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Marc-André ter Stegen: »Geduld ist angesagt«

Borussias derzeitige Nummer zwei war zu Gast bei Radio 90,1

Jeden Mittwoch ist beim Mönchengladbacher Radiosender 90,1 Zeit für die Sendung ‚Borussia hautnah‘. Gestern begrüßte Moderatorin Petra Koch Borussias derzeitige Nummer zwei Marc-André ter Stegen. In den 60-Minuten sprach der 18-Jährige Nachwuchstorhüter unter anderem über seine derzeitige Rolle bei Borussia Mönchengladbach.

Petra Koch: Als du das letzte Mal hier warst, da warst du noch die Nummer drei. Zu dieser Zeit warst du 17 Jahre alt und grade so in die Profimannschaft reingerutscht. Jetzt bist du 18 und die Nummer Zwei. Wo soll denn das hinführen

Marc-André ter Stegen: Zur Nummer Eins, so schnell wie möglich. Aber ich denke, dass ich im Moment noch ein bisschen Zeit habe und freue mich erst mal auf die nächsten Aufgaben.

Petra Koch: Ich habe mal ein bisschen rum gefragt und mit den Leuten gesprochen, die auch für dich zuständig sind. Uwe Kamps sagt, dass du da weiter machst wo du vor Jahren mal angefangen hast. Sven Demandt von der U23 ist nach wie vor von dir begeistert. Bloß mit der Geduld hast du es nicht so. Ist das richtig?

Marc-André ter Stegen: Es geht. Geduld ist halt immer so eine Sache, wie man das definiert. Ich definiere das im Moment so, dass ich Geduld haben muss oder den Zeitpunkt abwarte, bis es dann soweit ist. Bis dahin habe ich ja noch die Zeit.

Petra Koch: Wenn man sich selber trotzdem so die letzten zwei Jahre durch den Kopf gehen lässt... Es ging ja relativ flott. Von der Nummer drei bist du nun Nummer zwei. Da willst du wahrscheinlich erst mal auch bleiben. Sagt man sich selber manchmal, dass alles nach Plan läuft?

Marc-André ter Stegen: Ich habe mir Ziele gesteckt, die ich nach und nach abzuarbeiten versuche, so nenne ich das jetzt mal. Es läuft eigentlich ganz gut.

Petra Koch: Bis du im Soll?

Marc-André ter Stegen: Im Soll ist immer relativ. So wie es jetzt momentan aussieht auf jeden Fall.

Petra Koch: Um dich besser kennenzulernen mal so ein paar grundsätzliche Fragen. 1. Was kannst du überhaupt nicht leiden? 2. Was magst du besonders? 3. Drei Dinge, die du unbedingt mit auf einen Insel nehmen musst? 4. Wenn du die Macht hättest auf dieser Welt etwas zu verändern, was wäre es? 5. Hast du ein Lebensmotto?

Marc-André ter Stegen: Zu1: Das ist eine gute Frage. Ich finde Grundtugenden ganz wichtig. Unpünktlichkeit stört mich schon. Das sind so Sachen, die nicht wirklich an den Tag gelegt werden sollten. Ich habe Null Euro für zu spät kommen da stehen. Zu 2: Apfelpfannekuchen und um es auf den Fußball zu beziehen: Zu Null spielen natürlich das Beste.

Zu3: Ein Bett zum schlafen wäre ganz cool, ein Handy und eine Playstation wäre nicht schlecht. Im Trainingslager habe ich mit Marco Reus und Roman Neustädter gespielt, aber sonst spiele ich meist zuhause mit meinen Kumpels. Zu 4: Wenn ich die Macht hätte, dann würde ich Kriege vermeiden und Frieden auf Erden einführen.

Zu5: Eigentlich nicht wirklich. Es gibt ein paar Sachen, die ich versuche oder mir durch den Kopf gehen lasse, aber eigentlich nichts Spezielles. Für mich ist Erfolg im Fußball wichtig und daran orientiere ich mich auch im privaten Bereich. Ich denke das ist eigentlich das Wichtigste.

Petra Koch: Erfolg ist das, was man haben will, aber es gibt ja auch andere Dinge, die neben dem Erfolg auch sehr, sehr wichtig sind. Müssen diese Dinge neben dem Erfolg manchmal ein bisschen leiden?

Marc-André ter Stegen: Ich würde sagen nein. Natürlich gibt es Sachen, die man als Fußballprofi vielleicht nicht machen kann, die aber Freunde von mir machen. Aber damit habe ich kein Problem. Für mich ist halt nur wichtig, dass meine Familie bei mir ist, dass ich Freunde an der Hand habe die mir halt eben den Weg weisen, dass ist für mich das Wichtigste. Dementsprechend sage ich mir ganz ehrlich, dass das das Wichtigste ist.

Petra Koch: Du bist die Nummer zwei, das haben wir schon gehört. Wie sieht das im Moment aus? Du spielst weiter bei den Amateuren, wenn es sich nicht gerade mit den Bundesligaspielen schneidet, oder wie?

Marc-André ter Stegen: Ja, so sah es bis jetzt immer aus. Ich sitze bei den Profis auf der Bank. Wenn sich sowas wie das Testspiel gegen Duisburg anbietet, dann spiele ich natürlich gerne in der zweiten Mannschaft. Es ist für einen Torwart immer wichtig, dass er Spielpraxis hat. Bei den Profis wartet man darauf. Dementsprechend ist es gut, dass es in der U23 gerade so gut läuft.

Petra Koch: Dein Vorbild ist nach wie vor Oliver Kahn. Was hat Oliver Kahn, was du auch hast und was du gerne noch hättest?

Marc-André ter Stegen: Natürlich. Ich glaube, er hat als Torwart eine Menge gehabt. Er hatte auf jeden Fall auch diesen Erfolgswillen und Ehrgeiz alle Ziele zu erreichen. Das verbindet uns teilweise auch ein bisschen. Er ist ein Torwart, an dem man sich orientieren kann. Deswegen ist es auch keine Frage, dass kein anderer Torwart als er mein Vorbild ist.

Petra Koch: Ein Torwart, der aber auch schon mal polarisiert oder auch polarisiert hat... Du möchtest nicht „Everybodys-Darling“ sein?

Marc-André ter Stegen: Mir ist wichtig, dass die Leute das mögen, was ich spiele. Das Wichtigste ist aber, dass der Erfolg stimmt. Ich denke, mit dem Erfolg kommt teilweise auch die Beliebtheit. Darum geht es halt im Fußball.

Petra Koch: Kennengelernt habt ihr euch noch nicht. Aber es gab mal eine Begegnung…

Marc-André ter Stegen: Ja. Ich bin ihm als kleiner Junge mal begegnet. Es war damals auf dem Bökelberg, als wir zusammen auf den Platz gelaufen sind. Jeder Spieler durfte sich einen Profi an die Hand nehmen. Wir hatten vorher ein Vorspiel und die andere Mannschaft hat sich für Gladbach entschieden. Ich hatte dann das Vergnügen, das Oliver Kahn auf einmal an meiner Hand stand. Dagegen habe ich mich natürlich nicht gewehrt. Das war das erste Treffen und ich hoffe, dass ich das noch mal wiederholen kann.

Petra Koch: Uwe Kamps hast du ja jeden Tag als deinen Torwarttrainer. Wenn jetzt einer käme und sagen würde:  Du kannst einen Tag aussetzen und einfach mal mit Oli Kahn trainieren...

Marc-André ter Stegen: Ich weiß jetzt nicht, ob er das Torwarttraining so leiten würde wie ein Uwe Kamps. Da muss man immer unterscheiden. Er hat auf jeden Fall Sachen, die ein Torwart hatte, die im Spiel wichtig waren. Uwe Kamps bringt mir das im Moment alles bei. Das alles kombiniert - da kommt dann das bei raus, was ich gerade bin. Aber um ein wenig über Fußball zu philosophieren und ein paar Bälle zu spielen, das würde ich schon mal gerne mit ihm machen.

Petra Koch: In der Bundesliga sind momentan eine menge junger Keeper, die richtig gefragt sind. Das jüngste Beispiel heißt Thomas Kraft, ist 22 und steht im Bayern Tor. Aber es gab ja auch schon andere Beispiele mit Rene Adler oder Manuel Neuer. Das ist eine schöne Entwicklung, die du dir sicherlich auch mit Interesse anschaust, dass viele auf junge Torhüter setzten oder?

Marc-André ter Stegen: Ja das macht mich zuversichtlich, dass es hoffentlich bald klappt. Wie gesagt. Wichtig ist immer, dass man Leistung bringt. Den Rest kann man nicht entscheiden, sondern das entscheiden andere.

Petra Koch: Wenn ich mir dich so anschaue. Ob jetzt in der Vorbereitung gegen Wolfsburg, bei den Amateuren oder überhaupt. Du wirkst schon enorm ruhig und sehr erwachsen. Kann man das trainieren oder ist das in dir drin?

Marc-André ter Stegen: Das, so denke ich, ein bisschen in mir drin. Das wurde mir auch von meinen Eltern so beigebracht. Mein Bruder war dafür natürlich auch maßgebend, der hat mich immer irgendwo mitgeschliffen und das macht mich dann natürlich auch stolz so eine Familie zu haben, die mir dass alles mit auf den Weg gegeben hat.

Petra Koch: Für eine Mannschaft ist es natürlich auch wichtig, dass da hinten einer steht - auch wenn er ein junger Torhüter ist - der eine gewisse Ausstrahlung und Ruhe hat, oder?

Marc-André ter Stegen: Ja. Bis jetzt lief es immer ganz gut. Ich weiß nicht wie andere sich fühlen, wenn ich hinter ihnen stehe. Aber ich denke, dass ich das nicht ganz so verkehrt mache und dass die meisten ganz gerne vor mir spielen.

Petra Koch: Was sagen die dir denn?

Marc-André ter Stegen: Was sollen die sagen? Das sind immer Kurzzeitentscheidungen, die man da trifft. Ob diese dann richtig sind oder nicht, das weiß man vorher nicht. Die geben einem aber etwas mit auf dem Weg. Man bekommt dann auch schon mal einen etwas härteren Spruch reingedrückt. Das habe ich auch heute beim Training ein bisschen kennengelernt.

Petra Koch: Also geht es auch schon mal ein bisschen rauer zu. Aber das ist ja auch nicht schlecht, weil man ja lernen muss. Ein rauerer Spruch kann da ja auch mal helfen, oder?

Marc-André ter Stegen: Auf jeden Fall. Das bringt einen immer weiter. Alles was im Training gesagt wird, dass bringt einen weiter. Ich bin da nicht nachtragend.

Marcs‘ Onkel Herr Bremer: Sagen wir mal zu 90 Prozent. Welcher junge Mann ist denn immer vernünftig? Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass wir alle mal unsere Macken hatten und es wäre schade, wenn er sie nicht hätte. Bei allem professionellen Handeln muss man natürlich bleiben und nicht zu ernst sein. Dann wünsche ich ihm vor allem auch Gesundheit und das sein Erfolg weiter nach oben zeigt.

Ich war derjenige, der darauf gedrängt hat, dass Marc-André bei Borussia seine Kariere mit vier Jahren angefangen hat. Ich bin damals gerade pensioniert worden und habe es für mich persönlich als Aufgabe, gesehen den Jungen zum Sport zu fahren. Ich hatte damals einige Kontakte zu Berti Vogts und somit hatte ich die Möglichkeit, immer zur Borussia zu gehen. Diesen „Virus“ habe ich meiner Tochter auch verordnet. Sie ist immer gerne mit mir zur Borussia gegangen. Als Marc-Andre geboren wurde habe ich gesagt: Den melden wir bei Borussia an, wenn er mal so weit ist. Das hat geklappt.

Marc-André war immer sehr erfolgsbedacht. Er wird zwar noch lernen müssen, mit Niederlagen umgehen zu können, obwohl sein Wille immer zu Siegen und kein Tor zu kassieren da ist. Man muss auch noch sagen, dass er bis zur D-Jugend auch ein sehr guter Fußballspieler war. Er hat Tore am Fließband gemacht, man konnte ihn auch auf jeder Position einsetzen und wenn dann der Torwart fehlte, ist er ins Tor gegangen. Das hat ihn dann positiv weiterentwickelt. Manchmal ist er jedoch ein bisschen zu ernst. Sollte er meinen rat brauchen, dann stehe ich zur Verfügung.

Petra Koch: Ein bisschen was vom Opa hast du aber auch, oder?

Marc-André ter Stegen: Ja. Er ist auf jeden Fall ein sehr ruhiger und sachlicher Mann. Mein Opa ist für mich schon immer ein Ansprechpartner gewesen. Auch damals, als er mich gefahren hat. Jetzt habe ich leider auch mein eigenes Auto und kann selber fahren, aber es war dennoch eine sehr schöne Zeit und er hat mir sehr viel mit auf den Weg gegeben. Dafür bin ich ihm nach wie vor dankbar. Ich schätze ihn sehr.

Petra Koch: Fünf Fragen, die du nur mit Ja oder Nein beantwortest. 1. Ich träume davon im Borussia-Park als Nummer Eins aufzulaufen? 2. Ich verstehe nicht, dass man durch Disziplinlosigkeit seine Kariere aufs Spiel setzt? 3. Ich wäre gerne noch zehn Zentimeter größer? 4. Ich werde mal Borussias Nummer Eins sein? 5. Geduld zu warten ist nicht meine Stärke?

Marc-André ter Stegen: Zu 1: Ja. Zu 2: Ja. Zu 3: Nein. Zu 4: Ja. Zu 5: Ja. Geduld im Tor ist aber meine Stärke und auch generell ist Geduld eine meiner Stärken.

Petra Koch: Du sagst die zehn Zentimeter wäre ich nicht gerne größer. Du bist 1,88 m groß. Was hat kleiner zu sein für Vor- und Nachteile?

Marc-André ter Stegen: Das kommt immer auf den Torwarttyp an. Wenn ich einen Iker Casillas sehe,  der 1,80m oder 1,82 m groß ist,  der ist meines Erachtens momentan der beste Torhüter der Welt. Es gibt natürlich auch Gegenbeispiele, wie Petr Cech, Jan Luigi Buffon oder Manuel Neuer. Die sind zwar immer ein bisschen größer, aber es hat nichts mit der Größe zu tun.

Petra Koch: Wenn du dich beschreiben könntest. Was sind die Stärken von Marc-André ter Stegen im Tor?

Marc-André ter Stegen: Ich bin eher der fußballorientierte Torwart und habe auch ganz gerne den Ball am Fuß. Ich binde mich ganz gerne mit ins Spiel ein und bin auch eigentlich eher der Torwart, der hinter der Abwehr steht.

Petra Koch: Jetzt wirst du wahrscheinlich auch aufgrund der noch schwierigen Situation erst dann eingreifen können, wenn Christofer Heimeroth sich verletzten würde, was wir ihm alle nicht wünschen. Das ist so eine spezielle Situation. Man ist bei der Mannschaft, man nimmt teil, man nimmt am Training teil und man ist bei allem dabei, aber beim Spiel muss man draußen bleiben. Wie schwer ist das, was ist das für eine Rolle und wie empfindest du das?

Marc-André ter Stegen: Für mich ist es schon schwer, nicht auf dem Platz zu stehen. Aber es gehört auch Disziplin dazu. Ich bin trotzdem auch Teil der Mannschaft und versuche mich genauso einzubringen wie jeder andere auch. Ich bereite mich genauso vor, wie jede andere auch, ohne was abreißen zu lassen. Ich denke, dass jeder der dabei ist, am Spieltag zu 100 Prozent konzentriert sein muss. Das versuche ich auch zu vermitteln und meinen Teil dazu beizutragen.

Petra Koch: Jetzt sitzt du auf der Bank und musst immer hellwach sein, da ja immer mal was sein kann und dann müsstest du von Null auf Hundert sein...

Marc-André ter Stegen: Von Null auf Hundert ist es nicht. Man macht ja das Aufwärmen schon irgendwo mit. Für mich geht es auch da schon darum, sich zu konzentrieren. Immerhin geht es da schon um die Spieler die spielen und die Torschüsse machen. Wenn ich da irgendwie rum stehen würde, dann würde ich der Mannschaft nicht helfen. Mir ist schon wichtig, dass ich der Mannschaft auf dem Weg nicht abzusteigen, behilflich bin.

Petra Koch: Man spricht ja auch oft über die Torhüter, wenn man euch da so trainieren sieht. Ihr habt Respekt voreinander, ihr geht vernünftig miteinander um. Ich glaube auch, dass du Christofer Heimeroth im Tor nichts Schlechtes wünschst. Ist man trotzdem irgendwo auch Konkurrent?

Marc-André ter Stegen: Ja auf jeden Fall. Es ist so, dass ich den anderen beiden sehr viel Respekt zolle und dass das nicht verloren gehen sollte, egal was sein wird. Ob man die Nummer ein, zwei oder drei ist - das ist egal. Man muss sich immer vernünftig verhalten.

Petra Koch: Adler war 22, Neuer war 20 oder 21, Kraft ist jetzt  22 und wird voraussichtlich die Nummer Eins bei Bayern München werden. Du bist 18. Hast du noch Zeit…?

Marc-André ter Stegen: Zeit ist relativ. Man weiß halt nie, wann der Zeitpunkt gekommen ist, wenn man im Tor steht. Bis dahin ist schon Geduld angesagt. Je schneller desto besser. Trotzdem ist es wichtig, Leistung zu bringen. Leistung  ist das was zählt und den Rest entscheidet man nicht selber.

Petra Koch: 14 Jahre bist du jetzt bei Borussia und hast die Jugendmannschaften durchlaufen. Soll es das Borussia-Tor sein indem du die Nummer eins werden willst, oder darf es auch ein anderes sein?

Marc-André ter Stegen: Nein, ich möchte schon im Borussia Tor stehen. Hier habe ich angefangen und hier möchte ich auch auf jeden Fall gemeinsam mit Borussia den ersten Schritt gehen. Daran, dass ich das schaffe, werde ich alles setzen.

Petra Koch: Das ist ein schönes Schlusswort. Marc-André ter Stegen, es hat viel Spaß gemacht und ich drücke die Daumen. Dein Opa hat Recht. Ich denke auch, dass du dein Ziel nicht aus den Augen verlierst.

Marc-André ter Stegen: Dankeschön.


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