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HomeFohlenelfNews & HintergründeNach der Pleite gegen Hannover: »Wir haben uns wieder selber geschlagen«

Nach der Pleite gegen Hannover: »Wir haben uns wieder selber geschlagen«

Die Luft wird für die Borussen im Tabellenkeller immer dünner

Was Borussia Mönchengladbach bei der bitteren 1:2-Heimniederlage gegen Hannover 96 für wichtige Punkte auf der Strecke ließ, zeigte gerade der Blick auf die Ergebnisse der Konkurrenz. Während der FC St. Pauli bereits am Freitag gegen Kaiserslautern gewann, so konnte der FC Schalke am Samstagabend mit dem Sieg gegen den FC Bayern einen Bigpoint sammeln. Für den VfL, der somit nun sechs Punkte Rückstand auf das gänzlich rettende Ufer hat, wird die Luft im Tabellenkeller immer dünner. Wiedermal schlug sich die Mannschaft selbst, weshalb in der Analyse des Spiels bei den Protagonisten erneut der Frust überwog.

Auf dem frisch verlegten Rasen im Borussia-Park hatte der VfL zunächst große Mühe, ins Spiel zu finden. Dennoch gingen die Borussen nach dem Freistoßtor durch Michael Bradley in der 18. Minute in Führung. Vier Minuten später hatte der VfL allerdings Glück, dass es nach einem Foul von Jan-Ingwer Callsen-Bracker an Didier Ya Konan keinen Elfmeter für Hannover gab.

Im weiteren Verlauf bemühten sich die Gäste aus Niedersachen zwar, brachten den Gladbacher Defensivverbund jedoch nicht in große Verlegenheit. In der höhepunktarmen Partie wurde es kurz vor der Pause hektisch.

Nach einem Zweikampf zwischen Sergio Pinto und Raúl Bobadilla trat der Argentinier gegen den am Boden liegenden 30-Jährigen nach und handelte sich nach dieser dummen und überflüssigen Aktion die rote Karte ein. Doch damit nicht genug. Beim Lauf in den Kabinengang warf Borussias Stürmer dem vierten Offiziellen noch „nette Worte“ entgegen, was dieser selbsterklärend sofort auf einem Spickzettel festhielt.

Eine erneute sinnlose Unbeherrschtheit des Argentiniers, der aufgrund dieser sicher mit einer langen Sperre durch den DFB im Verbund mit einer wohl saftigen Geldstrafe seitens der Borussia zu rechnen hat. »Nachtreten, Schlagen und Spucken - das gehört sicherlich nicht auf den Fußballplatz. Auf den Platz gehören der Einsatz, der Kampf und die Bereitschaft. Alle anderen Dinge möchte keiner von uns auf dem Fußballplatz sehen«, sagte Max Eberl und wollte die Sache zunächst sacken lassen. »Welche Konsequenzen das für ihn hat werde ich jetzt nicht beantworten«.

»Ich werde jetzt nach dem Spiel nicht über einen Spieler urteilen. Man muss sich genau überlegen was man tut, aber dass es natürlich ein Bärendienst war, das ist klar«, wusste Borussias Sportdirektor.

In der Tat war es ein Bärendienst des 22-Jährigen, denn durch diesen mussten die Borussen die zweiten 45 Minuten in Unterzahl agieren. »Ich habe die Szene noch nicht gesehen, aber wenn ‚Boba‘ nachgetreten hat, dann lässt er die Mannschaft im Stich. Natürlich ist vor einem Spiel viel Druck da aber da muss man sich beherrschen und lernen, sich unter Kontrolle zu behalten«, grummelte Filip Daems. »Wenn du dann in der Situation, in der wir sind, über diesen Zeitraum nur noch mit zehn Mann spielen musst, dann macht es das sicher nicht einfacher«.

Dennoch starteten die Borussen gut in den zweiten Durchgang und arbeiteten gegen die weniger gefährlichen Niedersachsen gut gegen den Ball. »Mit zehn Mann ist es natürlich schwierig. Wir hatten dennoch unsere Chancen und haben hinten wenig zugelassen«, meinte Thorben Marx.

Bis zur 73. Minute. »Bis dahin lief es sehr ordentlich. Wir haben keine einzige Torchance zugelassen«, befand Tobias Levels. Doch der VfL schlug sich wiedermal selbst und brachte sich binnen zwei Minuten durch Unachtsamkeiten im Defensivverbund auf die Verliererstraße.

Erneut war daran auch die schwache linke Seite der „Fohlen“ beteiligt. »Wir haben wieder denselben Fehler gemacht wie im letzten Heimspiel gegen Mainz. Wir haben den Ball nicht geklärt«, ärgerte sich Marx und ergänzte: »Man kann auch mal mit zehn Mann so ein Spiel über die Runden bringen«.

Doch daraus wurde bekanntlich nichts. Und das auch, weil den Borussen wiederholt die Abgezocktheit zum Sieg fehlte. »Wir haben uns wieder selber geschlagen«, analysierte Marx frustriert. »Wenn  man in zwei Minuten zwei Gegentore bekommt, in den letzten drei Spielen jedes Mal in Führung geht und am Ende mit leeren Händen da steht -  was soll man dann dazu noch sagen«, schüttelte Tobias Levels den Kopf. »Es tut sehr weh«.

Weh tun wird den Borussen vor allen Dingen der Blick auf die Tabelle. Nach den Siegen von St. Pauli und Schalke ist der Rückstand auf das rettende Ufer auf sieben bzw. sechs Punkte angewachsen. »Sieben Punkte sind natürlich schwer aufzuholen, aber wir haben nicht den 30. Spieltag. Das einzig Positive ist, dass wir rechnerisch noch nicht abgestiegen sind und wir noch genug Spiele haben«, stellte Thorben Marx fest und meinte: »Natürlich ist der Abstand schon sehr groß, aber wir haben genügend Qualität, um den Abstand noch aufzuholen«.

»Ich kann mir ein Bild von der Tabelle machen. Ich habe es ja letzte Woche schon gesagt, dass die Situation katastrophal ist«, sagte Tobias Levels. »Wir haben jetzt noch zwei Spiele in Freiburg und zuhause gegen Hamburg. Wenn ich ins Spiel gehe, will ich jedes Spiel gewinnen. Das will die ganze Mannschaft und von daher sind noch 6 Punkte zu holen. Was dann im Winter passiert muss man abwarten«.

Am Ende eines erneut bitteren Tages bleibt für die Borussen wie so oft nur der trotzige Block nach vorne. »Wir müssen hoffen und haben nächste Woche das Spiel in Freiburg. Wir haben noch genügend Spiele, aber es werden natürlich weniger. Gegen Freiburg und den HSV müssen wir noch einige Punkte holen, um den Anschluss zu halten«, weiß Filip Daems. »Wir müssen endlich mal die Punkte holen«.

»Wir haben heute eine Chance weggetan, haben aber noch zwei Chancen, um Punkte zu sammeln. Darauf müssen wir uns jetzt konzentrieren«, gibt Max Eberl die Marschrichtung vor.

Die nächste Aufgabe heißt nun SC Freiburg, der nach dem Heimsieg gegen den HSV auf dem Vormarsch und den 5. Tabellenplatz vorgerückt ist. »Nach so einem Spiel fehlen einem die Argumente, Hoffnung für das Spiel in Freiburg zu vermitteln«, so Borussias Sportdirektor und ergänzte: »Aber natürlich werden wir uns auf dieses genauso vorbereiten, wir auf jedes andere Spiel. Das sind keine Durchhalteparolen denn ich denke, auch heute wäre wieder viel mehr drin gewesen, wenn wir eben unsere Fehler nicht gemacht hätten. Es sind jetzt noch zwei Spiele und das Pokalspiel. Da musst du eben sehen, dass du deine Punkte machst«.

Es wird aller höchste Zeit, dass die Borussen Punkte, am besten sechs, einfahren, denn die Luft wird immer dünner. Durchhalteparolen oder dergleichen werden jedenfalls nicht dabei helfen, nicht schon an Weihnachten gänzlich den Anschluss verloren zu haben...


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