Lucien Favre feierte mit Heimsieg gegen Schalke perfekten Einstand
Es war die Premiere von Lucien Favre als Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach. Der 53-Jährige zeigte sich beim verdienten 2:1-Heimspielsieg gegen den FC Schalke 04 wie schon zuvor in seinen Trainingseinheiten an der Seitenlinie derart engagiert, dass die vierte Offizielle Bibiana Steinhaus den Schweizer zurück in die Coaching-Zone beordern musste. Am Ende durfte sich Favre mit seiner Mannschaft sowohl über einen perfekten Einstand als auch über den ersten Heimspielsieg seit dem 09.April 2010 freuen.
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| Lucien Favre dirigierd am Spielfeldrand (Foto: Dirk Päffgen / Fohlen-Hautnah.de) |
Zunächst deutete jedoch einiges darauf hin, dass der Schweizer bei seinem Debüt an der Seitenlinie alles andere als einen guten Einstand feiern würde. Gerade einmal 83 Sekunden waren gespielt, da schlug es auch schon im Tor der Borussen ein.
Neustädter brachte Dante mit einem kurzen Pass in Bedrängnis, was Ex-Borusse Peer Kluge eiskalt ausnutzte und Logan Bailly bei seinem Schuss ins lange Eck keine Abwehrchance ließ. Pech für den Belgier, der erstmals seit dem 9. Spieltag wieder zwischen den Pfosten stand und den Vorzug vor Christofer Heimeroth erhielt. »Ich habe Logan Bailly gebracht, weil ich dabei einfach ein gutes Bauchgefühl hatte«, begründete Favre. »Ich hatte das Gefühl, ihn heute bringen zu müssen und dagegen kann bzw. sollte ich nicht arbeiten«.
Gearbeitet hatte seine Mannschaft auch nach dem frühen Rückschlag und hat sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. »Nach zwei Minuten waren wir alle im Stadion sehr enttäuscht, aber die Mannschaft hat extrem gut auf das Gegentor reagiert«, befand Favre.
Tatsächlich ließ sich der VfL nicht entmutigen, sondern spielte weiter nach vorne. »Nach einem Gegentor musst du positiv denken. Wenn du aber sagst: Ach Scheiße, dann ist das katastrophal. Die Spieler haben sofort wieder positiv gedacht. Sie haben sehr gut reagiert und Fußball gespielt«, meinte Favre.
Nach zwei Lattentreffern wurden die Borussen nach zwölf Minuten für ihre Bemühungen belohnt, Marco Reus traf zum Ausgleich. »Marco ist enorm viel gelaufen. Er ist sehr torgefährlich und es ist nicht einfach, solche Spieler zu beherrschen, weil er ist mit und ohne Ball sehr schnell ist«, fand der Schweizer lobende Worte für den Ausgleichsschützen.
In der Offensive zündete die „Rakete“ das ein und andere Mal und harmonierte dazu mit Sturmspitze Mo Idrissou. »Das Zusammenspiel und die Mischung mit Idrissou war ok, wenngleich wir da noch ein paar Sachen korrigieren müssen«, sagte Borussias Trainer und stellte auch dem Kameruner ein gutes Zeugnis aus: »Idrissou läuft sehr viel und hat ein super Tor gemacht«.
Binnen elf Minuten hatte die Borussia einen Rückstand nicht ‚nur‘ aufgeholt, sondern in eine Führung umgemünzt. »Die Mannschaft hat es am Ende über den Zweikampf, über die Bewegung, über den Willen und über den Charakter geschafft, das Spiel zu drehen. Der Sieg ist natürlich für den Kopf eine gute Sache«, ergänzte Favre.
Den Führungs- und gleichzeitig Siegtreffer des Kameruners vorbereitet hat Juan Arango, der zuvor unter Michael Frontzeck keine Berücksichtigung fand und gegen die ‚Knappen‘ seine mit Abstand beste Saisonleistung hinlegte. Der Venezolaner war laufstark, zweikampfstark arbeitete nach hinten und bereitete den Siegtreffer vor.
»Juan hat diese Woche sehr gut trainiert. Er hat heute offensiv wie defensiv sehr gut gespielt. Das war sehr wichtig. Er hat eine gute Leistung gezeigt und war am Ende etwas müde, aber er muss sich jetzt erholen und dann so weiter machen«, sah sich Favre in der Nominierung des 30-jährigen bestätigt. »Aber ich will nicht speziell über Juan Arango oder einen anderen Spieler sprechen. Alle waren sehr konzentriert und haben gut gearbeitet«, ergänzte Borussias Fußballlehrer.
Das galt auch für Filip Daems, der die Borussen auch unter Lucien Favre als Kapitän anführt. Und das tat der 32-Jährige gegen die ‚Knappen‘ mit gutem Beispiel. Der Belgier zeigte Kämpferherz und mit gutem Beispiel voran. »Auch Filip Daems hat heute bis auf ein bis zwei Fehler gut gearbeitet. Wenn du aber gegen Farfán spielst, dann ist es für keinen Verteidiger einfach«, befand Favre. »Es gab für mich auch keine Überlegung, ihm die Kapitänsbinde wegzunehmen«.
Nicht mehr wegnehmen ließ sich seine Mannschaft die 2:1-Führung. Und das gerade auch, weil man geschlossen gegen den Ball arbeitete und den FC Schalke so wenig zur Entfaltung kommen ließ. Eine erste Handschrift war erkennbar, denn die Borussen erarbeiteten sich gerae auch im Mittelfeld eine Überzahl. »Die Mannschaft war sehr engagiert, kämpferisch sehr stark und hat viele Zweikämpfe gewonnen. Durch Kombination haben wir uns Torchancen herausgearbeitet«, sagte Lucien Favre.
»Konditionell hat es meine Mannschaft auch gegen Ende gut gemacht. Da haben wir sehr gut gearbeitet. Wir waren manchmal unter Druck, weil Schalke vor allem über die Seite mit Uchida und Farfán mit Kombination probiert hat, nach vorne zu spielen. Wir haben es dann mit Ruhe gelöst«, ergänzte der 53-Jährige.
So dürften sich Borussias neuer Cheftrainer und die Borussen am Ende über den ersten Saisonsieg im Borussia-Park und über einen eminent wichtigen Dreier freuen. »Das ist nach 90 Minuten für mich ein verdienter Sieg«, resümierte Favre. »Den hat sich die Mannschaft verdient. Die ganze Mannschaft war heute sehr konzentriert und auf dem Platz eine Einheit. Sie hat mit guten Kombinationen und Leidenschaft gespielt. Es war heute wichtig, diesen Dreier zu erreichen«.
Mit dem Sieg konnte der VfL sowohl den Abstand auf den Relegationsplatz als auch auf das gänzlich rettende Ufer auf vier Punkte verkürzen. Die Hoffnung ist zurück in Gladbach, doch große Euphorie ist nach wie vor fehl am Platze.
»Das war nur ein Spiel. Es sind noch elf Spiele und somit 33 Punkte zu vergeben. Der Dreier heute war gut, aber wir müssen weiter sehr hart arbeiten«, weiß Favre. »Wir schauen von Spiel zu Spiel. Es wird extrem schwer, aber ich bin davon überzeugt, dass wir den Abstieg vermeiden können«.
Dabei wartet bereits am kommenden Freitag die Aufgabe beim VfL Wolfsburg. Ob Borussias Trainer bei den ‚Wölfen‘ mit der Erfolgs-Elf von Schalke beginnt, bleibt abzuwarten. »Ich bin kein Mann der sagt, dass ich immer mit derselben Mannschaft spiele. Heute war es einfach mein Gefühl, mit dieser Mannschaft heute anzufangen«, erklärte Favre. »Wolfsburg ist wieder ein anderer Gegner als Schalke und daher weiß ich es noch nicht. Lassen Sie mir ein wenig Zeit um mir das zu überlegen«.
Mit in die Überlegungen einbeziehen wird Favre auch die Tatsache, dass Igor de Camargo nach seiner Rotsperre wieder zur Verfügung stehen wird. »Nächste Woche kann ich keine drei 9er spielen lassen. Wir werden sehen«, wollte der Trainer noch nichts verraten.
»Igor ist ein sehr guter Spieler, das habe ich schon im Training gemerkt. Er kann sehr wichtig für die Mannschaft sein. Damit meine ich zwar nicht, dass er nächstes Spiel automatisch spielen wird, aber wir brauchen so oder so alle Spieler«, erklärte Lucien Favre. »Alle Spieler müssen sehr konzentriert sein, egal ob du von Anfang an dabei bist oder auf der Bank sitzt«.
Mit dem Sieg gegen den FC Schalke ist ein Anfang in Sachen Hoffnung gemacht. Lucien Favre hat die "Fohlen" bis dato jedenfalls auf Trapp gebracht. In Wolfsburg gilt es nun, der Hoffnung weiteren Nährboden zu geben, nicht zu stolpern und den Heimerfolg zu vergolden. Denn eins ist klar, der VfL braucht eine Serie, um sich entscheidend aus dem Sumpf herauszuziehen. Möge Lucien Favre dabei erneut ein gutes Bachgefühl und unter der Woche weitere Erkenntnisse gesammelt haben…






