Der ehemalige Weltklassespieler verurteilt Foul an Michael Ballack
Wie auch schon in den letzten fünf Jahren besuchte auch in diesem Jahr der deutsche Ex-Weltklassespieler Boris Becker den ARAG World Team Cup im Düsseldorfer Rochusclub. So sollte der 42-jährige am gestrigen Dienstag die alljährlich zu vergebene Fair-Play-Trophy an den Australier Lleyton Hewitt, der somit Nachfolger von Rainer Schüttler ist, übergeben. Doch aufgrund von Zeitschwierigkeiten, Becker musste seinen Flug erreichen, kam es dazu nicht. Dennoch hatte Boris Becker zuvor den zahlreich erschienenen Medienvertretern Rede und Antwort gestanden.
»Ich bin hier gerne Gast. Früher auf und heute neben dem Platz. Natürlich verfolge ich auch die Erfolge der deutschen Mannschaft. 2011 komme ich wieder«, antwortete der dreifache Wimbledonsieger auf die Begrüßung durch Turnierdirektor Dietloff von Armin, der nach dem Ausstieg von Hauptsponsor ARAG mit Hochdruck nach einem neuen Partner für den World Team Cup 2011 sucht.
Wenngleich sich die Suche nach einem potenziellen Nachfolger gerade in der heutigen Zeit wohl alles andere als einfach gestalten wird, so ist Boris Becker davon überzeugt, dass es sowohl im kommenden Jahr als auch in den folgenden Jahren den World Team Cup in Düsseldorf geben wird. »Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass das Turnier auch im nächsten Jahr stattfinden wird. Wer dann der Hauptsponsor sein wird, müssen sie den Turnierchef fragen. Dazu kann ich nichts sagen. Aber auch dieses Turnier hat wie einige andere Dinge überstanden und überlebt. Sicherlich wird es das Turnier 2011 und darüber hinaus im Rochusclub geben«.
Engagieren möchte sich der ehemalige Weltklassespieler im Tennissport auf der anderen Seite derzeit jedoch nicht. »Das ist heute nicht in meiner Welt. Man weiß nie, was in fünf Jahren passiert, aber momentan füllt mich mein Leben so aus, wie es ist. Ich habe andere berufliche Interessen und Hobbys«, so Becker.
»Ich habe nicht als Tennisprofi aufgehört, um dann als Coach mit einem Spieler wieder jede Woche rum zu reisen. Diese Zeiten sind vorbei. Ich verfolge das Geschehen und unterhalte mich oft mit Patrick Kühnen über das deutsche Tennis. Wir sind meistens gleicher Meinung, aber das ich das wieder jede Woche mache, wie zu meiner aktiven Phase, ist nicht möglich«, möchte der 42-jährige aktuell auch keinen Trainerjob übernehmen.
So widmet sich der gebürtige Leimener derzeit keinen Bällen, sondern eher dem Kartenspiel Poker. »Auch Pokerspieler müssen ihr Talent und ihre Gaben trainieren. Es gibt beim Poker verschiedene Spielstrategien. Also es ist ein höhst kompliziertes Spiel, was man üben muss und wo man nie auslernt«, verrät Becker, der des Öfteren bei den PokerStars in Erscheinung tritt.
Auf der anderen Seite würde Becker sowohl dem deutschen Tennis als auch den deutschen Spielern einen Aufschwung gönnen. »Ich würde mir natürlich wünschen, dass Philipp Kohlschreiber, Beck und unsere anderen deutschen Spieler noch besser spielen und ich würde mich freuen, wenn es wieder einen deutschen Grand Slam-Sieger geben würde«.
Während die deutschen Spieler davon derzeit wohl eher meilenweit entfernt sind, so sieht der 42-jährige im Tennisport alles andere als einen Abwärtstrend. »Tennis boomt weltweit. Alleine bei den French Open werden bis zu 500.000 Menschen erwartet«, so Becker, der jedoch im deutschen Tennis aktuell Probleme sieht.
»Die Meinung, dass es keinen Tennisboom gibt, stimmt nur national. Nur in Deutschland scheint es so, als wären wir in einem Tal der Tränen. Das ist auch teilweise richtig, aber ich glaube, dass sich Patrick Kühnen und die Spieler bemühen«. In der Tat scheint das deutsche Tennis aktuell von Erfolgen der ‚Altstars‘ Boris Becker und Michael Stich weit entfernt. »An was es letztendlich liegt, das ist ein abendfüllendes Thema. Das hat auch ein bisschen was mit, Strukturen, mit Politik und dem Deutschen-Tennis-Bund zu tun«, befindet Boris Becker.
Neben der gelben Filzkugel hegt Becker auch große Sympathien für das runde Leder. So scheinen die Chancen aktuell gut zu stehen, dass der bekennende Fußball- und FC Bayern München Fan Boris Becker am kommenden Samstag beim Champions League Endspiel ‚seines‘ FC Bayern München gegen Inter Mailand im Madrider Stadion Estadio Santiago Bernabéu sein wird. »Das kann gut sein«.
Davon ab hat der ehemalige Tennisstar zum Ausfall von Nationalspieler Michael Ballack, der im englischen FA-Cup- Finale seines Clubs FC Chelsea London gegen den FC Portsmouth von Kevin-Prince Boateng rüde zu Fall gebracht wurde, eine klare Meinung. »Ich habe das Spiel live gesehen. Ich fand das ein ganz böses und vielleicht auch ein bewusstes Foul von einem ehemaligen deutschen U21-Nationalspieler. Ich finde dass eine Unverschämtheit. Das war ein Foul mit Ansage«, schimpft Becker.
»Zurecht werden da nun Überlegungen angestellt, gegen den Spieler zivilrechtlich vorzugehen. Michael Ballack nimmt dadurch nicht an der WM teil und wir haben keinen Kapitän und keinen Leitwolf. Das ist natürlich eine Katastrophe für unsere Nationalmannschaft. Ohne Ballack wird es für Deutschland nun viel schwerer«.





