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HomeAbseitsSaison 2011/2012Nach Burnout-Syndrom auf dem Weg zurück in den Profifußball

Nach Burnout-Syndrom auf dem Weg zurück in den Profifußball

Ex-Borusse Eric Tappiser will noch mal angreifen

Der Weg von Eric Tappiser bei Borussia Mönchengladbach und in den Profifußball war vorgezeichnet. Vom ASV Süchten im Sommer 2004 zum VfL gewechselt, ging es für den Stürmer stets und steil bergauf. Doch nach der Europameisterschaft 2008 wurde der Weg des Ausnahmetalents jäh gestoppt, was ihn in Depressionen verfallen ließ. Nach zwischenzeitlichen Burnout-Syndrom will es der Angreifer nun noch mal wissen.

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Ex-Borusse Eric Tappiser, derzeit in Süchteln, will wieder angreifen. Foto: Andreas Plum, Fohlen-Hautnah.de

Eric Tappiser hatte nahezu alle Trümpfe in der Hand. Im Sommer 2004 als 14-Jähriger vom ASV Süchteln zur Gladbacher Borussia gewechselt, vermochte den Angreifer nichts aufhalten. Bereits in seinem ersten Jahr schoss der Rechtsfuß 19 Tore in Borussias U15 und übersprang im folgenden Jahr einen Jahrgang und lief für die U17 auf.

Und hat dort unter anderem mit dem heutigen Bundesliga-Star, Lewis Holtby vom FC Schalke zusammengespielt. Später auch mit Borussias heutigem Profi Dennis Dowidat.

»Eric ist eines der größten Talente, mit denen ich jemals zusammengespielt habe«, sagt Dowidat. »Er war damals in unserem Jahrgang der Spieler mit den besten Voraussetzungen«.

Zunächst konnte der gebürtige Viersener diese Voraussetzungen ummünzen und machte so auch in den Kreis- und Niederrheinauswahlmannschaften sowie im Trikot des DFB auf sich aufmerksam. Bis eben zur Europameisterschaft 2008. Dort war der damals 18-Jährige zwar dabei, kam jedoch keine Minute zum Einsatz.

Bis dato war der heute 21-Jährige die Karriereleiter zügig hinaufgelaufen und wurde nach der EM 2008 abrupt gebremst. »Mein Weg war nicht nur vorgezeichnet, vielleicht war er auch ein wenig zu schnell«, vermutet Tappiser heute. »Seit dem ich 14 Jahre bin und mehr oder weniger aus Spaß Fußball gespielt habe, ging alles ganz schnell«.

»Ob beim Kreis- oder Niederrheinauswahltraining, ich musste immer lediglich einmal vorspielen und war sofort dabei. So setzte sich das auch bei den Juniorennationalmannschaften fort. Ich war immer dabei, habe immer gespielt und hatte nie einen wirklichen Rückschlag«, so Tappiser weiter. »Bis zur Europameisterschaft. Da war ich zwar dabei, habe aber nicht eine Minute gespielt. Danach ging es irgendwie nicht mehr bergauf. Ich weiß nicht, ob mich das irgendwie gezeichnet hat«.

Die Leichtfertigkeit war weg und so ging dem Angreifer die bis dato vorhandene Selbstverständlichkeit verloren und fiel in ein Loch. »Ich bin morgens aufgewacht, war einfach nur da und hatte keinen wirklichen Antrieb, irgendetwas zu machen«, beschreibt Tappiser.

Ein entscheidender Einschnitt für den jungen Fußballer, der fortan ein wenig Selbstzweifel hegte, den Weg zum Psychologen des VfL und zu Borussias Mannschaftsarzt Dr. Heribert Dietzel suchte. »Dr. Dietzel schätze ich auch vom Menschlichen her sehr. Er hat mir geholfen und mir erst mal Tabletten gegen Antriebslosigkeit verschrieben«, erklärt der 21-Jährige.

Und genau aufgrund dieser Antriebslosigkeit ging es auch bei Borussia bergab. »Ich habe zwar noch in der U19 unter Uli Sude gespielt und auch für mich angemessene Resultate erzielt, in der U23 ging es dann aber unter Horst Wohlers abwärts«, sagt der Stürmer. »Ich wusste zu diesem Zeitpunkt, dass ich zwar ein Problem hatte, war aber nicht aufgeklärt«.

So ließ er auch das Sommer-Trainingslager zur Saison 2009/2010 der U23 in der Türkei sausen. »Ich bin morgens aufgewacht und einfach nicht zum Treffpunkt gefahren. Keiner bei Borussia wusste bescheid«, erklärt Tappiser.

»Das war so der erste offizielle Moment, wo klar war, dass Fußball in diesem Moment nicht mehr so geht«, so der 21-Jährige weiter. Während die Truppe um Ex-Trainer Horst Wohlers zwei Wochen am Bosporus weilte, hatte er sich nach einer Woche wieder aufgerappelt und mit dem Training begonnen.

Ein also alles andere als guter Start ins erste Seniorenjahr, dass sich in der Folgezeit auch nicht im Sinne des talentierten Fußballers fortsetzen sollte. »Das erste halbe Jahr habe ich gar nicht gespielt«, erinnert sich Tappiser. »Aber Roland Virkus und auch Thomas Schumacher (ehemaliger Jugendcheftrainer, d. Red.) haben immer an mir festgehalten«.

So kam Tappiser in der Nachwuchsrunde zum Einsatz und stellte dort mit guten Auftritten und Toren seine Qualitäten unter Beweis. Dennoch konnte er sich unter Horst Wohlers in Borussias zweiter Mannschaft nicht durchsetzen. Auf lediglich drei Regionalliga-Kurzeinsätze brachte er es in der Saison 2009/2010.

In der Winterpause der gleichen Saison hieß es erneut Trainingslager in der Türkei. Auch an diesem nahm Tappiser nicht teil und zog sich stattdessen vom Fußball zurück. »Ich habe es dann einfach so auspendeln lassen«, erinnert sich Tappiser, der dann im Sommer 2010 seine Fußballschuhe zunächst an den Nagel hing, nachdem sein Vertrag beim VfL ausgelaufen war.

Dennoch schaut der 21-Jährige alles andere als im Groll auf seine Zeit beim VfL zurück. »Bis auf das letzte Jahr bei der U23 denke ich nur positiv an diese Zeit zurück. Das war eine tolle Zeit, mit vielen schönen Spielen und Länderspielreisen«, strahlt Tappiser.

»Christian Ziege, mein Trainer in der B-Jugend, war ein überragender Trainer und toller Mensch mit großer Fachkompetenz. An ihn und auch an Uli Sude erinnere ich mich sehr gerne zurück«, blickt Tappiser zurück.

»Am erfolgreichsten gespielt habe ich aber unter Roland Virkus. Er hat mich immer topmotiviert und es in jedem Spiel geschafft hat, das Maximale aus mir herauszuholen«, so der Stürmer weiter. »Einen sehr guten zwischenmenschlichen Bezug hatte ich zu Thomas Schumacher, der mir gerade in meiner schweren Zeit stets mit Rat und Tat zur Seite stand«.

Das damalige Ausnahmetalent musste sich derweil eingestehen, an Depressionsschüben und dem Burnout-Syndrom zu leiden. »Das war schon ziemlich extrem, weshalb ich dem professionellen Fußball auch erst mal den Rücken gekehrt habe«, beschreibt der 21-Jährige. Daran änderte auch ein Angebot der zweiten Mannschaft des MSV Duisburg im Sommer 2010 nichts.

Nach einem Probetraining bei den Meiderichern, wo er überzeugen konnte, sollte der Angreifer im Anschluss mit in ein Trainingslager fahren, um Vertragsdetails zu klären. Trainingslager? - Da war doch was. Schnell kamen bei dem Rechtsfuß in diesem Bezug Erinnerungen hoch. »Als ich Trainingslager hörte, war ich einfach nicht bereit dazu«, erklärt der Rechtsfuß und nahm dann erst mal Abstand vom Fußball. »Dann habe ich erst mal eine Pause eingelegt«.

»Zu dieser Zeit hätte ich mich nicht fest binden können, das ging einfach nicht«, so Tappiser weiter. Nahezu antriebslos und ohne Motivation hatte der 21-Jährige das aufgeben müssen, was ihm bis dato am meisten Spaß bereitet hatte - das Fußballspielen. »Es gibt in dieser Phase der Antriebslosigkeit kein positives Gefühl oder keine Emotion, dass das überspielen kann«, erklärt Tappiser.

So zog sich der ehemalige U-Nationalspieler erst mal zurück, versuchte die Tage normal anzugehen und sammelte seine Gedanken. Und in den Phasen, wo er nicht down sondern gut drauf war, stellte er fest, dass ihm dann doch das fehlte, was ihm eben bis dato große Freude bereitet hatte - nämlich das Fußballspielen. »An den Tagen, wo es mir gut ging, habe ich dann den Fußball, den ich lebe und der mir Spaß macht, vermisst«, erklärt der ehemalige Borusse.

So kam es, dass es ihn im Dezember 2010 wieder zu seinen Wurzeln zog. Tappiser schloss sich Bezirksligist ASV Süchteln an und fand wieder Spaß am Fußball. Und das auch, weil ihm seitens des Vereins, des Trainers und der Mitspieler großes Vertrauen auch im Umgang mit seiner Krankheit geschenkt wurde.

Gerade aber auch deshalb, weil der Angreifer mit seiner Krankheit recht offen umgegangen ist. »Als Eric zu uns kam wusste ich nicht, was er für eine Krankheit hat. Aber er hat sich geöffnet und nur so konnten wir ihm helfen«, sagt Ex-Borusse und ASV-Kapitän Chiquinho. »Ich helfe und unterstützte ihn so gut ich kann. Ich bin kein Gott, aber alles was ich für ihn auch mit meiner Erfahrung tun kann, werde ich tun«.

Auch für seinen Trainer beim Bezirksligisten sicherlich keine einfache Aufgabe. »Mir war es wichtig, mit ihm arbeiten zu dürfen, da es auch eine Herausforderung für mich war, ihn langsam wieder in die Spur zu bringen«, sagt Süchtelns Trainer Frank Mitschkowski. »Ich bin zwar kein Psychologe, kann mich da aber hineinversetzen. Denn durch meinen Beruf als Polizeibeamter habe ich ständig mit verschiedenen Menschenarten zu tun«.

»Ich denke ich kann damit gut umgehen, auch wenn ich keinen Psychologen ersetzten kann. Vor allem setze ich ihn nicht unter Druck, habe stets ein offenes Ohr für ihn und gebe ihm das Gefühl wichtig für den ASV und die Mannschaft zu sein«, erklärt Mitschkowski. »Somit arbeite ich an seinem Selbstbewusstsein. Und das wird durch seine guten Leistungen mehr und mehr gestärkt«.

Gestärkt durch dieses Vertrauen fand Tappiser langsam aber sicher mental und fußballerisch wieder in die Spur. Und zahlte bzw. zahlt sein Vertrauen mit herausragenden Leistungen zurück. »Er gehört auf gar keinen Fall hier hin. Ich weiß, dass er nach oben gehört, da er bombastische Qualitäten hat«, ist Kapitän Chiquinho überzeugt. »Eric hat Geschwindigkeit gepaart mit einer sehr guten Technik. Er ist beidfüßig sowie schussgewaltig und bei seinen Tempodribblings nur schwer zu halten«, lobt sein Trainer.

»Er muss seine Probleme in den Griff bekommen«, so Chiquinho im Bezug auf eine Rückkehr in den bezahlten Fußball. Und genau das ist mittlerweile der Fall. »Süchteln hat mir Vertrauen geschenkt und die Freude am Fußball zurückgegeben«, freut sich Tappiser.

»Eric hat ein gutes Standing im Team. Die Jungs wissen, was mit ‚Tappi' los ist und gehen damit sensationell gut um«, sagt der ASV-Trainer. »Er ist mit viel Spaß und Vollgas bei der Sache. Ich hoffe und wünsche ihm, dass er nochmal Anschluss findet«.

Und genau das hat sich der 21-Jährige nun auf die Fahne geschrieben. »Ich habe alles unter Kontrolle, will es nochmal wissen und möchte wieder angreifen«, hat sich Tappiser das Ziel gesetzt, noch mal höherklassig zu spielen. Den gleichen Weg wie seine ‚alten' Weggefährten Patrick Herrmann, Toni Kroos und Lewis Holtby möchte er wieder einschlagen.

»Das Fußballspielen kann er nicht verlernt haben. Mit seinem robusten Körper, mit seiner Schnelligkeit und mit seinen fußballerischen Fähigkeiten hat er sehr, sehr viel mitgebracht, was man im Profifußball gebrauchen kann. Da hat er schon eine Menge Potenzial mitbringen können«, sagt Max Eberl.

»Aber die Professionalität und die Einstellung zum Beruf spielen eben auch eine entscheidende Rolle. Die musst du an den Tag legen, um nach oben zu kommen«, so Borussias Sportdirektor weiter. »Ob er allerdings die Zeit, die er verloren hat, wieder aufholen kann ist natürlich die Frage - das kann ich nicht beurteilen«.

»Ich hoffe von ganzem Herzen, dass ‚Tappi' noch mal im Profifußball Fuß fasst. Er ist ein lieber Junge und ein Vollprofi, der seinen Weg wieder gehen wird. Er hat das Potenzial wieder höher zu spielen«, ist Chiquinho überzeugt. »Die Krankheit hat ihn etwas zurückgeworfen, aber ich bete jeden Trag für ihn, dass er wieder zurückkommt«.

»Es würde mich nicht wundern, wenn er es noch mal schaffen würde, aber es ist natürlich schwerer geworden«, sagt Dennis Dowidat. »Ich wünsche ihm, dass er noch mal angreifen kann. Über seine Qualitäten brauchen wir nicht sprechen, da wird er keine Probleme haben«.

Dazu muss sich der talentierte Fußballer verändern, und das bestenfalls bereits in der kommenden Wintertransferperiode, um gerade auch in Sachen Trainingsintensität wieder an professionelle Bedingungen zu kommen. Wobei ihm auch sein aktueller Trainer Frank Mitschkowski in Verbindung mit Ex-Profi und heutigem Spielerberater Jens Nowotny mit behilflich wird.

Und auf der Suche nach einer neuen und höheren Herausforderung legt ihm sein aktueller Club dann auch keine Steine in den Weg. »Wenn ein Verein kommt, dann würden wir ihn sofort frei geben«, erhält Tappiser auch von Süchtelns Abteilungsleiter Fußball, Dietmar Meurer die volle Unterstützung.

»Ich habe alles unter Kontrolle und Spaß sowie den Ehrgeiz, dem Druck stand zu halten und wieder im Profifußball spielen zu wollen«, ist Tappiser wieder voller Tatendrang und bereit für den Profifußball. »Ich möchte die letzten drei Jahre aus meinem Lebenslauf streichen und die Karriere da fort führen, wo ich sie aufgehört habe«.

Nichts anderes als all das ist dem sympathischen und mit Qualitäten ausgestatteten ehemaligen Borussen und U-Nationalspieler zu wünschen. Eric Tappiser hat den Fußball sowohl von der schönen aber auch von der weniger schönen Seite kennengelernt und weiß, was es bedeutet ganz oben und ganz unten zu sein. Möge es nun wieder steil nach oben gehen ...


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