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HomeAbseitsSaison 2010 / 2011Ex-Borusse Oliver Stang: »Der Sprung war gewaltig«

Ex-Borusse Oliver Stang: »Der Sprung war gewaltig«

Der 21-jährige konnte in seinem ersten Profijahr in Osnabrück überzeugen

Im vergangenen Sommer wechselte Oliver Stang mit Abdulllah Keseroglu von Borussia Mönchengladbach zum Drittligisten VFL Osnabrück, mit dem er in der abgelaufenen Saison auf Anhieb den Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga schaffte. Der Innenverteidiger, bei der Borussia lediglich in der U23 eingesetzt, zog im Rennen um einen Profivertrag gegen Tim Heubach den Kürzeren und suchte somit sein Glück bei den Niedersachsen. Fohlen-Hautnah sprach mit dem 21-jährigen, der sich in Osnabrück behaupten konnte und dort sein Glück gefunden zu haben scheint.

Fohlen-Hautnah: Oli, zunächst herzlichen Glückwunsch zum direkten Wiederaufstieg in die 2.Bundesliga. Nach einer kleinen Durststrecke auf der Zielgeraden habt ihr es dennoch geschafft. Was war in dieser Saison der Garant bzw. das Rezept für den Aufstieg, nach dem es ja zuvor einen Umbruch gab.

Oliver Stang: Ich denke, dass der Garant für unseren Erfolg klar der Teamgeist war. Natürlich war das Ende der Saison mit den plötzlich auftretenden ‚Misserfolgen‘ keine leichte Zeit für uns, aber trotzdem haben wir uns nie zerrissen, wussten zu jeder Zeit was wir erreichen können und haben dafür dann auch alles andere hinten angestellt.

Fohlen-Hautnah: Ihr habt den Aufstieg auf Mallorca bestimmt gebührend gefeiert …

Oliver Stang: Das ist wohl klar, aber das hat nicht erst in Mallorca angefangen. Nach dem Schlusspfiff war jede Minute einer Feierminute für uns.

Fohlen-Hautnah: Sicherlich hat auch Karsten Baumann einen großen Anteil an dem Aufstieg. Wie ist er als Trainer, was hast du von ihm gelernt?

Oliver Stang: Karsten Baumann ist ein Trainer, der sehr analytisch ist. Er hat natürlich einen riesen Anteil an unserem Erfolg. Immerhin hat er es geschafft, aus einer bunt zusammen gewürfelten Truppe eine recht schlagfertige Mannschaft zu formen, wie es die Saison ja dann im Endeffekt bewiesen hat. Mir persönlich kann er selbstverständlich sehr viel helfen, da er ja selbst zu seiner aktiven Zeit Innenverteidiger war. Außerdem hat er auch in der Zeit, wo ich nicht so häufig gespielt habe, oft mit mir gesprochen.

Fohlen-Hautnah: Für dich persönlich lief es mit Sicherheit auch mehr als gut. In deinem ersten Jahr kommst du bereits auf zwanzig Ligaspiele, in denen du dreimal getroffen hast. Dazu kommen drei Einsätze im DFB-Pokal. Du kannst und wirst sicherlich zufrieden sein, wenngleich du damit bestimmt nicht gänzlich gerechnet hast …

Oliver Stang: Ja da hast du Recht. Ich will nicht leugnen, dass ich mich nach meiner Zeit in Gladbach, in der ich ja in einer gewissen Weise Führungsspieler war und kaum eine Minute verpasst habe, mit meiner Situation schwer getan habe. Ich hatte meines Erachtens eine gute Vorbereitung gespielt, doch kurz vor dem ersten Spiel wurde dann Nicke verpflichtet, der dann auch noch für mich gespielt hat. Aber durch Spieler wie Thommy Reichenberger oder Angelo Barletta habe ich schnell gelernt, dass es als junger Spieler weitergeht und dass man selbst einiges dafür tun muss, um Erfolg zu haben.

Beide haben sich in der ersten Phase der Saison wirklich toll um mich gekümmert, sprich mit mir geredet und mich aufgebaut, als es nicht so lief. Dafür bin ich ihnen natürlich sehr, sehr dankbar. Und zu Nicke muss ich sagen, dass ich mich mit ihm super verstehe und auch sehr viel von ihm lernen konnte, weil er das Spiel als Innenverteidiger auf eine ganz andere Weise definiert als ich.

Fohlen-Hautnah: Du hast also den Sprung von der Regionalliga in die 3.Liga gewagt und diesen auch auf Anhieb recht gut bestanden. Wie schwer war dieser Sprung?

Oliver Stang: Der Sprung war gewaltig. Anfangs bin ich mit der Einstellung in die 3. Liga gegangen, dass sie zwar als Profiliga gewertet wird, aber dennoch weit davon entfernt ist. Allerdings wurde ich nach spätestens zwei Trainingseinheiten komplett vom Gegenteil überzeugt. Das Niveau meiner Mitspieler kam mir gigantisch vor. Und mir wurde schnell bewusst, dass das eine ganz neue Welt für mich sein wird.

Das war für mich natürlich eine komplett neue Erfahrung. Zwar hatte ich des Öfteren bei den Profis von Mönchengladbach mit trainieren dürfen, aber nun war ich fest in einem Profiteam. Man muss sich in jedem Training immer und immer wieder beweisen. Außerdem ist der Kampf um die Stammplätze härter, als es beispielsweise bei den Amateuren war. Es war einfach ein Schritt weiter in Richtung Profitum.

Fohlen-Hautnah: Auch insgesamt wird sich dein Fußallerleben etwas geändert haben. Schließlich bist du zu einem Profimannschaft gewechselt. Was hat sich also vielleicht auch vom Tagesablauf und vom täglichen Training her geändert?

Oliver Stang: Der Tagesablauf ist nicht großartig anders, da ja auch bei Borussia häufig trainiert wird. Also denke ich, dass es vielleicht minimale Unterschiede gibt, da wir in der Woche zweimal täglich trainieren. Insgesamt ist bei meinem Tagesablauf aber alles gleich geblieben.

Fohlen-Hautnah: Wie schwer war es dazu vielleicht zu Beginn, sich in einer neuen Umgebung und in einer neuen Stadt zurecht zu finden und einzuleben? Kann man sagen, dass du da mittlerweile ‚heimisch‘ geworden bist?

Oliver Stang: Die Umstellung war nicht allzu schwierig. Ich war und bin es ja aus meiner Kindheit gewohnt umzuziehen. Von daher war das für mich von vornerein schon nicht das große Problem. Hinzu kam, dass ich Spieler wie Dennis Schmidt und Alex Krük ja schon aus meiner Jugendzeit kannte und so auch direkt Bezugspersonen hatte. Aber insgesamt waren wir ja alle neu, waren alle neu in der Stadt und so kam es auch, dass wir alle viel miteinander unternommen haben und uns so auch alle schnell an Osnabrück gewöhnen konnten.

Fohlen-Hautnah: Was hat dir das Jahr in Osnabrück im Bezug für deine Entwicklung bisher am meisten mit auf den Weg gegeben?

Oliver Stang: Es hat mir den Willen mitgegeben. Einerseits den unbedingten Willen zu gewinnen, den wir in einigen Spielen gebraucht haben und andererseits auch mir persönlich den Willen, unbedingt auf dem Platz stehen zu wollen und dafür auch alles zu tun.

Fohlen-Hautnah: Diesen Willen hast du aus der Ferne betrachtet an den Tag gelegt. Deine Einsätze sprechen da für sich. Du wirst deinen Schritt also alles andere als bereut haben. Was würdest du anderen jungen Spielern raten oder auch für Tipps geben, um in der Entwicklung voran zukommen?

Oliver Stang: Ich würde ihnen genau meinen Weg empfehlen. Man hat zwar auch in meinem ersten halben Jahr gesehen, dass es alles andere als leicht ist aber all die Situationen, die ich in dieser Saison erlebt habe, haben mich denke ich auch in irgendeine Weise positiv beeinflusst, auch wenn man das in der eigentlichen Situation sicherlich anders sieht.

Fohlen-Hautnah: Du hast deinen Ex-Verein, die Borussia schon angesprochen. Hast du noch Kontakt zu deinen ehemaligen Spielern bei der Borussia und verfolgst du diese auch noch?

Oliver Stang: Natürlich habe ich noch Kontakt zu Spielern von Borussia, denn dort habe ich nicht nur Mitspieler kennen gelernt, sondern wahre Freunde. Gerade 'Matze' von der Weth, Dennis Dowidat, Tim Heubach und Eric Schaaf sind da ständige Ansprechpartner, mit denen ich mich noch häufig treffe und mit denen ich außerhalb des Fußballs noch viel mache. Gerade wegen diesen Menschen war Borussia eine tolle Zeit für mich.

Wegen diesen Freunden aber auch wegen Menschen wie die Familie Lintjens, die ich hier einmal austrüglich loben muss und möchte. Frau Lintjens und ‚Wolle‘ spielen in meinem Fußballerleben auch eine riesen Rolle und haben auch einen großen Anteil daran, dass ich nächstes Jahr in der zweiten Liga spielen kann.

Zur U23 an sich. Natürlich versuche ich so oft wie mögliche die Spiele zu schauen, weil es mich ja auch interessiert, wie es insgesamt sportlich läuft. Da sich die Spiele ja aber oft mit meinen überschneiden ist dies nicht immer möglich. Deswegen freue ich mich auch riesig, das letzte Heimspiel dieser Saison gegen die Sportfreunde Lotte mitzuerleben, und das auch noch im Borussia-Park.

Fohlen-Hautnah: Der VFL Osnabrück ist mit Sicherheit ebenso ein Traditionsverein mit einer breiten Fanszene. Was macht den Verein aus?

Oliver Stang: Wie du sagst, die Fanszene. Wenn man die letzten drei Spiele gesehen hat, wird einem sofort klar, dass der ‚12. Mann‘ bei uns einen riesen Anteil am Aufstieg und auch an den Pokalerfolgen hat. In Dortmund waren 8.500 Osnabrücker, die uns auch nach dem Rückstand nach vorne gepeitscht haben. Gegen Kiel war unser Stadion ausverkauft und trotz des frühen Rückstands hörte man keinen Pfiff, sondern nur Anfeuerungen.

Und dann kam natürlich noch Burghausen dazu, wo 3.000 Fans von uns die 750 km hinter sich gebracht haben, um uns ein ‚Heimspiel‘ zu bereiten. Nur an diesen wenigen Beispielen sieht man ja, was für fantastische Fans wir haben. Auf sie kann man immer zählen und es ist ein absolut tolles Gefühl vor diesen Fans spielen zu dürfen.

Fohlen-Hautnah: Stichwort Wettskandal … Wie habt ihr das mitbekommen, hat euch das als Mannschaft und als Verein in irgendeiner Form belastet und wie seid ihr damit umgegangen?

Oliver Stang: Dadurch, dass es uns ja nicht wirklich betroffen hat, sondern nur die Vorjahrsmannschaft hat uns der Wettskandal nicht wirklich interessiert. Man hat selbstverständlich davon gelesen, aber wir hatten gerade zu der Phase in der Saison wichtigeres im Kopf, als darüber nachzudenken. Und das Thommy damit nichts zu tun hat, war uns allen direkt klar. Ich denke, dass da auch jeder seine Hand für ihn ins Feuer gelegt hätte.

Fohlen-Hautnah: Als Aufsteiger dürfte das Primärziel nun zunächst Klassenerhalt sein ...

Oliver Stang: Ja. Ich denke aber auch, dass das in Osnabrück jedem bewusst ist. Es wird nochmal ein Tick schwerer, aber wir sind alle bereit, alles für den Klassenerhalt zu tun.

Fohlen-Hautnah: Dein Vertrag gilt noch für die kommende Saison. Wie sieht deine weitere Planung aus und was sind deine Nah- und Fernziele sowohl bei und mit den Lila-Weißen als auch im Profifußball?

Oliver Stang: Da muss ich sagen, dass ich die Frage momentan nicht wirklich beantworten kann. Natürlich heißt das Ziel jetzt erst mal mit dem VFL die Klasse zu halten, aber momentan genieße ich meinen Urlaub und schaue dann ab dem 10.6. wieder auf den Fußball.


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