Ohne Roel Brouwers und Raúl Bobadilla nach Kaiserslautern
Endlich gab es im Borussia-Park wieder etwas zu feiern. Mit 6:5 nach Elfmeterschießen gewann Borussia Mönchengladbach in der 2.Runde des DFB-Pokals gegen Bayer Leverkusen und darf sich neben dem Einzug in das Achtelfinale, das am kommenden Sonntag in der ARD-Sportschau ausgelost wird, auch über 531.000 Euro freuen. So zeigte sich Borussias Trainer Michael Frontzeck sowohl nach der Partie als auch einen Tag danach selbstredend erfreut und richtete den Fokus bereits auf das kommende Spiel beim 1.FC Kaiserslautern.
»Es war in diesem Spiel bis hin zur Entscheidung im Elfmeterschießen alles drin, was man von einem Pokalfight erwartet. Ich denke, dass die Mannschaft große Moral bewiesen hat«, sagte Michael Frontzeck in dem Pressegespräch nach dem Sieg den fragenden Journalisten.
In der Tat hatte seine Mannschaft gerade auch in den spannenden 120 Minuten zuvor eine mehr als ansprechende Leistung auf den doch schwer bespielbaren Rasen gebracht. Die „Fohlen“ hatten nahezu über die gesamte Spielzeit wenig zugelassen, die Räume eng gehalten und der Bayer-Elf somit bis auf wenige Ausnahmen wenig Luft zum Atmen gegeben. »Es war entscheidend, dass wir uns gegen so eine spielstarke Mannschaft, die natürlich immer wieder versucht, dich auseinanderziehen, nicht haben locken lassen«, freute sich Frontzeck.
Und das gerade auch, obwohl der 46-Jährige kurzfristig noch auf Roel Brouwers verzichten musste und somit personell noch mehr gebeutelt war. »Das ist eine große Stärke von uns, die schwierig beizubehalten ist, wenn man so eine große Fluktuation mit verletzten und gesperrten Spielern hat. Es hat mich gefreut, dass wir heute wieder als Block dagestanden haben. Da haben wir heute einen Schritt nach vorne gemacht. Von daher kann die Mannschaft auch ein stückweit stolz auf das sein, was sie abgeliefert hat«, lobte Borussias Trainer.
Einzig die Chancenverwertung konnte dem Trainer an diesem Abend nicht gefallen haben, doch anders als in der jüngeren Vergangenheit rächte sich dieses am Ende Gott sei Dank nicht. Dabei hielt Michael Frontzeck auch an seiner offensiven Ausrichtung fest. »Der ein oder andere wundert sich ja, dass ich mich auch vor die Mannschaft stelle, wenn es mal schlecht läuft, aber ich glaube heute hat jeder gesehen, warum ich das tue. Diese Mannschaft versucht immer, an ihr Limit zu gehen«, betonte Frontzeck. »Sie hat in den letzen Wochen sicherlich zu viele Fehler gemacht, aber es wird niemals an der Einstellung liegen. Deshalb stehe ich vor der Truppe unabhängig davon, dass das mein Naturell ist«.
Die Mannschaft zahlte das Vertrauen des Trainers durchaus zurück. Auch nach dem Rückstand bewies der VfL Nervenstärke und schlug unmittelbar zurück. Nervenstärke traf auch auf das abschließende Elfmeterschießen zu, bei dem alle Borussen sicher verwandelten und so am Ende jubeln durften und konnten. »Die Mannschaft hat über weite Strecken wieder sehr kompakt gespielt und wirklich über die gesamte Spielzeit ein gutes Spiel abgeliefert. Ich bin froh, dass wir den Bock mal umgestoßen haben. Das gibt uns ein gutes Gefühl, wohlwissend, was uns am Samstag erwartet. Ich hoffe, dass das jetzt die Wende war«, so Frontzeck.
Die Wende gilt es nun auch in der Bundesliga fortzusetzen. Dabei wartet bereits am kommenden Samstag die schwere Aufgabe beim Tabellennachbarn 1.FC Kaiserslautern. Viel Zeit, um sich zu regenerieren, bleibt den Borussen also nicht mehr, weshalb sich der Tross bereits heute in Richtung Pfalz macht, um auf halber Strecke in ein Hotel zu beziehen und zu regenerieren.
Sicherlich sind die Beine gerade nach 120 intensiv geführten Pokalminuten schwer, doch der Erfolg im sollte die Borussen wieder schneller zu Kräften kommen lassen. »Kraft ist ein gutes Stichwort. Auf dem Boden hat es uns über 120 Minuten richtig Kraft gekostet«, weiß der Trainer. Personell sind wir sicherlich in der Situation, die mehr als angespannt ist und wo wir im Moment auf vieles verzichten müssen«.
Verzichten müssen wird Michael Frontzeck beim 1.FC Kaiserslautern auch auf Roel Brouwers. Der Belgier, der seine Rotsperre abgesessen hat, verdrehte sich im Abschlusstraining zum Pokalspiel das Knie und wird sich am Freitag detaillierten Untersuchungen unterziehen. Für den 28-Jährigen wird wie auch schon in den letzten beiden Auftritten U23-Akteur Michael Stuckmann als Alternative im Aufgebot stehen.
Dazu wird Raúl Bobadilla ebenso nicht mit in die Pfalz reisen. Michael Frontzeck strich den Argentinier, der nach seiner zuvor erwünschten Auswechselung das Abklatschen mit Igor de Camargo verweigerte und Schnurrstracks in die Kabine rannte, aus dem Aufgebot.
»Boba ist ein guter Junge, aber manchmal geht das Temperament mit ihm durch. Es geht nicht, dass er bei seiner Auswechslung an Igor de Camargo einfach vorbeirennt. Fußball ist ein Mannschaftssport und setzt Respekt untereinander voraus«, begründete Frontzeck seine nachvollziehbare Entscheidung. Ab Sonntag kann sich der 22-Jährige dann wieder für einen Kaderplatz für das Heimspiel gegen den FC Bayern München empfehlen.
Ungeachtet der derzeit angespannten Personalsituation bleibt der durchaus schöne Pokalsieg, der auch sicherlich Balsam für die Seele darstellt, jedoch „nur“ ein Zubrot denn primär gilt es, in der Liga Erfolge einzufahren. »Die Situation bleibt schwierig für uns«, weiß Frontzeck.
Dennoch lässt sich der 46-Jährige richtigerweise nicht aus der Ruhe bringen, und schenkt dabei der derzeitigen Tabellensituation auch dann noch nicht allzu viel Gewicht ,wenn man gegen die "Roten Teufel" verlieren sollte und dann wohl erst mal im Tabellenkeller festhängt. »Es wird noch ein stückweit dauern, bis man sich unten lösen kann. Letztendlich sollte man auch nicht zu sehr nach unten schauen, sondern konzentriert sein auf dieses Spiel. Das werden wir tun und was danach ist, werden wir dann sehen. Wir haben dann den 10. Spieltag hinter uns gebracht. Da dann von Tendenzen zu sprechen, ist mir zu früh«.
Wohlwollend zur Kenntnis nehmen kann Michael Frontzeck, dass seine Mannschaft nach dem Aufwand auch Früchte ernten konnte, was frisches Selbstvertrauen eingeimpft haben sollte. »Es ist natürlich von unheimlicher Bedeutung, dass sich die Mannschaft am Ende für eine gute Leistung belohnt hat. Von daher war es ein wichtiger Schritt«, zeigte sich Frontzeck erleichtert.
Gut auftreten, genauso engagiert, genauso kompakt zu Werke zu gehen und sich dann unter dem Strich dafür zu belohnen steht nun auch für den kommenden Samstag in der Bundesliga auf dem Programm. »Auf uns wartet jetzt natürlich in Kaiserslautern auch ein richtig und intensives und schwieriges Spiel«, ist sich auch Michael Frontzeck der durchaus schweren, aber nicht unlösbaren Aufgabe auf dem Betzenberg bewusst.
»Da müssen wir jetzt alle Kräfte sammeln, um da zu bestehen und um in die Punkte zu kommen. Es gibt kein besseres Rezept und keine bessere Regeneration als einen Sieg, auch wenn es über 120 Minuten ging. Aus dem Spiel kann man einiges mitnehmen«. Nimmt man aus der Pfalz drei Punkte mit an den linken Niederrhein, dann würde das der Borussia in der aktuellen Situation sicherlich mehr als gut tun…





