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Die Rückkehr des Jan-Ingwer Callsen-Bracker

Der 26-Jährige profitiert vom personellen Engpass in Borussias Defensive

Borussia Mönchengladbach muss den Derbysieg teuer bezahlen. Roel Brouwers und der gerade erst wiedergenesene Dante verletzten sich beim 4:0-Sieg in der Domstadt so schwerwiegend, dass beide Akteure voraussichtlich erst im Januar wieder zur Verfügung stehen. Ein herber Rückschlag für die Borussia, dessen Trainer Michael Frontzeck sich aufgrund dessen zum Handeln gezwungen sah und den zuletzt nicht mehr berücksichtigten Jan-Ingwer Callsen-Bracker in den Profikader zurückbeorderte.

Roel Brouwers, der nach seiner abgesessenen Rotsperre und nach überstandener Knieverletzung gerade erst wieder richtig Fuß fasste und im Spiel gegen den FC Bayern München in der zweiten Hälfte eine starke Partie ablieferte, musste im Derby zur Halbzeit in der Kabine bleiben.

Die anschließende Diagnose ergab einen Muskelfaserriss im Oberschenkel, der den Niederländer wohl zu einer drei- bis vierwöchigen Pause zwingt. Verläuft der Heilungsprozess positiv und komplikationslos, so könnte der 28-Jährige im letzten Punktspiel der Hinrunde am 17.12. gegen den Hamburger SV und/oder im DFB-Pokalspiel bei der TSG 1899 Hoffenheim am 21.12. wieder in das Geschehen eingreifen.

Derartige Ziele wird Dante derzeit wohl nicht anvisieren können. Der Brasilianer, der nach seiner Infraktion im Fußwurzelknochen im Spiel beim 1.FC Köln erstmalig wieder im Aufgebot stand, zog sich 22 Minuten nach seiner Einwechslung in Halbzeit zwei einen Teilriss des Innenbandes im Knie zu und wird aller Voraussicht nach bis zum Ende der Hinrunde ausfallen. So wird der 27-Jährige wohl erst wieder im Januar im Trainingslager im spanischen La Cala de Mijas in das Mannschaftstraining einsteigen.

Da auch Bernhard Janeczek derzeit aufgrund einer Innenbanddehnung bis auf weiteres nicht zur Verfügung steht, hat Borussias Trainer Michael Frontzeck auf die dünne Personaldecke in der Abwehr reagiert und nicht wie zuletzt Routinier Michael Stuckmann, sondern den vor Saisonbeginn aussortierten Jan-Ingwer Callsen-Bracker wieder in den Profikader zurückbeordert.

»Es ist so, dass drei Innenverteidiger weg sind. Jan-Ingwer ist zum einen seit längerem verletzungsfrei - was ja in der Vergangenheit sein großes Problem war - und hat sich zum anderen professionell verhalten, gut trainiert und gute Spiele in der Regionalliga gemacht. Von daher denke ich ist es in dieser Situation naheliegend, ihn zurückzuholen und eine gute Sache«, begründete Michael Frontzeck.

Noch zu Saisonbeginn schien sich die Ära Borussia für den von Christian Ziege und Jos Juhukay geholten Ex-Leverkusener dem Ende zuzuneigen, denn Michael Frontzeck hatte dem Abwehrspieler einen Vereinswechsel nahegelegt. Zuvor hatte sich Callsen-Bracker im Auftakttraining zur Saison 2009/2010 eine Sehnenentzündung zugezogen, die ihm langwierig zu schaffen machte. Angreifen wollte der 26-Jährige in dieser Saison, doch diese Möglichkiet erhielt er bekanntlich bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

Da sich in der Sommertransferperiode »nichts ergeben hatte«, hielt sich der Rechtsfuß bei der U23 des VfL fit.  Ab dem fünften Spieltag hatte sich Callsen-Bracker als Stammkraft in der Truppe von Sven Demandt etabliert und gab dem Defensivverbund der Jungfohlen Sicherheit. »Jan hat sich bei uns als ein top Charakter herausgestellt. Er hat bei uns vom ersten Tag an Gas gegeben, ist als Führungsspieler vorneweg gegangen und hat gute Leistungen gebracht«, sagt der U23-Trainer. »Deswegen denke ich ist es auch normal, dass es jetzt aufgrund der Situation so gekommen ist. Jan kann man oben sicherlich gut gebrauchen. Für ihn ist das jetzt sicherlich eine gute Chance, die er sich aufgrund der letzten zwei, drei Monate verdient hat«.

Der 26-Jährige selber, dessen Vertrag im Sommer 2011 ausläuft und der nie den Kontakt zu seinen bis dato ‚ehemaligen‘ Mannschaftskameraden verloren hat, geht nun mit der nötigen Gelassenheit und Akribie an die Aufgabe heran. »Ich freue mich natürlich, wieder dabei zu sein und sehe das jetzt natürlich als eine Chance«, sagt Callsen-Bracker, der am letzten Spieltag der Saison 2008/2009 beim 1:0-Heimsieg gegen den FC Schalke 04 seinen letzten Bundesligaeinsatz hatte.

Dass es im Fußball sowohl schnell bergauf als auch bergab gehen kann, weiß der Abwehrspieler nur allzu gut. Demzufolge bleibt er nun ‚gelassen‘ und lässt alles auf sich zukommen. Dazu gehört auch, dass er sich zumindest aktuell nicht damit befasst, ob nach der Rückkehr von Brouwers und Dante wieder in das ‚zweite‘ Glied zurückkehrt und ob er nach wie vor in der kommenden Transferperiode im Winter einen Vereinswechsel in Erwägung zieht. »Den Ball flach halten ist meine Devise. Ich werde wie auch bisher professionell an die Sache heran gehen, jeden Tag Vollgas geben und mich anbieten. Dann schauen wir mal, was dabei rumkommt und wie die kommenden Wochen verlaufen. Was im Winter ist, weiß jetzt noch keiner und wird sich zeigen…«.

Nach zuvor unzähligen und langwierigen Verletzungen hat der sympathische 26-Jährige nun aufgrund des Engpasses in der Defensive die Möglichkeit, sich erneut und nachhaltig für den Profikader der Borussia zu empfehlen. Im Winter zeigen wird sich dann davon ab wohl auch, was mit dem derzeit nicht mehr berücksichtigten Paul Stalteri passiert. Der Kanadier jedenfalls ist zumindest heute (Dienstag) wieder in das Training der U23 eingestiegen.


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