Michael Frontzeck: »Deutliche Strafe und klares Signal«
Borussia Mönchengladbach hat wie angekündigt hart durchgegriffen und Raúl Bobadilla eine drastische Strafe ausgesprochen. Gegen den Stürmer wurde nach seinem Platzverweis im Spiel gegen Hannover 96 und des anschließenden Verhaltens eine Geldstrafe von 50.000 Euro verhängt. Zusätzlich wird der Argentinier strafversetzt und ab sofort bis zur Winterpause nur noch bei der U23 trainieren. Der Deutschen-Fußball-Bund (DFB) sperrte den Argentinier für fünf Meisterschaftsspiele.
Der 23-Jährige hatte im Spiel gegen Hannover 96 in der 43. Minute nach einem Kampf um den Ball wohl völlig die Nerven verloren und sich mit dem Nachtreten gegen Sergio Pinto die rote Karte eingehandelt. Zudem warf er beim Gang in die Kabine dem vierten Offiziellen „nette“ Worte zu, um dann auch noch gegen die Tür im Spielertunnel zu treten. Fortan mussten die Borussen im zweiten Durchgang in Unterzahl agieren - der Ausgang ist bekannt.
Eine erneute Unbeherrschtheit des temperamentvollen Argentiniers, die das Fass nun zum Überlaufen brachte. »Es ist so, dass ich kein Freund davon bin, einen ans Kreuz zu nageln und zu sagen: Das ist der Schuldige. Es gibt aber natürlich auch Grenzen, die irgendwo eingehalten müssen. Da hat sich ‚Boba‘ und in erster Linie dem Club natürlich einen Bärendienst erweisen«, stoß Michael Frontzeck die Szene auch noch am Montagmorgen auf. »Von daher auch diese Strafe, die klar sowie deutlich und auch ein klares Signal ist. Ich denke, dass es so eine Strafe in Gladbach noch nie gegeben hat«, so Frontzeck weiter.
»Ich denke, dass der Verein soetwas machen muss«, meint Kapitän Daems. »Ich denke, dass die Pause gut für Raul ist, damit er einmal darüber nachdenkt, was er gemacht hat. Boba hat einen Fehler gemacht«, so der Belgier weiter.
Was für ein schwieriger Charakter Bobadilla ist, sollte den Verantwortlichen der Borussia allerdings bekannt gewesen sein, denn bereits in der Vergangenheit hatte der Stürmer, der sich offensichtlich nur schwer im Zaum halten kann, Fehler und gerade auch bei den Grasshoppers Zürich mehrmals abseits des Platzes auf sich aufmerksam gemacht und dabei den Unmut der Verantwortlichen auf sich gezogen.
Dennoch hatte gerade Michael Frontzeck nie gänzlich den Stab über den durchaus talentierten Stürmer gebrochen, sondern sich vor seinen nicht immer "einfachen" Schützling gestellt. »Ich denke, dass es Teil des Jobs ist, dass man in einen Spieler investiert und das man auch viel investieren muss«, erklärt Frontzeck.
Doch nun ist auch für den 46-Jährigen die „Schmerzgrenze“ erreicht. »Raúl hat sicherlich viel Unterstützung bekommen - nicht nur von mir, sondern vom Club insgesamt und auch von den Fans«, meint Frontzeck. »Von daher ist es eine Sache, die rational auch nur sehr schwer zu erklären ist. Für das Verhalten gibt es ja eigentlich keine Erklärung. Es ist so, wie es ist. Das Thema ist seit heute mit einem klaren Signal vom Club vom Tisch«.
Für Bobadilla, der mit bisher sieben Saisontoren und zehn Vorlagen in 46 Bundesligaspielen den Erwartungen hinter hinkt, dürfte es die allerletzte Möglichkeit sein, sich gerade in der jetzigen Vorweihnachtszeit seiner Stärken zu besinnen. Fortan wird der Stürmer also unter Sven Demandt in Borussias zweiter Mannschaft trainieren, mit der er am Dienstag erstmals auf dem Platz stehen wird.
»Das gilt jetzt erst mal bis zur Weihnachtspause. Dann sehen wir weiter. Es wird ja nicht so, dass Raúl mit zwei, drei Spielen belegt wird, sondern dass wird eine längere Zeit dauern«, erklärte Michael Frontzeck, der auch im DFB-Pokalspiel bei der TSG 1899 Hoffenheim auf Bobadilla verzichten wird. »Im Pokalspiel ist er auch nicht dabei«, legte sich Frontzeck fest. Unterdessen belegte der Deutsche-Fußball-Bund den Argentinier mit einer Sperre von fünf Meisterschaftsspielen. Dies gab der DFB am Montag auf seiner Internetseite bekannt. »Der Spieler beziehungsweise der Verein haben dem Urteil zugestimmt, das Urteil ist damit rechtskräftig«, schreibt der DFB.
Somit kann Bobadilla am 05. Februar 2011 im Heimspiel gegen den VFB Stuttgart wieder in das Geschehen eingreifen. »Meine Vorstellungskraft in diesem Geschäft ist sehr, sehr groß, weil da grundsätzlich mal alles möglich ist«, so Frontzeck auf die Frage, ob er sich vorstellen kann, dass der Argentinier in der Rückrunde wieder helfen wird. Ob Bobadilla am 02. Januar mit ins Trainingslager nach Spanien fliegt, ließ Frontzeck offen. »Das werden wir sehen«.
»Jetzt ist das sicherlich der falsche Zeitpunkt, um mit mir darüber zu reden, weil wir heute auch in der Härte der Bestrafung einen Strich gezogen und ein klares Signal gesetzt haben. Letztendlich ist es wichtig, Signale zu setzten und sich dann auf das Wesentliche zu konzentrieren«, sagte Borussias Trainer abschließend.
Eine weitere Entgleisung wird sich der temperamentvolle und bisher von den sportlichen Verantwortlichen eher weniger in den Griff zu bekommende Argentinier sicherlich nicht leisten können. Ob die erneute disziplinarische Maßnahme in Form einer Abmachung zum gewünschten Erfolg führt, bleibt abzuwarten. Es ist in jedem Fall zu wünschen…





