Teil II der Groundhopping-Tour zur Weltmeisterschaft in Südafrika
Im ersten Teil meiner Reise berichtete ich über meine Anreise nach Südafrika sowie über meine ersten Erlebnisse. Hatte sich die Kartensuche dabei bis zum Spiel Australien gegen Ghana noch recht unkompliziert gestaltet, so sollte im Anschluss kein Livespiel mehr dazukommen.
Die Rückfahrt aus Rustenburg über die dunklen Straßen Afrikas dauerte eine halbe Ewigkeit und so erreichten wir erst kurz vor Mitternacht den Bahnhof ‚Park-Station‘, wo es dann per Taxi ins Hotel ging. Dort wurde dann noch das eine oder andere Bierchen gezischt, denn schließlich konnten wir ja am nächsten Morgen ausschlafen, da unser ‚Heimspiel‘ zwischen der Elfenbeinküste und Brasilien ja erst spät am nächsten Abend stattfand.
Da wir den nächsten Tag etwas Zeit hatten, ging es erst mal in die nahegelegene Shopping-Mall wo es reichlich zu sehen gab. Anschließend wurde noch für relativ kleines Geld in einem Steakhouse gespeist, die erste vernünftige Nahrung seit Tagen zu sich genommen und der schwache Auftritt von Italien, der ‚Squadra Azura‘ gegen Neuseeland, die ‚Kiwis‘ verfolgt. Anschließend ging es, wie schon zwei Tage zuvor, per ‚Pedes‘ zum Soccer City Stadium.
Hier verließ uns aber zum ersten Mal, seit dem wir den afrikanischen Kontinent betreten hatten, unser Glück, denn scheinbar wollte jeder ‚Tourist‘ und ‚Eventfan‘ den Auftritt der ‚Seleção‘ sehen. So strömten hunderte von Leuten, die auf der Suche nach Tickets waren, um das Stadion herum.
Dies fiel natürlich auch den zahlreichen Schwarzmarkthändlern (was für ein Wortspiel) auf, die den dicken Reibach witterten. So machten Phantasiepreise von bis zu 300 US-Dollar die Runde, was ich natürlich unter keinen Umständen bereit war zu zahlen (selbst wenn ich´s gehabt hätte). Da der durchschnittliche WM-Tourist aber scheinbar wohlhabend zu sein scheint, ja ‚König Fußball‘ ist gesellschaftsfähig geworden, legten einige Leute ohne zu Zögern die Scheine auf dem Tisch. Schließlich findet so ein Event ja nur alle vier Jahre statt und zur WM ist halt jeder ‚Tourist‘ ein Fan.
Selbst als das Spiel schon zwanzig Minuten lief, waren immer noch dutzende auf der Suche nach Tickets und es kursierten immer noch gigantische Summen von 1200 ZAR für ein Ticket. Frustriert zog man also wieder ab Richtung Hotel. Vom Spazierengehen bei Dunkelheit durch die Vororte wurde in unserem Reiseführer auch dringend abgeraten, aber das war ja bei den Minibussen schon genau so, also was soll’s… Das einzig Lustige an diesem Abend war, das mein Kollege und ich von zwei älteren deutschen Herrschaften für Zivilpolizisten gehalten wurden, die Jagd auf Deutsche machen, die Illegal Tickets über den Schwarzmarkt erwerben wollen.
Mit Bauchtasche und schwarzem Zipper sieht man auch schwer nach ‚Zivi aus‘, nicht wahr Herr Fricke... Der nächste Tag startete auch gemütlich, denn die Partie Spanien gegen Honduras begann ebenfalls wieder um 20:30 Uhr. Per Minitaxi ging es also wieder Richtung Bramfontain, dem Stadtteil von Johannesburg, wo der Ellis Park, die Heimat der Orlando Pirates steht. Da reichlich Zeit war, machten wir noch ein wenig Sightseeing in dem Stadtteil, der fast ausschließlich von der schwarzen Bevölkerung Südafrikas bewohnt wird. Wir kamen genau zur Rushhour an.
Was da so abgeht ist der Wahnsinn. Ein Samstagmittag in der Düsseldorfer Innenstadt ist nichts dagegen. Alle Straßen sind verstopft und überall stehen, sitzen oder wuseln die kleinen ‚Maxis‘ herum, sodass man selber kaum vorwärts kommt. Später am Stadion angekommen, traf man auch erstmals auf zahlreiche bekannte deutsche Gesichter und es wurde einiges an Informationen und Impressionen über das bisher Erlebte ausgetauscht.
Da es bei unserem ersten Besuch im Ellis Park noch ein leichtes war, an Tickets zu kommen, machten wir uns auch diesmal relativ wenige Gedanken darüber, noch eines zu ergattern, obwohl deutlich weniger Händler unterwegs waren als drei Tage zuvor. Den Grund dafür fand man dann später heraus.
Die Polizei hatte wohl heute Langweile und ging rigoros gegen die Ticketverkäufer vor. Angefangen von willkürlichen Personenkontrollen - alles was farbiger Natur war und vor dem Stadion ‚rumlungerte‘, wurde durchsucht und fotografiert - bis hin zu gezielten Razzien, wo die Polizei mit Pferden in die Menge ritt und Leute herauszog, die dann mit Kabelbindern gefesselt und ziemlich unsanft auf die Ladeflächen der Polizeifahrzeuge ‚verfrachtet‘ wurden.
Wie man später von ein paar Leuten erfuhr, soll dies wohl angeblich auf Anweisung der FIFA passiert sein, die sich darüber beschwerte, auf ihren überteuerten Tickets sitzen zu bleiben, während sich die Einheimischen, die ja bekanntlich günstigere Tickets bezogen - so viel zum Thema gleiches Recht für alle - die Taschen vollmachten, in dem sie diese einfach weiterverkauften.
So blieb unser letzter Abend in Südafrika wieder fussballfrei, denn die kleinen Maxis waren jetzt extrem vorsichtig. Da scheinbar nur noch wenige Händler auf freiem Fuß waren, machten natürlich wieder astronomische Summen die Runde. Aber wen interessiert schon Spanien gegen Honduras. Also ab Richtung ‚goldenes M‘, wo wir genau wie am ersten Abend auch den letzten zum Essen einkehrten. Anschließend ging es zurück zum Hotel, um noch ein bisschen zu ‚spülen‘, ehe es dann am nächsten Morgen wieder Richtung Heimat gehen sollte.
Der Rückflug, der wieder via Dubai ging, verlief bis auf ein paar leichte Turbulenzen über Mogadischu recht ereignislos. Die Nacht wurde dann am Airport von Dubai, auf dem es ja zu jeder Tages- und Nachtzeit zugeht wie im Taubenschlag, verbracht. Aber trotz unbequemer Liegen und schnarchenden Indern um einen herum, fand man doch noch ein paar Stunden Schlaf. Mittwochnachmittag erreichte man dann wieder die geliebte Heimat, wo ich mich nach einer Dusche und einer warmen Mahlzeit auch schon wieder auf den Weg Richtung City machte, um das entscheidende Spiel unserer deutschen Elf gegen die Jungs aus Ghana zu verfolgen.
Gegen halb 4 in der Nacht hatte ich dann auch endlich mein Bett wieder, was nach einer Woche Hotelmatratze, Bus, oder Flughafen noch viel bequemer zu sein schien, als je zuvor. Die Mission ‚WM unter 1000 Euro‘ war in jedem Fall erfolgreich, auch wenn ich nachher noch feststellen musste, das wohl ein diebischer kleiner 'Maxi' an meinem Koffer gewesen war und mein Celtic Trikot, das ich im Juli 2005 beim Testspiel unserer Borussia in Glasgow geschenkt bekommen habe, entwendet hat.
Naja langsam wird es eh wieder Zeit für einen Kick in Glasgow, aber am Samstag steht ja erst mal der erste Test dieser Saison gegen den FC Ottenstein 1920 an. Tschüss Südafrika. Endlich wieder Borussia ...
Hinweis der Redaktion: Christof Somnitz aus Ratingen bei Düsseldorf berichtete in seinem Leserbrief in zwei Teilen über seine einwöchige Reise zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Wir bedanken uns recht herzlich für seinen Beitrag.





