Zweifelsohne glücklich war das 1:1-Remis der Gladbacher Borussia beim SV Werder Bremen. Ermöglicht hatte es Dante, der in der zweiten Minute der Nachspielzeit nach Freistoß von Juan Arango einköpfte und die Borussen im Abstiegskampf so weiter am Leben hält. Dementsprechend erleichtert und glücklich zeigten sich die Protagonisten auch am Tag nach dem Spiel.
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| Dante und Arango sorgen für Lucky-Punch - Foto: Katharina Schöne, Fohlen-Hautnah.de |
Dabei deutete gerade die erste Halbzeit nicht auf eine Punkteeilung hin. Die Gastgeber bestimmten das Spielgeschehen und spielten druckvoll, während sich die Borussen wie auch schon beim Auswärtsspiel im Wolfsburg förmlich verkrochen. »Wir strotzen ja als Letzter auch nicht vor Selbstvertrauen. Natürlich geht das nicht alles von der Hand«, gab Marco Reus zu bedenken.
Marschierten sie mal nach vorne, dann wurden die Spielzüge nicht konsequent zu Ende gespielt. »Wir haben den Ball nicht gehalten, haben den Gegner nicht unter Druck gesetzt und überhaupt nicht zu unserem Spiel gefunden«, wusste Reus.
»Das hat natürlich auch immer mit dem Gegner zu tun. Auf der anderen Seite haben wir uns zu wenig zugetraut und uns zu wenig bewegt«, erkannte Filip Daems. »In der ersten Halbzeit sind wir ähnlich wie in Wolfsburg gar nicht ins Spiel gekommen. Bremen war natürlich auch stark, aber trotzdem konnten wir den Ball nicht lang genug bei uns halten«.
Lucien Favre reagierte und stellte sein System auf 4-4-2 mit Raute um. Doch auch diese Maßnahme fruchtete nicht. »Wir hatten Angst Fußball zu spielen und haben den Ball nicht zirkulieren lassen«, bemängelte Borussias Trainer.
Nach wie vor zeigten sich die Borussen nach vorne zu harmlos und gaben die Bälle zu einfach ab. Das es dennoch nach einer halben Stunde null zu null stand, war gerade Logan Bailly zu verdanken, der seinen Kasten mit klasse Reflexen sauber hielt. »Da hat Logan zwei-, dreimal sehr gut gehalten« lobte Daems.
Doch sechs Minuten vor dem Seitenwechsel war auch der Belgier machtlos, und Bremen erzielte die hochverdiente Führung, mit der es in die Kabinen ging. »In der ersten Halbzeit waren wir nicht gut. Da hätte es auch 2:0 oder 3:0 für Bremen stehen können«, musste Favre eingestehen.
»Da müssen wir selbstkritisch mit uns umgehen und sehen, was wir besser machen können, denn es ist das zweite Auswärtsspiel hintereinander, wo wir nicht gut angefangen und eine schlechte erste Halbzeit gespielt haben«, sagte Dante und forderte: »Wir können nicht in jedem Auswärtsspiel nur eine gute Halbzeit spielen, sondern müssen von der ersten bis zur letzten Sekunde mutig und konzentriert sein«.
Borussias Trainer reagierte und brachte Håvard Nordtveit für Thorben Marx. »Sicherlich hätte der Trainer nach der ersten Halbzeit einige auswechseln können«, meinte Marx. »Das es mich getroffen hat, ist natürlich nicht so schön für mich, spielt aber im Endeffekt keine große Rolle, denn die Mannschaft steht im Vordergrund«.
Doch auch nach dem Seitenwechsel bestimmten die ‚Bremer Stadtmusikanten' den Ton der Musik, konnten sich jedoch nicht zwingend in Szene setzten. Auf der anderen Seite bemühte sich die Fohlenelf zwar um mehr Offensive, schaffte es dennoch zunächst nach wie vor nicht, Nadelstiche zu setzten.
Auch aus der Tatsache, dass Bremen mit zunehmender Spieldauer nachließ und sich auf Konter beschränkte, wussten die Borussen wenig bis gar kein Kapital zu schlagen. »In der zweiten Halbzeit haben wir uns zwar gesteigert und haben mehr Fußball gespielt, haben aber trotzdem zu wenig gemacht«, monierte Marco Reus.
Doch weiterhin stand es ‚nur' 1:0 für die Gastgeber und die Borussen nahmen in der Schlussphase noch mal das Heft in die Hand. Was keiner mehr so richtig geglaubt hatte, wurde in der Nachspielzeit Wirklichkeit.
Nach einem Freistoß von Arango war ‚Maskenmann' Dante im Strafraum in letzter Sekunde zur Stelle und köpfte das Leder zum Ausgleich in die Maschen. Kurze Zeit später pfiff Schiedsrichter Manuel Gräfe ab und die Borussen dürften sich über einen glücklichen, jedoch in der Endabrechnung vielleicht sehr wertvollen Punkt freuen, der zudem gerade für die Moral gut sein sollte.
»Ich denke, hätten wir so wie gegen Hoffenheim gespielt, dann hätten wir gute Chancen gehabt, das Spiel zu gewinnen«, befand Reus. »Unter dem Stich können wir aber mit dem 1:1 leben. Der Punkt ist in unserer momentanen Situation für uns im Abstiegskampf und vor allem für unsere Moral sehr wichtig«.
»Der Punkt ist natürlich glücklich. Wenn du in der Nachspielzeit noch einen Punkt rausholst, dann können wir zufrieden sein«, resümierte Filip Daems. »Wichtig ist aber, dass wir das 1:0 aufgeholt und vor allem in der zweiten Halbzeit am Ende eine gute Leistung gezeigt haben«.
In buchstäblich letzter Sekunde den ‚lucky Punch' gesetzt und somit etwas Zählbares mitgenommen. Die Borussen sind also, wie von Sportdirektor Max Eberl gefordert, in den Punkten geblieben und sollten, ja müssen diese Miniserie bereits am kommenden Freitag fortsetzten.
Doch einfach wird diese Aufgabe sicherlich nicht, denn die 'Roten Teufel' konnten sich mit dem Heimsieg gegen den SC Freiburg eine gute Ausgangsposition verschaffen und so auch mit einem Punkt gut leben - der VfL eher weniger. »Das Spiel gegen Lautern ist jetzt sehr wichtig. Da müssen wir auf jeden Fall gewinnen«, weiß Reus. »Dann sieht die Sache auch schon wieder ein bisschen anders aus«.
»Der Punkt ist wichtig für uns. Natürlich ist er glücklich, aber er gibt uns ein gutes Gefühl und mehr Selbstvertrauen für die Aufgabe gegen Kaiserslautern«, sagte Dante. »Da müssen wir drei Punkte holen«, forderte der Brasilianer.
In der Tat muss gegen den direkten Konkurrenten aus der Pfalz gewonnen werden, denn sonst war und ist der Punkt von der Weser aufgrund der Tabellenkonstellation lediglich die Hälfte wert. Schließlich werden die Spiele immer weniger. »Gegen Kaiserslautern ist ein sehr wichtiges Spiel. Da müssen wir unbedingt drei Punkte holen und dann sind wir wieder richtig dran«, meinte Thorben Marx. »Wir dürfen uns keinen Ausrutscher mehr erlauben«.
Doch um nicht auszurutschen, müssen die Borussen wieder über 90 Minuten ihres gutes Gesicht zeigen. »Ich hoffe, dass wir am Freitag das spielen, was wir auch können. Dann werden wir auch die drei Punkte holen«, sagte Marx. »Wenn da aber ein paar Prozente fehlen, dann werden wir es nicht schaffen, und das muss einfach jedem bewusst sein«.






