Borussia nach Bayern weiter ohne Heimsieg, starker Auftritt von de Camargo
Beim 3:3-Remis von Borussia Mönchengladbach gegen den FC Bayern München zeigte der VFL zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten. Ging man im ersten Durchgang noch viel zu ängstlich zu Werke und überließ dem Rekordmeister das Feld, so sollte sich dies in den zweiten 45 Minuten ändern. Igor de Camargo, zum Seitenwechsel für Mo Idrissou in die Partie gekommen, legte für Marco Reus zum 2:2 auf und brachte den VfL mit seinem ersten Bundesligator in Front. Am Ende stand jedoch eine Punkteteilung, mit der man aufgrund des Spielverlaufs dennoch zufrieden sein musste.
Gerade Igor de Camargo sorgte nicht ‚nur‘ aufgrund seines Tores und seiner Torvorlage für Ordnung im Spiel der Borussia. Doch zunächst fand sich der 27-Jährige im Gegensatz zur Niederlage beim 1.FC Kaiserslautern auf der Bank wieder. »Igor kann nach fast drei Monaten Verletzungspause noch nicht bei 100 Prozent sein, für 90 Minuten ist es bei ihm noch eng. Bis Weihnachten wird er bei 100 Prozent sein«, begründete Michael Frontzeck seine Entscheidung, den Offensiv-Allrounder zunächst auf der Bank zu lassen.
»Ich hatte in dieser Woche ein gutes Gespräch mit dem Trainer Er hat mit klar gesagt, was er mit der Mannschaft gegen Bayern machen will«, beschrieb de Camargo nach dem Spiel die zunächst wohl taktisch bedingte Nichtberücksichtigung. »Ich fühle mich gut und möchte natürlich spielen, aber ich muss die Entscheidung des Trainers respektieren«.
Dem international erfahrenen 27-Jährigen war auf der Auswechselbank jedoch nicht entgangen, dass seine Mannschaftskameraden im den ersten Spielminuten nur schwer in die Partie fand. »Wir mussten vorsichtig sein. Bayern ist eine große Mannschaft und da ist es nicht so einfach, in den ersten Minuten Druck zu machen«, meinte de Camargo. »Du hast sechs Punkte, spielst gegen Bayern und hast nicht die Selbstsicherheit, die du normalerweise vielleicht hast, wenn du besser da stehst«, gab Tobias Levels zu bedenken.
Die „Fohlen“ trabten vor dem Wechsel zuweilen jedoch eher ‚planlos‘ umher. »Auf gut Deutsch haben wir uns in der ersten Halbzeit in die Hosen geschissen. Da haben wir viel zu viele Räume gelassen und sind in unserer eigenen Zone nicht aggressiv nach vorne gegangen. So kann man gegen eine solch ballsichere Mannschaft wie Bayern nicht spielen«, brachte es Levels auf den Punkt.
Dies sollte sich mit Wiederanpfiff schlagartig ändern. »Da haben wir die Verteidiger viel früher unter Druck gesetzt und leidenschaftlich verteidigt«, sagte Levels. Fortan ging die Borussia entschlossen und mutig zu Werke. »Zu Hause müssen wir immer Druck machen, im eigenen Stadion müssen wir der Chef sein«, sagte de Camargo.
Auch ein Verdienst des belgischen Nationalspielers, dass der VfL nun geordnet und mutig nach vorne spielte. »Ich habe mehr nach vorne gespielt und dabei versucht, auf den Defensivverbund der Bayern Druck auszuüben. Das hat gut geklappt«, befand de Camargo.
Gut geklappt hat auch das Zusammenspiel zwischen dem belgischen Nationalspieler und Marco Reus. »Marco ist ein guter Fußballer. Das war sehr gut, auch wenn wir natürlich noch insgesamt an der Feinabstimmung arbeiten müssen«, sagte de Camargo, der zunächst für den Youngster auflegte und dann vier Minuten später selbst zur zwischenzeitlichen 3:2-Führung in die Maschen traf. »Ich glaube, das war ein schönes Tor«, gab de Camargo zu Protokoll.
Herausheben wollte sich der sympathische Belgier dennoch aber nicht. »Wir sind eine Mannschaft. Wenn wir gewonnen hätten, dann als Mannschaft und nicht nur de Camargo mit Reus. Heute habe ich ein gutes Spiel gemacht, aber dazu gehört die ganze Mannschaft«, zeigte sich der Offensiv-Allrounder bescheiden. »Das Zusammenspiel hat gut funktioniert. Das waren zwei schön herausgespielte Tore. Igor hat ein gutes Spiel gemacht«, honorierte Frontzeck.
Das gute Spiel in Verbindung mit dem Führungstor des Stürmers reichte dennoch nicht am Ende nicht, um als Sieger den Platz zu verlassen. Lediglich sechs Minuten fehlten, um den lang ersehnten Heimdreier unter Dach zu bringen.
Bayern erhöhte in den Schlussminuten die Schlagzahl, dränte die Fohlen-Elf in die eigene Hälfte und kam durch Kapitän Philipp Lahm zum Ausgleich. »Wir haben mit Bayern München gegen eine große Mannschaft gespielt, gegen sie zu spielen ist nicht so einfach. In den letzten zehn Minuten haben sie sehr viel Druck gemacht«, musste der Nationalspieler zugeben.
Dennoch ist de Camargo alles andere als zufrieden mit der Vielzahl der Gegentreffer. »Ich habe schon gesagt, dass wir als Mannschaft ein bisschen mehr Besonnenheit haben müssen, um ein gutes Resultat über die Zeit zu bringen. Es ist nicht gut, wenn du drei Gegentore bekommst. Das müssen wir intern analysieren, um besser zu werden«, mahnte de Camargo.
»Ich hätte auch lieber gewonnen, aber es ist gut, dass wir gegen Bayern einen Punkt holen konnten. Natürlich müssen wir noch an einigen Details arbeiten. Nun können wir nach vorne schauen und mit mehr Selbstvertrauen in das kommende Derby gehen«, meinte de Camargo.
»Auf der zweiten Halbzeit können wir mit Sicherheit aufbauen. Das war eine sehr gute Leistung wo wir gezeigt haben, welche Qualität in der Mannschaft steckt. Wenn wir so auftreten, dann werden wir bis zum Winter auch die nötigen Punkte holen«, ist Tobias Levels überzeugt.
Nicht ohne Punkte das Spielfeld zu verlassen ist auch und gerade in der kommenden Woche von Nöten. Dann nämlich geht es für die Borussia zum rheinischen Derby in die Domstadt.
Ein Spiel gegen einen Mitkonkurrenten, das gerade für die Anhänger so etwas wie das Duell des Jahres ist. »Für uns Spieler ist es nichts anderes, ob es gegen Bayern oder Köln geht. Ich würde mich natürlich freuen, wenn wir dort gewinnen könnten«, schaut Tobias Levels auf das bevorstehende Kräftemessen mit dem 1.FC Köln. »Das wäre nicht nur sportlich eminent wichtig, sondern auch für das Umfeld. Das weiß jeder, aber wir müssen jetzt den Ball flach halten. Auch wenn es ein Derby ist - auch dort geht es um drei Punkte, die für uns überlebenswichtig sind«. Die Tabellenkonstellation sieht sicherlich nach wie vor alles andere als rosig aus - ein Sieg in der Domstadt würde dem Punktekonto mehr als gut tun…





