Erneut frustrierte und ratlose Borussen nach Niederlage in Freiburg
Es zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Hinrunde - wiedermal kassierte Borussia Mönchengladbach eine Niederlage, die im Breisgau erneut durch individuelle Fehler zustande kam. Unter dem Strich steht nach der Niederlage in Freiburg neben den Gegentoren 43-45 die Tatsache, dass der VfL immer tiefer in den Abstiegsstrudel gerät.
»Ich denke, dass die Mannschaft bis zum 1:0 gut im Spiel war«, meinte Michael Frontzeck nach dem Spiel. In der Tat hatten die Borussen in den ersten zwanzig Minuten im Breisgau gut ausgesehen. »Wir sind sehr, sehr ordentlich ins Spiel gekommen und haben versucht Druck zu machen«, war Max Eberl von den ersten Minuten angetan.
Aus einem kompakten Defensivverbund heraus ließ die Borussia wenig zu, zeigte Selbstvertrauen und setzte mit flüssigen Angriffen immer wieder Nadelstiche. »Zwanzig Minuten haben wir sehr gut Fußball gespielt und hätten eigentlich auch in Führung gehen können«, stellte Tobias Levels fest.
Tatsächlich hätte Mo Idrissou die „Fohlen“ nach sechzehn Minuten gut und gerne in Führung bringen können, fand jedoch im Freiburger Schlussmann Oliver Baumann seinen Meister. Die Borussen waren gut im Spiel, mussten dennoch einen Rückstand verkraften. »Dann nahmen die Dinge wieder so ihren Lauf«, konstatierte Levels.
Erneut ging dem Führungstreffer durch Papiss Demba Cissé ein Patzer im Abwehrverhalten voraus. Sebastian Schachten ließ sich von Maximilian Nicu an der linken Seite leichtfertig und anfängerhaft abschütteln, so dass Cissé nach der anschließenden Hereingabe gegen Roel Brouwers wenig Mühe hatte, das Leder in den Maschen unterzubringen.
»Wir machen das Tor nicht und Freiburg geht im Gegenzug mit einer vergleichbaren Aktion in Führung. Das ist charakterlich für unsere momentane Situation«, erklärte Michael Frontzeck. »Wir fangen uns Gegentore, die sind einfach zu leicht - ich finde da auch keine Worte mehr für«, zuckte Tobias Levels mit den Schultern. »Da machen wir den Fehler, dass wir uns über den Flügel zu leicht ausspielen lassen, die Flanke auf den kurzen Pfosten kommt, Cissé den Schritt nach vorne macht und es 1:0 steht«, monierte Max Eberl.
Der VfL war nun angezählt, hatte dennoch nach gut einer halben Stunde und aufgrund eines Missverständnisses zwischen dem Freiburger Schlussmann und Kapitän Butscher die Möglichkeit zum Ausgleich. Freiburgs Schlussmann Baumann und Idrissou lieferten sich ein Laufduell aufs leere Tor, an das das Leder an den rechten Pfosten klatsche - und Idrissou gleich mit.
Borussia hatte sich zu diesem Zeitpunkt zwar von dem Schock des Rückstandes etwas erholt, wusste jedoch keine zwingenden Nadelstiche mehr zu setzten. Dafür setzten die Gastgeber den Borussen einen Stich ins Herz. Vier Minuten vor der Pause nutzte Oliver Barth nach einer Freistoßhereingabe einen Patzer von Christofer Heimeroth und staubte aus kurzer Distanz zum 2:0 ab, mit dem es in die Kabinen ging.
Aus dieser kamen die Borussen ohne die angeschlagenen Roel Brouwers und Mo Idrissou. »Natürlich sind das Sachen, die dazu kommen«, sagte Levels. Die beiden Ausfällte wollte der 24-Jährige indes nicht dafür gelten lassen, dass sich der VfL im zweiten Durchgang mehr oder weniger seinem Schicksal ergab. »Trotzdem muss man sich als Mannschaft irgendwo auch anders präsentieren. Ich vermisse nach einem 2:0 noch so ein gewisses Aufbäumen«, monierte Levels.
»Es ist bei uns Woche für Woche eine absolute Ausnahmesituation, die bis zum Winter so weiter gehen wird«, erklärte Michael Frontzeck. »Aber wir müssen dadurch. Es ist für alle Beteiligten sehr bitter und hart aber man kann sie ja nicht gesund pusten«.
Zu allem Übel holte sich Tobias Levels noch die fünfte gelbe Karte ab, weshalb er im letzten Heimspiel des Jahres gegen den Hamburger SV nicht zur Verfügung steht. »Es ist bitter. Ich habe im Spiel glaube ich ein Foul gemacht, wofür der Schiedsrichter mir Gelb gegeben hat«, ärgerte sich Levels, der bis dato keine Bundesligaminute verpasst hat. »Gut, Nun muss ich aussetzten. Das müssen wir irgendwie anders kompensieren«.
Nach dem Seitenwechsel waren die „Fohlen“ zwar zunächst gut im Spiel, brachten jedoch offensiv wenig bis gar nichts zustande. Auf der anderen Seite war Cissé erneut zur Stelle und netzte zum 3:0-Endstand ein. »Zu Beginn der 2. Halbzeit bekommen wir durch eine Standardsituation das 3:0, wobei Cissé den Ball im Fünfmeterraum noch viermal hochhalten kann, um dann das Tor zu machen«, grummelte ein angefressener Tobias Levels. »Es ist bei uns zurzeit ganz bitter«.
Am Ende stand eine 3:0-Niederlage, die beim VfL die rote Laterne noch heller leuchten lässt. »Was soll man dazu sagen? In der Situation ist das eine Katastrophe«, fasste Levels zusammen. »Es ist zurzeit einfach traurig, was wir auf dem Platz anbieten. Da kann ich nichts zu sagen«, zeigte sich der 24-Jährige ratlos.
Lediglich zehn Punkte auf der Habenseite und 45 Gegentore nach 16 Saisonspielen. Eine Zwischnenbilanz, die auch aufgrund der Art und Weise der Niederlage in Freiburg derzeit wenig Hoffung auf Besserung verspricht. »Wenn ich mir das Torverhältnis mit 45 Ggentoren anschaue. Das ist kein Torhüter- und auch kein Abwehr-, sondern ein Mannschaftsproblem. Da stimmt es nicht. 45 Gegentore - ich würde sagen, dass ist Vorsatz«, sagte Franz Beckenbauer in der Sendung Sky90.
Nach dem zweiten Sonntagsspiel beträgt der Abstand auf den Relegationsplatz fünf und auf das gänzlich rettende Ufer sieben Punkte. Die Situation wird immer prekärer und der VfL taumelt so langsam in Liga zwei. »Wir sind in einer beschissenen Situation. Die Fans haben heute ein Signal gesetzt. Am Freitag müssen wir die Leute zurückgewinnen«, weiß Max Eberl und ergänzte: »Natürlich wird es nicht ruhiger, aber wir dürfen nicht davon laufen und dürfen uns nicht verstecken, sondern wir müssen da jetzt im Sturm stehen und haben jetzt am Freitag gegen Hamburg die Möglichkeit. Das Spiel müssen wir gewinnen, ganz einfach. Es ist exorbitant wichtig, klaren Kopf zu behalten - auch wenn es schwer ist. Dann müssen wir versuchen, dieses Heimspiel zu gewinnen…«.





