Gegen die TSG 1899 Hoffenheim gelang Borussia Mönchengladbach der zweite Saisonheimsieg. Ein immens wichtiger, denn mit den drei Punkten bleiben die Borussen im Rennen um den Klassenerhalt. Dementsprechend schaute man nach dem Spiel in erleichterte Gesichter der Protagonisten.
![]() |
| Filip Daems verwandelt den Strafstoß zum 1:0 (Foto: Dirk Päffgen / Fohlen-Hautnah.de) |
In vielerlei Hinsicht standen die Borussen gegen Hoffenheim unter Druck. Einerseits, weil man nach dem ersten Heimsieg gegen Schalke in Wolfsburg nicht nachlegen konnte und andererseits, weil man in der VW-Stadt alles andere als eine Vorstellung anbot, die wenig Anlass zur Hoffnung machte. »Wir wussten, was wir in Wolfsburg falsch gemacht haben und konnten so in dieser Woche an den Fehlern arbeiten«, sagte Marco Reus.
Borussias Trainer Lucien Favre hatte mit seinen Profis unter der Woche daran gearbeitet, dass diese nur noch ihr gutes Gesicht zeigen. »Wir haben diese Woche sehr gut und konzentriert trainiert«, befand Favre.
Gegen Hoffenheim hatte der Schweizer Fußballlehrer seine Mannschaft im Vergleich zu Wolfsburg auf vier Positionen geändert und das System zunächst auf 4-2-3-1 umgestellt. »Das war keine Reaktion auf das Spiel gegen Wolfsburg«, sagte Favre. »Ich habe gesagt, dass ich auf jeden Spieler zähle. Wir brauchen bis zum Saisonende jeden Spieler«.
So kam Tony Jantschke zu seinem Startelfdebüt und Michael Fink zu seinem zweiten Einsatz von Beginn an. »Ich hatte im Training bei beiden den Eindruck, dass sie uns gut helfen können«, erläuterte der 53-Jährige die Nominierung. »Sie haben gut gespielt«, befand der Trainer.
»Für einen Spieler ist es nie einfach, wenn er nicht spielt. Aber ich habe gewusst, dass die Chance irgendwann wieder kommt. Heute kam sie und ich denke, ich habe sie einigermaßen genutzt«, meinte Fink. »Ich denke, es war eine ganz ordentliche Partie. Ich selber bin gut ins Spiel gekommen und habe auch fast einen Assist gemacht«.
»Kein Harakiri und sicher stehen« hatte Favre seiner Mannschaft vor dem Duell verordnet. Diese hielt sich dran und standen zwar hinten sicher, wussten jedoch gerade im ersten Durchgang mit lediglich einer Spitze offensiv wenig Nadelstiche zu setzten. »Die erste Halbzeit war sehr schwer für uns. Im Spiel war es schwer, den Ball zirkulieren zu lassen und somit Torchancen zu kreieren«, sagte Favre.
Dennoch hätte der VfL in Führung gehen können, doch Arango und allen voran de Camargo ließen vielversprechende Gelegenheiten liegen. Mehr Chancen gab es weder für die Borussen, noch für die TSG, weshalb es torlos in die Kabinen ging.
Auch nach dem Seitenwechsel agierte Borussias Übungsleiter mit zwei Spitzen. Dabei rückte Reus an die Seite von de Camargo, was wie auch schon in der Vergangenheit fruchtete. »In der zweiten Halbzeit hat das Zusammenspiel mit Marco Reus sehr gut funktioniert«, befand de Camargo.
Fortan zeigten sich die Fohlen druckvoller und marschierten nach vorne. »Mit zwei klaren Stürmern lief das Spiel dann besser. Hierdurch ergaben sich andere Möglichkeiten für das Mittelfeld«, sagte Favre. »Im Mittelfeld waren wir sehr kompakt und standen sehr hoch«.
Das zahlte sich dann nach dem Seitenwechsel auch aus, während von der pomadig auftretenden TSG Hoffenheim rein gar nichts zu sehen war. »Wir haben heute in allen Bereichen total enttäuscht«, musste Hoffenheim-Trainer Marko Pezzaiuoli zugeben. »Gladbach ist von Spielminute zu Spielminute stärker geworden, weil wir bei eigenem Ballbesitz fast jeden Ball zum Gegner und unnötig viele lange Bälle gespielt haben«.
Und das auch, weil der VfL die Räume eng machte, nichts zuließ und geschlossen gegen den Ball arbeitete. »Wir haben heute als Mannschaft agiert und das Zusammenspiel passte richtig gut«, befand Filip Daems. »Wir haben defensiv sehr gut gearbeitet und nicht eine einzige Torchance zugelassen«, begründete Thorben Marx. »Im Spiel nach vorne wissen wir was wir können und dort werden wir immer unsere Chancen bekommen«.
Die bekamen die Borussen dann auch, wenngleich zunächst nur durch Halbchancen. »Das Wichtige heute war, dass die Mannschaft ruhig und geduldig geblieben ist«, lobte Favre. »Wenn du ein 0:0 hast, musst du in unserer Situation nicht zwingend um jeden Preis alles nach vorne werfen«.
Doch in Minute 65 zahlten sich die Bemühungen aus. Tom Starke brachte de Camargo im Strafraum zu Fall, Filip Daems verwandelte den fälligen Strafstoß mit etwas Glück zur verdienten 1:0-Führung. »Die letzten Elfmeter habe ich sicherlich sicherer verwandelt, aber ich freue mich, dass er reingegangen ist«, sagte der Kapitän.
Damit war der Bann gebrochen, denn anders als in oftmals in der Vergangenheit bekamen die Borussen nun kein ‚Fracksausen', sondern blieben im wahrsten Sinne des Wortes am Ball und setzten nach. »In der Vergangenheit ist es nach einer Führung zu oft passiert, dass wir uns hinten rein gestellt haben. Dies hat dann immer zu Problemen geführt«, analysierte Daems. »Heute und auch gegen Schalke war das nicht der Fall«.
»Wir wollten ein zweites Tor machen, aber wir haben auch gut verteidigt. Wir haben die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive gefunden«, lobte Favre, der dennoch Defizite ausgemacht hatte. »Wir müssen das Passspiel verbessern. Wir haben zu oft auf engem Raum kurze Pässe gespielt und damit den Ball verloren«, bemängelte Borussias Trainer. »Wir müssen versuchen den Ball zu halten. Manchmal muss man direkt spielen, manchmal musst du mit ein, zwei Kontern parieren«.
Doch die Borussen legten nach und erzielten fünf Minuten nach der Führung den zweiten Treffer, mit dem de Camargo für die endgültige Entscheidung sorgte. So dürften die Borussen am Ende gegen enttäuschende Kraichgauer den zweiten Heimsieg feiern, der die Hoffnung und den Glauben aufrecht erhält.
Wohlwissentlich, dass die Hoffenheim an diesem Tag nahezu alles schuldig blieb. »Der Sieg tat sicherlich, gut aber ich werde jetzt einen Teufel tun, das Ganze hier zu loben. Hoffenheim hatte nur eine wirkliche Torchance nach einer Ecke von uns«, relativierte Max Eberl. »Wir müssen jetzt im Lauf bleiben und versuchen, das Gute mitzunehmen. Deswegen sage ich auch bewusst, den Ball flach zu halten«.
Erreicht ist mit dem erfreulichen sechsten Saisonsieg nämlich noch nicht allzu viel. Der Sieg darf keine Eintagsfliege sein, denn um sich entscheidend aus dem Sumpf zu ziehen, muss gerade in den kommenden Spielen gegen direkte Konkurrenten nachgelegt werden.
Und das zunächst gegen Werder Bremen. »Es ist schön, jetzt das zweite Mal hintereinander zuhause zu gewinnen. Aber um die Klasse zu halten, müssen wir jetzt eine Serie spielen und am besten schauen, dass wir gegen Bremen schon etwas holen, nur dann ist der Sieg heute etwas wert gewesen«, weiß Filip Daems. »Wir müssen jetzt sofort in Bremen nachlegen, auch wenn es in Bremen sehr schwer wird«, fordert de Camargo. »In diesem und auch in dem Heimspiel gegen Kaiserslautern geht es um sechs Punkte«.
»Das Spiel in Bremen ist natürlich ein sehr wichtiges Spiel, in dem sehr viel auf dem Spiel steht«, weiß Marco Reus. »Da müssen wir einfach so spielen, wie wir es heute gezeigt haben. Wir müssen mit Leidenschaft in dieses Spiel gehen und dürfen keinen Ball verloren geben«.
So gilt es, an der Weser genauso geschlossen aufzutreten, um die spielstarken Bremer nicht ins Spiel kommen zu lassen. Dann ist auch dort ein positives Ergebnis möglich, mit dem sich die Borussen weiter ihrem Ziel Klassenerhalt nähern können. »Der Heimsieg ist eine gute Basis und ein wichtiger Schritt, aber dies war nur der erste in komplizierten Wochen. Dies ist kein Grund jetzt irgendwas rosarot zu sehen«, sagte Max Eberl.
»Ich denke, die Spieler sollten jetzt draus gelernt haben, was es bedeutet, ein Spiel zu gewinnen und dann im nächsten Spiel nichts zu holen«, ergänzte der Sportdirektor. »Sie müssen diese Laufbereitschaft und Aggressivität jetzt auch in den darauffolgenden Spielen bringen, um erfolgreich zu sein«.
Bleiben die Fohlen auch in den kommenden Wochen in der Spur und erfolgreich, dann ist eine noch vor Wochen für eher unwahrscheinlich gehaltene Rettung durchaus möglich. Zunächst in Bremen sollte also der Heimsieg zumindest mit einem Punkt vergoldet werden.






