Borussias Norweger war zu Gast bei Radio 90,1
Jeden Mittwoch ist es beim Mönchengladbacher Lokalsender Radio 90,1 Zeit für die Sendung "Borussia hautnah". So auch an diesem, wo Moderatorin Petra Koch anstelle des verletzten Igor de Camargo erstmals Neuzugang Håvard Nordtveit begrüßte. In den 60 Minuten, bei denen auch Borussias Pressesprecher Markus Aretz helfend mit vertreten war, sprach der 20-Jährige unter anderem über seine Zeit bei Arsenal London und über seine ersten Monate bei der Borussia. Wir haben das Interview an der Stelle in den Kernpunkten zusammengefasst.
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| Håvard Nordtveit war zu Gast bei Radio 90.1 - Foto: Marc Schöne, Fohlen-Hautnah.de |
Petra Koch: Håvard Nordtveit ist heute Gast bei uns. Auch der Pressesprecher von Borussia Mönchengladbach ist zu Gast um helfend einzugreifen, wenn Håvard Nordtveit nicht mit Deutsch zurecht kommt. Aber wir versuchen es in Deutsch. Howie, darf ich Howie sagen?
Håvard Nordtveit: Howie ist gut.
Petra Koch: Howie ist dein Spitzname. Warum?
Håvard Nordtveit: Als ich vor zwei Jahren nach London kam, war Håvard für die Engländer nicht einfach. Ich habe dann gesagt, nennt mich Howie, dass ist viel besser.
Petra Koch: Das ist auch eine schöne Abkürzung. Hast du gestern Fußball geschaut, 'Howie'?
Håvard Nordtveit: Ja.
Petra Koch: Warst du danach enttäuscht? Wir müssen dazusagen, dass Arsenal gegen Barcelona verloren hat. Aber es war ein tolles Spiel.
Håvard Nordtveit: Ja. Für Arsenal war es nicht einfach mit zehn Mann gegen Barcelona zu spielen. Sie haben auf großem Platz gespielt, auf dem Barcelona sein Positionsspiel spielen konnte. Es war eine blöde Rote Karte. Das ist Fußball. Ein kleiner Fehler in der ersten Halbzeit, wo Fabregas den Ball mit Hacke im Strafraum ins Tor schieß. Im Fußball entscheiden Kleinigkeiten. Wenn du siehst, wie Barcelona spielt - das ist unglaublich und sehr guter Fußball.
Petra Koch: Zwei gute Mannschaften, wie ich finde. Aber man hört noch so ein bisschen, dass du "wir" sagst. Du warst lange Zeit bei Arsenal und es ist immer noch so in deinem Herzen, oder?
Håvard Nordtveit: Ja. Ich war drei Jahre dort und ich kenne dort alles und jeden. Immer wenn Arsenal spielt, dann schaue ich mir das natürlich an.
Petra Koch: Du bist mit 16 Jahren, also als junger Mann dahin gegangen. Früh von zuhause weg, aus einem kleinem 1000 Einwohner-Ort Vats in Norwegen in die Millionenmetropole London. Wie war das?
Håvard Nordtveit: Für mich war das ganz groß. Die ersten Tage hatte ich einen 'Guide' des Emirates Stadions. Der Taxifahrer hatte alle Informationen für mich, wie viel das Stadion kostet, etc. Für mich war das alles sehr groß. Als ich in Vats gewohnt habe, bin ich mit 15 nach Haugesund in eine eigene Wohnung gezogen, um die Highschool zu besuchen. Daher war es nicht neu für mich, alleine zu wohnen und weiter weg von zuhause zu sein. Arsenal hat aber sehr gute Leute, die sich um die Spieler kümmern. Ich hatte immer jemanden der mir geholfen hat. Arsenal ist der viertgrößte Club in England. Man glaubt nicht, wie groß es ist, bevor man nicht selber mal da war.
Petra Koch: Nicht nur der Club, auch die Stadt muss doch für einen 16-Jährigen überwältigend gewesen sein. Was hast du denn da abends gemacht?
Håvard Nordtveit: Ich bin der professionelle Fußballspieler. Ich glaube, ich bin nie ausgegangen und habe auch keine Party in London gefeiert. Ich hatte meine Freundin mit in London, so war ich nie alleine. Wenn du bei uns in der Wohnung warst, dann hast du geglaubt, dass du in Norwegen bist. Die Sehenswürdigkeiten haben wir uns natürlich angeschaut, aber für mich ist das Essen nicht so gut in London. Speck und Eier zum Frühstück ist nicht so gut, wenn du von Norwegen kommst, wo du den besten Lachs bekommst. In Deutschland gibt für mich besseres Essen als in London.
Petra Koch: Wenn ich so an Norwegen denke, dann habe ich in erster Linie Skisport im Kopf. Wir haben jetzt grade noch eine WM in Oslo gehabt, die du vielleicht verfolgt hast. Ihr habt ja eigentlich einen Nationalhelden mit Petter Northug, der jetzt zweimal Weltmeister geworden ist. Hast du als junger Mann auch mal überlegt, in solch eine Sportart zu gehen?
Håvard Nordtveit: Nein. Als ich klein war, habe ich viele Sportarten probiert, wie beispielsweise Ski oder Volleyball. Die WM in Oslo haben sich mein Vater und meine Mutter angeschaut. Ich habe gefragt, ob sie mir ein Autogramm von Petter Northug besorgen können, aber ich glaube es hat nicht geklappt.
Petra Koch: Du hast dich abert relativ früh für den Fußball entschieden. Wie ist Fußball in Norwegen?
Håvard Nordtveit: Fußball ist der größte Sport in Norwegen. Im Winter gibt es keine Saison in Norwegen, aber in acht Tagen geht es dort auch wieder los. Wenn Fußballzeit ist, sind alle verrückt nach Fußball und jetzt ist Skizeit. Die Stadien in Norwegen sind nicht so groß. Ich glaube, das größte ist in Trondheim und in Oslo, wo die norwegische A-Nationalmannschaft auch gespielt hat. Ich glaube in Deutschland gibt es viel mehr Enthusiasmus rund um den Fußball. Ich glaube, die Stadien hier in Deutschland sind viel besser als in England.
Petra Koch: Wo hast du Deutsch gelernt?
Håvard Nordtveit: Letztes Jahr war ich für zehn Monate in Nürnberg. Ich hatte keinen Lehrer und bin auch nicht zur Schule gegangen um Deutsch zu lernen. Aber wenn du jeden Tag ein bisschen Deutsch mit den Spielern sprechen musst, dann lernst du es automatisch. Ich hatte Deutsch aber auch ein Jahr in Vats in der Schule. Jeden Tag lernst du mehr und mehr dazu. Wenn mir ein Wort fehlt, dann spreche ich Englisch.
Petra Koch: Wird man früh und schneller erwachsen, wenn man mit 16 Jahren von zuhause weggeht?
Håvard Nordtveit: Von meinen Eltern habe ich gelernt, jeden Tag hart zu arbeiten und was Kochen ist. Mein großer Bruder (23) war immer mein Idol, wenn er mit seinem Team trainiert hat, habe ich einfach mitgemacht. So habe ich jeden Tag als 12-Jähriger mit 15-Jährigen trainiert, konnte von den Alteren und Größeren viel lernen, und bin dabei gewachsen.
Petra Koch: Du bist mit deiner Freundin zusammen schon in die norwegische Stadt, dann nach England und jetzt hierher gezogen. Kent ihr euch aus der Schule und ihr war sehr jung, als ihr zusammen gekommen seid?
Håvard Nordtveit: Ich war ein Jahr auf der Highschool, wo sie auch war. Als ich nach London gegangen bin, ist sie mitgekommen und auch von London nach Salamanca in Spanien ist sie mitgekommen und wieder zurück, nach Nürnberg und Mönchengladbach. Sie bleibt mir treu und ist überall mit hingekommen. Wir sind jetzt seit vier Jahren ein Paar. Als sie sechs Jahre alt war, kam sie von Island nach Norwegen. Sie hat einen isländischen und keinen norwegischen Pass. Aber das ist kein Problem.
Petra Koch: Du wurdest ganz, ganz früh schon als Supertalent bezeichnet. War das für dich eine Last?
Håvard Nordtveit: Nein war es nicht. Mein Vater hat mich immer auf dem Boden gehalten. Mein Bruder sagt nach jedem Spiel, du hast super gespielt. Mein Vater hat immer Punkte, wo er sagt, dass ich es noch besser machen muss. Als ich 16 Jahre alt war, hatten wir ein Spiel in Norwegen. Mein Vater hat gesagt, dass ist ein normales Spiel, konzentriere dich und mach dein Spiel, auch wenn Arsene Wenger im Stadion ist. Ich war sehr nervös. Ich glaube, das war mein schlechtestes Spiel überhaupt. Nach 45 Minuten musste ich verletzt raus. Nach dem Spiel war ich sehr enttäuscht.
Mein Vater hat gesagt, dass ist Fußball. Als junger Spieler geht es immer auf und ab. Drei Tage danach war ich ein Arsenal-Spieler. Das war das wichtigste Spiel in meinen Leben. Wenn du 16 Jahre alst bist und weißt, dass der größte Manager von Arsenal kommt zum gucken, dann weißt du, dass du Druck hast. Aber als junger Spieler ist es wichtig zu lernen, mit dem Druck umzugehen. Du musst jeden Tag die Herausforderung suchen.
Petra Koch: Ich habe gerade gehört, du hast einen Hund der Tarzan heißt und ein Mops ist.
Håvard Nordtveit: Ja. Das ist ein schöner Hund. Jeden Tag wenn ich nach Hause komme, freut er sich immer.
Petra Koch: Du hast eben schon gesagt, Arsene Wenger hat dich als jungen Spieler gesehen und dann nach Arsenal geholt. Arsene Wenger und Lucien Favre kennen sich gut. Trainieren sie auch gleich?
Håvard Nordtveit: Ja, aber hier wird ein bisschen mehr Passspiel und Technik trainiert. In Arsenal ist es jeden Tag mehr Balltechnik. Aber sonst ist es sehr ähnlich.
Petra Koch: Glaubst du, das Lucien Favre auch Arsene Wenger mal gefragt hat, wie du denn so bist?
Håvard Nordtveit: Ich weiß es nicht. Arsene Wenger war, als ich in London war, wie ein Vater für mich. Er ist eine überragende Person. Er ist kein Manager sondern ein Professor, ein Fußballprofessor. Er ist ein sehr intelligenter Mann und der intelligenteste, den ich bisher kennengelernt habe. Ich habe ihn zu Weihnachten gefragt, ob ich früher zu meiner Familie nach Norwegen gehen darf. In England gibt es im Fußball da keinen Urlaub, denn sie spielen ja auch am zweiten Weihnachtstag.
'The Boss', wie er in Arsenal geannt wird, hat gesagt, dass ich nach Hause gehen darf, bevor ich zu Borussia Mönchengladbach komme und wenn ich etwas brauche soll ich anrufen, da er für mich nur das Beste wollte. »Ich hoffe, dass du eines Tages zurück nach Arsenal kommst«, sagte er zu mir. Er ist einfach eine gute Person.
Petra Koch: Ist das auchmal dein Traum, irgendwann noch mal bei Arsenal in der ersten Mannschaft Stammspieler zu sein?
Håvard Nordtveit: Ja. ich glaube, alle Spieler möchten in der Premier League spielen. Aber jetzt bin bei Borussia und ich trainiere jeden Tag sehr hart für die Spiele am Wochenende. Ich will alles für den Klassenerhalt geben.
Petra Koch: Bist jetzt machst du das auf dem Platz sehr gut. Du bist relativ schnell in dieses Team reingekommen und hast nicht so ausgesehen, als hättest du Integrationszeit gebraucht und spielst richtig gut...
Håvard Nordtveit: Im ersten Spiel gegen Nürnberg war ich sehr nervös, weil ich da ja auch alles kannte und dann spielte ich noch als Innenverteidiger. Eine Woche vorher habe ich noch im Mittelfeld gespielt. Erst zwei Tage vor dem Spiel habe ich die Nachricht bekommen, dass ich Innenverteidiger spielen muss. Dann musste ich rechter Verteidiger und Innenverteidiger spielen. Normal bin ich ein Abwehrspieler. Als junger Spieler habe ich Innenverteidiger gespielt. In Arsenal war ich die letzten Jahre rechter Verteidiger und in Nürnberg habe ich im defensivem Mittelfeld gespielt. Für mich ist es aber egal. Ich liebe es zu spielen und daher ist es mir egal wo.
Petra Koch: Ich finde, du spielst diese Mittelfeldposition sehr ruhig und wirkst sehr erwachsen, als würdest du das schon ewig machen obwohl du erst 20 Jahre alt bist...
Håvard Nordtveit: Ja, das will ich auch. Wenn du ein wenig Zeit hast, dann musst du mit Ruhe im Kopf und mit Auge spielen. Ich kann auch einen langen Pass für die Spieleröffnung spielen und habe hoffentlich Überblick, gehe aber auch sehr gerne in die Zweikämpfe. Ich gehe auch dahin wo es weh tut, da ich mir damals in Norwegen einen Zahn in einem Zweikampf ausgeschlagen habe. Seit dem heiße ich Howie oder zahnlos. Ich brauche zwar jetzt ein Implantat, aber das ist beim Fußballspielen kein Problem.
Petra Koch: Also Kämpfer und Techniker bist du...
Håvard Nordtveit: Ja, ein norwegischer Wikinger eben.
Petra Koch: Du hast eben gesagt, dass du ruhiger bist, nicht so viel unterwegs sondern eher professionell und diszipliniert. In London haben deine Kollegen gesagt, du bist einer der neuen revolutionären Generationen. Was ist das?
Håvard Nordtveit: Ich glaube, Paul Irwin hat das gesagt. Er meinte damit, dass es eine andere Generation ist. Nicht so viele Frauen. Wenn du fertig mit dem Training bist gehst du nach Hause, essen und alles für den nächsten Tag vorbereiten. Dann kommt der neue Tag. Das ist mein Job. Mein Vater hat gesagt, wenn du 30 oder 35 Jahre alt bist, dann kannst du dir selber stolz sagen, du hast nicht zu viel Party gemacht und hast alles für den Fußball gegeben. Wenn ich älter bin, kann ich Vieles noch nachholen.
Petra Koch: Aber in Arsenal gehen die Jungs doch auch schon mal draußen ein bisschen feiern, da warst du doch auch schon mal dabei oder?
Håvard Nordtveit: In England haben die Jungen nicht so viel Respekt vor den älteren oder dem Trainer. Ich habe in Arsenal Viele gesehen, die ein Spiel gemacht und dann viel Geld und ein schönes Auto gehabt haben. In der Kabine von Arsenal hängt eine Liste von Arsene Wenger, auf der steht: Talent ist nicht genug, du brauchst den Willen und Mentalität. Man soll einfach nicht darüber reden, was du dir für ein Auto gekauft hast, sondern welche Titel du geholt hast. Alleine das ist wichtig.
Petra Koch: Ist das dein Motto, was auf deinem Arm steht: Die Helden spielen bis sie soweit sind, bis alles erledigt ist.
Håvard Nordtveit: Ja, vielleicht. Wenn du Fußball spielst, hast du immer noch deine Familie. Du kannst ein bisschen trinken oder feiern, das ist kein Problem. Aber man sollte es nicht übertreiben und nicht immer neue Frauen haben.
Petra Koch: Jetzt kommen zwei ganz wichtige Spiele für Borussia gegen zwei direkte Konkurrenten. Weißt du ob du in Bremen dabei bist?
Håvard Nordtveit: Nein, dass weiß man nie. Du musst immer 100 Prozent geben. Letzte Woche hat die Mannschaft gewonnen. Never change a winning Team. Als Fußballspieler spielst du, oder sitzt auf der Bank. Es kann aber auch sein, dass du nach 10 Minuten von der Bank kommst und dann musst du vorbereitet sein. Ich bin immer vorbereitet. Gegen Bremen, dass ist ein sehr wichtiges Spiel so wie auch nächste Woche gegen Kaiserslautern.
Petra Koch: Sind diese beiden Spiele schon eine Vorentscheidung für die erste oder zweite Liga?
Håvard Nordtveit: Nein. Es sind noch 27 Punkte zu vergeben. Alles kann im Fußball passieren.
Petra Koch: Es war sehr schön und wunderbar in Deutsch mit dir. Vielen Dank.
Håvard Nordtveit: Vielen Dank.






