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HomeAbseitsSaison 2010 / 2011WM 2010: Borussia-Fan goes Südafrika

WM 2010: Borussia-Fan goes Südafrika

Teil I der Groundhopping-Tour zur Weltmeisterschaft Südafrika

‚Die Welt zu Gast bei Freunden‘. So lautete das Motto der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland. ‚Die Welt zu Gast im Ungewissen‘. So könnte das Motto für die diesjährige Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika lauten, denn wurde doch im Vorfeld sehr viel darüber spekuliert, ob die Stadien rechtzeitig fertig werden und die Infrastruktur gegeben ist, den Massenansturm der WM-Touristen zu bewältigen. Auch ich wollte mir diesen Abenteuerurlaub nicht entgehen lassen, wenngleich die recht hohen Flug- Hotel- und Ticketpreise im Vorfeld auf mich eine relativ abschreckende Wirkung hatten.

Als dann Emirates kurzfristig Flüge von Düsseldorf via Dubai nach Johannesburg für 550 Euro auf den Markt brachte, zögerte ich nicht lange und buchte zusammen mit einem Freund eine Woche „Abenteuerurlaub“ in Südafrika. Am Mittwoch, den 16. Juni war es dann soweit. Den Tag noch auf der Arbeit verbracht, ging es mit dem Nachtflug los Richtung Dubai. Dort noch ein paar Stunden verbracht und geraume Zeit später waren wir schon südlich des Äquators in Johannesburg, wo derzeit Winter herrscht.

Relativ neue Kinofilme in deutscher Sprache und gutes Essen überbrückten die langwierige Flugzeit. Als typischer Ryanair-Tourist ist man so einen Luxus schon fast gar nicht mehr gewohnt. In Johannesburg angekommen, ging es dann zu unserem Hotel im Süden der Stadt, nahe dem berühmten Stadtteil Soweto. Wenn schon Abenteuerurlaub, dann richtig ... Den ersten Schock des Abends bekamen wir dann als es darum ging, ein paar alkoholische Erfrischungsgetränke zu besorgen.

Zwar war uns bewusst, das in Südafrika das Trinken in der Öffentlichkeit nicht erlaubt ist, aber dass es so schwierig wird, ein Bier zu bekommen konnte, man ja nicht ahnen, denn die Tankstellen, obwohl 24 Stunden geöffnet, verkauften keinen Tropfen Alkohol. Ein Unding - in Deutschland könnten sämtliche Tankstellen wohl schließen, wenn man dort nachts keinen ‚Sprit‘ bekommt, denn aus welchem Grund sollte man nachts um drei eine Tankstelle aufsuchen, außer man möchte sich ein schönes kaltes Bier trinken. Schnell noch beim ‚goldenen M‘ was gegessen, ging es (leider nüchtern) ins Bett.

Die Heizung in unserem ‚Nobelhotel‘ funktionierte auch nicht und so wurde es nachts bei Temperaturen um den Gefrierpunkt doch sehr frisch. Am nächsten Tag stand dann das erste Spiel auf dem Programm, nämlich Slowenien gegen die USA im Ellis Park zu Johannesburg. Doch vorher wurde erst mal der örtliche Liquore Store besucht und sich mit reichlich Verpflegung eingedeckt. Danach machte man sich auf den Weg Richtung City. Naiv wie man eben ist, war geplant hierfür die Bahn zu nehmen, welche vom Soccer City Stadium, was sich von unserem Hotel aus in ca. 40 Minuten Fußweg auch bequem zu erreichen lies.

Schnell noch ein paar Fotos geknipst und dann ging es ab zum Bahnhof, welcher aber wie ausgestorben wirkte, denn bis auf eine Kolonne kleiner farbiger 'Maxis', die dort putzten, war weit und breit nichts zu sehen. Von irgendeinem wohl wichtigen Mann mit  Krawatte und Lackschuhen erfuhren wir dann auf Englisch, dass »Trains only on Matchdays« fahren. Na toll. Das nächste Match im ‚Soccer City‘ zu Johannesburg stand erst am Sonntagabend an. Wir waren also mitten im Nirgendwo und hatten keine Ahnung, wie es weitergehen sollte.

Der Mann gab uns dann den Tipp, doch die örtlichen Minitaxis, die kreuz und quer durch Johannesburg fahren, zu nehmen, obwohl diese aber eigentlich nur von der einheimischen farbigen Bevölkerung genutzt werden und von deren Benutzung Reiseführer für Touristen  dringend abraten. Aber was blieb uns anderes übrig. Also ab Richtung Soweto-Highway an die Straße gestellt und Handzeichen gegeben.

Tatsächlich hielt ein mit kleinen 'Maxis' vollgepackter Minibus direkt an. Zwar wurde man von den Insassen etwas argwöhnisch beäugt, doch man verhielt sich uns gegenüber sehr freundlich und für nur 7 Rand (1 EUR = 9,13 ZAR) nahm man uns mit Richtung City. Man zeigte uns sogar noch, wo wir umsteigen mussten. Ein weiterer ‚Maxi‘, wie die kleinen schwarzen Südafrikaner genannt werden, fuhr uns dann in seinem Minibus bis fast direkt vor die Tür des Ellis Park.

Das Kartenproblem konnte auch recht schnell gelöst werden und nach ein bisschen verhandeln hatten wir dann für 400 ZAR p.P. unsere Tickets. Dass das nicht immer so einfach und unkompliziert geht, konnten wir zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht ahnen. So betraten wir kurze Zeit später den ‚Ground‘, wo wir auf einer Leinwand bei ein paar kalten Bierchen die etwas unglückliche Niederlage unserer DFB-Elf gegen die Serben verfolgen konnten. Bei meiner Balkantour im Mai hatte mir mein Bekannter Mihail noch gesagt: »We will win 1:0 against you«. Kann der Typ Hellsehen oder was…?!

Schnell noch ein paar Flüche Richtung Belgrad geschickt und dann ging es ab ins Innere des Stadions. Es folgte ein sehr unterhaltsames und spannendes Fußballspiel, in dem die USA nach 2:0-Rückstand sich noch ein 2:2-Remis erkämpfen konnte, für welches unser US-Boy Michael Bradley mit seinem Treffer sorgte. Schönes Ding Michael, bitte demnächst auch mal im Trikot mit der Raute auf der Brust. Zurück ging es dann wieder per Minibus für 7 ZAR. Bei den Preisen klappt es vielleicht doch mit dem Unternehmen ‚WM unter 1000 Euro‘.

Vor dem Schlafengehen schnell noch die eine oder andere ‚Granate‘ angesetzt, ehe es dann zu Bett ging. Am nächsten Tag stand dann der Ausflug nach Rustenburg an, wo unsere Gruppengegner Ghana und Australien aufeinandertreffen sollten. Per Minibus ging es zur Park-Station, dem zentralen Umschlagplatz von Johannesburg, wo extra für das Spiel Busfahrten für 250 ZAR (Hin- und Rückfahrt) nach Rustenburg angeboten wurden. Im Bus wurde dann auch schon mal die Karte ‚klar‘ gemacht, welche mir von einer kleinen  'Maxi-Uschi'‚ wie die weibliche schwarz Bevölkerung Südafrikas genannt wird, für 300 ZAR angeboten wurde. Da sag ich doch nicht nein.

Dann sollte die Karte aber plötzlich 500 ZAR kosten, da angeblich ein Anderer, der in Rustenburg auf sie warten würde, bereit war diesen Preis zu zahlen. Ja nee ist klar. Wie Kollege Schröder wohl sagen würde: "Na gut, dann verscheuer die Karte mal an den ‚Pseudo-Freund‘". Damit hatte die Südafrikanerin dann aber scheinbar nicht gerechnet, denn keine zehn Minuten später hatte ich meine Karte zum Preis von 300 ZAR.

Sowas kann man eventuell mit Pauschaltouristen machen, aber als ‚alter Hase‘ fällt man ja auf sowas nicht mehr rein... Der Bus war übrigens voll mit australischen Supportern, von denen allerdings keiner ein Bierchen trank. Was ist nur aus den sonst so trinkfesten ‚Ausis‘ geworden…? Das Spiel im Royal-Bafokeng-Stadion war eher durchschnittlich und die ‚Socceroos‘, mit Ex-Borusse Craig Moore, erkämpften sich ein 1:1-Unentschieden gegen die ‚Black Stars‘ aus Ghana...

Hinweis der Redaktion: Christof Somnitz aus Ratingen bei Düsseldorf berichtet in seinem Leserbrief über seine einwöchige Reise zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Lesen Sie morgen den zweiten und letzten Teil seiner Reise.


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