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HomeAbseitsSaison 2011/2012»Bin Borussia sehr dankbar«

»Bin Borussia sehr dankbar«

Michael Stuckmann im Interview

Etwas überraschend teilte Borussia Mönchengladbach einen Tag vor Ende der Wintertransferperiode mit, dass U23-Kapitän Michael Stuckmann seinen noch bis zum Sommer 2012 gültigen Vertrag vorzeitig auflöst und dem VfL den Rücken kehrt. Über die Beweggründe seiner Entscheidung und über die kommenden Aufgaben sprachen wir mit dem sympathischen 32-Jährigen, der im Sommer 2010 vom FC Vaduz zu Borussias zweiter Mannschaft gewechselt war.

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Kehrt der Borussia den Rücken - Michael Stuckmann. Foto: Andreas Plum, Fohlen-Hautnah.de

Fohlen-Hautnah: Michael, du hast dich kurz vor Ende des abgelaufenen Transferfensters doch überraschend für eine vorzeitige Auflösung deines noch bis zum Sommer gültigen Vertrags entschieden. Was hat dich zu diesem Schritt bewogen?

Michael Stuckmann: Ich werde in diesem Jahr 33 Jahre alt und da macht man sich natürlich auch mit der Familie so seine Gedanken, wie es weitergehen kann. Borussia wollte mich gerade aus sportlichen Gesichtspunkten eigentlich nicht gehen lassen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass sie mich dann aus sozialen Gesichtspunkten haben gehen lassen.

Fohlen-Hautnah: Und die sozialen Gesichtspunkte wären?

Michael Stuckmann: Gerade auch als Familienvater hast du Verantwortung und brauchst Planungssicherheit. Meine Familie und ich sind sehr heimatverbunden. Wir haben ein Haus in Unna und meine Tochter wird im Sommer eingeschult. Der nächste Vertrag war also schon ein einschneidiger und da überlegst du dir schon genau, was du jetzt machst.

Natürlich hätte ich auch noch bei Gladbach bleiben oder verlängern können. Zudem hatte ich Angebote von ambitionierten Regionalligisten und aus der Schweiz, aber dann hätte ich wieder umziehen und eventuell nach einem Jahr wieder da gestanden und überlegen müssen, wie es weiter geht. Das wollte ich meiner Familie nicht mehr zumuten.

Dann kam das reizvolle Angebot, für das ich mich dann auch im Sinne der Familie und der Perspektiven entschieden habe. Mit der neuen Aufgabe bietet sich für mich jetzt die Gelegenheit, mir auch nach meiner fußballerischen Zeit ein Standbein aufzubauen. Deshalb habe ich Borussia um eine Vertragsauflösung gebeten.

Fohlen-Hautnah: Das hört sich nach einem reizvollem Gesamtpaket an, bei dem du auch noch weiter Fußball spielst. Wohin führt es dich jetzt?

Michael Stuckmann: Genau. Ich werde bei der Spielvereinigung Sterkrade 06/07, ein Bezirksligist aus Oberhausen, spielen und zusätzlich als sportlicher Leiter fungieren. Gesponsert wird der Verein von der Firma ‚Eurocon Industrieanlagen' mit Sitz in Recklinghausen. Bei dieser Firma erhalte ich einen 2,5 Jahresvertrag mit beidseitiger Option auf ein weiteres Jahr.

Dessen Geschäftsführer Jürgen Wörner hat bei ‚Eurocon' vor einem halben Jahr die Abteilung Sportmanagement neu gegründet. Diese werde ich zusammen mit Herrn Wörner leiten. Im Zuge dessen werde ich im Bereich Sportmanagement viele Projekte übernehmen. Das alles ist schon eine sehr interessante, spannende und reizvolle Aufgabe.

Fohlen-Hautnah: Eine reizvolle und interessante Aufgabe, bei der du dich also für die Karriere nach der Karriere und auch für die Familie entschieden hast?

Michael Stuckmann: Genau so kann man das formulieren. Ich bin gelernter Industriekaufmann, spreche fließend Englisch und gut Französisch und habe die Chance, auch nach der Karriere etwas zu machen. Es stimmten einfach alle Rahmenbedingungen. Ich kann weiter Fußballspielen und mich zusätzlich auf die Zeit danach vorbereiten. Für diese Chance bin ich Herrn Wörner dankbar. Ich darf als A-Lizenz-Inhaber auch Jugendtrainer mit ausbilden und auch das wird eine meiner Aufgaben bei Sterkrade sein.

Neben Sportmarketing werde ich Sponsorakquise betreiben und viel unterwegs sein, um Spiele sowie Spieler zu sichten und um mitzuentscheiden, welche Spieler für Sterkrade verpflichtet werden. Und auch da bin ich Borussia dankbar, dass ich die Möglichkeit habe, von so einem erfahren Mann wie Roland Virkus Tipps zu bekommen. Es ist schön, dass ich all das, was Herr Virkus macht, jetzt von der Picke auf lernen kann. Das Gesamtpaket hat einfach gestimmt.

Fohlen-Hautnah: Das sind also die Ziele neben dem Platz. Und welche hast du mit Sterkrade?

Michael Stuckmann: Natürlich ist das jetzt der Abschied vom aktiven Profifußball, aber ich möchte auch mit Sterkrade Erfolg haben und werde genauso Gas geben, wie ich das immer gemacht habe. Denn wenn ich etwas anpacke, dann identifiziere ich mich damit mit Haut und Haaren. Wir wollen in der Bezirksliga eine sorgenfreie Saison spielen und was dann darüber hinaus passiert, wird die Zukunft zeigen. Träumen darf man ja bekanntlich immer.

Fohlen-Hautnah: Bekanntlich hast du auch die Trainer A-Lizenz. Könnte es also auch den Trainer Michael Stuckmann geben?

Michael Stuckmann: Möglich ist alles. Ich habe die A-Lizenz mit einer sehr guten Note abgeschnitten, was Voraussetzung war, um an dem Fußballlehrer-Lehrgang teilnehmen zu können. Dafür muss ich aber erst mal ein Jahr Praxiserfahrung sammeln und auch das werde ich zu gegebener Zeit in Angriff nehmen.

Aber auch dahingehend bin ich Herrn Wörner dankbar. Er hat mir zugesagt, dass er mich auch dabei unterstützt und mich freistellt, um den Fußballlehrer zu machen. Besser kann ich es nicht haben. Und dann wird die Zukunft zeigen, was sich ergibt.

Fohlen-Hautnah: Und wenn du jetzt mal auf die Vergangenheit Borussia zurückschaust...

Michael Stuckmann: Es war eine tolle Zeit, aus der ich viel mitgenommen habe. Ich habe mich bei der Mannschaft persönlich verabschiedet und mich bei ihr bedankt. Ich habe jeden einzelnen Spieler ermuntert, so weiter zu machen und sich das, was sie haben, zu bewahren. Denn ich glaube, dass es so etwas wie bei Borussia selten gibt. Natürlich ist es keine richtige Profimannschaft, sondern eine U23, wo der Konkurrenzkampf vielleicht nicht so extrem ist, wie ich ihn in der Vergangenheit bei anderen Vereinen erlebt habe.

Aber ich habe selten erlebt, dass eine Mannschaft auf und neben dem Platz so gut miteinander harmoniert und so eine starke Gemeinschaft hat. Ich möchte mich an der Stelle auch beim Trainerteam um Sven Demandt und Adrian Spyrka bedanken.

Fohlen-Hautnah: Dein Abschied ist gerade auch im Bezug auf den Aufstieg in die 3. Liga ein schmerzvoller Verlust. Traust du deiner ehemaligen Truppe dennoch den Aufstieg zu?

Michael Stuckmann: Genau das war auch ein Argument des Vereins, dass man mich eigentlich gar nicht gehen lassen kann. Umso dankbarer bin ich und umso höher rechne ich es Borussia an, dass man meinem Wunsch entsprochen hat. Die Mannschaft ist gegenüber dem letzten Jahr in sich gewachsen und hat ordentlich an Qualität dazubekommen.

Das angenehme an der derzeitigen Position ist, dass man im Gegensatz zu manch anderem Verein nicht aufsteigen muss. Von daher lastet auch kein großer Druck auf der Mannschaft. Die Jungs sollen einfach so weiter machen und sich an den Profis, die es immer optimal hinbekommen, von Spiel zu Spiel zu schauen, orientieren. Dann wird man sehen, was am Ende dabei herauskommt.

Ich wünsche ihnen, dass sie aufsteigen und ich habe den Jungs gesagt, dass ich mir wünsche, dass wir aufsteigen, weil ich mich auch weiter als Teil der Mannschaft sehe. Und so wie ich Zeit habe, werde ich mir die Spiele anschauen und die Daumen drücken.

Fohlen-Hautnah: Du wirst also der Borussia und speziell der U23 weiter verbunden bleiben?

Michael Stuckmann: Selbstverständlich. Ich habe ja auch mit dem ein und anderen Spieler viel privaten Kontakt. Es ist in dem Geschäft zwar immer schwer von Freundschaften zu sprechen, aber ich hoffe und gehe auch davon aus, dass der Kontakt nicht abreißt und dass da etwas entstanden ist. Es war eine tolle Zeit und ich werde den Weg der Borussia weiterverfolgen. Und das nicht nur im Videotext.

Fohlen-Hautnah: Wäre es abschließend zu viel gesagt, dass du die Borussia mit der Raute im Herzen verlässt?

Michael Stuckmann: Ich bin immer noch mit dem Herzen dabei. Das kann man nicht so schnell abschalten und dass möchte ich auch gar nicht. Ich hatte die Möglichkeit, bei den Profis im Kader sein zu dürfen und dass hatte schon eine gewisse Qualität. Ich habe auch die Fans der Borussia zu schätzen gelernt. Der Rückhalt ist schon einmalig.

Das ist und war schon eine tolle Geschichte und ich bin dankbar, dass ich dabei sein durfte. Gladbach ist schon etwas Besonders und man kann es durchaus so sagen und es ist nicht gelogen, dass ich die Borussia mit der Raute im Herzen verlasse.

Fohlen-Hautnah: Das ist ein schönes Schlusswort. Es bleibt dir und deiner Familie alles erdenklich Gute, Gesundheit, Zufriedenheit und viel Erfolg bei der neuen Aufgabe zu wünschen.

Michael Stuckmann: Vielen Dank.


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