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HomeAbseitsSaison 2010 / 2011Patrik Andersson: »Wahl in die Jahrhundertelf ist eine große Ehre«

Patrik Andersson: »Wahl in die Jahrhundertelf ist eine große Ehre«

Ex-Borusse Patrik Andersson im Interview

Von 1993 bis 1999 spielte Patrik Andersson für Borussia Mönchengladbach, trug in 174 Spielen das Trikot des VfL und wurde 1995 DFB-Pokalsieger mit den Fohlen. Im Jahr 2000 wurde der heute 38-Jährige Schwede in die Jahrhundertelf der Borussia gewählt. Nach dem Abstieg im Jahre 1999 wechselte der Innenverteidiger zum FC Bayern München und beendete im August 2005 nach einer schweren Verletzung seine aktive Karriere bei Malmö FF. Nach dem Spiel der Borussia gegen den FC Bayern sprachen wir mit Patrik Andersson über das Spiel, seine Zeit bei der Borussia und über seine heutigen Aufgabengebiete.

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Patrik Andersson im Interview - Foto: Patrik Andersson für Fohlen-Hautnah.de

Fohlen-Hautnah: Patrik, im Jahr 2005 musstest du deine Fußballkarriere nach einem Kreuzbandriss und Meniskusschaden, den du dir im Qualifikationsspiel zur Champions League zugezogen hast, bei Malmö FF vorzeitig beenden. Wie geht es dir heute, wo lebst du und was ist seit dem passiert?

Patrik Andersson: Danke, mir geht es sehr gut. Ich wohne mit meiner Familie in Falsterbo, etwa 25km südlich von Malmö. Richtig. Ich wollte nach der Saison 2005/2006 sowieso aufhören, habe mich aber leider im Spiel gegen den FC Thun verletzt. Das war schade, aber so ist es halt. Ich bin auf dem Platz „gefallen" und das ist auch ein gutes Ende.

Ich habe nach meinem Karriereende viel gemacht und bin nach wie vor vielseitig beschäftigt. Seit 2000 bin ich Partner der schwedischen Investmentfirma ‚Varenne Investment' mit Sitz in Stockholm. Diese Firma investiert in Immobilien und Private Equity- Fonds.

Desweiteren bin ich seit 2006 Partner der schwedischen Fußballakademien. Dort betreue ich 22 Schulen und habe dort die Geschäftsfelder Ausbildung von Spielern und Führungskräften, Client Management und Schule. Weiterhin war ich im Jahr 2009 UEFA Botschafter der U21-Europameisterschaft.

Seit vergangenem Jahr bin ich Vorstandsmitglied im schwedischen Frauenfußballclub Ldb FC Malmö, der amtierender schwedischer Meister ist. Im Zusammenhang mit dem Frauenfußball bin ich für Schweden auch der sogenannte ‚Goodwill-Botschafter' der FIFA für die WM 2011 in Deutschland.

Ebenso seit 2010 bin ich für Manchester United in gewisser Weise als Scout für Sir Alex Ferguson tätig. In diesem Jahr bin zudem Botschafter für die UEFA Champions League und seit Anfang des Jahres Partner der Sportmarke und Ausrüsterfirma ‚Pele Sports', die ihren Hauptsitz in Bensheim bei Frankfurt hat. Hier habe ich die Vertriebsrechte für Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Ukraine, Russland und die baltischen Staaten.

Desweiteren bin ich seit 2010 im Begriff, beim schwedischen Verband meine Trainerscheine zu machen. Langweilig wird mir also nicht.

Fohlen-Hautnah: Das ist in der Tat ein breitgefächertes und interessantes Aufgabenspektrum, wo man sicherlich noch mal ins Detail gehen kann. Du machst deine Trainerlizenz. Das heißt, in absehbarer Zeit könnte man Patrik Andersson irgendwo an der Seitenlinie und beispielswiese nicht als Spielerberater sehen ...

Patrik Andersson: Genau. Das ist mein Plan. Nein, Spielerberater ist nichts für mich. Davon gibt es auf der Welt auch genug.

Fohlen-Hautnah: In dem Zusammenhang war und ist zu lesen, dass Malmö FF Interesse hat, dich als Trainer zu engagieren. Unter Wikipedia steht, dass du dort seit 2008 Sportdirektor bist ...

Patrik Andersson: Einen Posten habe ich bei Malmö derzeit nicht. Es ist so. Wenn dort oder bei einem anderen Verein über einen Trainerwechsel etc. gesprochen wird, dann kommt immer mein Name ins Gespräch. Wir haben mehrmals gesprochen, aber es ist bisher nicht zu einem Engagement gekommen. Ich bin in Malmö lediglich ein wenig unterstützend tätig und verfolge den Verein, da mein jüngerer Bruder dort noch spielt.

Fohlen-Hautnah: Du hast die Aufgabe bei Manchester United angesprochen. Was ist da genau dein Aufgabengebiet?

Patrik Andersson: Dort bin ich seit August 2010 als Repräsentant überwiegend für Skandinavien tätig. Man kann sagen: Die zweite Stellungnahme zu einem Spieler. Sie meinten, dass sie zu viel Zeit investieren und Geld ausgeben für Spieler, die dann nicht einschlagen. Dann haben sie jemanden gesucht, der unabhängig ist. Ich habe eigentlich keinerlei Verbindungen zu irgendwelchen Vereinen oder so.

Ich verfolge da „fertige" Spieler und mache das nicht, um Spieler zu finden. Denn Manchester hat ja auch seine eigene Akademie. Ein Beispiel: Edwin van der Sar hört nach der Saison auf und da habe ich überall in Europa Torhüter verfolgt und habe mir Alternativen angeschaut. Oder Paul Scholes hört auf und dann habe ich mir für ihn Alternativen und Spieler angesehen.

Darüber schreibe ich dann einen Bericht, der dann in einer Datenbank gespeichert und mit anderen Berichten verglichen wird. Danach trifft man dann eine Entscheidung, ob der Spieler interessant ist oder nicht. Dann schaut sich Sir Alex diesen Spieler vielleicht an. Die großen Namen kennt er aber sowieso.

Für Schweden ist es so, dass ich dann das Niveau und die Qualität der Spieler beurteile und vergleiche. Das geht dann am besten, wenn sie sich auf internationalen Parkett bewegen. Wenn beispielsweise Leverkusen nach Trondheim kommt oder wenn der FC Kopenhagen gegen den FC Barcelona spielt. Da sieht man dann das Niveau der skandinavischen Spieler.

Ein Beispiel ist Oscar Wendt vom FC Kopenhagen, dessen Vertrag in diesem Sommer ausläuft. Auch einige Vereine in Deutschland, die ich bei Spielbeobachtungen getroffen habe, verfolgen ihn derzeit. Ohne das ich da jetzt Namen nenne. Er wird als bester linker Verteidiger in der Liga genannt. Aber was bedeutet das? Das sagt nicht viel aus. Da muss man erst sehen, wie gut er ist. Dazu muss man ihm mit anderen Topspielern vergleichen und dann sieht man sein Niveau. Das mache ich.

Fohlen-Hautnah: Für Gladbach ist Ove Flindt Bjerg im skandinavischen Raum tätig und dort wohl sehr aktiv. Hat er ihn auch auf dem Zettel?

Patrik Andersson: Ove, den ich gut kenne, ist immer dabei, kennt ihn und hat ihn bestimmt auch schon mehrmals beobachtet. Er ist ein sehr erfahrener Mann und sympathischer Mensch. Wenn du viel auf Reisen bist, dann siehst du fast immer die gleichen Gesichter. So ist das auch bei Ove. Er ist oft dabei und deshalb sehen wir uns oft. Im Sommer ist er genau wie ich sicherlich auch bei der U21-Europameisterschaft in Dänemark dabei. Leider sind Schweden und Deutschland nicht dabei.

Fohlen-Hautnah: Wenn du einen schwedischen Spieler nennen würdest - wem würdest du es zutrauen, sich in der Bundesliga und auch bei Borussia durchzusetzen?

Patrik Andersson: Ein interessanter Spieler in Schweden im Moment ist Alexander Gerndt von Helsingborg IF. Er war in der abgelaufenen Saison mit 20 Toren und 4 Vorlagen in 29 Spielen Torschützenkönig der Allsvenkan. Er hat auch jetzt seine ersten Länderspiele gemacht und hat dort einen guten Eindruck hinterlassen.

In einem Verein, wie zum Beispiel Borussia Mönchengladbach, würde ich ihm das auf jeden Fall zutrauen. Es hat einen guten linken Fuß, ist technisch sehr stark, sehr beweglich und sehr schnell. Ich glaube, dass er im Sommer den Verein wechselt.

Fohlen-Hautnah: Da du mit den schwedischen Fußballakademien zusammenarbeitest. Stichwort Talentförderung. Was sind da die Unterschiede zwischen Schweden und Deutschland?

Patrik Andersson: Unser Problem ist, dass die Talente leider früh weg gehen. Da haben wir hier in Schweden noch viel Arbeit. Wir müssen den letzten Schritt machen und früher bereit sein. In Spanien sind die zum Beispiel mit 18, 19 da. In Schweden erst, wenn sie fertiger Spieler sind.

Fohlen-Hautnah: Wer ist in deinen Augen derzeit der beste Innenverteidiger in der Liga?

Patrik Andersson: Das ist sehr schwer, da einen zu nennen und auszuwählen. Bayern München hat da ja im Moment enorme Schwierigkeiten. In der letzten Saison war es in meinen Augen Sami Hyypiä von Bayer Leverkusen. In dieser Saison hat er ja mit Verletzungen zu kämpfen. Also es ist sehr schwer, da einen zu nennen.

Fohlen-Hautnah: Und Dante von Borussia ...?

Patrik Andersson: Ihn habe ich leider zu wenig live gesehen, um ihn beurteilen zu können.

Fohlen-Hautnah: Schauen wir mal auf den Frauenfußball, wo dich auch sehr engagierst. Du bist für den Land ‚Goodwill-Botschafter' der FIFA für die WM 2011 in Deutschland. Schweden spielt in Leverkusen. Sieht man dich dort und vielleicht auch im Borussia-Park?

Patrik Andersson: Ich hoffe es. Ich bin ja FIFA-Botschafter und hoffe, dass ich im Sommer nach Deutschland und dann auch nach Gladbach kommen kann, wo ja bekanntlich auch Spiele stattfinden.

Fohlen-Hautnah: Du bist also auch im Vorstand des Frauenfußballclubs Ldb Malmö FC. Wie siehst du die Zukunft des Frauenfußballs?

Patrik Andersson: Es wird sehr viel gemacht und der Frauenfußball ist viel professioneller geworden. Vor allen Dingen auch das Interesse in der Jugend steigt. Viele Mädchen fangen an, Fußball zu spielen. Der Frauenfußball nimmt gerade auch in Schweden eine gute Entwicklung. Schweden ist Ausrichter der Europameisterschaft 2013 und ich denke und hoffe, dass das auch noch mal einen Schub und eine positive Entwicklung geben wird.

Fohlen-Hautnah: Kommen wir mal zur Borussia Wie schaust du auf diese Zeit zurück?

Patrik Andersson: Sicherlich schaue ich da sehr gerne zurück. Das war eine tolle Zeit, in der ich eine tolle Entwicklung genommen und Erfolge gefeiert habe. Leider hatten wir zum Schluss in der Bundesliga nicht die Stärke um mitzuhalten und sind abgestiegen. Ich finde, wir konnten bis zum Bosman-Urteil gut mithalten. Danach waren wir nicht mehr so erfolgreich. Mit nur drei oder vier Ausländern konnten wir sehr gut mithalten.

Fohlen-Hautnah: Du hast den VfL 1999 nach dem Abstieg in die 2. Liga verlassen. Verfolgst du noch, was bei der Borussia passiert und hast du noch Kontakte zum Verein oder zu ehemaligen Weggefährten, wie zum Beispiel Max Eberl und Martin Dahlin?

Patrik Andersson: Klar verfolge ich die Borussia noch. Aber es geht im Fußball alles sehr schnell und wenn man dann den heutigen Kader betrachtet, dann sind dort keine Spieler mehr, die ich kenne. Ich habe gesehen, dass der Zeugwart und die Ärzte Dr. Stefan Hertl und Dr. Ditzel noch da sind, aber ansonsten sind alle weg. Spieler gehen, aber das Einzige was immer bleibt, sind die Fans.

Ich war beim Abschiedsspiel von Uwe Kamps im Borussia-Park. Das Stadion ist schön und war für den Verein sehr notwendig, um Geld zu verdienen, aber von meinem Gefühl her ist Borussia auf dem Bökelberg. Die Atmosphäre auf dem Bökelberg war einfach großartig und einmalig. Zu Max Eberl und zum Verein an sich habe ich keinen Kontakt. Ein bisschen Kontakt habe ich mit Frau Onkelbach. Regelmäßig spreche ich mit Martin Dahlin.

Fohlen-Hautnah: Du hast die Fans der Borussia angesprochen. Ich gehe mal davon aus, dass du sie in bester Erinnerung hast, denn schließlich haben sie dich im Jahr 2000 auch in die Jahrhundertelf der Borussia gewählt ...

Patrik Andersson: Die Fans habe ich in bester Erinnerung. Ich hatte zu ihnen ein sehr gutes und enges Verhältnis und hatte immer das Gefühl, dass ich sie im Rücken hatte. Und darüber, dass ich in die Jahrhundert-Elf der Borussia gewählt wurde, bin ich sehr stolz. Das ist eine große Ehre für mich.

Fohlen-Hautnah: Du hast abschließend sicherlich das Spiel deiner Ex-Clubs FC Bayern München und Borussia verfolgt. Gab es bei diesem Spiel eine Art „Gewissenkonflikt" ...?

Patrik Andersson: Ja. Ich habe mir das Spiel in der Zusammenfassung im Fernsehen angeschaut. Beide Vereine haben verschiedene Ziele. Bayern will in die Champions League und für Borussia geht es um den Klassenerhalt. Deshalb habe ich in dem Spiel der Borussia die Daumen gedrückt, weil sie in der Liga bleiben müssen. Ich habe gehofft, dass Bayern die Punkte woanders holt, um Platz drei zu sichern.

Fohlen-Hautnah: Wie schätzt du die derzeitige Situation bei Borussia im Bezug auf den Klassenerhalt ein?

Patrik Andersson: Nach der 1:0-Niederlage der Borussia, die in meinen Augen nach dem Tor von Robben unglücklich war, wird es natürlich schwer, die Klasse zu halten. Aber man muss nicht soweit schauen. Zunächst kommt das Derby gegen Köln. Das muss man unbedingt gewinnen, wozu ich die Daumen drücke, und dann schaut man weiter. Sieben Punkte zum rettenden Ufer sind natürlich viel, aber ich hoffe, dass sie es schaffen.


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