Die Stürmer nach der Hinrunde in der Einzelkritik
Nachdem wir im ersten und zweiten Teil unserer Hinrundenbilanz die Torhüter, die Abwehrspieler und die Mittelfeldspieler beäugten, so haben wir uns abschließend der Offensivabteilung von Borussia Mönchengladbach gewidmet und die einzelnen Stürmer unter die Lupe genommen. Neun Tore und sieben Vorlagen erzielten die drei eingesetzten Angreifer.
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| Mo Idrissou zu harmlos? (Foto: Dirk Päffgen / Fohlen-Hautnah.de) |
Igor de Camargo: Borussias Neuzugang von Standard Lüttich hatte wahrlich keinen glücklichen Start beim VfL. Bereits im ersten Training verletzte sich der belgische Nationalspieler im Zweikampf mit Dante so schwer, weshalb er zunächst aufgrund einer Kapsel- und später mit einer Sprunggelenksverletzung drei Monate pausieren musste.
Nachdem der Brasilianer mit belgischem Pass im Testspiel gegen den KRC Genk einen mehr als guten Eindruck hinterlassen hatte und seine Qualitäten aufblitzen ließ, feierte er gegen den VfL Wolfsburg sein Bundesligadebüt für Borussia Mönchengladbach. Ganze acht Minuten dauerte der vielversprechende Auftritt des Offensiv-Allrounders, der in der Nachspielzeit den Siegtreffer auf dem Kopf hatte.
Im weiteren Verlauf kam der 27-Jährige noch zu zehn weiteren Einsätzen, mit denen er auf insgesamt 708 Spielminuten bringt. Dabei konnte de Camargo drei Tore (236 Minuten pro Tor) und eine Vorlage auf seiner Habenseite verbuchen. Gegen Werder Bremen kam der belgische Nationalspieler zu seinem Startelfdebüt. Die fehlende Matchpraxis war dem als hängende Spitze agierenden 27-Jährigen deutlich anzumerken, sodass sich der Einsatz über 67 Minuten zwar bemüht und ansprechend, unter dem Strich jedoch ausbaufähig gestaltete.
Endgültig in Gladbach angekommen war der sympathische Beidfuß bei seinem fünften Einsatz. Im Spiel gegen den FC Bayern München zur zweiten Halbzeit eingewechselt, sorgte er mit einem Tor und einem Assist mit dafür, dass der VfL am Ende ein 3:3-Remis feuern konnte. Den Wind nahm der 27-Jährige auch mit ins rheinische Derby. Beim 4:0-Sieg steuerte er einen Treffer bei und zeigte, wie erfahren er ist und wie wichtig er für die „Fohlen“ sein kann.
In den folgenden Einsätzen als hängende Spitze agierend, zeigte sich de Camargo zwar engagiert, blieb jedoch eher unauffällig. Man merkte, dass die Kräfte nach einer langen Verletzungspause zu schwinden schienen. Igor de Camargo hat durchaus gezeigt, was für ein erfahrener und qualitativ hochwertiger Spieler er ist. Der 27-Jährige darf durchaus als echte Verstärkung bezeichnet werden und hat gezeigt, wie wichtig er für den VfL sein kann. Mit der im Januar beginnenden Rückrundenvorbereitung sollte er richtig in Fahrt kommen.
Fakten: Von 241 geführten Zweikämpfen entschied der belgische Nationalspieler 45,22% für sich, was ihn in der Bundesliga auf Platz 190 rangieren lässt. Des Weiteren hatte er 352 Ballkontakte. Von insgesamt zwanzig Schüssen fanden neun den Weg auf das gegnerische Gehäuse, von 219 Pässen gestalteten sich 68% und von zwei Flanken 50% erfolgreich. Note 3-
Raúl Bobadilla: Das Sorgenkind im Fohlenstall. Seit 1,5 Jahren beim VfL, hat sich der Argentinier zum Ende der Hinrunde nach einer weiteren Disziplinlosigkeit selbst ins Abseits gestellt. Die rote Karte im Spiel gegen Hannover 96 und das Verhalten danach brachten das schließlich Fass zum Überlaufen.
Zuvor hatte der bullige Stürmer in dreizehn weiteren Spielen auf dem Platz gestanden und dabei 822 Spielminuten gesammelt. Auf seiner Habenseite konnte er drei Tore (274 Minuten pro Tor) und drei Vorlagen auf seiner Habenseite verbuchen und ist damit Borussias erfolgreichster Angreifer.
In den ersten fünf Partien kam der 23-Jährige nicht über Einwechslungen hinaus. Dabei zeigte er sich einsatzfreudig und motiviert, fiel jedoch weniger auf und ließ Zielstrebigkeit vermissen. Auf Schalke hatte Bobadilla seine Startelfpremiere. Auch hier zeigte sich der Stürmer engagiert, bis in die Haarspitzen motiviert, brachte die Abwehr der „Knappen“ gerade in der ersten Hälfte mit seinen Vorstößen das ein und andere Mal in Verlegenheit und holte so den Foulelfmeter zur 1:0-Führung heraus, den Filip Daems sicher verwandeln konnte.
Seinen ersten Saisontreffer konnte Rechtsfuß bei der 3:2-Niederlage in Hoffenheim erzielen. Zunächst sollte ihn das beflügeln, doch mit zunehmender Spieldauer tauchte der Stürmer immer mehr ab. Beim 4:0-Derbysieg zeigte der körperbetont spielende Argentinier seine bisher beste Saisonleistung. Mit zwei Toren und einer Vorlage hatte er maßgeblichen Anteil am Sieg des VfL. Bobadilla zeigte sich von Beginn an präsent und war stets gefährlich.
Diesen Schwung nahm er mit ins nächste Spiel. Gegen Mainz sorgte er für ordentlich Wirbel im gegnerischen Strafraum steuerte eine Vorlage bei. Selbst disqualifizierte sich der 23-Jährige bekanntlich dann gegen Hannover in Minuten 43, nachdem er zuvor ein ordentliches Spiel abgeliefert hatte.
Raúl Bobadilla ist durchaus ein Fußballer mit großer Qualität, ruft diese jedoch leider zu unbeständig ab und will auf dem Platz zu oft mit dem Kopf durch die Wand. Schade zudem, dass sich der Argentinier auch neben dem Platz nur schwer im Zaum hat. Eher unwahrscheinlich, dass Bobadilla nach der Winterpause eine weitere Chance erhält, sich beim VfL zu beweisen. In Mike Hanke scheint sein Nachfolger bereits verpflichtet.
Fakten: Der temperamentvolle Argentinier konnte von 278 geführten Zweikämpfen 39,93% für sich entscheiden, was ihn in der Bundesliga auf Platz 245 rangieren lässt. Des Weiteren hatte er 367 Ballkontakte. Von insgesamt 29 Schüssen fanden dreizehn den Weg auf das gegnerische Gehäuse, von 164 Pässen gestalteten sich 79% und von acht Flanken 12% erfolgreich. Note 4
Mo Idrissou: Borussias Neuzugang vom SC Freiburg fehlte in der Hinrunde aufgrund einer gelbroten Karte in lediglich einer Partie und somit auf 1016 Spielminuten. Dabei konnte er drei Tore (339 Minuten pro Tor) und drei Vorlagen auf seiner Habenseite verbuchen.
Der WM-Teilnehmer für Kamerun sollte seinen Worten, Tore schießen zu wollen, Taten folgen lassen. Gleich im ersten Spiel sorgte der Stürmer im Spiel gegen den ‚Club‘ mit einem tollen Rechtsschuss nach einer halben Stunde für die Führung der Borussia und zeigte sich auch darüber hinaus präsent. Seinen wohl bisher besten Auftritt im Trikot des VfL hatte der 30-Jährige beim 6:3-Sieg in Leverkusen. Ein Sahnespiel des Stürmers, der mit einem Tor und zwei Vorlagen seine Qualitäten unter Beweis stellte. Seine dritte Vorlage steuerte Idrissou im Spiel gegen den FC St. Pauli bei. Auch in diesem Spiel zeigte sich der Angreifer präsent und im Strafraum gefährlich. In der Nachspielzeit sah er die gelbrote Karte.
Nach seiner Sperre kam der Kameruner in Hoffenheim wieder von Beginn an zum Einsatz. Er sollte das Vertrauen mit seinem dritten Saisontor zurückzahlen, auch wenn es nichts an der 3:2-Niederlage änderte. In den folgenden beiden Spielen gegen Bremen und Kaiserslautern hätte der Linksfuß sein Torekonto deutlich erhöhen können, ließ jedoch beste Möglichkeiten liegen.
Dennoch zeigte sich der ‚Schlacks‘ wie gewohnt engagiert sowie einsatzfreudig und ging weite Wege. Bis zum Ende der Hinrunde auch auf links eingesetzt, kam der Ex-Freiburger nicht mehr so zur Geltung. Diese Rolle scheint er nicht sonderlich zu mögen und ihm zudem nicht zu liegen. Zum Schluss ließ er zudem seiner Unzufriedenheit in der Öffentlichkeit freien Lauf.
Fakten: Idrissou konnte von 361 geführten Zweikämpfen 52,34% für sich entscheiden, was ihn in der Bundesliga auf Platz 127 rangieren lässt. Des Weiteren hatte er 550 Ballkontakte. Von insgesamt 30 Schüssen fanden sechzehn den Weg auf das gegnerische Gehäuse, von 306 Pässen gestalteten sich 58% und von 27 Flanken 22% erfolgreich. Note 4
Karim Matmour: Borussias WM-Teilnehmer hatte in der Hinrunde länger mit Problemen an der Achillessehne zu kämpfen, weshalb zum Ende der Hinrunde lediglich zwei Einsätze von Beginn an, ein Einsatz über 90 Minuten und sechs weitere Einwechslungen zu Buche stehen. Insgesamt brachte es der Algerier so auf lediglich 213 Spielminuten.
In seinen Einsätzen war ihm die lange Verletzungspause und fehlende Spielpraxis durchaus anzumerken und konnte bis auf die ersten 45 Minuten in Freiburg wenige Akzente setzen. Es bleibt zu hoffen, dass sich Matmour die letzte Wettkampfstärke im Trainingslager holt, denn gerade seine Lauf- und Kampfbereitschaft könnten im Abstiegskampf eine wichtige Komponente und von Nöten sein. Ohne Note.
Fabian Bäcker: Der 20-Jährige, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, stand zwar des Öfteren im Aufgebot, konnte bisher noch keine Bundesligaminuten verzeichnen. Lediglich im Pokalspiel bei der TSG 1899 Hoffenheim sammelte der Stürmer Profiluft.
Lediglich in Borussias zweiter Mannschaft konnte der Beidfuß seine Torjägerqualitäten unter Beweis stellen. In zwölf Regionalliga-Einsätzen traf der Youngster sechsmal in die Maschen und steuerte zwei Assists bei. Bleibt abzuwarten, ob der Angreifer in der Rückrunde auf Einsatzminuten in der Bundesliga kommt und seinen Vertrag beim VfL verlängert. Die Zeichen stehen jedoch wohl eher auf Trennung. Ohne Note.
Elias Kachunga: Borussias U19-Nationalspieler, vornehmlich in der U23 eingesetzt, konnte in der abgelaufenen Hinrunde zwei Einsätze verbuchen, in denen er insgesamt 28 Minuten auf dem Platz stand. Erstmals konnte der 18-Jährige bei der 3:2-Niederlage in Hoffenheim Bundesligaluft schnuppern, konnte sich dabei in den letzten zwölf Minuten jedoch nicht mehr groß in Szene setzten. Gleiches gilt für seinen Auftritt bei der 3:0-Niederlage in Kaiserslautern.
Während bei dem Stürmer weiter ein behutsamer Aufbau geplant und auch gefragt ist, so ist ihm dennoch durchaus zuzutrauen, nicht lediglich auf dem Papier Profi zu sein. Weitere Chancen hätte das junge und talentierte Eigengewächs allemal verdient. Ohne Note.
Fazit: Wenn man die reine Sturmposition nimmt - dann haben die Spieler, die auf diesen Positionen gespielt haben, jeweils drei Tore gemacht - Bobadilla, Idrissou und de Camargo. Von Torjägern kann man da sicherlich zumindest bis dato nicht gerade sprechen.
Hinweis der Redaktion: Bei unseren Recherchen haben wir uns im Bezug auf die Fakten der einzelnen Daten von transfermarkt.de, bundesliga.de, wahretabelle.de und kickwelt.de berufen.






