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»Ein Tag der Gegensätze«

Zweite Hälfte brachte die Borussen gegen den VfB auf die Verliererstraße

Wiedermal Ernüchterung bei der Gladbacher Borussia. Nach der neuerlichen Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart hat die Aufholjagd einen empfindlichen und völlig unnötigen Dämpfer erhalten. Gerade aufgrund der Ergebnisse der Konkurrenz ist der Abstand zum Relegationsplatz und zum rettenden Ufer auf sechs Punkte angestiegen, sodass das erklärte Ziel Klassenerhalt wieder in weite Ferne gerückt ist. Dabei hatte es nach 45 Minuten mit einer 2:0-Führung so gut ausgesehen. Dennoch standen die Borussen am Ende mit leeren Händen da.

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Dante sieht die gelb-rote Karte (Foto: Andreas Plum / Fohlen-Hautnah.de)

Vieles vorgenommen hatten sich die Borussen nach dem Auswärtserfolg bei der Frankfurter Eintracht. Nach dem zweiten Auswärtssieg in Folge wollte man gegen den direkten Konkurrenten Stuttgart mit dem ersten Heimsieg nachlegen und die sechs Punkte in der Fremde »zementieren«.

Ein Unternehmen, das gründlich in die Hose ging. »Wenn du die Spiele nicht zu Ende spielst dann darfst du dich nicht beschweren. Es ist ein bitter Abend für uns und ein Nackenschlag, wie er in dieser Form noch nicht da war«, sagte Michael Frontzeck. »Wir haben schon einige Nackenschläge hinnehmen müssen, aber das heute ist schon ein Klops«.

Dabei hatte alles so gut begonnen, »weil die Mannschaft es in der ersten Halbzeit sehr gut umgesetzt und das Spiel so vorbereitet hat, dass wir nach langer Zeit zu Hause mal wieder gewinnen«, so Borussias Trainer. In der Tat hatte seine Mannschaft in den ersten 45 Minuten eine gute Ausgangslage, um den ersten Heimsieg unter Dach und Fach zu bringen.

Den Gästen, bis dato noch ohne Auswärtserfolg, war  gerade im ersten Durchgang die Nervosität deutlich anzumerken. Gleiches galt zwar für die Borussen, weshalb sich vor beiden Toren zunächst nichts abspielte, dennoch kam der VfL mit zunehmender Spieldauer besser in die Partie. »In der ersten Halbzeit haben wir das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben«, sagte Christofer Heimeroth. »Wir haben gut Druck aufgebaut und gingen mit 2:0 in Führung. Wir hatten das Spiel im Griff«.

»In der ersten Halbzeit haben wir es sehr gut gemacht«, pflichtete Dante bei. Das Spiel gestaltete sich zwar zerfahren, doch nach 20 Minuten übernahmen die Borussen das Kommando, spielten ordentlich nach vorne und drängten mit Nadelstichen auf den Führungstreffer. Dieser sollte dann auch in Minute 29 fallen. Nach Ecke von Reus war Dante im Fünfmeterraum mit dem Kopf zur Stelle und brachte den VfL mit 1:0 in Front.

Während sich der VfB geschockt zeigte, so setzten die „Fohlen“ nach und brachten sich lediglich zwei Minuten durch de Camargo mit 2:0 in Front. Der Borussia-Park bebte und sah, wie die Borussia bis zur Pause weiter ordentlich gegen den Ball arbeitete und so den Schwaben keine zwingenden Torchancen ermöglichte.

So ging es mit einem 2-Torevorsprung in die Kabine. Eigentlich eine recht beruhigende Führung für die Hausherren. »Wir hatten uns vorgenommen, aus der Halbzeit zu kommen und kontrolliert auf das dritte Tor zu spielen«, sagte Frontzeck und musste dennoch zugeben, dass das seiner Mannschaft zu »fast keiner Phase gelungen war«.

»In der Halbzeit war uns klar, dass der VfB jetzt Druck machen wird. Von daher waren wir eigentlich nicht überrascht«, meinte Karim Matmour. »Wir waren uns darüber bewusst und waren auch darauf eingestellt, dass Stuttgart mit viel Druck aus der Kabine kommen wird«, ergänzte Heimeroth.

Doch es kam bekanntlich anders. Tatsächlich waren die Borussen nicht mehr so dran und agierten viel zu ängstlich. Der VfB stellte mit zwei Einwechslungen um, womit der VfL gerade im Mittelfeld seine Probleme hatte. »Wenn man aus der Kabine kommt, muss man aggressiv bleiben. Diese Aggressivität haben wir nicht mehr hinbekommen. Wir haben den Mann am Ball walten und spielen lassen. Somit sind wir immer hinterher gelaufen«, monierte Max Eberl.

»Wir haben nicht mehr den Zugriff bekommen. Wir haben genau den Meter zugelassen, den wir in der ersten Halbzeit dran gewesen sind. Wir haben nicht den Ball unter Druck gesetzt und haben nicht das geschafft, was wir in der ersten Halbzeit gemacht haben. Das hat Stuttgart das eben gnadenlos bestraft«, grummelte der Sportdirektor.

Erstmals für ihr ängstliches Vorgehen bestraft wurden die Borussen bereits sechs Minuten nach dem Seitenwechsel. Pavel Pogrebnyak traf zum 1:2-Anschlusstreffer. Der VfL war angeschlagen und der VfB erhöhte den Druck. »Wir haben es verpasst, deutlicher und klarer auf das dritte Tor zu spielen«, grummelte Frontzeck. Nachdem er VfB den Anschlusstreffer gemacht hat, war die Verunsicherung war zu spüren«.

»Wir hätten es gegen den Ball wesentlich kompakter machen und hätten nicht tiefer, sondern kompakter stehen müssen«, sagte Frontzeck. »Wir haben den Stuttgartern, die das Potenzial haben, sicherlich zu viele Räume gelassen, die sie dann auch genutzt haben«.

»Ich denke, dass wir in der zweiten Halbzeit Angst hatten, etwas zu verlieren«, meinte Eberl. Die allgemeine Verunsicherung nutzte die Truppe von Bruno Labbadia gnadenlos aus und erzielte fünf Minuten später den Ausgleichstreffer. »Wir haben früh das erste Gegentor bekommen und direkt im Anschluss das zweite Gegentor. Das ist für unsere Mannschaft dann schwer zu verkraften«, sagte Heimeroth.

So war der Vorsprung dahin und die Borussen wankten nun gehörig, während der VfB kontrollierte nun das Spielgeschehen. Dennoch hätten die Borussen eine Viertelstunde vor Schluss in Führung gehen können, wurden jedoch nach dem vermeintlich regulären Treffer von Mo Idrissou zu Unrecht zurückgepfiffen.

»Zu den Schiedsrichterentscheidungen möchte ich mich heute nicht äußern«, sagte Frontzeck den anwesenden Journalisten. »Schaut euch die Szenen im Fernsehen an und bildet euch euer Urteil«. Gleiches traf auf Max Eberl zu: »Was die Schiedsrichterentscheidungen betrifft, möchte ich mich zurückhalten«.

»Der Schiedsrichter hat aus meiner Sicht zwei falsche Entscheidungen getroffen, das Tor zum 3:2 war meiner Meinung nach regulär und kurz vor Schluss war es auch kein Elfmeter«, meinte Dante. »Aber so ist Fußball, wir können es nicht mehr ändern und müssen die Entscheidungen akzeptieren«.

Es kam noch dicker für seine Mannschaft, die drei Minuten vor dem Schlusspfiff nicht ‚nur‘ Dante durch gelb-rot verloren, sondern durch einen fragwürdigen Elfmeter auf die Verliererstraße gelangten. »An so einem Tag kommt dann auch noch hinzu, dass zwei entscheidende Situationen gegen uns gepfiffen werden«, ärgerte sich Borussias Trainer.

So standen die Borussen am Ende mit leeren Händen da. Eine Niederlage, die sich die Borussen selbst zuzuschreiben hatten und die nach den ersten 45 Minuten völlig unerklärlich ist. »Nach dem 2:0 und auch mit der Leistung, die die Mannschaft in der ersten Halbzeit gezeigt hat, war sicherlich nicht damit zu rechnen, dass wir als Verlierer den Platz verlassen«, resümierte Michael Frontzeck.

»Das was wir uns aufgebaut haben, haben wir in diesem Spiel wieder umgestoßen. Nach dem gutem Auswärtsspiel in Frankfurt, wollten wir jetzt hier zu Hause nachlegen, jedoch ist uns das leider nicht gelungen«, sagte Heimeroth.

»Heute war ein Tag der Gegensätze«, resümierte Karim Matmour. »In der ersten Halbzeit war alles perfekt und die zweite Halbzeit war davon das genaue Gegenteil. So ist es im Fußball leider manchmal. Ab und an läuft so ein Spiel glücklich und ab und an so wie heute«. Tatsächlich war es ein Tag der Gegensätze. Nach den ersten 45 Minuten komfortabel in Front und auch im Bezug auf das Tabelau mit Blick auf die Konkurrenz noch gut im Rennen, nach 90 Minuen alles verspielt und wieder tief im Schlamassel.

So bitter und schmerzhaft die Niederlage auch ist, erneut blieb den Borussen nichts anders übrig, als Durchhalteparolen zu bemühen. Die Situation im Tabellenkeller hat sich wieder deutlich verschlechtert. Und das auch bzw. nicht zuletzt, weil die Spiele immer weniger werden.

Die Hoffnung stirbt zwar bekanntlich zuletzt, jedoch schwindet der Glaube mehr und mehr und das Unternehmen Klassenerhalt scheint wohl mehr und mehr zur Mission Impossible zu werden. »Natürlich ist es extrem bitter, was wir erleben mussten. Das ist schon ein richtiger Schlag, aber wir stehen wieder auf«, unterstrich Eberl.

»Heute ist ein Tag, der nur schwer zu verdauen ist und an dem wir alle gerade nach den ersten 45 Minuten extrem enttäuscht sind. Es ist aber auch ein Tag, an dem wir wieder aufstehen und den  Fokus auf St. Pauli richten müssen, dahin fahren und versuchen müssen, die verlorenen Punkte wieder zurückzuholen«. Es ist ein wichtiger Schritt, dass wir jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken«, stellte Eberl heraus.

»Wir haben noch viele Spiele uns und wollen es natürlich noch so lange wie möglich aus eigener Kraft schaffen können«, sagte Christofer Heimeroth.  »Das ist mit Sicherheit noch möglich, auch wenn die Situation nicht einfacher geworden ist. Wir werden auch jetzt mit dieser Situation umgehen müssen, etwas anderes bleibt uns ja auch nicht übrig. Wir werden auch jetzt auch weiter darum kämpfen, unsere Punkte zu holen um den Klassenerhalt zu schaffen«.

»Die Mannschaft hat in Nürnberg und in Frankfurt bewiesen, dass sie dem Druck standhalten kann. Ich bin davon überzeugt, dass die Mannschaft das Potenzial  hat, die Klasse zu halten«, sagte Frontzeck. »Wir haben sechs Punkte aus vier Spielen geholt und waren heute auf dem Weg, drei Punkte zu holen. Das haben wir nicht geschafft. Jetzt fahren wir nach St. Pauli und versuchen dort, drei Punkte zu holen«.

»Jeder Spieler muss selbstkritisch mit der Situation umgehen, aber unsere Köpfe müssen oben bleiben«, forderte Dante, der im kommenden Spiel beim FC St. Pauli pausieren muss. »Wir müssen weiter an uns glauben, noch mehr investieren und arbeiten, dann werden wir trotz dieses herben Rückschlags in der ersten Liga bleiben«.

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