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Filip Daems: »Uns steht jede Woche ein harter Kampf bevor«

Borussias Kapitän nach dem Nürnberg-Spiel im Interview

Borussia Mönchengladbach ist am letzten Samstag mit dem 1:1-Unentschieden gegen den 1.FC Nürnberg in die neue Bundesligasaison gestartet. Mit auf dem Platz stand auch Filip Daems, der die Fohlen wie auch schon im letzten Jahr als Kapitän auf das Feld führt. Wir sprachen mit dem 31-Jährigen unter Anderem über den Saisonstart, über die Saisonziele und über das kommende Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen.

Fohlen-Hautnah: Filip, 1:1-Unentschieden zum Bundesligastart gegen den 1.FC Nürnberg. Wie zufrieden oder wie enttäuscht bist du?

Filip Daems: Wir sind nach dem guten Pokalspiel in Aue einem guten Gefühl und mit Selbstvertrauen in die Partie gegangen. Man hofft natürlich wie jede andere Mannschaft auch, dass man das erste Heimspiel gewinnt. Da gibt es aber noch einen Gegner, der etwas dagegen hat. Ich denke, dass Nürnberg vor allen Dingen in den ersten 20 - 25 Minuten die bessere Mannschaft war. Da sind wir nicht so ins Spiel gekommen, wie wir uns das gewünscht und vorgenommen haben.

Zudem muss man sagen, dass wir in der Phase auch Glück hatten. Sie hätten schon viel früher als in Minute 14 in Führung gehen können. Nach dem 1:0 sind wir besser ins Spiel und durch ein schönes Tor von Mo zum Ausgleich gekommen. In der zweiten Halbzeit haben wir alles versucht, um das Spiel zu gewinnen und hatten dazu auch ein paar gute Möglichkeiten. Die hatte Nürnberg aber auch, vor allen Dingen durch Julian Schieber.

Wir hatten uns natürlich mehr erhofft und in der zweiten Halbzeit war sicherlich mehr drin. Die Enttäuschung war nach dem Spiel natürlich groß, letztendlich muss man aber mit dem Unentschieden zufrieden sein.

Fohlen-Hautnah: Nach einer vielversprechenden Anfangsphase seid ihr zunächst aus dem Tritt gekommen und habt dem Club dabei auch zu viel Raum angeboten…

Filip Daems: Wir wollten das Spiel gerade zu Hause von Beginn an in die Hand nehmen, aber es klappt nicht immer alles so, wie man sich das wünscht. Wir haben den Nürnbergern in der Tat zu viel Raum gegeben und gerade in der ersten halben Stunde in der Vorwärtsbewegung zu viele einfache Bälle verloren. Dann musst du natürlich viel mehr hinterherlaufen. In der zweiten Halbzeit haben wir es dann besser gemacht.

Fohlen-Hautnah: Vor dem Spiel erstrahlte die Nordkurve anlässlich des 110. Geburtstags mit einer tollen Choreographie. Zudem erklang bei eurem Einmarsch das Lied „Die Seele brennt“. Wie hast du das alles persönlich wahrgenommen?

Filip Daems: Ich habe das natürlich gesehen und kurz hingeschaut, als wir in das Stadion eingelaufen sind. Das war eine sehr schöne und beeindruckende Aktion. Man hat auf dem Platz gestanden und in die Kurve geschaut - wirklich eine sehr schöne Choreographie und super gemacht.

Fohlen-Hautnah: Das erste Spiel ist immer eine Unbekannte, hatte Michael Frontzeck vor dem Spiel gesagt. Man weiß also nie so recht, wo man steht. Wo steht Borussia nun nach dem ersten Spiel und wo kann man sich noch verbessern bzw. eine Schippe drauflegen?

Filip Daems: Verbessern kannst du dich immer in allen Bereichen und auch eine Schippe drauflegen kannst du immer. Es war aber erst das erste Spiel und die Saison ist noch lang. Für diese haben wir klare Ziele. Vor allen Dingen wollen wir eine ruhige und stabile Saison spielen und wenn die Möglichkeit besteht, in der Tabelle ein wenig höher als letztes Jahr klettern. Aber es wird schwer und uns steht jede Woche ein harter Kampf bevor, um die Punkte zu holen, die wir brauchen. Einfache Spiele und Selbstläufer gibt es nicht, wie auch das Spiel gegen Nürnberg gezeigt hat.

Fohlen-Hautnah: Dennoch seid ihr im Gegensatz zu anderen Clubs mit einem positiven Ergebnis in die Saison gestartet, was gerade auch für die nächsten Aufgaben und für das Selbstvertrauen förderlich sein sollte…

Filip Daems: Natürlich. Das ist immer gut. Ich erinnere mich noch an den Auftakt vor zwei Jahren. Da haben wir das Auftaktspiel zu Hause mit 1:3 gegen den VFB Stuttgart verloren. Dann ist es immer etwas anders, denn dann stehst du im kommenden Auswärtsspiel natürlich gehörig unter Druck.

Wie gesagt, wir wollten das Spiel gegen den 1.FC Nürnberg gewinnen und ich denke, dass wir dazu auch alles versucht und uns ins Spiel zurück gebissen haben, aber unter dem Strich müssen wir mit dem Unentschieden zufrieden sein. Jetzt konzentrieren wir uns auf das nächste Spiel.

Fohlen-Hautnah: Im nächsten Spiel heißt der Gegner Bayer 04 Leverkusen. Ihr müsst auswärts in der BayArena antreten. Eine ambitionierte Mannschaft, die mit einem 2:0-Auswärtserfolg in Dortmund stark in die Saison gestartet ist. Was müsst ihr dort anders machen und was erwartet euch dort für eine Aufgabe?

Filip Daems: Leverkusen ist natürlich eine Topmannschaft. Es erwartet uns dort ein ganz schweres Spiel. Da dürften wir natürlich nicht so auftreten, wie wir das in den ersten 20-25 Minuten gegen Nürnberg gemacht haben. Das werden wir auch nicht. Wir müssen als Mannschaft insgesamt gut und so auftreten, wie wir das in der letzten Saison in einigen Auswärtsspielen schon ganz gut gemacht haben.

Dazu müssen wir dann die wenigen Chancen, die wir bekommen, nutzen. Dann wird man sehen, was am Ende bei rumkommt. Es wird nicht einfach, dort etwas zu holen, aber wenn wir so auftreten, wie wir das können und wie eben in der zweiten Halbzeit gegen Nürnberg, dann glaube ich, dass in Leverkusen für uns etwas möglich ist.

Fohlen-Hautnah: Die Glücksfee und WM-OK-Chefin Steffi Jones wollte es, dass es in der 2.Hauptrunde des DFB-Pokals achteinhalb Wochen nach dem Bundesligaduell erneut zu diesem Aufeinandertreffen kommen wird. Immerhin jedoch ein Heimspiel im Borussia-Park…

Filip Daems: Das ist in der 2. Runde natürlich eine harte Nuss. Gut ist, dass wir zu Hause spielen. Da können wir mit unserem tollen Publikum im Rücken jede Mannschaft schlagen. Ich denke, dass es ein schönes Spiel werden kann. Auch wenn es Bayer Leverkusen ist, wir wollen unbedingt eine Runde weiter kommen.

Fohlen-Hautnah: Hat man dabei auch ein wenig im Hinterkopf, dass man das Ausscheiden gegen den MSV Duisburg in der 2. Runde des letzten Jahrs wett macht?

Filip Daems: Natürlich. Da haben wir und jeder gedacht, dass wir das Spiel gewinnen. Das wir dann ausgeschieden sind, war natürlich eine Enttäuschung. Ein Heimspiel gegen Leverkusen ist schwer, aber zu Hause ist das machbar.

Fohlen-Hautnah: Du hast eben davon gesprochen, dass ihr euch in dieser Saison weiter stabilisieren wollt. In der letzten Saison sprang unter dem Strich Platz 12 heraus. Die Qualität hat sich durch die Neueinkäufe noch mal angehoben. Was denkst du, ist in dieser Saison möglich und was hat sich die Mannschaft für Ziele gesetzt?

Filip Daems: Was ich schon gesagt habe. Wir wollen eine stabile Saison spielen, uns weiterentwicklen und nicht so viel nach unten schauen müssen. Dazu müssen wir jede Woche hochkonzentriert sein und das Spiel annehmen. Es kann in der Bundesliga wie im Fall Hertha BSC Berlin schnell gehen. Vor zwei Jahren haben sie um die Meisterschaft mitgespielt und im letzten Jahr sind sie abgestiegen.

Wir haben klare Ziele und ich denke, dass uns die neuen Spieler, wie Igor de Camargo und Mo Idrissou und natürlich auch alle anderen, stärker und besser machen. Da haben wir vor allem in der Offensive ganz viele Möglichkeiten.

Fohlen-Hautnah: Du hast auch Mo Idrissou angesprochen. Er scheint sich bereits in kürzester Zeit richtig gut eingelebt und zurecht gefunden haben. Er hat Tore versprochen und macht sie…

Filip Daems: Absolut. Er hat sich vom ersten Tag gut in die Mannschaft eingefügt. Ich denke aber auch, dass Mo keine Person ist, die viel Zeit braucht, um sich einzugewöhnen. Er ist ganz locker. Er hat immer gesagt, dass Borussia der Verein ist, wo er unbedingt hin wollte. Das zeigt er auch und ich denke, dass er sich wohl fühlt. Er hat schon einige Tore für uns gemacht und ich hoffe, dass noch viele weitere folgen werden.

Fohlen-Hautnah: Noch mal zurück auf die Ziele. Wäre ein einstelliger Tabellenplatz als Zielvorgabe etwas zu viel verlangt, oder wäre so etwas als genereller Ansporn nicht das Verkehrteste?

Filip Daems: Ich denke, dass es jetzt zu früh ist, darüber zu reden. Wie gesagt, wir wollen uns weiter stabilisieren und sehen, dass wir nicht nach unten schauen müssen. Die Ziele kann man im Laufe einer Saison immer ein bisschen ändern. Zunächst müssen wir aber jedes Spiel annehmen und dann können wir als Mannschaft auch viel erreichen.

Fohlen-Hautnah: Gerade auswärts hat man in der abgelaufenen Saison einige Punkte liegen lassen. Sicherlich ist es auch Ziel, dieses zu verbessern…

Filip Daems: Das denke ich auch. In den Heimspielen waren wir richtig gut. Wenn wir den nächsten Schritt machen wollen, dann müssen wir natürlich auch auswärts mehr Punkte holen. Das war nicht nur im letzten sondern auch in den Jahren davor unser Problem. Ich muss sagen, dass ich im letzten Jahr erstmals das Gefühl hatte, dass wir auch auswärts bis auf ein paar Ausnahmen guten Fußball gespielt haben und gut aufgetreten sind. Das müssen wir jetzt auch umsetzten und dazu punkten.

Fohlen-Hautnah: In der letzten Saison konntest du aufgrund von Verletzungen lediglich achtzehn Spiele absolvieren. Das wirst du sicherlich verbessern wollen. Zudem führst du die Mannschaft auch in dieser Saison als Kapitän aufs Feld. Was hast du dir persönlich für Ziele gesteckt?

Filip Daems: Die Ziele der Mannschaft bzw. des Vereins sind auch meine Ziele. Ich schaue und wir schauen von Spiel zu Spiel, wollen dort das bestmögliche Ergebnis erzielen und die Saison zu gut wie möglich abschließen. Zudem wollen wir uns weiterentwickeln. Daran, dass wir das machen werden, glaube ich auch. Die Mannschaft ist zusammengeblieben und wichtige Spieler konnten dabei gehalten werden. Das ist schon mal gut, denn das war in den vergangenen Jahren ein bisschen anders.

Fohlen-Hautnah: Du bist hinter Tobias Levels und Christian Dorda der Dienstälteste Borusse und scheinst dich auch nach wie vor sehr wohl zu fühlen. Bekanntlich läuft dein Vertrag im kommenden Sommer aus. Gab es da im Bezug auf eine Vertragsverlängerung schon Gespräche?

Filip Daems: Gespräche gab es noch nicht. Die wird es zu gegebener Zeit sicherlich geben. Ich konzentriere mich aber zunächst auf die Borussia und meine Spiele. Dann wird man sehen. Es müssen natürlich von beiden Seiten Signale kommen und es muss beiderseits passen. Natürlich fühle ich mich bei Borussia wohl. Ich bin ja nun schon lange hier. Es ist ein super Verein, mit dem ich jede Woche tolle Spiele bestreite.

Fohlen-Hautnah: Wer wird Meister und wer muss in die Relegation bzw. wer steigt direkt ab?

Filip Daems: Das ist schwer zu sagen. Ich halte nicht so viel davon, solche Prognosen oder Tipps abzugeben. Ich denke, dass ganz oben einige Mannschaften sind, die Titelambitionen haben. Natürlich gehört Bayern München dazu und auch Bayer Leverkusen kann eine gute Rolle spielen. Unten ist das genauso. Wir aber nicht…

Fohlen-Hautnah: Auf welchem Platz oder in welcher Region ist die Borussia nach dem 34.Spieltag zu finden?

Filip Daems: Ich hoffe zwischen Platz 9 und 12.


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