Erneut schwacher Defensivverbund des VfL beim Spiel in Dortmund
Für Borussia Mönchengladbach gab es am Samstagabend im Dortmunder Signal-Iduna-Park nichts zu holen. Zu deutlich waren die Schwächen des VfL gerade im zweiten Durchgang, im dem sich die Borussen im Defensivverbund abermals nicht erstligareif präsentierten.
»Am langen Ende des Abends steht eine 4:1-Niederlage. Am Dortmunder Sieg gibt’s nichts zu deuteln, der war verdient«, musste Michael Frontzeck nach den 90 Minuten in Dortmund anerkennen. »Es ist sicherlich so, dass wir natürlich als krasser Außenseiter nach Dortmund gefahren sind. Dafür hat die Mannschaft in der ersten Halbzeit eigentlich ein gutes Auswärtsspiel gemacht«.
In der Tat kam seine Mannschaft gut in die Partie und ließ unddiszipliniert auftretend aus einem geordneten Defensivverbund wenig zu. »Wir konnten die Räume eng halten und die Schnittstellen schließen«, lobte Frontzeck, der von der Seitenlinie erfreut zur Kenntnis nahm, dass sein Schlussmann den VfL mit zwei starken Paraden zunächst vor dem Rückstand bewahrte. »Christofer hat sehr, sehr gut gehalten. Er strahlt Ruhe aus und hält das, was er halten kann. Heute hat er zwei Bälle richtig gut gehalten, die du gegen die Laufrichtung nicht unbedingt halten musst. Da gibt es nichts auszusetzten«.
Nichts auszusetzten gab es an der Aktion von Marco Reus, die der Youngster nach gut einer halben Stunde mit dem Führungstreffer abschloss. Doch reichen sollte diese bekanntlich nicht, denn der BVB kam in der Nachspielzeit nach einem Eckstoß zum Ausgleich.
Ein gleichermaßen längst überfälliger und zu diesem Zeitpunkt für die „Fohlen“ unglücklicher Treffer, der dem VfL wohl den Genickstoß versetzte. »Es ist im Moment natürlich auch viel Psyche. Deshalb wäre ich gerne mit einer Führung in die Halbzeit gegangen«, sagte Frontzeck. »Das heißt nicht, dass wir dann gewonnen oder einen Punkt geholt hätten. Aber so kommst du mit einem Negativerlebnis in die Pause und ziehst dich selbst runter. Das ist sehr ärgerlich, aber das sind halt die Probleme, mit denen wir im Moment zu tun haben«.
Selbst runtergezogen haben sich die Borussen dann nach dem Seitenwechsel, als sie sich mit einfachen Mitteln überlisten ließen. »Da stehen wir uns im Moment teilweise ein bisschen selbst im Weg und lassen uns mit relativ einfachen Mitteln aushebeln«, konstatierte Frontzeck.
Insgesamt verlor die Gladbacher Borussia in der Folgezeit im Defensivverbund die Kompaktheit und rannte so ins Verderben. »Wir haben gerade nach dem 2:1 insgesamt zu sehr die Fassung und die Stabilität, die wir noch in der ersten Halbzeit mit viel Bereitschaft hatten, verloren«, ärgerte sich Frontzeck und ergänzte: »Wenn du dann einen Tacken mehr nach vorne spielst, dann gibst du diese Räume, die Dortmund eben im Moment dann auch nutzt, preis«.
»Wir haben weniger Probleme nach vorne als im Spiel nach hinten, wobei das jetzt nicht unbedingt nur auf die Abwehrspieler zutrifft, sondern ganz einfach dass gerade nach so einem 2:1, wo du noch Zeit hast, eventuell den Punkt mit nach Hause zu nehmen, die Mannschaft zu viel will und dem Gegner dann zu viele Räume lässt. Deshalb kommt dann auch so ein ärgerliches Ergebnis zustande«, führte Frontzeck fort, der sein Spielsystem in Dortmund zwar nicht grundlegend änderte, jedoch zwei defensiv laufstärkere Spieler aufbot.
Patrick Herrmann und Mo Idrissou begannen für Juan Arango und Raúl Bobadilla. »Das hatte weniger etwas mit der Leistung von Juan und auch weniger mit der von ‚Boba‘ zu tun, sondern ganz einfach, weil ich einen anderen Plan hatte. Ich wollte die Flügel mit zwei schnellen Spielern besetzten«, begründete der 46-Jährige.
Doch zur großen Stabilität trug auch diese Maßnahme nicht bei. Die Borussen bemühten sich zwar, hatten jedoch wenig entgegenzusetzen und waren insgesamt zu löchrig. Der selbstbewusste Tabellenführer wusste diese Tatsachen gnadenlos auszunutzen. »Das Bemühen und das Wollen kann ich der Mannschaft nicht absprechen. Die Mannschaft macht im Moment Fehler, die gnadenlos bestraft werden«, resümierte Frontzeck.
»Ich denke, dass wir heute gerade in der ersten Halbzeit genügend Ansätze gesehen haben, auf denen wir aufbauen können und die man sicherlich positiv mit in das nächste Spiel reinnehmen kann«, meinte Frontzeck. Ansätze waren in den ersten 45 Minuten sicherlich vorhanden, doch diese alleine reichen nicht, um in der Bundesliga zu bestehen, denn „ein Spiel dauert 90 Minuten“, sagte schon Alt-Bundestrainer Sepp Herberger.
Gerade in diesen Wochen zeigen sich die Borussen im Defensivverbund vermehrt anfällig und brechen mitunter ein. »Wir müssen natürlich bis zur letzten Sekunde hochkonzentriert sein und uns nicht immer selbst ins Knie schießen. Das ist dass, was uns im Moment besonders weh tut«, erklärte Frontzeck.
Noch drei Spiele haben die Borussen in der Hinrunde nun Zeit, um ihre Ausgangsposition bis zur kurzen Winterpause zu verbessern, um ein einigermaßen ruhiges Weihnachtsfest fest zu verbringen. Es sind Punkte von Nöten. Bis dato haben die Borussen noch kein Heimspiel gewonnen - nun kommt der Tabellenvierte Hannover 96. »Das Spiel müssen wir unbedingt gewinnen«, forderte Frontzeck.
»Wir werden uns gezielt auf dieses Spiel vorbereiten. Darauf muss absolut der Fokus liegen«, sagte Frontzeck, weshalb er seine Mannschaft von Donnerstag bis Montag ins Trainingslager im nahegelegenen niederländischen Tegelen zusammenführt, um sich in aller Ruhe und voller Konzentration auf das Spiel gegen die Niedersachsen vorzubereiten.
Ob die Maßnahme gefruchtet hat, werden die 90 Minuten am kommenden Samstag zeigen. Die Borussen werden dann auf einem neuen, satten und frischen Grün einen erneuten Anlauf nehmen, den ersten Heimsieg unter Dach und Fach zu bringen. Möge der neue Rasen die „Fohlen“ beflügeln…
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