Der 32-jährige Ex-Borusse spielt aktuell beim belgischen Pokalsieger KAA Gent
Von Januar 2005 bis 2007 stand Bernd Thijs bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag. Der heute 32-jährige trug dabei in 44 Ligaspielen das Trikot der ‚Fohlen‘. Im Sommer 2007 wechselte er nach seiner vorzeitigen Vertragsauflösung in die belgische Jupiler League zu KAA Gent. Am Rande des Testspiels seines derzeitigen Vereins KAA Gent gegen Roberto Colautti und Maccabi Tel Aviv im niederländischen Mierlo, fohlen-hautnah berichtete, haben wir uns mit dem Mittelfeldspieler über seine Zeit bei der Borussia und über seinen aktuellen Verein unterhalten.
Fohlen-hautnah: Bernd, du spielst seit 2007 in der belgischen Jupiler League bei KAA Gent, mit dem du gerade in der abgelaufenen Saison zum dritten Mal nach 1964 und 1980 belgischer Pokalsieger und zudem Vizemeister geworden bist. Also eine durchaus sehr erfolgreiche Saison…
Bernd Thijs: Absolut. Das war die beste Saison in der bisherigen Vereinshistorie. Der zweite Tabellenplatz und dazu Pokalsieger. Eine wirklich unglaublich erfolgreiche Saison.
Fohlen-hautnah: Eine Saison, in der nahezu alles funktioniert hat…
Bernd Thijs: Ja. Wir hatten zwar im November eine Phase, wo wir nicht so gut waren, aus der wir aber gut zurückgekommen sind. Am letzten Spieltag der Play-Offs haben wir dann zu Hause den FC Brügge 6:2 geschlagen, uns so den zweiten Platz ergattert und eine Woche später den Pokal gewonnen. Das war schon eine super Sache.
Fohlen-hautnah: Nun tretet ihr in der Qualifikation zur Champions League an. Sicherlich auch noch mal ein Highlight für dich…
Bernd Thijs: Natürlich, aber man muss auch realistisch sein, wenn man die Vereine sieht, gegen die wir in der Qualifikation antreten müssen oder auch dürfen. Wir können da auf Vereine wie Ajax Amsterdam, Zenit St. Petersburg, Fenerbahçe Istanbul oder auch Dynamo Kiew treffen. Das sind alles Vereine mit einem großen Budget.
Es wird schwer, aber wir haben nichts zu verlieren. Wir gehen die Aufgabe ‚locker‘ an und schauen, wofür es reicht. Sollten wir es nicht schaffen, so haben wir noch die Möglichkeit, in der Europa League zu spielen. Auch das wäre ein großer Erfolg und sehr schön.
Fohlen-hautnah: Blicken wir mal ein wenig zurück. Du hast von 2000 - bis 2004 beim KRC Genk gespielt. In der Zeit stand auch Logan Bailly in Genk unter Vertrag. Du wirst ihn also gut kennen…
Bernd Thijs: Logan kenne ich sehr gut. Als er damals das erste Mal zu uns in die Profimannschaft kam, war er 15 Jahre jung. Er hat zwei, drei Jahre neben mir gesessen. Ich kenne ihn sehr gut und sehr lange. Wir haben ihn immer ‚Johnny Logan‘ (Anm. d. Red.: Ein irischer Sänger und Komponist) genannt.
Fohlen-hautnah: Als was für einen Typ Mensch und Torhüter hast du ihn damals kennengelernt und wie würdest du ihn charakterisieren?
Bernd Thijs: Logan war schon damals ein sehr großes Talent. Man konnte auf Anhieb erkennen, dass er ein sehr guter Torhüter werden kann und auch schon war. Das hat er bestätigt und zeigt das auch jetzt bei der Borussia. Das ist schön zu sehen.
Er ist ein ganz feiner Kerl mit einem sehr guten und großen Herz. Bei ihm ist es schwer bzw. es ist nahezu unmöglich, ihn nicht zu mögen oder ihm böse zu sein.
Fohlen-hautnah: Du hast die Borussia, bei der du von Januar 2005 bis Juni 2007 unter Vertrag standst, bereits angesprochen. Wie schaust du auf diese Zeit zurück?
Bernd Thijs: Ich habe sehr gerne bei und für die Borussia gespielt und habe immer mein Bestes und 100 Prozent für die Borussia gegeben. Lediglich das letzte halbe Jahr war nicht so schön. Es ist sehr schade, was da passiert ist. Bis heute verstehe ich das nicht. Mit Jos Luhukay ist zu dem Zeitpunkt alles falsch gelaufen. Es ist im Nachhinein und Jahre später natürlich schwer zu sagen, aber wir hätten nicht absteigen müssen.
Wir hatten damals als Mannschaft irgendwie ein bisschen das Gefühl und den Eindruck, dass er ‚absteigen wollte‘, um dann mit ‚seiner‘ neuen Mannschaft wieder aufzusteigen. So ist es ja dann auch gekommen… Das darf eigentlich nicht sein, aber es ist eben passiert.
Es ist wirklich sehr schade, wie das damals zustande gekommen ist. Man weiß nie so genau, was im Fußball passiert, aber vielleicht würde ich noch heute bei der Borussia spielen. Aber man kann die Zeit nicht mehr zurückdrehen und es ist auch Vergangenheit. Nichtsdestotrotz schaue ich auf die Zeit bei der Borussia gerne zurück.
Fohlen-hautnah: Schaust du dennoch auf das, was die Borussia macht?
Bernd Thijs: Ja natürlich. Ich spreche oft mit Filip Daems über die Borussia und schaue mir auch Spiele in der Sportschau der ARD an, wenn ich die Zeit dazu finde und es nicht mit unseren Spielen kollidiert. Sie hatten in der vergangenen Saison keine größeren Probleme, sind nicht in die Gefahrenzone gekommen und sind am Ende Tabellenzwölfter geworden. Ich denke, dass das sicher nicht schlecht ist.
Natürlich muss ein großer Verein wie Borussia Mönchengladbach, mit diesen wahnsinnig tollen Möglichkeiten, mit so einem tollen Stadion und mit diesen super Fans versuchen, höher zu spielen. Das ist aber sicherlich nicht so einfach, denn die Bundesliga ist eine schwere und starke Liga. Alle Mannschaften sind stark und wollen oben mitspielen. Vielleicht schafft es die Borussia aber in den nächsten Jahren, wieder mal oben mitzuspielen. Ich wünsche es ihnen.
Fohlen-hautnah: Wenn du mal die Fans der Borussia und von Gent gegenüberstellst…
Bernd Thijs: Die kann man schon alleine aufgrund des Stadions nicht vergleichen. Beide Vereine haben viele und gute Fans. Bei dem Pokalfinale hatten wir 25.000 Fans im Stadion, das nach zwei Wochen ausverkauft war. Das war eine tolle Sache.
Die Fans der Borussia sind auch toll. Wenn man in den Borussia-Park eingelaufen ist und diese Atmosphäre vorfand, dann bekam man immer Gänsehaut. Das Stadion war immer voll und auch auswärts haben uns immer viele Fans unterstützt. Das war immer eine tolle Sache und sehr schön.
Fohlen-hautnah: Hast du generell noch Kontakte nach Gladbach und zu ehemaligen Mitspielern?
Bernd Thijs: Zur Borussia an sich nicht mehr so, aber mit Logan Bailly und mit Filip Daems habe ich noch guten Kontakt. Logan habe ich nach der Saison mit der Nationalmannschaft wiedergesehen. Es war schön, mal wieder mit ihm auch über die Borussia zu sprechen. Dazu sehe ich ihn ab und zu, wenn er in Genk ist. Mit Filip telefoniere ich regelmäßig.
Zu Wesley Sonck habe ich auch noch Kontakt. Er ist im Moment noch vereinslos, was eigentlich nicht sein kann. Er hat beim FC Brügge gespielt und hatte dort im letzten halben Jahr Probleme mit dem Trainer. Er sagte mir, dass er abwartet. Ich gehe davon aus, dass er einen guten Verein findet, denn er ist ein guter Stürmer.
Fohlen-hautnah: Kommen wir abschließend auf deine persönliche Zukunft zu sprechen. Bei KAA Gent stehst du noch bis nächsten Sommer unter Vertrag. Du bist 32 Jahre. Welche Pläne hast du?
Bernd Thijs: Im Fußball kann man nie weit vorausschauen und sagen, was passiert. Im Fußball kann alles sehr schnell gehen. Zunächst habe ich in Gent noch ein Jahr Vertrag. Dann wird man weitersehen. Ich fühle mich, nachdem ich ein Jahr verletzungsbedingt aussetzten musste, nach meinem abgelaufenen starken Jahr wieder topfit. Ich möchte sicherlich noch so lange wie möglich spielen. Wo das sein wird und wie lange, wird die Zukunft zeigen.





