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Uwe Kamps: »Wenn es soweit ist, muss sich ter Stegen beweisen«

Borussias Torwarttrainer war zu Gast bei Radio 90,1

Jeden Mittwoch ist beim Mönchengladbacher Radiosender 90,1 Zeit für die Sendung ‚Borussia hautnah'. So auch gestern, als sich Borussias Torwarttrainer Uwe Kamps den Fragen von Moderatorin Petra Koch stellte. Der 46-jährige sprach über den Klassenerhalt, seine Torhüter und über das kommende Spiel beim FC Bayern München. Wir haben das Interview in den Kernpunkten zusammengefasst.

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Uwe Kamps bei Radio 90,1 - Foto: Marc Schöne, Fohlen-Hautnah.de

Petra Koch: Die Situation in der ihr euch zur Zeit befindet ist nicht angenehm aber auch nicht unbekannt. Ist die Situation vergleichbar mit anderen schwierigen Zeiten?

Uwe Kamps: Ja natürlich ist es mit Spielzeiten vergleichbar in denen man da unten stand. Es gab ja auch Spielzeiten, in denen wir das geschafft haben und das ist im Moment auch noch das, was wir wollen -  mit aller Macht versuchen, da unten raus zu kommen. Vielleicht schaffen wir es, den Strohhalm Relegationsplatz zu erreichen, um darüber dann in der Liga zu bleiben.

Petra Koch: Da du ja schon länger bei der Borussia bist, kennst du natürlich auch die beiden Abstiege die schon da waren. Wenn man davor steht, egal ob man sich noch rettet oder nicht, was geht dann in der Mannschaft vor, oder welche Dynamik herrscht innerhalb der Mannschaft?

Uwe Kamps: Die richtige Dynamik kann ich nicht feststellen, dass kann ich jetzt nicht sagen. Die Jungs versuchen es und wollen es auch irgendwo. Sie haben sicherlich auch mal überraschende Ergebnisse in der Rückrunde eingefahren, wo sie auch gut waren und von daher auch auf dem Weg sind.

Petra Koch: Die Rückrunde ist ja eigentlich auch nicht das Problem, sondern eher die wenigen Punkte in der Vorrunde. Überrascht waren wir sicher alle, denn jeder hat sich das bestimmt anders gedacht.

Uwe Kamps: In diese Saison sind wir natürlich mit ganz anderen Voraussetzungen gestartet und wollten eigentlich irgendwo im Mittelfeld landen. Wir wollten ein bisschen besser da stehen als in der letzten Saison. Das ist natürlich richtig nach hinten los gegangen. Das alles hatte natürlich auch seine Gründe, die wir mittlerweile ja alle kennen. Schön reden brauchen wir es jedoch auch nicht. Es ist halt schade, dass wir da gelandet sind und müssen jetzt sehen, dass wir das noch hinbekommen.

Petra Koch: Jetzt muss man ja auf der einen Seite als Trainerstab schauen, dass die Jungs bei der Stange bleiben. Du sagst, sie müssen jetzt bis zum Schluss wollen, oder bis es rechnerisch nicht mehr möglich ist. Im Umfeld, Medien und Fans, haben sie euch abgeschrieben. Wie hält man da trotzdem diesen Glauben aufrecht?

Uwe Kamps: Dieses abgeschrieben sein hat ja irgendwo auch etwas positives, weil ja in dem Sinne nichts erwartet wird und man so frei aufspielen kann. Die andere Seite ist halt, dass wir so nah wie möglich dran bleiben an der ganzen Geschichte, so dass man immer noch das Gefühl hat, es schaffen zu können. Wir dürfen jetzt beispielsweise fünf Spieltage vor Schluss nicht sagen, alles ist vorbei, nichts geht mehr. Wir müssen es soweit schaffen soweit dran zu bleiben, dass man auch am letzten Spieltag noch sagen kann, wir können es schaffen.

Petra Koch: Muss man auch eine Trotzreaktion bekommen indem man sagt, jetzt erst recht?

Uwe Kamps: Das ist ja eigentlich das schöne daran. Warum denn nicht mal zwei oder drei Spiele hintereinander gewinnen, dann sieht die ganze Situation nämlich sofort wieder anders aus.

Petra Koch: Jetzt rechnen viele einem noch die kommenden Gegner vor, mit beispielsweise München, Hannover und Mainz. Alles Mannschaften, die im ersten Drittel oder ganz oben dabei sind undwo ich dann immer sage: Gegen die tut ihr euch meistens nicht so schwer, wie gegen direkte Konkurrenten ...

Uwe Kamps: Ich glaube, dass die Bilanz in dieser Saison besser ist gegen die Mannschaften, die oben stehen. Auf der anderen Seite kann man auch sagen: Jetzt kommt St. Pauli oder Kaiserslautern und diese Spiele sind schon gewonnen. Aber da sieht man mal, wie schwer diese Spiele sind, da ist kein leichtes Spiel mehr bei. Wir spielen noch gegen Mannschaften, für die es zwar in eine andere Richtung um viel geht, aber da können wir natürlich auch was machen und den Mannschaften das Leben schwer machen.

Petra Koch: Du hast die Spiele angesprochen, gerade auch das letzte gegen Kaiserslautern. Ist es der Kopf oder die Nerven, oder woran liegt es, dass so ein Spiel nicht in die Gänge kommt?

Uwe Kamps: Schade ist es ja erst mal, dass wir uns immer eine gute Ausgangsposition schaffen. Dann hast du so Spiele, sei es jetzt Stuttgart oder Lautern zuhause oder St. Pauli auswärts. Davor haben wir meist gewonnen und hatten somit eine gute Ausgangsposition zu sagen: Jetzt kommen wir mal richtig ran oder auf einen Punkt ran und konnten dass dann nie so hinbiegen. Wenn ich so ein Spiel, wie gegen Stuttgart nehme, dann hat das eigentlich nichts mit dem Kopf zu tun. Da haben wir in der ersten Halbzeit ordentlich gespielt, hinten raus ein wenig Pech gehabt, auch mit der ein oder anderen Schiedsrichterentscheidung.

Da hätte man vielleicht auch mit einem 2:2 raus gehen können, was sicherlich aufgrund des Spielverlaufes auch enttäuschend gewesen wäre. In St. Pauli sind dann auch halt Dinge passiert, die für uns ärgerlich waren, aber damit muss man dann auch klar kommen. Gegen Kaiserslautern hätte man schon ein wenig sagen können: Jetzt haben sie Panik vor der Situation. Sie haben es nicht so umgesetzt, wie davor in den Spielen gegen Hoffenheim und Schalke, wo wir es ja auch gut gemacht haben. Das muss jetzt raus aus den Köpfen, wie wir es eben schon gesagt haben. Kopf frei, wir haben eh nicht mehr viel zu verlieren, wir stehen da unten und können nicht tiefer rutschen und versuchen die Situation so lange wie möglich offen zu halten.

Petra Koch: Merkt ihr im Trainerstab. dass gerade die jungen Spiele mehr Gesprächsbedarf haben?

Uwe Kamps: Man muss sich schon immer gut zureden und sagen: Hey es geht weiter und im nächsten Spiel packen wir es wieder. Das sind natürlich schon Ansätze, die dazu gehören - positive Stimmen zu verbreiten. Das ist die Grundlage der Situation, in der wir uns befinden.

Petra Koch: Ihr habt noch drei Heimspiele vor der Brust, welche auch vom Publikum her sehr bitter werden können, wenn es nicht läuft oder dem Abstieg entgegen geht. Wie geht man mit dem verständlichen Unmut der Fans um?

Uwe Kamps: Verständlich ist er sicherlich wenn man da unten steht, dass ist klar. Aber eigentlich brauchen wir die Leute, die hinter uns stehen. Gerade in den Heimspielen brauchen wir die Unterstützung, was sie ja auch schon oft bewiesen haben, wie gut sie das können. Ich denke, dass ist die Basis. Natürlich liegt dies auch an uns, wie wir die Spiele angehen.

Petra Koch: Jetzt hast du selber zwei Abstiege, einmal als Spieler und einmal als Torwarttrainer mitgemacht. Was läuft da alles zusammen und was siehst du, was im Moment ähnlich ist?

Uwe Kamps: Also beim letzten Abstieg war es eigentlich recht zeitig durch wo man gesagt hat, die Saison ist gelaufen, dass schaffen wir nicht mehr. Jetzt spürt man schon in der Mannschaft, das umzulegen um das noch zu schaffen. Ich denke, dass es auch das ist, was wir jetzt rüber bringen und versuchen müssen. Beim ersten Abstieg war ich verletzt und ein bisschen außen vor der Geschichte. In dieser Saison hatten wir sehr viele Gegentore bekommen, dass Problem haben wir in dieser Saison auch.

Aber das hat auch seine Gründe. Wir konnten in der Hinrunde hinten selten mal mit der selben Formation spielen, da war nie so richtig was Eingespieltes da. Das zog sich bis ins Mittelfeld oder auch nach vorne, es war dann so ein Gesamtprodukt was sich so entwickelt hat. Ich glaube auch, dass es viel daran lag, dass wir viele Verletzte hatten und nie unsere Formation so gefunden haben, wie wir sie eigentlich haben wollten, wie man sich dass vor einer Saison vorstellt, plant und damit dann in die Saison geht.

Petra Koch: Wenn du Außenstehender wärst, wie viel Prozent an Chance würdest du euch noch geben?

Uwe Kamps: Wie heißt es so schön: Todgeglaubte leben länger und so sollten wir es auch angehen.  Wenn man das von den Fakten und den Spielen her sieht, dann wäre diese irgendwo niedrig anzusetzen, aber man sollte da positiv denken und rangehen und abwarten, was da kommt.

Petra Koch: Wie sehr musstest du mit Logan Bailly nach seinem Patzer gegen Kaiserslautern reden?

Uwe Kamps: Das war ja schon eine seltsame Situation, wo ich dann schon mal fragen musste, ob vorher irgendwas war oder ob irgendwas nicht gestimmt hat, ob er nervös war oder ob etwas mit den Zuschauern hinter ihm war, was halt alles so sein kann. Ich habe versucht, das irgendwie ein bisschen aus ihm rauszukitzeln, aber er sagte dann auch und das glaube ich ihm auch wirklich, dass er nicht wusste, was er da gemacht hat. Das ist eine Sache, die nicht zu erklären ist und die wir so nehmen müssen. Das muss er nun abhaken und weiter machen.

Petra Koch: Trotzdem muss er das jetzt vergessen, er muss wieder ins Tor. Wie ist so ein Spiel danach, ich meine jeder gute Torhüter hat auch mal ein Patzer ...

Uwe Kamps: Natürlich, jeder hat mal einen Patzer. In dieser Saison hatten wir vielleicht zu viele, woran dass auch liegt. Dafür gibt es sicher seine Gründe. Er hatte seine Pause, in der dann 'Heimi' gespielt hat. Danach war er eigentlich ganz gut in der Reihe mit einem sehr gutem Spiel in Bremen, wo man auch mal sagen kann, dass er uns da einen Punkt gerettet hat.

Daher kam so ein Fehler gegen Kaiserslautern sehr überraschend. Jedoch sollte man jetzt nicht alles an dem einen Fehler festmachen und da irgendwo wieder rum graben sowie alles Alte rausholen. Man sollte jetzt auch mal die Spiele davor sehen und ich würde sagen, dass er da auf einem gutem Weg ist, wo ich hoffe, dass er diesen weiter geht.

Petra Koch: Ist das Lässigkeit oder Unkonzentriertheit bei ihm?

Uwe Kamps: Ich sitze doch nicht in seinem Kopf. Wenn ich das könnte, dann wäre das eine tolle Sache und dann würde ich sicher auch was anderes machen.

Petra Koch: Frage ich mal anders. Haben wir ein Torwartproblem?

Uwe Kamps: Logan hat am Anfang der Saison zurecht seine Pause bekommen. Ich glaube, dass der 'Heimi' es dann ordentlich gemacht hat und zu dieser Zeit auch bestimmt seine beste Phase hatte, seitdem er hier im Club ist. Hier kann man mal Köln nehmen, wo er ein sehr gutes Spiel gemacht hat. Oder nehmen wenn wir einfach mal den Pokal gegen Leverkusen.

Da hat er im Elfmeterschießen und auch vorher im Spiel schon sehr gut gehalten. Da war ein bisschen was Greifbares wo man sagt, ja dass ist eine ganz gute Sache. Dann kam der erneute Wechsel sicher auch mit dem Trainerwechsel zustande. Er hat dann das Gefühl, da liegt mir der andere Torhüter vielleicht mehr oder sein Bauchgefühl sagt ihm das, dann ist dass eine Sache, die total in Ordnung ist.

Logan hatte seine Pause und war dann auch dementsprechend fit und bei der Sache. Dass hat man, so denke ich, auch in den Spielen danach gesehen. So ist es dann passiert und wie gesagt, dann haben wir natürlich noch Marc-Andre ter Stegen hinten dran, der ein großes Talent ist und der dann vielleicht auch irgendwann mal in die Situation kommt, dass er seine Chance bekommt und spielen kann. Ich hoffe dann, dass wenn es soweit ist, er dass dann ordentlich macht und dann schauen wir mal was dann ist.

Ich denke jedoch nicht, dass es nur ein Torwartproblem ist sondern ich denke, dass viele Dinge zusammengekommen sind, wo dann am Ende das Endprodukt kommt, dass der Torhüter einen rein bekommt. Da wird dann auch als erstes drauf geschaut, was ist da passiert, konnte er den halten oder konnte er den nicht halten. Man sollte aber vielleicht auch mal auf die anderen Dinge schauen, denn jeder Torhüter hat Situationen, die er vielleicht nicht so mag, aber in die sie dann vielleicht zu oft reingeraten sind.

Petra Koch: Oft ist es ja auch so, dass wenn es mit den ersten beiden Torhüter nicht so läuft, dass sich dann der Dritte freut. Der war jetzt aber verletzt, ist jetzt auskuriert und wieder im Training, aber jetzt kein Thema für Bayern, denke ich mal?

Uwe Kamps: Er ist jetzt erst soweit, dass er in dieser Woche seit zwei Tagen ins Mannschaftstraining eingestiegen ist. Er war jetzt Sonntag und Montag bei der Nationalmannschaft, weil er da ja sonst immer im Kader ist und hat sich da mal blicken lassen. Seit gestern trainiert er wieder, dass funktioniert jetzt alles wieder ganz gut. Am Wochenende ist ein Spiel der U23, da hat er dann vielleicht mal die Chance, dass er da mal spielt um einfach auch mal zu sehen, wie funktioniert das Ganze. Dann müssen wir einfach mal schauen.

Petra Koch: Aber nervlich würdest du ihm die Bundesliga zutrauen?

Uwe Kamps: Das ist immer so eine Sache, da steckt man nicht drin. Ich hoffe für ihn, dass er das nervlich hinbekommt. Da würde er sicher auch seine Erfahrungen sammeln. Aber er muss sich dann, wenn es soweit ist, beweisen.

Petra Koch: Was geht bei Logan im Kopf vor, wenn er von Seiten der Fans keine Unterstützung bekommt?

Uwe Kamps: Ich hatte auch mal eine Phase, in der es mal nicht so lief und wo ich es sicher nachempfinden kann, was da in einem vorgeht. Er muss sich jetzt da raus beißen und ich hoffe, dass er da jetzt auch die Unterstützung von unseren Fans bekommt. Ich hoffe, dass er nicht mit einer negativen Einstellung empfangen wird, sondern mit einem fairen Applaus und Anfeuerung. Ich denke, dabei wäre uns allen geholfen.

Petra Koch: Lass uns einen kurzen Blick nach München werden. Die Bayern spielen bei langem nicht die Saison, die sie eigentlich spielen wollen. Wir spielen sie auch nicht, dass ist klar. Was wird das für ein Spiel?

Uwe Kamps: Ich hoffe ein schönes Spiel. Beide stecken sicher in einer schwierigen Situation. Die Bayern müssen uns unbedingt schlagen, wir kommen als Tabellenletzter dahin. Wir müssen alles tun und versuchen um da irgendwo ein positives Ergebnis und vielleicht sogar eine Überraschung hinzubekommen. Dementsprechend dann hier zuhause ins nächste Spiel gegen Köln zu gehen. Das Derby ist eh immer etwas Besonderes. Wenn man das dann gewinnt, könnten diese beiden Spiele einen Schub geben, dass man eine richtig gute Ausgangsposition hätte.

Petra Koch: Im Endeffekt ist es ja so: Du hast keine Chance mehr, aber nutze sie. Es ist doch der einzige Weg den man noch gehen kann zu sagen: Ätsch, ihr bekommt noch mal kalte Füße, oder?

Uwe Kamps: Ja dafür müssen wir halt noch mal sorgen. Wir müssen dran bleiben und wir müssen immer so stehen, das die sagen, ah die Gladbacher sind wieder dran und jetzt irgendwann, wenn man das Spiel danach dann auch mal gewinnt, dann kann es auf einmal ganz eng sein und es sind dann vielleicht vor dem letzten Spiel nur zwei Punkte und mal sehen, was dann noch möglich ist.

Petra Koch: In der Führung muss vor allem Max Eberl zweigleisig planen. Beschäftigst du dich auch schon damit?

Uwe Kamps: Nein, jetzt bringen wir die Sache erst mal ordentlich zu ende. Egal wie es dann am Ende ausgeht, aber wir versuchen erst mal in der Liga zu bleiben, dass ist das Wichtigste.

Petra Koch: Ich wünsche euch Erfolg bis zum Schluss oder man ist schon vorher abgestiegen, war wir nicht hoffen. Uwe Kamps, vielen Dank.

Uwe Kamps: Danke.


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