Der 22-jährige fühlt sich nun bei Borussia richtig wohl
Jeden Mittwoch ist es Zeit für die Sendung ‚Borussia hautnah‘ des Mönchengladbacher Radiosenders Radio 90,1. So auch am gestrigen frühen Abend, wo Moderatorin Petra Koch in der ersten Sendung nach der Sommerpause Roman Neustädter begrüßte. In einem sehr netten Gespräch sprach der etwas schüchtern wirkende 22-jährige unter Anderem über sein nicht einfaches erstes Jahr in Gladbach sowie über die abgelaufene Vorbereitung, in der der defensive Mittelfeldspieler durchaus überzeugen konnte. Im Folgenden haben wir das Gespräch mit dem Youngster in den Kernpunkten zusammengefasst.
Petra Koch: Roman, bevor wir über sportliche Dinge, die Vorbereitung und dergleichen reden, wollen wir ein bisschen über dich reden bzw. dir vier Fragen stellen, die du kurz und spontan beantwortest. 1. Was kannst du überhaupt nicht leiden? 2. Was magst du besonders? 3. Du bist auf einer einsamen Insel. Was musst du unbedingt dabei haben? 4. Wenn du die Macht hättest, auf dieser Welt irgendetwas zu verändern, was wäre das? 5. Dein Lebensmotto, deine Philosophie?
Roman Neustädter: Zu 1: Einerseits Unpünktlichkeit und zweitens, wenn man seine Versprechen nicht halten kann. Wenn man also leere Versprechungen macht. Zu 2: Mich mit Freunden treffen. Wenn alle gut drauf und witzig sind, wir zusammen lachen und die Zeit genießen können.
Zu 3: Badehose, Kulturtasche und ein Telefon. Zu 4: Dann würde ich versuchen, den ganzen Krieg auf der ganzen Welt abzuschaffen, denn was man sich da teilweise ansehen muss ist schon krass und geht einem nahe. Zu 5: Ich habe da jetzt so kein richtiges Sprichwort für, aber ich versuche jeden Tag zu genießen, mein Leben zu leben und richtig auszukosten. Darüber hinaus in jedem Training, sprich in meinem Job, immer Vollgas zu geben.
Petra Koch: Roman, ich war im Trainingslager und habe dich auch im Training gesehen. Das sah alles richtig gut aus. Würdest du auch sagen, dass du eine sehr, sehr gute Vorbereitung gespielt hast?
Roman Neustädter: Ob sie jetzt sehr, sehr gut war kann ich nicht sagen. Ich kann nur sagen, dass ich mich gut und fit fühle. Insgesamt finde ich, dass die Vorbereitung für mich persönlich ganz gut gelaufen ist. Ich hoffe, dass es so weiter geht.
Petra Koch: Jetzt hast du ein Jahr hinter dir, wo du wahrscheinlich sagst, da bin ich jetzt nicht mit zufrieden…
Roman Neustädter: Ja klar. Ich sehe das von zwei Seiten. Einerseits, dass ich nicht zufrieden bin, wie die ganze Saison verlaufen ist und andererseits war es für mich ein sehr lehrreiches Jahr. Ich ging von zu Hause weg und musste auf eigenen Beinen stehen. Ich denke, dass ich so gut ein Jahr gebraucht habe und bin jetzt in allen Bereichen voll da. Ich fühle mich jetzt richtig wohl hier.
Petra Koch: Das erste Mal von zu Hause weg, raus aus der Sport- bzw. Fußballfamilie, neuer Club und neue Eindrücke. War es das, was auch dir so ein bisschen zu schaffen gemacht hat?
Roman Neustädter: Ja, ich denke schon. Hier in Gladbach ist auch alles viel größer. Zudem war ich immer alleine, wenn ich nach Hause gekommen bin und hatte so niemanden, mit dem ich ein wenig über alles reden konnte. Am Telefon war das auch nicht in der Form möglich, denn das geht einem irgendwann auch auf die Nerven.
So bin ich am Anfang öfters nach Hause gefahren. Das hat sich jetzt alles verändert und ich bin zufrieden, dass ich jetzt dieses Jahr hinter mir habe und hoffe, dass es jetzt aufwärts geht.
Petra Koch: Jetzt lässt du das Ganze hinter dir, hakst das ab und schaust nach vorne. Du hast eine gute Vorbereitung und hast gegen VVV-Venlo und gegen den FC Liverpool gespielt. Man hat dich nicht ausgeliehen in die 2.Bundesliga. Das heißt, dass das Vertrauen da ist. Wie wichtig ist das alles?
Roman Neustädter: Sehr wichtig. Ich bin da auch dem Trainer, den Verantwortlichen und dem Verein sehr dankbar, dass sie mir weiterhin das Vertrauen geschenkt haben, auch wenn ich in der ersten Saison bei der Borussia jetzt nicht berauschende Leistungen gezeigt habe. Sie haben weiter an mir festgehalten und ich denke mal, dass ich das mit den Leistungen jetzt zurückzahle.
Petra Koch: Jetzt ist deine Position die 6er Position im defensiven Mittelfeld. Da sind Thorben Marx und Michael Bradley derzeit sozusagen gesetzt. Wie viel Druck kannst du ihnen machen?
Roman Neustädter: Ich versuche so viel wie möglich Druck auf die beiden auszuüben. Ich denke mal, das belebt das Geschäft. Darüber hinaus denke ich, geben beide auch mehr Gas und wollen sich weiter verbessern, wenn sie Druck haben. Dann profitieren wir alle davon.
Petra Koch: Wie nah bist du dran…?
Roman Neustädter: Ich sag’s mal so, ich bin auf einem guten Weg.
Petra Koch: Redet der Trainer auch mit dir und sagt dir, was er so in der nächsten Zeit von dir erwartet?
Roman Neustädter: Ja. Im Trainingslager hat er gesagt, dass ich mehr den Abschluss suchen soll. Ich denke, dass ich das verinnerlicht habe, weil es auch öfters mein Manko war, dass ich nicht geschossen oder das ich immer noch mal den Pass für den nächst besser postierten Spieler gesucht habe, aber in letzter Zeit schieße ich auch öfters selbst ab. Dann gehen auch ein paar Dinger rein.
Petra Koch: Das Sportliche ist das Eine, was man ein bisschen verändert. Das kommt ja wahrscheinlich aber auch dann, wenn man sich in der Persönlichkeit ein bisschen verändert…?
Roman Neustädter: Ja, das ist ja das, was ich gesagt habe. Ich habe viele Dinge aus dem Lehrjahr gelernt und habe das, was war, hinter mir gelassen. Ich versuche jetzt nur nach vorne zu schauen und mich zu präsentieren, so wie ich jetzt bin. Ich arbeite jetzt nur noch auf das hin, was kommt.
Petra Koch: Was sind deine persönlichen Ziele für die neue Saison?
Roman Neustädter: Ich habe schon zu Beginn der Vorbereitung gesagt, dass ich wirklich nur von Tag zu Tag schaue und mit jetzt nicht irgendwelche Ziele bis zur Winterpause oder bis zum Ende der Saison setzte. Ich will einfach weiterhin gesund bleiben, Leistung zeigen, mich dem Trainer anbieten. Und das von Tag zu Tag. Was dann dabei herauskommt, das werde ich dann sehen.
Petra Koch: Fühlst du dich jetzt hier angekommen?
Roman Neustädter: Ja, auf jeden Fall.
Petra Koch: Du wirkst zwar nicht schüchtern, aber so ein bisschen introvertiert. Bist du das?
Roman Neustädter: Eigentlich nicht so. Am Anfang, als ich zu Borussia kam, war ich introvertiert und kam nicht so richtig aus mir heraus, aber das hat sich jetzt alles gelegt.
Petra Koch: Roman, die Nummer 6 wird in den Clubs mittlerweile meistens doppelt besetzt. Bei der Nationalmannschaft auch oft. Wer ist die beste Nummer 6 in Deutschland?
Roman Neustädter: Sebastian Schweinsteiger.
Petra Koch: Ok. Und wer von denen, die in Deutschland spielen?
Roman Neustädter: Marc von Bommel sehe ich da einen Schritt vor Schweinsteiger.
Petra Koch: Sind die Beiden auch so eine Art Vorbild für dich?
Roman Neustädter: Ja klar. Ich habe bei der WM fast alle Spiele gesehen und habe auch geschaut, wie die Spieler auf meiner Position spielen. Besonders Schweinsteiger hat mir gefallen. Wie ballsicher und wie abgeklärt er gespielt und wie er das ganze Tempo bestimmt hat. Van Bommel auch und Xavi bei den Spaniern sowieso. Da habe ich mir einiges abgeschaut.
Petra Koch: Wobei van Bommel und Schweinsteiger eine unterschiedliche Rolle interpretieren…
Roman Neustädter: Ja, aber beide ergänzen sich gut und deshalb passt es auch bei Bayern München.
Petra Koch: Wärst du lieber van Bommel oder Scheinsteiger?
Roman Neustädter: Lieber ein Schweinsteiger.
Petra Koch: Roman. Nun kommen ein paar Fragen, die du einfach mit ja oder nein beantwortest. Zu 1: Ich habe es nie bereut, von Mainz nach Gladbach gegangen zu sein… 2. Ich bin eher zurückhaltend… 3. Ich werde den Durchbruch bei Borussia schaffen… 4. Ich habe mich im letzten Jahr verändert… 5. Man braucht für das Fußballgeschäft viel Selbstvertrauen…
Roman Neustädter: Zu 1: Ja. Zu 2: Nein. Zu 3: Ja. Zu 4: Ja. Zu 5: Ja.
Petra Koch: Jetzt reden wir doch noch mal über das Ein und Andere. Roman Neustädter hat sich verändert. Zum Positiven…?
Roman Neustädter: Ja, sehr zum Positiven. Alleine das beruflich sehr lehrreiche Jahr, was mich auch in meiner Persönlichkeit viel weitergebracht hat. Ein anderer Faktor ist, dass meine Freundin jetzt zu mir gezogen ist. Da haben wir in der letzten Woche den Umzug perfekt gemacht.
Dann bin ich nicht mehr so oft alleine, obwohl sie in Brüssel studieren wird. Das ist sowohl für die Zukunft als auch für das Privatleben noch mal ein mächtiger Schritt, um sich sicherer zu fühlen und gestärkt zu sein.
Petra Koch: Jetzt, hast du alles, wie Freundin, es läuft besser und du bist anders drauf. Du hast mal in einem Interview gesagt, dass auch die Jungs anders mit dir umgehen, weil du mehr auf sie zugehst…
Roman Neustädter: Ja, weil ich mehr aus mir herauskomme und weil ich mich einfach von meiner Präsenz her auf und neben dem Platz verändert habe. Ich denke mal, dass das die Jungs auch sehen und auch mehr mit einem sprechen, der auf sie zukommt, der auch ein bisschen lustiger und der auch ein bisschen lauter in der Kabine ist.
Petra Koch: Ich habe gehört, dass du viel mit den anderen jungen Wilden, so nenne ich sie mal, Fabian Bäcker, Tony Jantschke und Marco Reus zusammen bist. Das ist so eine Clique, oder?
Roman Neustädter: Das kann man so sagen. Wir sind viel unterwegs und haben einfach jeden Tag Spaß.
Petra Koch: Wie sieht so ein Spaß aus, was macht ihr, wenn ihr unterwegs seid?
Roman Neustädter: Es kommt drauf an. Nach dem Training gehen wir oft essen, weil keiner Lust hat, zu kochen. Die Abendgestaltung sieht dann oftmals so aus, dass wir gemeinsam entweder Playstation spielen, uns irgendwo noch mal hinsetzten oder einfach nur quatschen.
Petra Koch: Roman, wir ziehen das Fazit, dass sich Roman Neustädter in Mönchengladbach mittlerweile wohl fühlt, das die Freundin da ist, dass das Umfeld stimmt und dass er der nächsten Saison positiv entgegen sieht. Es Spaß gemacht.
Roman Neustädter: So sieht‘s aus. Mir auch.





