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Borussia nach Stuttgart: Zeit das sich was dreht…

Aufarbeitung in Gladbach nach dem Debakel von Stuttgart

Auch einen Tag nach der regelrechten Demontage von Stuttgart schaute man bei Borussia Mönchengladbach in niedergeschlagene und fragende Gesichter. 7:0 beim VFB Stuttgart verloren, dabei eine nahezu unterirdische Leistung abgeliefert und 0:11 Tore in den letzten beiden Spielen. Das hat Spuren hinterlassen, aber wie konnte das passieren? Es besteht reichlich Gesprächsbedarf rund um dem Borussia-Park, wenn gerade die Protagonisten davon sprechen, dass keine Mannschaft auf dem Platz gestanden hat. Borussias Trainer Michael Frontzeck bleiben dazu noch zwei Tage Zeit, um auch über personelle Konsequenzen nachzudenken.

»Meine Einstellung zu dem Spiel hat sich natürlich nicht über Nacht geändert. Ich denke, dass es von uns insgesamt ein peinlicher Auftritt war. Wir haben uns nicht gut präsentiert und haben uns wirklich vorführen lassen. Das sollte eine Mannschaft in der Fußballbundesliga nicht passieren«, sagte Michael Frontzeck, der an seine Spieler eine 50-minütige Ansprache gehalten hatte, am Sonntagmorgen den zahlreich erschienenen Medienvertretern. Mit dabei waren auch Vize-Präsident Rainer Bonhof und Sportdirektor Max Eberl.

Gerade nach dem furiosen 6:3-Sieg bei Bayer Leverkusen, der nun natürlich keine große Gewichtigkeit mehr hat, ist es unverständlich, dass sich die Fohlen allen voran in den letzten beiden Spielen derart vergaloppiert haben. »Das Spiel war Gift für uns«, stellte Max Eberl fest. Wenngleich es die Profis im Vorfeld strickt verneint haben, so könnte man derzeit durchaus ein wenig den Eindruck gewinnen, dass man gedacht hat, in Stuttgart auf fußballerische Art und Weise „mal so eben“ etwas mitzunehmen.

»Ich glaube nicht, dass die Mannschaft Stuttgart auf die leichte Schulter genommen hat«, wiedersprach Frontzeck vehement. Dennoch stimmt es durchaus nachdenklich, wenn der Sportdirektor sagt, dass bei den Spielern im Training und bei der Spielvorbereitung ein paar Prozent Ernsthaftigkeit fehlen und wenn Spieler davon reden, dass keine Mannschaft auf dem Platz stand. »Wir haben im Moment eine Phase, in der wir den falschen Ansatz haben und die wir in aller Ruhe aufarbeiten. Wir wollen zu viel Fußballspielen, was der Gegner im Moment gnadenlos ausnutzt«, stellt Michael Frontzeck fest.

»Es ist schwer eine Erklärung zu finden. Es war insgesamt eine ganz schlechte Leistung. Wir haben nicht so funktioniert und gespielt, wie man das von uns erwarten kann. Zudem haben wir nicht wie eine Mannschaft gespielt, sondern jeder einzelne hat auf dem Platz gestanden und hat dem anderen nicht geholfen. Es hat nichts gestimmt«, fasste Filip Daems zusammen.

Insgesamt fehlt im Moment das, was die Borussia gerade in den ersten Pflichtspielen ausgezeichnet hat, nämlich Kompaktheit, Organisation und Einsatzbereitschaft. Zudem präsentiert sich gerade der in den ersten Spielen stabile Defensivverbund eher als löchriger Schweizer Käse. »Wir müssen wieder ganz schnell zu den Basics, die uns im letzten Jahr und gerade in den ersten Pflichtspielen stark gemacht haben, zurückkommen«, weiß Frontzeck.

Bereits am kommenden Mittwoch hat die Elf vom Niederrhein im Heimspiel gegen den FC St. Pauli die Möglichkeit, die Schmach von Stuttgart wettzumachen. Im Vorbeigehen wird jedoch auch der „Kiez-Club“ nicht zu knacken sein. Michael Frontzeck hat nun die Aufgabe, seine Mannschaft auf dieses Spiel vorzubereiten und die Schlappe im Schwabenland  zu verdrängen.

»Wir haben jetzt drei Tage Zeit. Dann geht es gegen St. Pauli. Das ist natürlich für uns jetzt ein sehr unangenehmes und schwieriges Spiel. St. Pauli ist auswärts eine sehr gute Mannschaft. Da müssen wir wieder relativ zügig zu den alten Automatismen zurückfinden. Das wird schwierig, denn es ist keine Sache von zwei, drei Tagen, bis du so eine Niederlage aus dem Kopf hast. Da musst du dich aber reinbeißen und musst es anpacken«, gibt Frontzeck die Marschroute vor.

Am kommenden Mittwoch muss sich die Mannschaft in der Tat am Kragen packen und wieder als geschlossene Einheit agieren. Der ein und andere Spieler vermach, warum auch immer, derzeit nicht an seine Leistungsgrenze gehen zu können und so muss bzw. so wird allen voran Michael Frontzeck über eventuelle personelle Änderungen nachdenken. »Ich habe zwei Tage Zeit, noch mal drüber zu schlafen. Ich denke, nach so einem Spiel ist es auch gut, ein bisschen Luft dran zu lassen und sich Gedanken zu machen«, will der 46-Jährige das Erlebte zunächst sacken lassen.

Angesprochen auf Logan Bailly, der im Schwabenland alles andere als gut aussah und am Tag danach eine etwa zweistündige Sonderschicht mit Torwarttrainer Uwe Kamps einlegte, wollte der 46-Jährige den Belgier nicht allein verantwortlich für die Niederlage machen. »Es werden immer einzelne herausgepickt. Ich habe in Stuttgart keinen gesehen, der gut gespielt hat. Es war ein kollektives Versagen und ich bin kein Freund davon, dann einen, zwei oder drei herauszupicken, die es dann schuld waren. Ich packe das Ding anders an«, sagte Frontzeck. »Es ist besser, wenn ich zu dem Spiel nichts sage«, wollte Logan Bailly nicht konkret auf die Schlappe in Stuttgart eingehen.

In den kommenden zwei Tagen wird Borussias Trainer bei seinen Spielern genau hinschauen und abwägen, in weit für den ein oder anderen eine Verschnaufpause derzeit vielleicht doch die bessere Lösung ist.  Michael Frontzeck ließ am Sonntag die Frage offen, ob es zu Vänderungen in der Startelf kommen wird. »Ob das jetzt nach dem vierten Spieltag Konsequenzen hat, wird man dann sehen. Es wird aber sicherlich nicht dazu führen, dass ich nach so einem Spiel das Vertrauen verliere, aber es ist natürlich auch klar, dass sich etwas ändern muss. Ob das jetzt personell geschieht, werden wir sehen«, beschrieb Michael Frontzeck.

Problemzonen gibt es derzeit indes wohl genug und so hätte der 46-Jährige durchaus Gründe, seine Formation am kommenden Mittwoch umzustellen. In den Kader zurrückkehren könnte Karim Matmour, der seine Achillessehnenprobleme überwunden hat und morgen wieder in das Mannschaftstraining einsteigen wird. Ein leichtes Fragezeichen steht derzeit offensichtlich hinter Dante, sodass sich eine Änderung in der Innenverteidigung von selbst regeln könnte... Der Brasilianer zog sich in Stuttgart eine schwere Fußprellung zu und konnte am heutigen Auslaufen nicht teilnehmen. Auch beim morgigen Training kann der 26-Jährige laut Vereinsangaben nicht mitwirken, sodass abzuwarten bleibt, ob es für einen Einsatz am Mittwoch reicht.

Wenngleich ein personeller Rundumschlag auch wenig Sinn macht, so ist eines ist in jedem Fall klar und von Nöten: Es ist Zeit, dass sich was dreht und ändert - und zwar in aller erster Linie in Sachen Bereitschaft, im Mannschaftsverbund geschlossen die Sache am Schopfe zu packen. Der Rasen muss im übertragenen Sinne wieder "umgepflügt" werden. Die von Michael Frontzeck und Max Eberl angesprochenen "Basics" müssen dazu wieder eine gewichtige und primäre Rolle einnehmen.

»Wir haben als Mannschaft nicht funktioniert«, sagte Filip Daems. Das muss schnellstmöglich wieder anders der Fall sein. Sonst wird es gegen den FC St. Pauli, drei Tage später beim nach wie vor punktlosen FC Schalke 04 und in den nachfolgenden Aufgaben verdammt schwer. Dabei ist es auch relativ egal, wer zunächst am kommenden Mittwoch im Borussia-Trikot aufläuft, denn Qualität ist definitiv vorhanden. Auf der anderen Seite gilt es auch weiterhin, Ruhe zu bewahren und nicht, wie es Max Eberl beschrieb, in Populismus oder auch Aktionismus zu verfallen. Das die Mannschaft es besser kann, ist unbestritten.

»Gegen Frankfurt habe ich gedacht okay, man kann mal ein Spiel so verlieren, aber dann auf die 0:4-Heimpleite sieben Tore zu bekommen - da hätte ich mir eine andere Reaktion gewünscht und das ist peinlich. Ich wünsche mir, dass Borussia schnell wieder aufsteht, aber sie werden es in dieser Saison schwer haben. Das nächste Spiel gegen St. Pauli wird ein Charaktertest«, sagte Ex-Borusse Stefan Effenberg in der Sendung Sky90.

Kapitän Filip Daems jedenfalls ist davon überzeugt, dass gegen die „Kiez-Kicker“ wieder eine andere Borussia, als in den letzten beiden Spielen, auf dem Platz zu sehen sein wird. »Wir spielen zu Hause. Natürlich müssen wir eine Reaktion zeigen und das werden wir auch. Ich denke, wenn wir erst mal wieder spielen wie wir das können oder wie wir es gewohnt sind und dazu kompakt stehen, dann haben wir nach vorne genug Qualität, um Spiele zu gewinnen«. Es bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass Michael Frontzeck die richtigen Maßnahmen ergreifen wird und das den Worten der Spieler auch Taten folgen…


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