Für Borussia Mönchengladbach gilt es am kommenden Heimspiel im Kellerduell gegen den 1.FC Kaiserslautern, dranzubleiben. Nach dem glücklichen Auswärtspunkt in Bremen ist dazu ein Sieg gegen die ‚Roten Teufel' Pflicht, um die Hoffnung auf den Klassenerhalt aufrecht zu erhalten. Bei dem Duell gegen die Pfälzer kommt es auch zu einem Wiedersehen mit Oliver Kirch, der von 2003 - 2007 beim VfL spielte. Wir sprachen mit dem 28-Jährigen unter anderem sowohl über seine Zeit bei der Borussia und über das kommende Aufeinandertreffen.
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| Oliver Kich trifft mit FCK auf Borussia - Foto: 1. FC Kaiserslautern |
Fohlen-hautnah: Oliver, seit deinem Wechsel von der Borussia sind fast vier Jahre vergangen. Wie schaust du auf deine Zeit in Mönchengladbach zurück?
Oliver Kirch: Wenn ich an die Zeit zurückdenke, dann habe ich so ein bisschen gemischte Gefühle. Ich hatte in Gladbach überwiegend eine schöne Zeit, die jedoch durch die Verletzungen natürlich ein wenig getrübt wird. Ich kam in vier Jahren nur auf 22 Einsätze, was natürlich viel zu wenig ist, war dabei aber zwei Jahre aufgrund meiner Knieverletzung außer Gefecht.
Ich musste mich bereits im ersten Jahr am Knie operieren lassen und war deshalb lange in der Reha. Dann lief mein Vertrag aus, bin zwar zum Einsatz gekommen und der Vertrag wurde um zwei Jahre verlängert, aber danach musste ich wieder operiert werden, weil wieder die gleichen Schmerzen aufkamen. Das zog sich also leider wie ein Roter Faden durch meine Zeit bei der Borussia. Deswegen war es eine Zeit, an die ich zwar gerne, aber mit gemischten Gefühlen zurückdenke.
Fohlen-hautnah: Dann hast du dich, nachdem du unter Jos Luhukay keine Berücksichtigung mehr fandest, für einen Wechsel zu Arminia Bielefeld entschieden ...
Oliver Kirch: Genau. Mein erster Trainer war Ewald Lienen, dann kam Holger Fach, Horst Köppel, nach meiner Reha Dick Advocaat, dem sich Jupp Heynckes anschloss. Erst mit ihm ging es dann eigentlich wieder aufwärts. Da habe ich in der Vorrunde fast alle Spiele gemacht. Unter Jos Luhukay kam ich in der Rückrunde gar nicht mehr bzw. nur einmal zum Einsatz. Da war eigentlich klar, dass sich die Wege trennen werden.
Dann kam das Angebot von Arminia Bielefeld. Gladbach war ja leider abgestiegen und so war es für mich eine gute Chance, in der 1.Liga zu bleiben. Deshalb habe ich mich damals für Bielefeld entschieden.
Fohlen-hautnah: ... Wo du persönlich eine unter dem Strich gute Zeit hattest ...
Oliver Kirch: Absolut. Ich war dort weniger verletzt und war eigentlich in jedem Jahr Stammspieler, was für meine persönliche Entwicklung gut war.
Fohlen-hautnah: In Bielefeld hast du auch unter Trainer Michael Frontzeck gespielt, der bekanntlich nicht mehr Trainer bei der Borussia ist. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm und wie würdest du ihn charakterisieren?
Oliver Kirch: Er ist für mich ein sehr angenehmer Typ, ein Typ, der sehr nah an der Mannschaft ist und die Gespräche sucht. Er ist im Umgang wirklich ein super und klasse Typ. Warum er bei Borussia nicht das Ruder rumreißen konnte, kann ich nicht beurteilen. Bei Bielefeld war es so, dass er vor dem letzten Spieltag entlassen wurde.
Das war unglücklich seitens Arminia Bielefeld. Also ich kann wirklich nichts Schlechtes über ihn sagen und ich glaube, dass gerade auch im Umgang mit Spielern da auch kein anderer etwas Schlechtes sagen wird.
Fohlen-hautnah: Im letzten Jahr hast du dich dann für einen Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern entschieden ...
Oliver Kirch: Richtig. Die Situation war in Bielefeld bekanntermaßen schlecht. Man konnte vielleicht auch ahnen, dass sie schlechter wird. Zwar nicht unbedingt so schlecht, wie sie jetzt ist, aber es war schon abzusehen, das da Schwierigkeiten kommen.
Dann gab mir Kaiserslautern diese Möglichkeit. Ich hatte noch andere Anfragen aus der 1. Liga, habe aber Kaiserslautern als Verein, mit den vielen Fans und mit dem tollen Stadion, vorgezogen. Ich bin da voll bestätigt worden und bin froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe. Genau wie bei Borussia auch, wird Fußball in der Pfalz richtig gelebt.
Fohlen-hautnah: Beide Vereine sind durchaus Traditionsvereine, die man in deinen Augen im Bezug auf das Umfeld, das Stadion und die Fans vielleicht vergleichen kann ...?
Oliver Kirch: Ich glaube, dass man beide Vereine vom Stadion, von den Fans und von der Begeisterung her, vergleichen kann. Beide kommen ungefähr auf einen ähnlichen Zuschauerschnitt und die Treue der Fans ist genauso. Was so ein bisschen der Unterscheid ist, dass sich Kaiserslautern auf die Region beschränkt. Der FCK ist eben das Herz der Pfalz. Das heißt, die ganze Pfalz steht hinter dem Verein und schöpft das Potenzial aus.
Fohlen-hautnah: Wie hast du die Fans der Borussia in Erinnerung gehalten? Ich denke, dass du dich auch auf die Atmosphäre im Borussia-Park freuen wirst.
Oliver Kirch: Absolut. Gerade das Einlaufen mit der „Elf vom Niederrhein" war immer etwas Besonders. Das sind Augenblicke, an die man sich immer gerne zurückerinnert und darauf freue ich mich auf jeden Fall.
Fohlen-hautnah: Hast du noch generellen Kontakt zur Borussia und/oder zu ehemaligen Mitspielern?
Oliver Kirch: Es sind ja nicht mehr viele da. Mir fallen da nur noch Tobias Levels und Christofer Heimeroth ein. Thorben Marx kenne ich ja noch aus Bielefeld. Das sind so die Spieler, zu denen ich noch sporadisch Kontakt habe. Aus meiner Zeit spreche ich noch öfters mit Peer Kluge und Eugen Polanski.
Fohlen-hautnah: Du hast Thorben Marx angesprochen, mit dem du in Bielefeld zusammengespielt hast. Wie würdest du ihn als Mensch und Spielertyp beschreiben?
Oliver Kirch: Thorben ist ein klasse und ein total netter Typ. Im ersten Jahr ist er bei Borussia eingeschlagen und war aus dem Mittelfeld eigentlich nicht wegzudenken. Er strahlt privat und auch auf dem Platz sehr viel Ruhe aus. Ich mag ihn als Spieler. Er kann im Mittelfeld sehr viel ordnen und ganz saubere und weite Pässe spielen. Ich habe mit ihm in Bielefeld oft im zentralen Mittelfeld zusammengespielt und das hat immer sehr gut gepasst.
Fohlen-hautnah: Hast du noch ein Auge darauf, was bei der Borussia passiert?
Oliver Kirch: Ja natürlich. Wenn du vier Jahre in einem Verein warst und auch viele Leute kennengelernt hast, dann interessiert dich der Verein immer noch. Ich habe der Borussia immer nur das Beste gewünscht, ob das jetzt der Nichtabstieg oder auch der Wiederaufstieg war, nachdem ich weggegangen bin.
Aktuell ist es natürlich eine etwas schlechte Konstellation, weil ich der Borussia jetzt nicht wirklich Punkte gönnen kann, da wir selber im Abstiegskampf stecken. Da muss ich die Sympathie gerade auch deshalb etwas bei Seite schieben, da wir am Freitag im direkten Duell aufeinandertreffen. Die Wunschkonstellation wäre natürlich schon, dass beide Mannschaften in der Liga bleiben.
Fohlen-hautnah: Wie beurteilst du die Entwicklung bei Borussia, seitdem du weg bist?
Oliver Kirch: Nach dem Abstieg und nach der tollen Saison in der 2.Liga, die man ja mit tollen Leistungen wirklich in einem Rutsch durchging, hatte ich eigentlich gedacht, dass man sich in der Bundesliga stabilisiert und sich auch ein paar Plätze höher ansiedelt. In meinen Augen sind die Voraussetzungen da, um mehr zu erreichen, als das gerade der Fall ist. Ich glaube aber, dass mit Rainer Bonhof im Präsidium schon ein bisschen mehr Ruhe eingekehrt ist.
Fohlen-hautnah: Am Freitag dürfte es ein durchaus besonderes Spiel für dich sein ...
Oliver Kirch: Es ist natürlich ein stückweit ein besonders Spiel für mich, weil ich nun mal auch vier Jahre in Gladbach war. Das ist schon eine lange Zeit. Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit den ganzen Mitarbeitern der Borussia, von denen ich sicherlich noch einige kenne.
Fohlen-hautnah: Am Freitag kommt es also zum Aufeinandertreffen zwischen der Borussia und dem FC K. Zweifelsohne ein Kellerduell, in dem es gerade für die Borussia gilt, die Punkte zu behalten. Auf euch dürfte aufgrund des Heimerfolgs gegen den SC Freiburg kein unermesslicher Druck lasten. Was erwartest du für ein Spiel?
Oliver Kirch: Ich glaube schon, dass für Borussia der Druck gerade deshalb, weil sie zuhause spielen, viel höher ist. Das ist vielleicht ein Vorteil, weil wir nicht unbedingt auf Teufel komm raus das Spiel machen müssen. Borussia hat zwei Möglichkeiten: Entweder, sie machen von Beginn an sehr viel Druck oder versuchen, das Spiel ganz normal zu gestalten.
Fohlen-hautnah: Wie müsst ihr demzufolge auftreten?
Oliver Kirch: Für uns kommt es darauf an, gut dagegen und das Spiel lange offen zu halten. Je länger das Spiel dauert, es Unentschieden steht oder wir vielleicht sogar in Führung gehen, desto schwieriger wird es für Borussia. Ich glaube, das wird unsere Chance sein.
Fohlen-hautnah: Welche Gefahren lauern bzw. warten da in deinen Augen auf euch, sprich auf was oder wen müsst ihr bei Borussia besonders aufpassen?
Oliver Kirch: Das ist ganz klar die individuelle Klasse von Borussia. Marco Reus und auch Juan Arango können ein Spiel entscheiden. Diese Leute und gerade die Stärke nach vorne gilt es für uns auszuschalten. Auch die Defensive ist jetzt unter dem neuen Trainer stärker geworden und deshalb ist Borussia, was die Rückrunde angeht, in jedem Fall einen Schritt voran gekommen.
Fohlen-hautnah: Was macht dich abschließend unabhängig vom Ausgang des Spiels zuversichtlich, dass es auch in der kommenden Saison das Erstligaduell Gladbach gegen Kaiserslautern geben wird ...?
Oliver Kirch: Von unserer Seiter aus glaube ich, dass mit dem Sieg gegen Freiburg in letzter Sekunde ein Knoten geplatzt ist, das wir mit dem ersten Sieg der Rückrunde mit Rückenwind nach Gladbach kommen und die nächsten Spiele auch erfolgreich gestalten werden. Ich vertraue darauf, dass wir so gut wie auch teilweise in der Hinrunde spielen und die nötigen Punkte holen, um die Klasse zu halten. Borussia wünsche ich nach unserem Spiel, dass sie dann auch Punkte holen, um vielleicht den Relegationsplatz zu bekommen und sich darüber für die 1.Liga qualifizieren.
Es ist natürlich für beide Mannschaften sehr eng. Ich hoffe einfach und glaube, dass wir es aus eigener Kraft schaffen können, über dem Strich zu bleiben und dass Borussia es am Ende auch noch irgendwie schafft.






