3.Tag, 2.Gruppenspiel: Deutschland vs. Argentinien 1:0
Dank einer gerade im Vergleich zu den letzten Auftritten deutlichen Leistungssteigerung der deutschen Nummer eins Philipp Kohlschreiber liegt die deutsche Mannschaft bei der 33. ATP-Mannschafts-Weltmeisterschaft im zweiten Gruppenspiel gegen Argentinien nach dem ersten Einzel mit 1:0 in Führung. Der 27-jährige Augsburger ging nach einer Stunde und 26 Minuten gegen Horacio Zeballos als verdienter 6:3 und 6:4-Sieger unter starkem Beifall vom Platz.
Wohl erfreut und etwas erstaunt zugleich haben sich die Zuschauer auf dem Center Court 1 des Düsseldorfer Rochusclubs die Augen gerieben, als sie Philipp Kohlschreiber in seinem zweiten Einzel bei der ATP-Weltmeisterschaft sahen. Der Augsburger präsentierte sich im Gegensatz zu den vorhergegangen beiden Auftritten wie ausgewechselt und zeigte dem Argentinier von Beginn an, wer Herr im Haus ist.
Ausgestattet mit deutlich mehr Biss und Mut setzte Kohlschreiber den aktuellen Weltranglisten 52. aus Argentinien von Beginn an unter Druck. Dabei sollte auch das Aufschlagspiel als Garant für den Erfolg sein. Kohlscheiber brachte deutlich mehr seiner ersten Aufschläge ins Feld und stellte Horacio Zeballos dabei des Öfteren vor Probleme. Philipp Kohlschreiber servierte sicher sowie hart, schlug im ersten Satz fünf Asse, und ließ somit keine einzige Breakchance zu.
Anders zeigte sich dagegen der Argentinier, der kurzfristig für Teamkollegen Juan Monaco eingesprungen war. Horacio Zeballos fand nur schwer in die Partie und konnte die deutsche Nummer eins so lediglich bedingt in Verlegenheit bringen. Brachte der Linkshänder zunächst all seine Aufschlagspiele durch, so hatte er im sechsten Spiel des ersten Satzes das Nachsehen. Philipp Kohlschreiber nutzte seine erste Breakchance und ging verdient mit 4:2 in Führung.
Dieses break hielt Kohlschreiber, der sich stark verbessert zeigte und der seine Fehlerquote mehr als in Grenzen hielt, bis zum Ende in Front. So nutzte der Fan des FC Bayern München im neunten Spiel bei eigenem Aufschlag den zweiten Satzball und entschied den ersten Durchgang nach 44 Minuten mit 6:3 für sich.
Auch im zweiten Satz behielt Kohlschreiber, der sich deutlich mehr zutraute und variabel von der Grundlinie agierte, die Oberhand. So brachte er den fehlerhaft spielenden Argentinier in der Folgezeit das ein und andere Mal zur Verzweiflung. Die deutsche Nummer eins schlug weiterhin sicher auf und zeigte auch eine sichtlich bessere Körpersprache. So wusste sich der Augsburger bei erfolgreichen Punktgewinnen zu pushen und anzuspornen.
Philipp Kohlschreiber ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und wies Horacio Zeballos in die Schranken. Gerade an diesem Tage hatten wohl auch die Zuschauer auf dem Center Court ein gutes Gefühl, dass den Deutschen nichts aus der Ruhe bringen kann. Es sollte sich bestätigen, denn den 27-jährigen konnte auch ein Aufschlagverlust im achten Spiel zum 4:4-Ausgleich an diesem Tage nicht aus der Bahn werfen.
Horacio Zeballos war damit das Re-Break gelungen. Doch auch Kohlschreiber schlug postwendend zurück und nahm dem Argentinier mit 40:0 souverän den Aufschlag ab. So servierte die deutsche Nummer eins beim Stande vom 4:5 zum Matchgewinn. Nach einem spannenden neunten Spiel nutzte Kohlschreiber den dritten Matchball, entschied den Satz mit 6:4 und somit auch das Match für sich.
»Es geht in die richtige Richtung. Ich habe in den letzten Tagen viel gemacht und fühle mich jetzt schon ein bisschen wohler. Sicherlich ist noch Luft nach oben, aber so ein Sieg ist natürlich Balsam für die Seele. Ich freue mich für das Team, dass ich dazu beitragen konnte, in Führung zu gehen«, zeigte sich Kohlscheiber sichtlich erleichtert.
So bleibt einerseits zu hoffen und auch zu wünschen, dass der 27-jährige, bei dem die Formkurve gepaart mit mehr Selbstvertrauen wieder nach oben zu zeigen scheint, diese Leistung einfriert, verbessert und auch weiterhin zeigt. »Ich muss lernen, dass ich konstant bliebe, wenn ich gut drauf bin…«.
Ex-Topspieler Boris Becker, der wie nahezu gewohnt den Rochusclub besuchte, jedenfalls sieht bei der derzeitigen deutschen Nummer eins jedenfalls keine Formkrise. »Ich sehe bei Philipp Kohlschreiber keine große Krise. Ich finde, dass er in diesem Jahr wirklich gut gespielt hat. Er hat zwar hier sein erstes Match nicht besonders gut gespielt, aber für mich ist es eine große Krise, wenn man mal ein halbes Jahr lang in der ersten Runde verliert. Davon ist er aber weit weg. Heute hat er wieder gut gespielt und glatt gewonnen. Insofern soll er sich nicht allzu große Sorgen machen. Er spielt ein sehr gutes Tennis und er ist unser bester deutscher Spieler«.
Im zweiten Einzel trifft Andreas Beck morgen ab 13:00 Uhr auf Eduardo Schwank. In welcher Besetzung das abschließende Doppel antritt, ist noch nicht bekannt.






