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HomeAbseitsSaison 2010 / 2011Jeff Strasser: »Freue mich auf Borussia«

Jeff Strasser: »Freue mich auf Borussia«

Gladbach trifft in Mondorf auf die Nationalmannschaft von Luxemburg

Zum vorletzten Testspiel der Vorbereitung tritt Borussia Mönchengladbach am morgigen Mittwoch gegen die Nationalmannschaft von Luxemburg an. Das Spiel findet anlässlich des 80. Geburtstag des FC Red Boys Aspelt statt. Gespielt wird auf der Anlage des U.S. Mondorf, der in der Gemeinde Mondorf-les-bains des Großherzogtums Luxemburg beheimatet ist. Anpfiff im etwa 3.600 Zuschauer fassenden Stadion ‚Stade John Grün‘ in L-5601 Mondorf ist um 19:00 Uhr. Die Eintrittskarten kosten 25 Euro für einen Sitz- und 15 Euro für einen Stehplatz und sind an der Tageskasse erhältlich.

Letztmalig haben sich beide Mannschaften im Jahr 2005 an gleicher Stelle in Mondorf gegenüber gestanden. Am 23.März endete die Partie unter Ex-Coach Dick Advocaat 0:0. Damals führte Ex-Borusse Jeff Strasser, zu der Zeit beim VfL unter Vertrag, die Nationalmannschaft Luxemburgs als Kapitän auf das Spielfeld.

Vier Jahre und fünf Monate später wird dies nicht möglich sein, denn der wohl prominenteste Fußballer des Landes, von 2002 bis 2006 in den Diensten der Borussia, Rekordnationalspieler seines Landes und aktueller Kapitän der Nationalmannschaft, kann aufgrund einer Patellasehnenentzündung im Knie nicht auflaufen.

Dennoch wird der 35-jährige, der zwar seine Profikarriere im Vereinsfußball beendet hat, jedoch weiter für die Nationalmannschaft und im Amateurfußball aktiv ist, am Spielfeldrand vertreten sein. Vor der Begegnung sprachen wir mit dem sympathischen Luxemburger unter anderem über seine Karriere, über das morgige Spiel sowie über die Borussia.

Fohlen-Hautnah: Jeff, vor fünfzehn Monaten haben wir letztmalig gesprochen. Damals standest du in den Diensten des FC Metz. Über den CS Fola Esch führte dein Weg zum Grasshopper Club Zürich in die Schweiz, den du bereits nach einer Saison verlassen hast, um erneut zum CS Fola Esch in die Luxemburgische Liga BGL Ligue zurückzukehren. Du hast also deine Profikarriere beendet…

Jeff Strasser: Das ist richtig und das ist mir weiß Gott nicht leicht gefallen.

Fohlen-Hautnah: Du könntest sicherlich noch im Profifußball vertreten sein. Was hat dich dennoch zu diesem Schritt bewogen?

Jeff Strasser: Es war eine sehr schwierige Entscheidung. Ich werde in zwei Monaten 36. Von der Fitness etc. würde es sicherlich noch gehen. Dafür, dass das immer der Fall war, kennen mich die Leute auch. Man möchte nie aufhören und ich hatte auch jetzt aufgrund von konkreten Anfragen aus Zürich und auch aus Deutschland die Möglichkeit, weiterzuspielen, aber irgendwann musst du mal einen Schlussstrich ziehen.

Es war so, dass ich das letzte Jahr alleine in Zürich war und meine Familie in Luxemburg. Das wollte ich dann nicht unbedingt weiter so handhaben. Dazu kam, dass Zürich mir dann lediglich ein weiteres Jahr angeboten hat. Ich wollte aber zwei und darüber hinaus im Verein bleiben und im Trainerbereich tätig sein.

Das ging dann nicht und dann habe ich mich mit meiner Frau zusammengesetzt und überlegt. Irgendwann kommt dann der Entschluss wo du sagst, okay, im Profifußball wärst du maximal noch ein Jahr aktiv, dein Leben und dein Privatleben geht darüber hinaus aber weiter. Dann habe ich auch aus privaten Gründen die Profikarriere beendet. Meine Familie war die ganze Zeit immer für mich da und jetzt bin ich für sie da.

Es ist natürlich nicht einfach und ich hätte auch lieber weitergespielt, aber für mein Privatleben wäre ein zweites Jahr in der Schweiz‚ gefährlich gewesen. Ich habe es für die Familie gemacht, wenngleich ich den Profifußball schon jetzt vermisse. So habe ich aber meine erfolgreiche Karriere für mich beendet und nicht dann, wenn einer für dich entscheidet. Dann ist es zwar immer noch nicht einfach aber keiner hat gesagt, jetzt hör aber auf.

Fohlen-Hautnah: Du kannst sicherlich auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken…

Jeff Strasser: Absolut. Ich war nun siebzehn Jahre lang Profi und habe sehr viel erreicht. Ich habe in Deutschland, in Frankreich und in der Schweiz 1.Liga, Champions League und Halbfinale im UEFA-Pokal gespielt, wurde in Frankreich Vize-Meister und Pokalsieger. Zudem hatte ich für mich beim 1.FC Kaiserslautern und in Gladbach eine schöne sowie erfolgreiche Zeit. Also ich habe schon viel erreicht, worauf ich stolz bin.

Fohlen-Hautnah: Dennoch hast du deine Fußballschuhe nicht gänzlich an den Nagel gehangen, sondern spielst beim CS Fola Esch in Luxemburg und in der Nationalmannschaft. Es war zu lesen, dass du zudem deine Trainerscheine machst…

Jeff Strasser: Genau. Dem aktiven Fußball habe ich nicht gänzlich den Rücken gekehrt, sondern bin vom Profi- in den Amateurfußball gewechselt. Mein Tagesablauf wird beim CS Fola Esch auch nicht viel anders als im Profifußball sein. Bei uns ist es in diesem Jahr auch so, dass wir Spieler, die nicht nebenher arbeiten, sechs Trainingseinheiten in der Woche machen. Von daher ist das auch indirekt Profibereich.

Weiter in der Nationalmannschaft zu spielen und Kapitän zu sein, macht mich stolz und ist auch kein Problem. Neben mir gab es im letzten Jahr ja lediglich Mario Mutsch (d.Red.: FC Metz), der Profi ist. Alle anderen sind Amateure.

Ansonsten mache ich gerade meine Trainerscheine. Ich möchte in jedem Fall dem Profifußball erhalten bleiben und dort arbeiten. In welcher Funktion, wird man dann sehen. Wenn sich dann auch irgendwann mal die Gelegenheit ergibt, in einer Funktion nach Gladbach zurückzukehren, würde ich mich sehr freuen.

Sollte ich in Köln meinen Fußballlehrer machen, dann könnte es gut sein, dass ich in Gladbach ein Praktikum absolviere. Ich werde da in absehbarer Zeit mal mit der Borussia sprechen und denke, dass das kein Problem sein wird.

Fohlen-Hautnah: Im Moment schnürst du deine Schuhe also für den CS Fola Esch in der Ligue BGL. Mit was für einer Liga in Deutschland könnte man die luxemburgische vergleichen?

Jeff Strasser: Das ist schwer zu sagen. In Luxemburg gibt es ja nur Amateursport und kein Profitum. Du hast in den Vereinen Spieler, die zusätzlich arbeiten gehen und manche, denen das Geld, was sie bekommen, reicht. Es ist unterschiedlich und schwer zu vergleichen bzw. schwer einzuschätzen. Die eine oder andere Mannschaft könnte vielleicht in der 3. Liga mithalten. Ich würde das Niveau zwischen Regionalliga und 3.Liga setzten.

Fohlen-Hautnah: Du hast von indirekten Verbindungen zur Borussia gesprochen. Wie stellen sich diese dar?

Jeff Strasser: Ich habe letztens noch mit Max Eberl telefoniert und stehe auch noch mit einigen Fanclubs und Fans in Kontakt. Generell habe ich auch die Borussia Fans, zu denen ich noch heute ein gutes Verhältnis habe, in sehr guter Erinnerung.

Wenn du länger in einem Verein bist, dann hast du sowohl gute als auch schlechte Spiele, aber ich denke, dass sich die meisten Fans mit mir immer gut identifizieren konnten, weil ich für den Verein immer alles gegeben habe und auch für jeden ein offenes Ohr hatte und auch meine Meinung gesagt habe. Entweder man liebt oder man hasst mich, aber ich glaube, dass mich viel mehr Leute geliebt haben.

Ich habe die Nähe der Fans, die mit sehr wichtig waren und sind, immer gesucht und genossen. Es sind sogar zu meiner Zeit in Frankreich Gladbach Fans nach Straßburg gekommen, um mich zu besuchen. Ich werde in der neuen Saison zu 100 Prozent in den Borussia-Park kommen, um mir ein Spiel anzusehen und die Atmosphäre zu genießen.

Zudem habe ich vergangene Saison öfters mit Oliver Neuville telefoniert. Ansonsten kenne ich Michael Frontzeck, der in meinem ersten Jahr unter Hans Meyer mein Co-Trainer war, sehr gut. Auch Manfred Stefes hatte ich als Co-Trainer in Gladbach. Ich schätze alle Leute im Verein und freue mich einfach, den ganzen Trainerstab, die Verantwortlichen und die Fans wiederzusehen.

Fohlen-Hautnah: In der Tat hast du für die Borussia stets alles gegeben, denn du warst auch ein Typ Kämpfer. Welchen Spieler würdest du da aktuell mit dir vergleichen?

Jeff Strasser: Grundsätzlich ist es so, dass du heutzutage kämpfen musst, um zu bestehen. Das gilt auch für die Bundesliga. Jeder sollte da seine eigene Persönlichkeit und seinen eigenen Stil entwickeln. Mir gefällt Dante als Spieler. Er ist ein guter Verteidiger mit einer außergewöhnlichen Frisur, die die Fans ja auch schon angenommen haben.

Fohlen-Hautnah: Die Borussia hast du also auch in Luxemburg stets im Auge. Wie siehst du die Entwicklung und was traust du der Mannschaft in der kommenden Saison zu?

Jeff Strasser: Aus der Ferne ist das schwer und nicht richtig zu beurteilen, aber was mir in letzter Zeit gefallen hat ist, dass man auch Ruhe bewahrt hat und nicht gleich negative Stimmung hatte, als die Resultate nicht so gut waren. Der Verein wurde nicht sofort ungeduldig und Max Eberl hatte die Sache unter Kontrolle.

Die Leute vertrauen Michael Frontzeck, was vielleicht am Anfang nicht unbedingt der Fall war, aber die Leute haben gesehen, dass der Verein eine Linie und ein Konzept hat, was man nicht von heute auf morgen umsetzten kann. Das freut mich insbesondere für den Verein. Es gibt eine Strategie, die auch auf die Jugend basiert.

Man sieht, dass der ein und andere junge Spieler eingebaut wird, was ja auch sehr schön ist. Ich hoffe, dass es für Borussia und Michael Frontzeck in diesem Jahr so weitergeht, sprich das sie im gesicherten Mittelfeld spielen. Wo man dann schlussendlich landet, wird man sehen. Man muss aber Ruhe bewahren, denn es geht nicht alles von heute auf morgen.

Ein mahnendes Beispiel ist die Saison, wo wir unter Horst Köppel die beste Platzierung der letzten Jahre hatten, man dann aber mit Jupp Heynckes versucht hat, den großen Coup zu landen. Vielleicht wäre ich noch in Gladbach, wenn er damals nicht gewesen wäre. So war jedenfalls mein Plan.

Fohlen-Hautnah: Morgen kommt es nun zum Aufeinandertreffen zwischen der Nationalmannschaft von Luxemburg und Borussia Mönchengladbach. Auch für dich ein besonderes Ereignis, auf das du dich sicherlich freust und an dem du als Zuschauer teilhaben wirst?

Jeff Strasser: Selbstverständlich. Freue mich auf die Borussia. Natürlich werde ich auch am Platz sein. Es ist ein besonders Spiel auf das ich mich sehr freue, auch wenn ich aufgrund meiner Verletzung leider nicht dabei sein kann. Erstens, weil meine Nationalmannschaft spielt, von der ich nach wie vor Kapitän bin und zweitens weil es Gladbach ist.

Einer meiner Profistationen, die mir sehr ans Herz gewachsen ist. Ich hatte das Glück, in Deutschland  bei Kaiserslautern und Gladbach bei zwei Traditionsvereinen zu spielen. Ich habe die letzten Jahre, die ich von der Borussia weg bin immer als erstes nach den Resultaten von Gladbach geschaut.

Ich kann dir genau sagen, was in den letzten Jahren bei der Borussia passiert ist. Ich bin auch indirekt noch immer mit dem Verein verbunden. Es freut mich sehr, Gladbach in Luxemburg zu sehen und das dann auch noch in meinem Verein meiner Jugend und in der Stadt Mondorf, wo ich heute lebe.

Abschließend möchte ich an der Stelle alle Borussia-Fans ganz herzlich grüßen und ihnen sowie der Borussia eine super Saison wünschen. Die Raute ist auch in meinem Herzen verknüpft und so drücke ich auch in der neuen Saison die Daumen.


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