich eine Hotelübernachtung für die paar Stunden nicht lohnte entschied ich mich, nach der knapp 50 Minütigen Fahrt mit dem Schuttlebus, die Nacht im Busbahnhof von Reykjavik zu verbringen. Daraus wurde aber nichts, denn das Ding wurde dichtgemacht, nachdem der letzte Schuttelbus vom Flughafen ca. eine Stunde nach dem ich dort eintraf ankam.

Also was tun mit der angebrochenen Nacht? Richtig, Camping auf Ruhrpott-Art. Ab in den nahegelegenen Park, Schlafsack raus und ab auf die Bank. Für ein paar Stunden auf jeden Fall in Ordnung, aber dennoch war ich froh, als dann gegen 6 Uhr morgens der erste Bus Richtung Hafnarfjördur abfuhr. Dort wurde dann auf einem richtigen Campingplatz (900 ISK pro Nacht) das Zelt aufgestellt und erst mal etwas Schlaf nachgeholt.

Gegen Mittag wurde dann ein wenig durch Hafnarfjördur gebummelt - ich habe selten so ein ruhiges und verträumtes Fleckchen Erde gesehen - bevor es dann ab zum Kaplakrikavöllur, dem immerhin zweitgrößten Stadion des Landes ging. Als ich am Stadion ankam der erste Schock. Alles hing bereits voller Zaunfahnen. Da geht man davon aus, dass man in Island mal seine Ruhe hat, weil die Fahnenmafia sich in Dänemark rumtreibt, aber denkste. Unter anderem waren auch Matthes, Robert und Nicole vor Ort, was mir später noch zu einer unverhofften Mitfahrgelegenheit nach Reykjavik verhelfen sollte.

Leider war der Eintritt bei diesem Spiel frei, worüber ich mich ja eigentlich nicht beschwere, aber so ein Spiel für Lau hat auch immer seine Nachteile. Erstens: Zu viele nervige Blagen mit Vuvuzuelas (Wieso gibt‘s die Teile eigentlich auch auf Island) und Zweitens: Keine Eintrittskarten, was mich als Sammler schon ein bisschen ärgert.

Zum Spielverlauf brauch ich nicht großartig was schreiben. Unsere Deutsche Mannschaft blamierte sich bis auf die Knochen. Vor allem die vier Spieler von Borussia Dortmund, die in der Startaufstellung waren, wirkten doch recht unmotiviert was vielleicht daran lag, dass das halbe Stadion voller Schalker Zaunfahnen hing… Selbst Joker Richard Sukuta-Paso konnte den Isländern mit seiner B.A. Barrakus-Frisur keinen Schrecken mehr einjagen und so ging die 4:1-Niederlage auch in dieser Höhe völlig in Ordnung.

Ein Teil der Schalker Fahnenfraktion hing ihre „Fetzen“ dann auch schon frühzeitig ab. Vielleicht hatte man ja Angst dass, Kevin Großkreutz doch noch einen lichten Moment erwischt und eines der heißbegehrten Tücher zieht. Aber es lag wohl eher daran, dass die Jungs, genau wie wir, sich auf in Richtung isländische Hauptstadt machten, um den Knüller der isländischen A-Nationalmannschaft gegen das Steuerparadies Liechtenstein zu verfolgen.

Das Nationalstadion von Island, genannt Laugardalsvöllur ist mit einer Kapazität von 15.427 Plätzen das größte und modernste Stadion des Landes, was bei der doch recht überschaubaren Menge von Stadien in Island auch nicht weiter schwer fällt. Der Eintritt war mit 1500 ISK noch relativ Günstig.

Das Spiel war eher mäßig, aber was kann man erwarten wenn der 79. auf den 141. der FIFA-Weltrangliste trifft, und endete unspektakulär mit 1:1. Das einzig erwähnenswerte bleibt der ca. 25 Mann starke, gewaltbereite Mob, welcher Liechtenstein lautstark unterstützte. Ob die Jungs extra aus Liechtenstein angereist waren oder sich einfach nur als Liechtensteiner ausgaben damit die schwarzen Konten nicht auffliegen, man weiß es nicht genau. Nach dem Spiel ging es dann mit dem Bus zurück ins acht Kilometer entfernte Hafnarfjördur, wo ich mein Nachtlager hatte.

Dort fand ich dann auch relativ schnell Schlaf, bis ich am nächsten Morgen in einer riesen Pfütze aufwachte. Nein, der Schreiber dieses Berichtes leidet nicht an Inkontinenz, aber in der Nacht hatte es geschüttet wie aus Eimern und an irgendeiner Stelle muss mein Zelt dann wohl doch ein wenig undicht gewesen sein. Naja was soll’s, andere Leute gehen in Island extra in Thermalbäder und ich hatte mein eigenes Thermalbad direkt im Schlafgemach. Nach dem der Pool trockengelegt war wurden die Sachen zusammengepackt und erst mal eine halbe Stunde heiß geduscht. Anschließend ging es wieder Richtung Reykjavik, wo ich den letzten Tag meines Kurztrips verbringen sollte.

Für den „Golden Circle“, der im Reisebüro an der Ecke angeboten wurde, reichte leider die Zeit nicht, denn gegen Abend startete bereits der Flieger in Richtung Heimat. Eigentlich Schade. Da fährt man nach Island und bekommt nicht einen Vulkan, nicht einen Geysir, nicht einen Wasserfall und noch nicht mal ein Schaf zu Gesicht. Aber dafür stand noch ein Zweitligakick auf dem Programm. Zwar ein schwacher Trost, aber besser als rumsitzen und Däumchen drehen. Das Fjölnisvöllur, wo der gerade erst abgestiegene Club von UMF Fjölnir Reykjavik auf Iprottafelagid Grotta treffen sollte, lag im Osten von Reykjavik und konnte bequem mit dem Bus erreicht werden.

Der Eintritt von 1000 ISK wurde dieses Mal gespart, was zur Folge hatte, das ich kein Ticket für die Sammlung bekam, aber mit der „Festus-Taktik“ wurde auch dieses Problem gelöst. Das Spiel endete übrigens 1:0 für die Hausherren und war vom Niveau her doch recht ansprechend. Keine überflüssigen Fouls, keine Schauspielerei und keine endlosen Diskusionen wenn der Schiedsrichter eine Entscheidung getroffen hatte. Da könnte sich manch einer in Deutschland eine Scheibe von abschneiden. Nach dem Spiel ging es dann richtung Flughafen und nach ein bisschen Warterei saß man dann auch schon wieder im Flieger Richtung Heimat.

Kaum hatte der Vogel die Motoren angeworfen, war ich auch schon weggepennt und wachte erst wieder auf, als der Flieger in Düsseldorf zur Landung aufsetzte. Warum nicht immer so? Also schnell ab nach Hause, duschen, etwas Schlaf nachholen und diesen Bericht schreiben, denn schließlich ist ja am Samstag schon wieder Fußball. Es steht mit Borussia Mönchengladbach eine lange Fahrt ins Erzgebirge an, die hoffentlich genauso erfolgreich wird wie diese Tour…

Hinweis der Redaktion: Christof Somnitz aus Ratingen bei Düsseldorf berichtete in seinem Leserbrief über seine Reise nach und durch Island. Wir bedanken uns recht herzlich für seinen Beitrag.


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