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Michael Frontzeck: »Fußballerisch über 90 Minuten unser bestes Spiel«

Borussias Trainer mit der Leistung gegen Wolfsburg hochzufrieden

Bei Borussia Mönchengladbach zeigt die Formkurve weiter nach oben. Wie auch schon beim Unentschieden „Auf Schalke“ zeigten die Borussen beim 1:1-Remis gegen den VfL Wolfsburg Moral sowie Kampfgeist. Nach starken 90 Minuten fehlte lediglich das zweite Tor, um dann als durchaus verdienter Sieger vom Platz zu gehen. Borussias Trainer Michael Frontzeck zeigte sich nach der Partie mit der Darbietung seiner Mannschaft dennoch mehr als einverstanden.

Gerade im Defensivverbund hatte Borussias Trainer Michael Frontzeck im Vorfeld der Partie gegen die „Wölfe“ mit einigen Personalsorgen zu kämpfen. Dante nach wie vor verletzt und Roel Brouwers nach seinem Platzverweis in Gelsenkirchen gesperrt. In Bamba Anderson stand dem 46-Jährigen so lediglich ein etatmäßiger Innenverteidiger zur Verfügung.

Doch Michael Frontzeck bereitete dies keine großen Bauchschmerzen, denn schließlich hatte es die Viererabwehrkette mit den Innverteidigern Bamba Anderson und Kapitän Filip Daems sowie den Außenverteidigern Tobias Levels (rechts) und Sebastian Schachten (links) in den letzten Minuten in der Veltins Arena ordentlich gemacht.

Demzufolge sah Borussias Trainer keine Veranlassung, daran ebenso wenig etwas zu verändern, wie an der Offensive Marco Reus und Raúl Bobadilla. Gerade der oft gescholtene Argentinier hatte gegen die „Knappen“ ein gutes Spiel abgeliefert und bekam so den Vorzug vor Mo Idrissou, der nach seiner Sperre wieder zur Verfügung stand.

»Wir hatten mit den drei Niederlagen eine schwierige Woche hinter uns. In Schalke haben wir dann aus meiner Sicht schon eine sehr gute Reaktion gezeigt. Ich wollte der Mannschaft die Stärke nach dieser Woche ganz einfach nicht nehmen. Raúl hat heute viel gearbeitet und  aus meiner Sicht in Schalke ein gutes Spiel gemacht. Von daher wollte ich das nicht ändern. Ich denke, dass die Mannschaft mir mit der Art und Weise, wie sie gespielt hat, ein stückweit Recht gegeben hat«, erklärte Michael Frontzeck.

Daran, dass den gerade in der Offensive stark besetzten Wolfsburgern nicht viel gelang, hatte auch Sebastian Schachten seinen Anteil. »Wir haben uns ja bei der Rückholaktion etwas gedacht. Er kann beide Außenpositionen und sogar davor spielen. Er hat sich in eine neuformierte Viererkette eingefunden und hat es insgesamt sehr gut gemacht. Ein riesen Kompliment an ihn und auch an alle anderen, denn so eine Offensive nur im Kollektiv zu stoppen ist«, lobte Frontzeck den 25-Jährigen und die gesamte neuformierte Viererkette.

Diese musste sich dennoch in Minute 27 geschlagen geben, nachdem die Borussen bis dato das Geschehen klar diktierten und gut und gerne selbst in Front hätten liegen können. Thomas Kahlenberg hatte bei seinem Schuss aus kurzer Distanz keine Mühe und netzte für die Gäste, die bis dato wenig zustande gebracht hatten, ein.

Dem Tor ging jedoch ein klares Foulspiel von Diego an Tobias Levels voraus, doch der Unparteiische Christian Dingert ahndete es nicht. »Für mich ist es absolut unverständlich, warum nicht auf Freistoß entschieden wurde. Das war für mich ein klares Foulspiel. In dem Moment, wo ich mit dem Kopf hingehe und mich der Gegner mit einem Fallrückzieher an der Brust trifft, gibt es eigentlich keine zwei Meinungen. So haben wir wie aus dem Nichts zurückgelegen«, ärgerte sich Frontzeck.

Doch seine Mannschaft ließ sich nicht aus dem Konzept bringen, sondern spielte weiter nach vorne und kreierte Torgelegenheiten. »Die Mannschaft hat dann gut reagiert und sich Torchancen herausgespielt - und das nicht zufällig. Es war umso erfreulicher, dass die Mannschaft dann daraufhin nicht den Knick gekriegt, sondern einfach ihr Spiel weitergespielt, alles versucht sowie alles gegeben«, freute sich Borussias Trainer.

»Unser Ansatz, den ich immer wieder sage, ist es, kompakt gegen Ball zu arbeiten. Darüber hinaus haben wir genügend Möglichkeiten, unser Spiel nach vorne zu tragen. Mal klappt das besser und mal schlechter, aber der Ansatz muss immer derselbe bleiben. Ich mache mir weniger über unsere fußballerischen Qualitäten sondern darüber Gedanken, dass wir ganz einfach immer diese Kompaktheit gegen den Ball hinbekommen. Das ist unser Fundament«, so Frontzeck.

In der Tat ergriffen die „Fohlen“ zu jeder Zeit die Initiative, ließen wenig zu und galoppierten selbstbewusst nach vorne. Eine Tatsache, die sich die Truppe vor dem Spiel mit auf den Matchplan geschrieben hatte. »Das war so geplant«, sagte Frontzeck. Borussia Mönchengladbach betrieb hohen Aufwand und konnte sich dafür nach gut einer Stunde belohnen. Thorben Marx erlöste die Borussen und sorgte für den längst fälligen Ausgleich. »Der war hochverdient«, befand Michael Frontzeck.

Auch nach dem Ausgleich stecken die Borussen nicht zurück, sondern wollten gegen äußerst passiv agierende Wolfsburger mehr. Eine starke Vorstellung der Elf vom Niederrhein, was auch deren Trainer an der Seitenlinie erfreut zur Kenntnis nahm. »Es war für mich fußballerisch über 90 Minuten unter den Umständen mit vielen Verletzungen und Sperren unser bestes Spiel. Es gab keine Auszeit, die Mannschaft ist immer im Spiel geblieben«, freute sich Frontzeck.

Erstmalig in einem Spiel für die Borussia war Igor de Camargo. Der Belgier kam nach seiner langen Verletzung acht Minuten vor dem Abpfiff in die Partie und konnte in der wenigen Zeit für Torgefahr sorgen. Eine gute erste Visitenkarte, die durchaus Lust auf mehr macht. »Igor hat heute das erste Mal auf dem Platz gestanden. In den zehn Minuten hat man gesehen, welch Qualitäten er gerade auch mit dem Kopf hat. Er wird uns noch helfen. Gerade in unserer Situation wäre er wichtig, denn so ein Spieler wie er, der auch eine gewisse Erfahrung hat, kann dann unserer jungen Mannschaft helfen«, lobte Frontzeck.

Dennoch führt der 46-Jährige seinen Schützling richtigerweise mit Bedacht sowohl an die volle Belastung als auch an die Mannschaft heran. »Es hat mich gefreut, dass er heute wieder den Anschluss gefunden hat. Er braucht nach dreieinhalb Monaten Pause aber sicherlich noch etwas Zeit, um 100% fit zu werden. Die Zeit bekommt er von uns«.

Immer im Spiel geblieben und dazu der Offensivabteilung des VfL Wolfsburg wenig Luft zum atmen gegeben. Es gab also am Ende wenig zu bemängeln. »Die Mannschaft hat über 90 Minuten mit einer neuformierten Viererkette die besten Stürmer mit Dzeko und Grafite sowie Diego dahinter gut aus dem Spiel genommen. Von daher ein großes Kompliment an die Mannschaft und ein großes Kompliment an die Zuschauer, die über 90 Minuten wie ein Mann hinter der Mannschaft gestanden haben«, war Michael Frontzeck zufrieden.

So ist unter dem Strich lediglich ärgerlich, dass die Überlegenheit nicht in drei Punkte umgemünzt werden konnte. »Es ist schade für uns, dass wir nicht mit drei Punkten vom Platz gegangen sind, aber wir werden dran arbeiten, dass es wieder klappt«, resümierte Frontzeck, der jedoch mit dem Auftritt seiner Mannschaft durchaus zufrieden und positiv gestimmt nach vorne schauen kann.

»Für mich gibt es sicherlich an der Tatsache, dass du nicht dreifach gepunktet hast weil du die bessere Mannschaft warst, etwas auszusetzten, aber absolut nichts an der Art und Weise, wie die Mannschaft  gespielt hat und wie sie aufgetreten ist. Da muss ich sagen, dass wir nach dieser schwierigen Woche, leistungstechnisch wieder auf dem richtigen Weg sind. Man kann nicht hoch genug bewerten, was die Mannschaft gegen diese individuelle Qualität abgerufen hat. Wenn die Mannschaft leistungsmäßig weiter so in der Spur bleibt, dann wird das auch irgendwann mit drei Punkten belohnt«.

Die Borussia kann nun mit weiterem getankten Selbstvertrauen in die zweiwöchige Länderspielpause gehen und sich auf die kommenden mit Sicherheit schweren Aufgaben vorbereiten. Michael Frontzeck, der dabei auf einige Nationalspieler verzichten muss, weiß, dass es auch gegen die TSG 1999 Hoffenheim von Nöten ist, wieder alles in die Waagschale zu werfen und eine an Wolfsburg anlehnend starke Leistung abzurufen. »Die Kaliber werden in den kommenden Wochen nicht kleiner. In zwei Wochen spielen wir in Hoffenheim, dann geht es gegen Bremen und im Pokal gegen Leverkusen. Da müssen wir eine ähnliche Qualität abliefern, da muss es genauso weitergehen«.

Spielerisch ist die Gladbacher Borussia also durchaus nach wie vor in der Spur und geht es spielerisch so weiter, dann muss einem alles andere als Angst und Bange werden. Dennoch wird man sich lediglich mit sogenannten Dreiern in der Tabelle entscheidend nach vorne bringen, was auch Michael Frontzeck weiß. »Wir haben jetzt zwei Spiele gemacht, die leistungstechnisch sehr, sehr gut waren. Darauf aufbauend müssen wir weiterarbeiten und uns dann auch irgendwann mal wieder mit drei Punkten belohnen«.


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