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Mo Idrissou: »Ich bin so wie ich bin«

Borussias Neuzugang war zu Gast bei Radio 90,1

Jeden Mittwoch ist es Zeit für die Sendung ‚Borussia hautnah‘ des Mönchengladbacher Radiosenders Radio 90,1. So auch am gestrigen frühen Abend, wo Moderatorin Petra Koch erstmals Neuzugang Mo Idrissou begrüßte. In einem sehr netten Gespräch sprach der sympathische und stets lachende 30-jährige unter Anderem über seinen Wechwel, über seine ersten Wochen in Gladbach sowie über den Bundesligastart. Im Folgenden haben wir das Gespräch mit Mo Idrissou in den Kernpunkten zusammengefasst.

Petra Koch: Herzlich Willkommen Mohamadou Idrissou. Wir bleiben bei Mo, weil es auch kürzer ist. Schön, das du da bist. Erst mal muss ich mich bedanken, dass du dich mit dem Duschen tierisch beeilt hast, weil der Trainer heute lange hat trainieren lassen.

Mo Idrissou: Ja, das war das Problem heute. Wir haben ein bisschen mehr trainiert. Ich glaube, ich habe noch nicht mal mehr fünf Minuten geduscht, aber ich freue mich, hier zu sein.

Petra Koch: Wir wollen zunächst ein paar Fragen stellen, um Mo Idrissou mal so ein bisschen kennenzulernen. 1. Was kannst du überhaupt nicht leiden? 2. Was magst du besonders? 3. Wenn du auf einer einsamen Insel wärst, auf was würdest du nicht verzichten wollen? Zu 4: Hast du ein Lebensmotto oder eine Lebensphilosophie?

Mo Idrissou: Zu 1: Das ist schwer. Ich komme mit allem klar. Ich glaube, da gibt es nichts. Zu 2: Da gibt es viele gute Sachen. Ich mag Autorennen, Musik. Im Speziellen House, Hip Hop und Black Musik. Zu 3: Auf meine Musik und auf meinen IPod. Wenn ich dann noch meine Klamotten dabei habe, ist mir alles andere egal. Zu 4: Ich denke einfach nur an gute Dinge. Man hört viel im Leben. Da versucht man, alles besser zu machen. Das kann man zwar nicht schaffen, aber man muss es versuchen.

Petra Koch: Mo, wir haben gerade gehört, dass du auch Musik magst. Ich weiß, dass du auch schon mal gesungen hast und auch ganz gerne singst. In Freiburg seid ihr wirklich sehr lange in einem Studio gewesen. Wie war das?

Mo Idrissou: Ja. Wo wir in Freiburg über unser Ziel Aufstieg geredet haben, haben wir gesagt, dass da auch Spaß bei sein muss. Wir haben dann über Musik geredet. Dafür bin ich dann genau der Richtige. Dann haben wir das vereinbart und waren drei- viermal im Studio. Dann haben wir viel geübt und haben dann am Ende tolle Musik für die Fans herausgebracht. Das hat uns immer motiviert und uns gerade auch bei Heimspielen geholfen, als das Musikvideo gezeigt wurde.

Petra Koch: Singst du privat auch?

Mo Idrissou: Ich versuche es. Ich habe jetzt eine große Wohnung bezogen und dort versuche ich mir nun ein Musikzimmer einzurichten. Dann kann ich gut singen.

Petra Koch: Bald kannst du auch deiner Tochter etwas vorsingen, die sozusagen auf dem Weg ist und im November zur Welt kommt…

Mo Idrissou: Ja, ich hoffe, dass ich ihr dann etwas vorsingen kann.

Petra Koch: Vater zu werden ist immer etwas Besonderes. Wie sehr freust du dich?

Mo Idrissou: Ein Kind zu bekommen ist immer schön und macht glücklich. Ich hoffe, dass es gesund ist.

Petra Koch: Für Mo Idrissou läuft im Moment alles bestens, oder? Du wirst Papa, bei der Borussia läuft’s gut…

Mo Idrissou: Ja. Wo ich das Angebot von Borussia bekommen habe, bin ich nicht verzweifelt. Ich habe einfach nur auf den Termin gewartet. Dann habe ich mich mit meinem Berater mit Max Eberl getroffen. Das Gespräch war ganz einfach und so haben wir es nach einer halben Stunde beendet. Für mich war danach klar, dass ich zur Borussia will, weil es mein Lieblingsverein ist.

Ich hatte noch viele andere Angebote, wie zum Beispiel vom FC Schalke 04 und vom VFL Wolfsburg. Mit diesen Vereinen habe ich unter Anderem auch gesprochen, aber da hatte ich mich schon für Borussia entschieden. Ich freue mich sehr hier zu sein und freue mich riesig auf den ersten Spieltag am Samstag zu Hause gegen Nürnberg. Besser kann ich es nicht haben.

Petra Koch: Wie sehr du dich freust, sieht man. Du hast in den letzten drei Spielen sieben Tore geschossen. Dabei waren zwei Testspiele. Das letzte Tor war im Pokalspiel. Ein wichtiges Tor und dazu eine Vorlage. Du bist richtig gut drauf…

Mo Idrissou: Ja, das aber auch, weil ich bei der Borussia eine sehr gute Mannschaft vorgefunden habe. Borussia brauchte nur mal einen Knipser - dafür bin ich gekommen. Ich habe von hinten bis vorne eine tolle Mannschaft. Da kann man keinen herausnehmen.

Ich bin gut in die Mannschaft gekommen und habe gute Mitspieler. Ich freue mich riesig über die sieben Tore in drei Spielen, aber ich würde mich natürlich noch mehr freuen, wenn ich am Samstag treffe und ich der Mannschaft damit helfen kann.

Petra Koch: Und gegen Nürnberg träumst du von einem Dreierpack, hast du gesagt…

Mo Idrissou: Ja, das ich richtig. Ich habe das gesagt, weil der 1.FC Nürnberg die erste Mannschaft ist, wo ich in der Bundesliga ein Dreierpack geschossen habe. Das war zu meiner Zeit in Hannover. Ich träume seit drei Wochen davon, dass ich den ersten Hattrick auch wieder gegen Nürnberg für die Borussia schieße.

Leider gelang mir das bisher gegen andere Mannschaften. Ich freue mich auf Samstag und werde auch gegen Nürnberg ein Tor schießen, weil ich immer gegen Nürnberg gewonnen und auch Tore gegen sie geschossen habe. Daher nehme ich das Selbstvertrauen, es auch am Samstag für Borussia zu schaffen. Tore schießen ist das, was man von mir als Stürmer erwartet.

Petra Koch: Jetzt war das auch für die Fußballfans eine ganz lange Sommerpause. Drei Monate keine Bundesliga. Auch für die Spieler eine sehr lange Zeit. Wie sehr freut ihr euch, dass es jetzt wieder in der Bundesliga losgeht?

Mo Idrissou: Ich freue mich sehr, dass es jetzt losgeht und ich hier spielen kann. Ich habe eine schlechte WM erlebt. Diese hat mir die Zeit in der Nationalmannschaft versaut. Ich habe mich dann sehr gefreut, als ich mit meinem Berater telefoniert und über die Borussia gesprochen habe. Nach der WM bin ich zehn Tage in die Heimat, um meine Mama zu besuchen.

Dann bin ich wieder zurück gekommen und habe Michael Frontzeck gesagt, dass ich keine Pause brauche und bei Borussia 100 Prozent Leistung geben möchte. Das habe ich im Trainingslager geschafft und jetzt freue ich mich auf das erste richtige Spiel am Samstag und auf die Feier mit den Fans nach dem Spiel. Wir freuen uns alle und hoffen, dass wir in dieser Saison zwei, drei Plätze besser stehen, als in der letzten Saison.

Petra Koch: Du hast gesagt, dass du dich freust, mit den Fans zu feiern. Dann gehen wir davon aus, dass das gegen Nürnberg auch ein Sieg wird…

Mo Idrissou: Ja. Von meiner Seite aus zu 100 Prozent. Ich geben nicht 80, sondern 100 Prozent. Wir sind ein Kaliber und eine Nummer größer als Nürnberg und wir spielen zu Hause. Der erste Spieltag ist immer wichtig für jeden Verein. Ich sehe keinen Grund, am Ende des Spiels nicht drei Punkte zu haben. Wir sind alle gesund, fit und wir sind bereit, die drei Punkte zu Hause mit unseren Fans zu feiern.

Petra Koch: Da hätten wir auch alle nichts gegen, wenn es so ist. Du hast es eben schon gesagt. Du hast mit Kamerun WM gespielt und warst natürlich nicht zufrieden, was ich nachvollziehen kann. Hast du das Thema für dich abgehakt?

Mo Idrissou: Ja. Ich bin lange in der Nationalmannschaft, habe 42 Länderspiele absolviert und habe viele Turniere gespielt. Confederations-Cup, Olympia, Afrika-Cup und WM. Wir hatten eine tolle Mannschaft, doch das hatte eine Ende, als Samuel Eto’o die Kapitänsbinde von Rigobert Song übernahm. Ab da hatten wir zwei Gruppen in der Mannschaft.

Ich habe für mich nach der WM gesagt, dass ich nicht mehr zu der Nationalmannschaft kommen will, weil es nichts bringt. Ich bin jetzt 30 und muss mich entscheiden, was für mich gut ist. Das habe ich getan. Ich bleibe hier bei der Borussia, wo ich drei Jahre Vertrag habe. Ich freue mich einfach, hier meine ganzen Kräfte zu sammeln.

Die Nationalmannschaft ist momentan für mich kein Thema, egal wer Trainer ist. Ich habe viel erreicht und einige Medaillen gesammelt. Ich freue mich einfach, jetzt bei Borussia zu sein und möchte für den Club meine ganze Kraft einsetzten.

Petra Koch: Wir haben nun schon einiges gehört. Ich habe aus der Mannschaft gehört, dass du eine ganze Mannschaft unterhalten kannst und ein richtiger Spaßvogel bist, wenn du das willst…

Mo Idrissou: Ja. Ich glaube, dass jeder Mannschaft einen haben muss, der irgendwie Spaß reinbringt. Ich glaube, dass ich für so einen Spaß der richtige bin (lacht).

Petra Koch: Geht das Temperament ab und zu mit dir durch?

Mo Idrissou: Ich glaube, dass ich ein ruhiges Temperament habe, weil ich mich auch nach dem Training nicht ärgere, wenn ich dann wie heute nach einem verlorenen Spiel 7 gegen 7 in die Kabine komme und sehe, dass meine Klamotten im Kühlschrank sind, meine Badeschlappen im Wäscheraum sind, oder das meine Autogrammkarten alle mit schwarzem Edding bemalt sind.

Da bin ich einfach ein cooler Typ. Ich freue mich einfach mit den Jungs zusammenzuarbeiten und das macht Spaß. Das nehme ich einfach so mit und macht mich auch in der Mannschaft stark. Ich habe heute noch Kontakt zu meinen ehemaligen Mitspielern in Freiburg, weil ich mit ihnen viel erlebt habe. Das passiert hier jetzt auch. Ein richtiger Spaßvogel ist Marco Reus und auch Karim ist lustig.

Petra Koch: Du hast schon gesagt, dass viel in der Presse gestanden hat, wo du mit fertig werden musstest und ich habe in Interviews auch gelesen, wo du gesagt hast, dass vieles nicht wahr war, was die Presse geschrieben hat. Würdest du trotzdem sagen, dass du für andere nicht immer ein bequemer Mensch bist?

Mo Idrissou: Ich bin schon bequem. Ich antworte einfach nur auf dem Platz. Dass ist das, was zählt. Bei diesen ganzen Geschichten gibt es einen, der mich nur fertig machen will. Ich bin aber eine Person, die keiner fertig macht, wenn ich mich nicht selbst fertig mache, weil ich derjenige bin der sagt, ja, ich lasse mich fertig machen.

Aber ich lasse diese Leute einfach reden. Für mich zählt nur eins: Ich bin Fußballer und ich bin kein Boxer, Schläger oder sonst irgendetwas. Ich bin einfach nur ein Fußballer, so wie jeder andere. Mein Name ist immer im Fokus, das ist schon immer so gewesen. Ich komme für mich mit diesen Geschichten klar, weil ich derjenige bin, der seinen Weg geht.

Ich bin so wie ich bin. Wären die ganzen Sachen so gewesen, wie sich in der Presse gestanden haben, dann wäre ich nicht nach Gladbach gekommen. Das ist für mich in Deutschland ein großer Verein mit viel Tradition. Ich bin jetzt zwei Monate hier und viele Menschen haben mir schon bei Facebook oder auch auf der Straße gesagt: „Das ist eine gute Entscheidung von dir“, „Borussia ist genau der richtige Verein“, „Wir brauchen einen Torjäger - du bist einer“ und „Wir freuen uns sehr“. Das alles nehme ich an und mit.

Hätte Gladbach nicht geklappt, wäre ich auch in Freiburg geblieben, weil ich dort auch geliebt wurde. Ich habe jetzt die richtige Entscheidung getroffen nach Gladbach zu kommen. Der Verein ist besser als Freiburg und ich bin froh, hier zu sein. Michael Frontzeck kennt mich aus zwei Jahren bei Hannover 96 und Manfred Stefes zwei Jahre beim MSV Duisburg. Also wenn du schlecht bist oder dich einer nicht mag, dann weiß ich nicht, ob dich ein Trainer sieben Jahre später wiederzurückholt.

Das zeigt, dass das Ganze, was in der Presse steht, einfach nur Müll ist. Aber ich rede davon nicht. Wie gesagt, ich bin derjenige, der die Richtung vorgibt. Wenn ich verletzt bin, okay. Aber solange ich gesund bin, werde ich einfach weiter machen und für Borussia 100 Prozent geben. Ich werde einfach nur Tore schießen und die Leute, die noch nicht von mir gehört haben oder nur aus der Zeitung gelesen haben, auf dem Platz überzeugen.

Petra Koch: Also du machst dein Ding. Gibt es Dinge, die du im Leben bereust?

Mo Idrissou: Es gibt Dinge, die immer noch in meinem Kopf sind. Ich weiß nicht, wie und warum ein Mensch einen anderen Menschen immer nur Schaden zufügen kann. Einige Leute wollen was Gutes, aber manche Leute haben nur im Kopf, einem immer weh zu tun. Das verstehe ich nicht, muss ich aber wohl auch nicht. Ich mache mein eigenes Ding und mache dass weiter, so wie ich das hier in Deutschland im Fußball gelernt habe. Erst Disziplin und dann Taktik.

Ich weiß genau, was ich tue. Ich bin ein Mensch, so wie jeder. Das mein Name immer im Fokus steht, ist auch nicht umsonst. Also ich komme damit klar. Ich bin ein fairer Sportler und mache einfach bei Borussia weiter. Ich bin hier hingekommen, dass die Leute einfach glücklich mit mir sind. Ich möchte das machen und darauf hoffe ich. Das fängt am Samstag an. Ich freue mich einfach, mit den Leuten Spaß zu haben.

Petra Koch: Schauen wir noch mal ein bisschen auf das sportliche Auftaktprogramm. Zwei Heimgegner, zunächst Nürnberg und danach Frankfurt, wo man sagt, okay. Zwischendurch Leverkusen als Auswärtsgegner. Ist das ein gutes Auftaktprogramm oder sagst du, ich hätte lieber Bayern München am Anfang gehabt oder ist es dir egal?

Mo Idrissou: In der Bundesliga gibt es keine kleinen Mannschaften mehr. Nürnberg ist auch eine richtig gute Mannschaft. Aber egal, wir spielen zu Hause und haben unsere 45.000 Zuschauer im Rücken. Wir werden mit Selbstvertrauen an die Sache gehen und werden diese Leute nicht enttäuschen. Frankfurt ist eine ähnliche Kategorie.

Ohne zu übertreiben, müssen wir gegen beide sechs Punkte holen, weil wir zu Hause spielen und da drei Punkte zählen. Wenn du gegen solche Mannschaften zu Hause Punkte liegen lässt, dann weiß ich nicht, gegen wen du Punkte sammeln kannst. Damit müssen wir am Samstag beginnen. Eine Niederlage kommt nicht infrage.

Petra Koch: Was ist der Unterscheid zwischen dem SC Freiburg und Borussia Mönchengladbach?

Mo Idrissou: Der Unterschied ist groß. Für mich gibt es da keine kleinen Unterschiede, weil Freiburg alleine vom Namen her ein kleiner Verein ist. Das ist der Verein auch von innen her. Gladbach ist schon ein Verein, der von Beginn an alles mitgemacht hat und ist ein traditioneller und großer Verein. Für mich sind die Unterschiede riesig. Ob das im Verein oder spielerisch ist, für mich ist das ein Unterschied. Ich respektiere jeden Verein wo ich war  aber ich weiß, dass der Unterschied schon groß ist. Freiburg, wo ich gut gelebt und noch viele Freunde habe, ist kleiner. Gladbach ist größer.

Petra Koch: Mo, wir sind am Ende der Sendung. Es hat Spaß gemacht. Danke, dass du da warst und viel Glück am Wochenende. Wenn du zum Schluss drei Wünsche frei hättest. Gäbe es etwas, was du dir wünschen würdest?

Mo Idrissou: 3 Punkte am Samstag und gesund bleiben.


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