Am kommenden Samstag gilt es für Borussia Mönchengladbach, im Spiel beim FC Augsburg in den Punkten zu bleiben. Der Bundesliga-Neuling hat derzeit die rote Laterne inne, wird jedoch sicherlich alles versuchen, um dem VfL ein Bein zu stellen. Und das wird auch Jan-Ingwer Callsen-Bracker wollen, der von 2008 bis Januar 2011 beim VfL spielte. Wir sprachen mit dem Ex-Borussen unter anderem über das kommende Aufeinandertreffen und über seine Zeit bei der Borussia.
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| Nimmt der VfL den FCA und Ex-Borusse Jan-Ingwer Callsen-Bracker in den Schwitzkasten? Foto: Dirk Päffgen, für Fohlen-Hautnah.de |
Fohlen-Hautnah: Jan, vor fast genau einem Jahr hast du Mönchengladbach in Richtung Augsburg verlassen. Wie sehr wohl fühlst du dich mittlerweile in der Universitätsstadt?
Jan-Ingwer Callsen-Bracker: Pudelwohl. Und das war von der ersten Minute an so. Augsburg ist eine wunderschöne, tolle und historische Stadt. Die Altstadt von Augsburg hat ein tolles Flair, es gibt viele Flüsse und sehr viele Biergärten.
Zudem sind die Alpen eine Autostunde entfernt. Und auch kulinarisch hat Augsburg viel zu bieten. Die Lebensqualität ist einfach überragend hoch.
Fohlen-Hautnah: Und wie schaust du auf die Zeit bei Borussia zurück?
Jan-Ingwer Callsen-Bracker: Borussia ist Schnee von gestern und abgehakt. Ich schaue nur nach vorne. Es war eine sehr durchwachsene Zeit, bei der ich einiges auch im Bezug auf das Fußballgeschäft gelernt habe. Aber ich habe mich dennoch wohl gefühlt und viele nette Leute kennengelernt, zu denen ich auch heute noch Kontakt habe. Ich bin damals natürlich mit großen Erwartungen aus Leverkusen nach Gladbach gekommen, wollte mich durchsetzten und als Stammspieler etablieren.
Eigentlich hatte ich einen guten Start, hatte dann aber leider hartnäckige Verletzungsprobleme. Dann musste Jos Luhukay, der mich ja geholt hat, gehen. Unter Hans Meyer war ich erst nicht einsatzfähig, weshalb ich dann natürlich viel an Boden verloren habe. Demzufolge konnte ich mich nicht zeigen und habe mich nicht in die erste Elf spielen können.
Unter Michael Frontzeck war ich dann hochmotiviert und wollte noch mal angreifen, habe mich dann aber leider im ersten Training etwas schwerer verletzt. Diese Verletzung hat sehr lange gedauert und danach habe ich eigentlich keine echte Chance mehr bekommen. So kam ich dann in die zweite Mannschaft, wo es mir sehr viel Spaß gemacht hat und wo ich eine gute Zeit hatte. Das war eine super Truppe.
Es hört sich zwar vielleicht blöd an, aber das war so meine beste Zeit bei Borussia. Das war eine tolle Erfahrung und da hat mir der Fußball wieder Spaß gemacht. Dann habe ich für die Profis noch fünf Spiele machen dürfen, weil zu dem Zeitpunkt einige Verletzungssorgen vorherrschten. Da habe ich mich gut präsentiert und so wurde dann auch der FC Augsburg auf mich aufmerksam.
Fohlen-Hautnah: Zu dem du dann im Januar 2011 in die Zweite Liga gewechselt bist. Was hat dazu den Ausschlag gegeben?
Jan-Ingwer Callsen-Bracker: Die Entscheidung ist mir dann natürlich leicht gefallen. Ich wollte weiter auf hohem Niveau spielen, das ist mein Anspruch. Und nicht wieder in die zweite Mannschaft von Borussia zurückkehren. Augsburg war zu dem Zeitpunkt Tabellenführer und ich wollte versuchen, mit ihnen aufzusteigen.
Das ist mir gelungen und nicht nur deswegen war und ist Augsburg für mich die richtige Entscheidung und ein Glücksgriff. Der FCA ist ein ambitionierter und perspektivisch gut aufgestellter Verein, bei dem mich das Konzept überzeugt und gereizt hat.
Natürlich war es auch toll, dass sie mir nach meiner schweren Zeit die Chance gegeben haben, wieder im Profifußball zu spielen. Da bin ich auch Jos Luhukay sehr dankbar. Ich fühle mich in Augsburg einfach sehr wohl und bin zufrieden.
Fohlen-Hautnah: Und dann bist du in der Rückrunde auf Anhieb Stammspieler geworden, hast zwei Tore erzielt und bist mit dem FCA in die Bundesliga aufgestiegen. Sowohl für dich als auch für den Verein eine mehr als erfolgreiche Rückrunde bzw. Saison ...
Jan-Ingwer Callsen-Bracker: Absolut. Bis auf ein Spiel, wo ich geschont wurde, habe ich alle Spiele absolviert. Insgesamt war die Rückrunde, in der ich auch verletzungsfrei geblieben bin, eine tolle Sache mit einem super Ende.
Fohlen-Hautnah: In wie fern musstest du dich vielleicht auch umstellen, als du von Gladbach nach Augsburg gekommen bist?
Jan-Ingwer Callsen-Bracker: Als erstes Mal der Dialekt. Die Sprache ist natürlich eine andere. Und gerade als Rheinländer muss man sich an diese erst einmal gewöhnen. Das war zu Beginn schon sehr amüsant, aber es hat mir viel Spaß gemacht. Eine andere Umstellung war für mich, dass man hier auch mal in Ruhe in die Stadt gehen kann.
Gerade in Nordrhein-Westfalen ist man im positiven Sinne ja fußballverrückt. Egal, was du als Borussia-Spieler gemacht hast, du wurdest immer erkannt und angesprochen. In Augsburg boomt der Fußball zwar auch, aber es ist eben noch keine traditionell eingesessene Fußballstadt. Was heißt, dass du hier noch deinen Kaffe trinken sowie essen gehen kannst und sozusagen deine Ruhe hast.
Also du kannst hier etwas mehr der Mensch und nicht der Fußballer sein und kannst unerkannt durch die Gassen sowie zum Bäcker gehen. Für mich persönlich ist das sehr angenehm und ich genieße das auch richtig. Natürlich weiß jeder in der Stadt, dass wir Erste Liga spielen und gerade auch die Medienpräsenz wird höher, aber wenn ich durch Augsburg gehe, habe ich habe das Gefühl, dass ich nicht groß angesprochen werde.
Fohlen-Hautnah: Und wenn du nun mal die Borussia und den FCA vergleichst ...
Jan-Ingwer Callsen-Bracker: Vergleichen kann man die beiden Vereine eigentlich nicht, weil Borussia ein Traditionsverein mit einer großen Vergangenheit, mit vielen Mitgliedern in ganz Deutschland und einem überragenden Zuschauerschnitt ist. Augsburg ist dagegen ein junger Verein, der sich sowas gerade erarbeitet. Der Verein ist zum ersten Mal in der Bundesliga, ist perspektivisch aufgestellt und versucht sich gerade zu etablieren.
Wir stehen derzeit am Tabellenende und die Fans feiern uns trotzdem. Wir freuen uns alle, dass wir Bundesliga spielen können und genießen das. Alle im Umfeld sind froh und stolz, dass wir in der Bundesliga sind und bleiben bodenständig. Da sind die Ansprüche bei Borussia gerade auch bei den Fans ganz andere. Und auch was die Infrastruktur betrifft, ist Borussia in der Entwicklung natürlich viel weiter. In Augsburg muss das alles noch wachsen. Dieser Prozess ist aber voll im Gange. Im Endeffekt ist der FC Augsburg schneller aufgestiegen, als das er mitwachsen konnte.
Fohlen-Hautnah: Apropos Aufstieg. Zu diesem hast du mit deinen Leistungen beigetragen, Wie hast du die Rückrunde der vergangenen Saison erlebt?
Jan-Ingwer Callsen-Bracker: Das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Um den Aufstieg mitzuspielen war einerseits super spannend aber wir standen auch enorm unter Druck, weil es unser erklärtes Ziel war. Und wenn du oben stehst, dann bist du natürlich der Gejagte. Hinter uns haben Bochum und Fürth gelauert.
Wir konnten es vor dem letzten Spieltag klar machen. Das haben wir geschafft. Natürlich war das der absolute Wahnsinn, ein großer Erfolg für die Stadt und etwas Historisches. Endlich die Erste Bundesliga erreicht. Das war toll und eine riesengroße Party.
Fohlen-Hautnah: Eine Party ist die Saison bisher allerdings nicht, denn ihr habt nach 15 Spielen mit 11 Punkten die rote Laterne inne ...
Jan-Ingwer Callsen-Bracker: Wichtig ist, wo man nach 34 Spieltagen steht, das hat man ja in der letzten Saison bei Gladbach gesehen. Es gibt auch noch die Relegation. Es ist wichtig, dass der Abstand zu den Mitkonkurrenten nicht größer wird bzw. eng bleibt. Unser Ziel ist der Klassenerhalt und der ist auch noch möglich.
Wir haben in dieser Serie schon super Leistungen gezeigt und tolle Spiele gespielt. In Stuttgart waren wir besser, gegen Bayern hätten wir noch Unentschieden spielen können, in Mainz und gegen Wolfsburg haben wir gewonnen, in Kaiserslautern hätten wir gewinnen und gegen Schalke nicht verlieren müssen. Also ich kann sehr viele Spiele aufzählen, wo wir leider Punkte liegen gelassen haben.
Wenn man unsere Leistungskurve betrachtet, dann zeigt die eindeutig nach oben. Jeder Spieler steigert sich wirklich von Woche zu Woche. Das es ein Anpassungsprozess ist, ist auch ganz klar. Man merkt, dass jeder Spieler langsam angekommen ist. Die Fehler, die wir zu Beginn gemacht haben, machen wir jetzt nicht mehr.
Deswegen wird es schwieriger, gegen uns zu spielen. Und auch weil wir einen großen Teamgeist haben, bin ich felsenfest davon überzeugt, dass wir die Klasse halten werden. In der Rückrunde kommen die Spiele gegen unsere Mitkonkurrenten. Die werden entscheidend sein und die müssen wir natürlich gewinnen.
Fohlen-Hautnah: Du sprachst von dem durchaus historischen Aufstieg des FCA. Du hast in der noch jungen Bundesligageschichte des FCA nahezu ebenso historisches geleistet ...
Jan-Ingwer Callsen-Bracker: Du meinst den ersten Bundesligasieg von Augsburg, für den ich mit meinem Tor gesorgt habe. Das ist natürlich eine schöne Sache, aber wichtig waren die drei Punkte, die wir in Mainz geholt haben. Und auch meine Mannschaftskollegen hatten daran großen Anteil. Es wäre natürlich noch schöner, wenn man als die Helden in die Geschichtsbücher eingeht, die am Ende den Klassenerhalt geschafft haben.
Fohlen-Hautnah: Dein Vertag läuft am Saisonende aus. Kannst du schon etwas zu deiner Zukunftsplanung sagen?
Jan-Ingwer Callsen-Bracker: Meine Zukunft sieht so aus, dass ich am Samstag gegen Borussia Punkte holen will. Viel weiter plane ich nicht. Ich finde, dass man das Meiste aus seinem Leben und Können dann herausholt, wenn man sich stets auf das Hier und Jetzt konzentriert. Genau das mache ich im Moment und damit fahre ich sehr gut.
Bis es soweit ist, kann noch so viel passieren. Man kann die Zukunft am besten beeinflussen, wenn man sich auf das Jetzt konzentriert und seine Leistung bringt. Dann wird die Zukunft auch gut aussehen und alles andere wird sich dann im Sommer ergeben.
Fohlen-Hautnah: Kommen wir noch mal zur Borussia. Hast du generell noch Kontakt zum Verein und zu ehemaligen Mitspielern?
Jan-Ingwer Callsen-Bracker: Zu Spielern natürlich. Mit Marco Reus, Roman Neustädter, Tony Jantschke und Marc-Andre ter Stegen schreibe ich viel und telefoniere gelegentlich. Ich habe in Gladbach nette Menschen kennengelernt und ich hoffe, dass der Kontakt noch lange besteht. Denn ich habe dort auch Freunde gewonnen, mit denen man Spaß hatte und viel gemacht hat.
Fohlen-Hautnah: Schaust du zudem noch auf das, was bei Borussia passiert?
Jan-Ingwer Callsen-Bracker: Ich beschäftige mich zwar nicht mit dem Tagesgeschäft, aber ich informiere mich natürlich schon und schaue, wie Borussia und meine Kumpels am Wochenende spielen. Den derzeitigen Aufschwung und wie gut sie aktuell spielen, bekomme ich natürlich mit.
Fohlen-Hautnah: Und wie beurteilst du den derzeitigen Höhenflug?
Jan-Ingwer Callsen-Bracker: Der Knackpunkt hat in der letzten Rückrunde stattgefunden. Da hat sich das Blatt gewendet. Ich kann ja auch lediglich aus der Ferne vermuten, aber der Klassenerhalt hat sicherlich zusammengeschweißt. Es ist schon toll und es freut mich natürlich für meine ehemaligen Kollegen, wie sie sich entwickelt haben.
Fohlen-Hautnah: Was traust du denn deinen ehemaligen Kollegen in dieser Saison zu bzw. wohin kann der Weg führen?
Jan-Ingwer Callsen-Bracker: So ein bisschen sind sie da auf den Spuren von Hannover. Der Bundestrainer ist ja auch der Meinung und hat gesagt, dass man sich oben festsetzten kann. Der Meinung bin ich auch. Das internationale Geschäft ist für Borussia in jedem Fall drin. Die Mannschaft steht sehr kompakt und spielt sehr stabil - warum sollen sie in der Rückrunde nicht so weiterspielen? Dann klappt es mit dem internationalen Geschäft.
Fohlen-Hautnah: Was für ein Spiel erwartest du am Samstag?
Jan-Ingwer Callsen-Bracker: Borussia hat momentan einen Lauf. Es wird ein schweres aber auch ein heißes Spiel, denn wir spielen zu Hause und haben unsere Fans im Rücken. Deswegen werden wir auch mutig in dieses Spiel gehen. Und deshalb denke ich, dass wir für jede Mannschaft schwer und unangenehm zu bespielen sind. Borussia wird uns sicherlich nicht unterschätzen, weil Lucien Favre dafür zu schlau ist. Es wird mit Sicherheit ebenso ein spannendes Spiel.
Fohlen-Hautnah: Und für dich auch ein besonderes Spiel?
Jan-Ingwer Callsen-Bracker: Eigentlich ist es ein Bundesligaspiel wie jedes andere auch. Für mich geht es um Punkte, die ich mit dem FCA holen möchte, egal gegen wen. Darauf konzentriere ich mich. Natürlich freue ich mich aber darauf, die Jungs wiederzusehen und nach dem Spiel werde ich auch sicherlich mit ihnen quatschen.
Fohlen-Hautnah: Wie müsst ihr deiner Meinung nach gegen Borussia zu Werke gehen und auf was oder wen müsst ihr vielleicht auch besonders achten?
Jan-Ingwer Callsen-Bracker: Ich denke, dass wir unseren Weg, den wir in den letzten Spielen eingeschlagen, so weitergehen werden. Borussia ist im Moment gut drauf und wir müssen voll konzentriert sein, mutig auftreten, aggressiv spielen und auf die gefährlichen Konter sowie die Standards aufpassen. Die genaue Taktik werde ich jetzt aber nicht verraten, weil die natürlich streng geheim ist.
Fohlen-Hautnah: Wie lautet abschließend dein Tipp?
Jan-Ingwer Callsen-Bracker: Ich tippe generell nicht, weil das nichts bringt. Ich kann nicht in die Zukunft schauen und im Fußball ist alles möglich. Borussia ist aber der klare Favorit, dafür muss man nur auf die Tabelle schauen. Borussia muss und will sicherlich gewinnen. Aber das wollen wir auch, weil wir die Punkte brauchen. Deswegen wird es sicherlich ein sehr spannendes Spiel. Es ist eine tolle Herausforderung, auf die ich mich sehr freue.






