Winterschlaf in der Bundesliga
Die Fußball-Bundesliga befindet sich mittlerweile in der Winterpause. Mit dem Weihnachtsfest stehen allerorten die besinnlichen Tage ins Haus. Diese wird auch Borussia Mönchengladbach nutzen, um das abgelaufene Jahr zu analysieren. Dabei gilt es, sowohl auf eine ordentliche vergangene Saison, als auch auf eine völlig verkorkste Hinrunde 2010/2011 zurückzublicken.
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| Die Torfabrik - der Ball (Foto: Marc Schöne / Fohlen-Hautnah.de) |
Borussia im Dezember 2009: Der VfL trat zum letzten Spiel der Hinrunde beim damaligen Spitzenreiter Bayer Leverkusen an und hatte trotz einer 2:1-Führung am Ende mit 2:3 das Nachsehen.
Dennoch konnte sich die Bilanz zur Winterpause sehen lassen. 21 Punkte, 24:29 Tore bei sechs Siegen, drei Unentschieden und acht Niederlagen standen auf der Habenseite der Borussen. Bedeutete am Ende der Hinrunde Tabellenplatz elf mit fünf Punkten Distanz zum Relegations- und neun Punkte Distanz auf den ersten Abstiegsplatz.
Anders als im Jahr zuvor konnten die Borussen also beruhigt in die Winterpause gehen. Michael Frontzeck hatte der Mannschaft ein neues Gesicht gegeben. Es wurde schöner Fußball gespielt und eine längere Schwächephase zum Schluss der Halbserie aufgeholt.
Trotz eingespielter Mannschaft folgte dennoch eine schwächere Rückrunde. In dieser ergatterte man achtzehn Punkte und der VfL sicherte sich mit acht Punkten Abstand zum Relegationsplatz den Klassenerhalt. So konnte man Ende auf Tabellenplatz zwölf liegend auf eine ordentliche Saison ohne große Abstiegssorgen zurückblicken, obwohl es in der Rückrundentabelle lediglich zu Platz vierzehn reichte.
Sorgen, die auch in der Folgesaison und gerade im Jahr des 110. Geburtstags der Borussia tabu sein sollten. Die Mannschaft wurde mit Igor de Camargo, Mo Idrissou, Bamba Anderson, Jens Wissing sowie Rückkehr Sebastian Schachten verstärkt und strebte eine ähnlich ruhige Saison wie die abgelaufene an.
»Das Wort Abstieg haben wir total weggestrichen, das gibt es bei uns nicht mehr und steht nicht mehr auf der Agenda«, verkündete Präsident Rolf Königs auf dem Familientag. »Wir, das ganze sportliche Team und der ganze Verein, haben uns vorgenommen, dass wir in der nächsten Saison etwas besser nach oben rücken. Lassen Sie sich mal überraschen, wir bekommen das hin«.
Überraschen im positiven Sinne konnte man die Borussen-Anhänger jedoch lediglich zu Beginn, als man zur Saisoneröffnung den FC Liverpool im Borussia-Park mit 1:0 schlug und im DFB-Pokal beim FC Erzgebirge mit 3:1 die 1. Hürde nahm. In die Liga startete man mit einem 1:1-Remis im Borussia-Park gegen 1.FC Nürnberg. Es folgte ein furioser 6:3-Sieg bei Bayer Leverkusen. Die Medien überschlugen sich förmlich und sprachen gar von der Rückkehr der berühmten Fohlenelf der 70er-Jahre. Doch das Team konnte den guten Start bekanntlich nicht transportieren.
Bereits im darauf folgenden Spiel erhielt die wohl nicht gänzlich unberechtigte Euphorie einen herben Dämpfer. 0:4 im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt. Es folgte eine herbe 0:7-Klatsche beim VfB Stuttgart, bei der sich die Borussen mit einer unterirdischen Leistung förmlich ‚abschlachten‘ ließen. Sprach man zu vor von der Wiedergeburt der Fohlenelf, so musste man sich nun mit Begriffen, wie beispielsweise „Schießbude Gladbach“ auseinandersetzten.
Den zwei Klatschen folgte ein 1:2 im Heimspiel gegen den FC St. Pauli. Mit den darauf folgenden beiden Remis konnte man kurzzeitig zwar den Rettungsanker werfen, ließ jedoch erneut zwei Niederlagen folgen. Logan Bailly musste nach bis dato neun Ligaspielen bereits 27-mal hinter sich greifen, was zur Folge hatte, dass dem keinesfalls sicheren Belgier eine Pause bis zum Winter verordnet wurde.
Christofer Heimeroth hütete fortan das Tor der Fohlenelf und wusste zunächst mit soliden Leistungen und ohne große Fehler zu überzeugen, die Gegentorflut wusste der 29-Jährige jedoch lediglich bedingt in Schach zu halten. Und das auch, weil sich seine Vorderleute nach wie vor eher wie ein löchriger Schweizer Käse, als ein geschlossen auftretender Defensivverbund präsentierten.
Nachdem der VfL bereits in der Vorsaison mit 60 Gegentoren die drittmeisten Gegentore insgesamt kassierte, so ist man bereits aktuell mit 47 Gegentoren nach siebzehn Spielen die schlechteste Abwehr der Bundesliga. Der VfL besitzt nach wie vor keinerlei Stabilität - ein gerade bei den Fans der Borussia Unwort des Jahres schien geboren.
Es zog sich wie ein roter Faden durch die gesamte Hinrunde, dass man sich vermehrt und ‚konsequent‘ mit einfachen Mitteln überlisten und die oftmals genannte Kompaktheit vermissen ließ - und das unabhängig davon, dass man gerade in der Viererkette sicherlich personell arg gebeutelt und demzufolge zu häufigen Umstellungen gezwungen war. Dies macht sich auch an 19 Gegentoren nach Standardsituationen bemerkbar, die eigentlich durch vernünftige Raumaufteilung abzustellen sein müssen.
Während sich die Mitbewerber um den Klassenerhalt bzw. die vermeintlichen Gegner auf Augenhöhe fleißig Winterspeck ‚anfraßen‘, so geriet die Borussia immer stärker in den Abstiegsstrudel. Darüber konnte auch ein zwischenzeitlicher souveräner 4:0-Derbysieg nicht hinwegtäuschen.
Zu allem Übel sollten nun auch noch ‚Nebenkriegsschauplätze‘ für negativen Zündstoff sorgen. Die „Initiative Borussia“, der Streit zwischen Borussia-Ikonen, ein aufgrund von erneuter Disziplinlosigkeit zu den Amateuren verbannter Raúl Bobadilla, oder ein öffentlich kritisierender Mo Idrissou - nicht nur aufgrund der kalten Jahreszeit wehte ein eisiger Wind im und rund um den Borussia-Park.
Die „Fohlen“ kassierten weitere Nackenschläge, was die ersten Kritiker laut werden und auch nach den branchenüblichen Mechanismen schrien, ließ. Doch auch im Jahr 2010 steht bei Borussia Mönchengladbach Kontinuität auf der Agenda. So hielten und halten die Bosse der Borussia konsequent an Trainer Michael Frontzeck fest und sind überzeugt, die schier unlösbare Aufgabe in der Rückrunde zu einem positiven Ende zu bringen.
Insgesamt 28 Punkte (18 in Rückrunde der Saison 2009/2010, 10 Punkte in der Hinrunde 2010/2011) stehen unter Michael Frontzeck auf der Habenseite. Dazu zwar 45 mehr oder weniger schöne Tore, aber auf der anderen Seite elf Heimspiele in Folge nicht gewonnen, was einen negativen Vereinsrekord darstellt, und nach siebzehn Spielen der aktuellen Hinrunde bereits sage und schreibe 47 Gegentore.
Zum zweiten Mal in der Geschichte der Gladbacher Borussia gab es zudem in einer Hinrunde lediglich zehn Punkte, was beim ersten Mal 1999 mit insgesamt 28 Punkten den Abstieg zur Folge hatte - und das obwohl man in den vergangenen Transferperioden seit 2008 beachtliche Summen in die Hand genommen hat.
Auf dem letzten Tabellenplatz liegend mit fünf Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz sowie sieben Punkten Rückstand auf das gänzlich rettende Ufer - alles andere als gute Vorzeichen, um die Weihnachtszeit entspannt und positiv anzugehen, denn die derzeitige Lage ist mehr als bedrohlich und gibt großen Anlass zur Sorge.
Die Verantwortlichen haben personelle Veränderungen angekündigt und bereits erste Maßnahmen ergriffen. Mit Mike Hanke wurde die Offensivabteilung verstärkt, weitere Verpflichtungen gerade für die dünne und nicht sattelfeste Defensivabteilung sollen bzw. werden folgen.
Somit verabschiedet sich Borussia Mönchengladbach, genauso wie Fans und deren Begleiter mit gemischten Gefühlen von einem Jahr, um sich in den kommenden Tagen und Woche neu aufzustellen und um neue Kraft zu tanken - in der Hoffnung, dass das Jahr 2011 das Wort Abstieg weiterhin nicht auf der Agenda hat…
In dem Sinne - allen Lesern, allen dazugehörigen Angehörigen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest sowie vorab einen guten und sanften Rutsch ins neue Jahr!






