Borussias Trainer sah gegen Bayern zwei unterschiedliche Halbzeiten
Auch das sechste Heimspiel der laufenden Saison konnte Borussia Mönchengladbach nicht gewinnen. Im ausverkauften Borussia-Park stand am Ende ein 3:3-Remis gegen den FC Bayern München, dass unter dem Stich weder dem VfL, noch dem Rekordmeister richtig weiterhilft. Sechs Minuten fehlten der Borussia, um als Sieger vom Platz zu gehen, was eine deutliche Leistungssteigerung in Durchgang zwei erst möglich machte. Auch Borussias Trainer Michael Frontzeck sah zwei völlig konträre Halbzeiten.
Es war eigentlich alles angerichtet, für den Klassiker Gladbach gegen Bayern. Ausverkaufter Borussia-Park, der VfL kam recht gut in die Partie und ging bereits wenige Minuten nach dem Anpfiff in Führung. Patrick Herrmann hatte eigentlich eine Flanke im Sinn, doch der Ball nahm eine solche unberechenbare Flugbahn, so dass sich die „Torfabrik“ in die Maschen der Bayern senkte.
Eigentlich ein Start nach Maß für die Borussen, die es in der Folgezeit zwar weiter versuchten, sich jedoch alles andere als gefestigt präsentierten. »Trotz der Führung kam wenig Sicherheit in unser Spiel«, musste Michael Frontzeck zugeben. »Das ist sicherlich auch ein stückweit unser momentanen Situation geschuldet«. Nur sechs Minuten später egalisierte der amtierende Deutsche Meister den Rückstand. Nach Freistoß von Toni Kroos war Mario Gómez am langen Pfosten zur Stelle und köpfte, von Bamba Anderson alleine gelassen, zum Ausgleich ein.
Von diesem konnten sich die Borussen in der Folgezeit nicht erholen. Der FC Bayern beherrschte das Geschehen auf dem Spielfeld, während sich der VfL weit in die eigene Hälfte drängen ließ und nahezu kein Land sah. »Insgesamt haben wir uns als Block zu tief fallen lassen. Das ist sicherlich unserer momentanen Situation geschuldet, aber in erster Linie natürlich dieser unglaublichen Qualität der Bayern im eigenen Ballbesitz«, meinte Frontzeck.
Die Truppe von Louis van Gaal war feldüberlegen und setzte die Borussen unter Druck. »Wir brauchen über die erste Halbzeit und über die Vergabe der Spielanteile nicht sprechen. Ich denke, die lagen klar bei Bayern«, wusste Frontzeck. Bayern München kreierte Chance um Chance und markierte fünf Minuten vor dem Pausenpfiff den längst überfälligen Führungstreffer.
Kurz vor der Pause hätte Bastian Schweinsteiger für die Vorentscheidung sorgen können, doch der Nationalspieler vergab vom Elfmeterpunkt. Glück für den VfL, der gemessen an den Chancen des Rekordmeisters gut und gerne hätte höher zurückliegen können, wenn nicht müssen. »Da hatten wir mit dem verschossenen Elfmeter und mit der vergebenen Chance von Gómez, wo Heimeroth gut pariert, Glück, dass wir nur mit einem 2:1-Rückstand in die Kabine gegangen sind«, wusste der Trainer.
In der Tat hatten die Fohlen endlich auch mal das nötige Glück, denn sie wurden für ihr ängstliches Vorgehen und für ihre Passivität lediglich bedingt bestraft, da es der FC Bayern versäumte, eine höhere Führung herauszuschießen. »Was in der ersten Halbzeit abgelaufen ist, hatte wenig mit Einsatz zu tun. Da sollten wir uns ganz schnell von trennen. Einsatz und Laufbereitschaft haben gefehlt. Das hatte wenig mit Einsatz und Moral zu tun. Da hatten wir Glück«, lag Frontzeck die erste Halbzeit schwer im Magen.
Im Gegensatz zu Louis van Gaal wählte Borussias Trainer in der Kabine eine gewohnt ruhige und sachliche Ansprache und nahm zudem gleich zwei Wechsel vor. Dabei blieb Sebastian Schachten, der mit Hamit Altintop seine Probleme hatte, in der Kabine. Roel Brouwers kam in die Partie und rückte in die Innenverteidigung, während Daems für Schachten die linke Abwehrseite besetzte.
Dazu betrat Igor de Camargo für Mo Idrissou den Rasen. »Ich denke, dass man aufs Spiel nur bedingt einwirken kann. Mann hat drei Auswechselmöglichkeiten. Ich mache es eigentlich nicht so gern, in der Halbzeit zweifach zu wechseln«, sagte Frontzeck, der mit den zwei Auswechslungen offensichtlich richtig lag und bei der Halbzeitansprache die richtigen Worte gefunden hatte.
Die Umstellungen und die Kabinenansprache schienen gefruchtet zu haben, denn der VfL trat nun geordneter, entschlossener und mutiger auf. »Ich habe nicht den Zauberstab herausgeholt. Es war von der ersten Sekunde an ein völlig anderes Spiel. Da waren wir gut da. Das liegt aber nicht unbedingt nur an den zwei Auswechslungen, sondern insgesamt hat die Mannschaft auch gespürt, dass Bayern vielleicht zwei, drei Prozent weniger hat«, sagte Frontzeck. »Da ist es natürlich auch wichtig, den Instinkt zu haben, dass man da nachsetzt«.
Seine Mannschaft setzte nach, nutzte den sich bietenden Raum, belohnte sich für den mutigen Auftritt und brachte sich binnen vier Minuten mit 3:2 in Front. »Es ist nicht alltäglich, dass du dann in der Art und Weise die Tore herausspielst und auch machst. Ich habe es allerdings auch noch nicht allzu oft erlebt, dass wenn du gegen Bayern in Rückstand gerätst, in der Form zurückkehrst. Das war eine richtig gute Halbzeit mit zwei schön herausgespielten Toren«, freute sich Borussias Trainer.
Am Ende konnten sich die Borussen um Cheftrainer Michael Frontzeck lediglich bedingt freuen, denn Philipp Lahm nutzte vier Minuten vor Schluss eine Unachtsamkeit und traf im Anschluss zum Ausgleich in die Maschen. »Es ist schade für die Mannschaft, nicht vom Ergebnis her - ich denke, da haben wir andere Punkte nach guten Leistungen liegen lassen«, meinte Frontzeck.
»Gegen Bayern Unentschieden zu spielen, sollte nicht das Problem sein. Die Mannschaft hat bis zum Schluss alles reingeworfen. Sie hat Mannschaft eine fantastische Reaktion gezeigt. Das verdient absoluten Respekt«, lobte Frontzeck und ergänzte: »Wenn sie dann über das Ergebnis ein bisschen sauer ist, dann spricht das nur für die Mannschaft, weil so oft habe ich noch nicht saure Mannschaften erlebt, die nach einem Unentschieden gegen Bayern München in der Kabine saßen«.
Nun gilt es, sich ab Dienstag auf die kommende Aufgabe zu fokussieren. »Wir müssen die positiven Dinge mitnehmen, jetzt regenerieren, wieder zu Kräften kommen, weiter arbeiten und dann das wichtige Spiel im Köln annehmen«, gibt Borussias Trainer die Marschroute für die kommenden Tage vor.
Auf die zweite Halbzeit gegen den Rekordmeister kann man sicherlich aufbauen, doch gilt es diese Leistung in den kommenden Wochen über 90 Minuten auf das Feld zubringen. Und das nicht zuletzt in der kommenden Woche beim wichtigen Derby in der Domstadt. Dort gilt es, den Punkt gegen die Bayern zu veredeln. Sowohl sportlich als auch im Bezug auf das Umfeld wäre ein Sieg gegen den rheinischen Rivalen enorm wichtig. Dessen ist sich auch Michael Frontzeck bewusst. »Jeder weiß um die Bedeutung des Spiels…«.





