Der Jungprofi war zu Gast bei Radio 90,1
Jeden Mittwoch ist beim Mönchengladbacher Radiosender 90,1 Zeit für die Sendung ‚Borussia hautnah‘, in der Moderatorin Petra Koch einen Spieler oder auch einen Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach in ihrem Studio begrüßt. So auch gestern, als Patrick Herrmann Rede und Antwort stand. In den 60-Minuten sprach der 19-Jährige unter Anderem über seine persönliche Entwicklung und über das kommende Auswärtsspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim. Fohlen-Hautnah hat das Gespräch mit dem Youngster zusammengefasst.
Petra Koch: Hallo Patrick. Wenn ich jetzt 16. Januar sage, dann müsstest du eigentlich sagen, da kann ich mich dran erinnern…
Patrick Herrmann: Ja auf jeden Fall. Da war mein erstes Bundesligaspiel.
Petra Koch: Nicht nur Spiel, sondern ein super Einstand mit einer schönen Torvorlage. Da hast du mit deinem Kumpel Fabian Bäcker gezeigt, wie es geht.
Patrick Herrmann: Ja. Es war schon ein besonderes Erlebnis. Gerade im ersten Bundesligaspiel so ein Tor aufzulegen - und das für Fabian. Das vergisst man sein Leben lang nicht.
Petra Koch: Im Moment bist du ein wenig außer Gefecht. Ich habe gedacht, es wäre was ganz Schlimmes, das ist es Gott sei Dank nicht, aber du hast eine Unterschenkelprellung. Dran laborierst du noch ein bisschen…
Patrick Herrmann: Ich war heute wieder das erste Mal mit dem Reha-Trainer auf dem Platz und habe versucht was geht und was nicht geht. Mit dem Wochenende wird es glaube ich noch nichts.
Petra Koch: Das heißt, im Moment machst du reines Reha-Programm und hoffst, dass es zumindest für das Spiel gegen Werder Bremen reicht?
Patrick Herrmann: Genau. Klar hott man es, aber man muss von Tag zu Tag schauen, wie es besser geht und dann mal abwarten.
Petra Koch: Es ist das erste Mal, dass man mal ein bisschen Geduld haben muss. Liegt dir das?
Patrick Herrmann: Nein. Eigentlich überhaupt nicht, weil ein Fußballer will glaube ich immer sofort wieder auf die Beine und will sofort wieder spielen, aber man muss sowas dann doch in Kauf nehmen.
Petra Koch: Was hast du denn gedacht, als du da erwischt worden bist. Es sah schlimm aus, hat es sich auch schlimm angefühlt?
Patrick Herrmann: Ja, auf jeden Fall. Ich habe direkt gedacht, dass ein Band durch oder sogar am Knochen irgendetwas ist. Es hat erst geknackst und dann hat es ziemlich weh getan. Dann denkt man schlimmere Sachen, aber zum Glück ist es dann nur die Unterschenkelprellung.
Petra Koch: Genau. Kommen wir nun mal zur Rubrik Persönliches. 1. Was kannst du überhaupt nicht leiden? 2. Was magst du besonders? 3. Drei Dinge, die man mit auf eine Insel nehmen muss? 4. Wenn du die Macht hättest auf der Welt etwas zu verändern, was wäre das? 5. Lebensmotto/Lebensphilosophie?
Patrick Herrmann: Zu1: Leute, die lügen, mag ich nicht. Zu2: Meine Familie, meine Freunde und meine Freundin. Meine Familie, ohne die ich es glaube ich auch nicht gepackt habe, ist mein Ein und Alles. Zu3: Einen Fußball - das ist ja klar, ein Bett zum Schlafen und einen Fernseher mit PlayStation zur Unterhaltung.
Zu4: Man bekommt ja durch die Medien mit, dass viel Krieg auf der Welt ist. Wenn man als einziger die Macht hätte, das abzuschaffen, dann würde das glaube ich jeder machen. Zu5: Träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume. Den Spruch finde ich eigentlich ganz gut. Im Moment bin ich dabei.
Petra Koch: Reden wir noch mal über dich und deinen Start in die Bundesliga. Seit deinem ersten Bundesligaspiel am 16. Januar hat sich viel getan. Du bist in der Mannschaft eigentlich jetzt schon ein fester Bestandteil. Kann man das alles so glauben, hast du das alles so realisiert? Es ging ja dann doch verdammt schnell.
Patrick Herrmann: Mittlerweile schon, aber in der Anfangszeit war es noch ziemlich ungewohnt und noch etwas anders. Mittlerweile hat man sich dran gewöhnt und es ist kein Problem mehr.
Petra Koch: Ist man bei den Jungs auch schon voll akzeptiert?
Patrick Herrmann: Ja. Warum auch nicht.
Petra Koch: Musst du noch Bälle schleppen?
Patrick Herrmann: Ja, das müssen die jüngsten Spieler immer. Da bin ich noch mit dabei.
Petra Koch: Wenn du dir jetzt mal die sportliche Entwicklung nicht nur von dir, sondern auch von der Mannschaft anschaust. Ich finde, dass ihr in der letzten Saison eine richtig schöne Runde gespielt habt. Dann fing es auch ganz gut an und dann kam so der Knack mit relativ vielen Gegentoren. Gegen Wolfsburg war es für mich eines der besten Spiele, die ich seit langem gesehen habe. Wo seid ihr jetzt?
Patrick Herrmann: Wir sind auf einem guten Weg. Wir haben am Anfang der Saison gute Spiele gemacht - gerade in Leverkusen, dann haben wir zwei Spiele nicht so gut gespielt. Aus dieser Krise, aus der es auch schwer ist, dann wieder herauszukommen, sehr gut gerettet und haben die letzten Spiele eigentlich immer gute Leistungen gebracht. Nur die drei Punkte fehlen leider noch.
Petra Koch: Was geht da so in einer Mannschaft vor? Hockt ihr euch dann zusammen und sagt, Mensch, jetzt haben wir hier in zwei Spielen sieben Gegentore gekriegt, jetzt müssen wir aber mal was anders machen, oder was macht man da?
Patrick Herrmann: Nach fünf Spielen setzt man sich natürlich immer zusammen. Dann beredet man das und versucht einen Ausweg zu finden. Das haben wir glaube ich ganz gut gemacht.
Petra Koch: Ich hatte nicht damit gerechnet, ihr wahrscheinlich auch nicht, dass sowas so früh kommt. Ist man dann als junger Spieler auch ein bisschen verunsichert?
Patrick Herrmann: Damit hat glaube ich überhaupt keiner gerechnet. Verunsichert ist vielleicht das falsche Wort. Wie gesagt, wir haben nicht damit gerechnet, aber wir haben uns gut wieder daraus geholfen und in den letzten Spielen dann auch ordentliche Leistungen gebracht.
Petra Koch: Kann man so sagen. Wenn ich dich jetzt als Beispiel nehme, dann ist man jetzt zum Zuschauen verurteilt. Das ist glaube ich die schlechteste Aufgabe, die man haben kann…
Patrick Herrmann: Ja. Natürlich ist das die Höchststrafe, wenn sich die anderen auf dem Platz abrackern, du gerne helfen möchtest, es aber einfach nicht geht. Ich hoffe, dass es dann in den nächsten Spielen wieder klappt und dass ich dann auch mithelfen kann.
Petra Koch: Jetzt war ein bisschen Pause. Ich habe mal mit ein paar Kollegen gesprochen, die dann gesagt haben, dass es schon schön gewesen wäre, wenn man den Schwung von Wolfsburg einfach hätte mitnehmen können. Siehst du das auch so?
Patrick Herrmann: Eine Pause ist immer was anderes, weil viele Spieler weg sind und nur eine kleine Gruppe trainiert. Von daher wäre es mir auch lieber gewesen, wenn die Bundesliga direkt weiter gegangen wäre, aber man kann es nicht ändern.
Petra Koch: TSG Hoffenheim ist der nächste Gegner. Mal einen kurzen Blick drauf werfen, selbst wenn du nicht spielen solltest. Ist auch immer eine etwas undankbare Aufgabe, oder?
Patrick Herrmann: Es wird nicht einfach, das ist klar, aber es wird nirgendwo in der Bundesliga einfach. Wenn wir aber unsere Leistungen aus den letzten Spielen abrufen, werden wir auch dort punkten.
Petra Koch: Ihr habt alle gemeinsam als Ziel ausgegeben, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Jetzt steht man im Moment doch, ich will nicht sagen, im Abstieg, aber da unten. Da muss man sich jetzt wieder raus krabbeln. Das ist so ein bisschen mühsam, oder? Wie rechnest du damit, wann ihr da wieder so ein bisschen raus gekrabbelt seid?
Patrick Herrmann: Mit einem Sieg ist man da unten schon wieder raus. Es ist noch alles dicht beieinander und wir haben gerade in der Mannschaft genug individuelle Klasse, um da unten rauszukommen. Das wird kein Problem sein, denke ich.
Petra Koch: Wir sind gespannt und hoffen das natürlich. Reden wir noch mal über dich. Du hast hier im Internat angefangen. Das war eine schöne Zeit, glaube ich…
Patrick Herrmann: Ja, auf jeden Fall. Ich habe dort zwei Jahre gewohnt und viel Spaß gehabt. Daran erinnert man sich immer wieder gerne.
Petra Koch: Dann kam man irgendwann zu den Profis. Erzähle mal, wie das war. Hat da irgendeiner gesagt, der kommt jetzt hoch, oder wie?
Patrick Herrmann: Wie das genau war, weiß ich auch nicht. Ich war ja im Wintertrainingslager dabei. Dann habe ich dort glaube ich ordentliche Leitungen gezeigt, habe ab dem Zeitpunkt bei den Profis mittrainiert und dann meine Bundesligaeinsätze bekommen.
Petra Koch: Jetzt hast du vor einiger Zeit deinen Vertrag verlängert und bist fester Bestandteil der Mannschaft. Was hat man jetzt noch für Ziele?
Patrick Herrmann: Man möchte halt ein Stammspieler und nicht nur das, sondern ein gestandener Stammspieler, werden. Das heißt, nicht nur ein paar Spiele in Folge machen, sondern immer spielen. Als persönliches Ziel ist es immer, gute Leistungen abzurufen und den Verein dadurch auch weiterzubringen.
Petra Koch: Den ersten Doppelpack hast du auch schon hinter dir. Was ist das dann nochmal für ein Gefühl?
Patrick Herrmann: Das ist noch mal was etwas ganz anderes als das erste Bundesligaspiel. Man macht zwei Tore, bei denen man selber nicht damit gerechnet hat, dass sie reingehen. Dann bekommt man doch noch mehr einen Adrenalinstoß.
Petra Koch: Was passiert da so zu Hause, wenn du sagst, deine Familie ist dir ganz wichtig, du hast einen ganz engen Kontakt, du bist behütet aufgewachsen, die sind alle mächtig stolz auf ihren Patrick. Was sagen die?
Patrick Herrmann: Mit meiner Mutter telefoniere ich fast täglich und mit meinem Bruder sowie dem ganzen Rest auch. Ich habe eine große Familie, die man auch ab und zu mal anruft und gerne mit ihn en spricht. Man bekommt Glückwünsche, wenn man gut gespielt hat und wenn man mal schlecht gespielt hat, dann bekommt man da auch die Rückmeldung.
Petra Koch: Heißt, sie sind auch wichtig für die Bodenhaftung?
Patrick Herrmann: Auf jeden Fall. Das ist der ständige Kontakt, mit denen man schon seit Kind auf Kontakt pflegt. Das ist halt sehr wichtig.
Petra Koch: Dieses bodenständige und dieses normal bleiben – wie schwer ist das im Fußballgeschäft?
Patrick Herrmann: Für mich jetzt nicht. Für andere vielleicht mehr, aber ich bin halt ganz normal, so wie ich vorher auch war, und habe da auch kein Problem mit.
Petra Koch: Wenn dich die Leute auf der Straße ansprechen, weil sie dich jetzt mittlerweile kennen, genießt man das eher, oder ist das lästig?
Patrick Herrmann: Lästig ist das nicht. Es ist halt etwas anderes als vorher. Man kannte das früher noch nicht. Mittlerweile wird man ab und zu mal auf der Straße angesprochen. Schlimm finde ich das nicht.
Petra Koch: Ihr seid dann mit 18, 19 Vorbilder für viele Kids. Das ist auch Verantwortung, ne?
Patrick Herrmann: Ja schon. Durch seine Leistungen macht man auf sich aufmerksam und die kleinen Kids bewundern einen dann vielleicht ein bisschen mehr. Das ist dann doch ein schönes Gefühl.
Petra Koch: Lange Nächte in der Disco sind da nicht drin, weil dich ja jeder kennt und du es nicht darfst…
Patrick Herrmann: Die sind nicht drin. Man muss ja jeden Tag wieder fit sein, um Fußball zu spielen. Da verzichtet man gerne auf sowas. Vielleicht in der Sommerpause. Da kann man sowas mal machen. Sonst nicht.
Petra Koch: Für dich hat ja mit dem Auszug aus dem Internat eigentlich ein neues Leben angefangen. Du hast dir eine eigene Wohnung gesucht und bist mit deiner Freundin zusammengezogen. Wie hat das Ganze funktioniert?
Patrick Herrmann: Bis jetzt funktioniert alles sehr gut, was ich selber nicht gedacht habe. Es ist was ganz anders als im Internat, aber es ist auch gut.
Petra Koch: 19 Jahre jung und ich weiß, Sven Demandt war dein Trainer. Er hat immer „Herrmännche“ gesagt. Das hat er irgendwie so eingeprägt. Wann ist denn bei ihm Herrmann draus geworden?
Patrick Herrmann: Ich glaube, jetzt irgendwann am Anfang der Saison. Da hat die Frau Lintjens ihn mal gefragt, ob aus dem Herrmännchen ein Herrmann geworden ist. Da meinte er, ja, jetzt ist es der Fall.
Petra Koch: Ist das so etwas wie ein Ritterschlag, wenn er das sagt?
Patrick Herrmann: Ja. Gerade von so einem erfahrenen Spieler sowas zu hören.
Petra Koch: Dieses Herrmännche war dann einmal, weil du logischerweise noch jung warst, aber auch weil du vielleicht auch noch nicht so erwachsen gespielt hast, wie du das mittlerweile tust?
Patrick Herrmann: Ja. Ich denke mal schon, dass das so gemeint war. Die ganze Rückrunde über hat er das ja auch noch gesagt, aber er meinte, dass ich auf einem guten Weg bin und irgendwann hat er dann Herrmann gesagt.
Petra Koch: Patrick Herrmann hat jetzt zwanzig Bundesligaspiele. Nicht schlecht für 19 Jahre. Träume, Ziele, Wünsche…?
Patrick Herrmann: Ich glaube, jeder Fußballer oder jeder Fußballprofi wünscht sich, irgendwann mal Deutscher Meister zu werden. Das wäre was Besonders für mich.
Petra Koch: Dauert noch ein bisschen, zu mindestens mit der Borussia, denke ich. Denkt man auch schon mal über die Borussia hinaus? Du hast jetzt gerade deinen Vertrag verlängert, also wirst du im Moment nicht denken, aber gibt es da Träume und Traumclubs, wo du sagst, da würde ich unbedingt gerne mal spielen?
Patrick Herrmann: Nein, eigentlich nicht. Man schaut im Fernsehen gerne die Spiele von Real Madrid oder FC Barcelona an, weil das halt die Spielertypen so ähnlich wie ich sind. Da geht es ziemlich schnell zur Sache. Das man da jetzt aber unbedingt mal spielen möchte, das ist eigentlich nicht so der Fall.
Petra Koch: Patrick, was wir dir wünschen ist, dass du sprichwörtlich schnell wieder auf die Beine kommst. Es sieht ja ganz gut aus. Du hast das heute richtig klasse gemacht und wünschen dir und der Borussia alles Gute. Was tippst du denn am Sonntag?
Patrick Herrmann: Danke. 2:1 für die Borussia





