Michael Frontzeck vertraut Christofer Heimeroth
Nach der 1:4-Heimniederlage von Borussia Mönchengladbach gegen den SV Werder Bremen hat sich Michael Frontzeck für einen Torwartwechsel entschieden, der nach der Meinung vieler längst überfällig war. Logan Bailly wurde eine einwöchige Verschnaufpause auferlegt, von der am kommenden Sonntag zurückkehrt und wieder in das Mannschaftstraining einsteigt. Eine Entscheidung, für die sich Borussias Trainer Zeit gelassen hat und die ihm zudem alles andere als leicht gefallen ist.
»Grundsätzlich ist die Torhüterposition eine spezielle Position, keine Frage. Die ist aus meiner Sicht anders zu bewerten, als ein Feldspieler. Da tue ich mir grundsätzlich schwer«, erklärt Michael Frontzeck.
Nach zuvor intensiven Gesprächen mit Logan Bailly und mit Torwarttrainer Uwe Kamps hat sich der 46-Jährige dennoch für den wohl derzeit unumgänglichen Wechsel zwischen den Pfosten entschieden. »Ich denke das Logan - wenn mal das Gesamtpaket mit dem sieht, was in Belgien und jetzt hier passiert ist -, im Moment sehr viel auf dem Buckel hat. Ich denke, dass es die beste Situation oder die beste Möglichkeit war, ihn letztendlich zu schützen«.
»Er ist ein junger Torwart und hat eine schwierige Phase. Da werden wir gemeinsam herauskommen. Von daher habe ich mir die Entscheidung sicherlich nicht einfach gemacht, aber ich denke, dass es in dem Fall keine andere Möglichkeit gab. Es ist für ihn ein größeres Paket«, so Frontzeck weiter.
Logan Baillys Torwarttrainer bei der Nationalmannschaft jedenfalls, kann die Entscheidung nicht nachvollziehen. »Ich hätte das so nicht getan, denn ich denke, dass man nur mit harter Arbeit aus einem Tal herauskommt. Bei Borussia sehen sie Logan jeden Tag und können ihn so besser beurteilen. Ich finde aber nicht, dass er Fehler oder technische Fehler gemacht hat. Er hatte einfach kein Glück. Ich habe Samstag mit ihm gesprochen. Er macht derzeit die schwierigste Phase seiner Karriere durch«, sagte Philippe Vande Walle dem belgischen TV-Sender RTBF. »Seine Stärken, wie hohe Bälle und Positionsspiel sind nun seine Schwächen. Ich frage mich: Geben sie ihm bei Borussia genug Vertrauen? Sie müssen auch an den mentalen Dingen arbeiten«, ergänzt Vande Walle.
So wird es zumindest im DFB-Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen und auch im darauffolgenden Bundesligapiel beim 1.FC Kaiserslautern Christofer Heimeroth sein, der das Tor der Borussia hüten wird. »Ich glaube, dass Christofer Heimeroth die Spiele, die er gespielt hat, sicher absolviert und sich immer gut verhalten hat. Er hat in der Mannschaft einen gewissen Stellenwert, denn er ist auch im Mannschaftsrat und spielt dort eine gute Rolle«, schenkt Michael Frontzeck dem 29-Jährigen sein volles Vertrauen.
»Ich freue mich über jedes Spiel, dass ich hier machen darf und dementsprechend freue ich mich auch auf das Pokalspiel«, berichtet Christofer Heimeroth. »Ich werde natürlich versuchen, meine Leistung zu bringen und ich denke, dass ich mit meiner Art dafür sorgen werde, der Mannschaft zu helfen«, sagt der 29-Jährige weiter und will auch dazu beitragen, die Gegentorflut einzudämmen. »Natürlich hoffe ich auch, dass wir dann weniger Gegentore kassieren«.
Sicherlich trägt Logan Bailly nicht die Alleinschuld an den bis dato 27 Gegentoren. »Natürlich müssen wir uns als Mannschaft im Defensivverbund besser verhalten«, weiß Christofer Heimeroth. »Das haben wir auch ganz klar angesprochen und das weiß auch jeder. Wir haben in jedem Spiel die Chance, es besser zu machen«.
Dazu wird Marc-André ter-Stegen zunächst nur bedingt beitragen können, denn der Jungprofi und Nachwuchstorhüter wird als zweiter Torhüter auf der Bank Platz nehmen. »Marc-André ist ein sehr, sehr talentierter Torwart, der 18 Jahre alt ist, von dessen Zukunft ich absolut überzeugt bin und der sicherlich kommen wird. Das ist jetzt aber keine Situation, in der man so einen jungen Spieler reinbringt«, begründet Michael Frontzeck.
»Es ist auf jeden Fall ein Schritt nach vorne«, freut sich ter Stegen nun im Profikader dabei zu sein und gibt sich bei der Frage, ob er auf einen Einsatz von Beginn an gehofft hat, diplomatisch. »Darüber rede ich nicht, denn das ist immer noch eine Sache vom Trainer und nicht meine Angelegenheit. Ich gebe meine Leistung auf dem Platz und biete mich dadurch an. Alles Weitere entscheidend der Trainer. Für mich gilt es, Leistung zu bringen und alles andere ist nicht mein Gebiet«.
Generell ist der Wechsel auf einer sogenannten Schlüsselposition, wie des Torhüters, sicherlich kein solcher, den man von Spiel zu Spiel oder auf kurze Sicht beäugt bzw. durchführt. So ist es aktuell eine Chance für Christofer Heimeroth, sich zu zeigen und beweisen kann. Wann und ob der 29-Jährige wieder ins „gewohnte“ zweite Glied rückt, steht aktuell nicht fest. »Es gibt keinen Zeitplan«, sagt Michael Frontzeck. Hält die neue Nummer eins gut, so dürfte die Pause von Logan Bailly wohl länger dauern.
So könnte derzeit vieles dafür sprechen, dass Borussias Trainer frühestens in der Winterpause den Konkurrenzkampf zwischen den Pfosten neu entfacht. »Das, was mich jetzt interessiert, ist das Spiel gegen Leverkusen. Da spielt Christofer Heimeroth. Logan hat das richtigerweise gesagt, es geht jetzt nicht um den Einzelnen, sondern ganz einfach darum, dass wir als Mannschaft wieder auf den richtigen weg kommen«, ergänzt der 46-Jährige.
Um wieder auf den richtigen Weg zu kommen und sich zudem frisches Selbstvertrauen einzuimpfen, könnte auch das Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen genutzt werden. Sicherlich keine einfache Aufgabe gegen die Werks-Elf, die wohl gerade auch aufgrund der 6:3-Heimniederlage in der Bundesliga besonders motiviert sein wird. »Ich denke, dass es für beide Mannschaften leichterte Lose gegeben hätte. Leverkusen hat natürlich eine sehr, sehr gute Mannschaft. Es ist für uns natürlich eine Herausforderung«, weiß Michael Frontzeck.
Die Mannschaft und auch Michael Frontzeck jedenfalls, wollen am Mittwoch im Borussia-Park die Herausforderung annehmen und alles daransetzten, um vier oder drei Tage vor Weihnachten im Achtelfinale des DFB-Pokals dabei zu sein. »Der Club ist schon seit Jahren nicht mehr in die 3. Runde eingezogen. Wir haben jetzt gegen einen sehr attraktiven und sehr spielstarken Gegner ein Heimspiel. Das wollen wir nutzen und eine Runde weiterkommen«. Bei der aktuelle ungemütlichen sportlichen Situation würde ein Erfolg im Pokal sicherlich gut tun...





