Ohne etwas Zählbares im Gepäck trat Borussia Mönchengladbach nach der 1:0-Niederlage beim FC Bayern München die Heimreise an den Niederrhein an. Dabei wäre an der Isar durchaus mehr und zumindest ein Punkt für die weitere Hoffnung und für die Moral drin gewesen. Darin waren sich auch am Tag nach der Niederlage alle Protagonisten einig.
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| Marco Reus nach dem Spiel gegen den FC Bayern - Andreas Plum, Fohlen-Hautnah.de |
»Wenn in München etwas zu holen war, dann war in diesem Spiel der richtige Zeitpunkt«, meinte Filip Daems nach dem Auslaufen am Sonntagmorgen, an dem übrigens auch Mathew Leckie teilnahm, und hatte damit sicherlich vollkommen Recht. »In München war was drin«, pflichtete Marco Reus bei.
Und das auch deshalb, weil es der deutsche Rekordmeister gerade im ersten Durchgang dem Wetter gleichtat und Sommerfußball zelebrierte. »Bayern hatte da ungewöhnlich viele Ballverluste, was ihnen normalerweise nicht passiert«, befand der Kapitän.
Auf der anderen Seite machten es die Borussen gut, standen kompakt und zwangen die Bayern zu Fehlern. »Wir haben es vor allem in der ersten Halbzeit insgesamt gegen den Ball gut und haben die Räume eng gemacht«, lobte Daems.
Gegen den Ball und auch in den Zweikämpfen zeigten sich die Fohlen zwar bissig und ließen wenig zu, im Spiel nach vorne fehlten jedoch Mut und Überraschungsmomente. »Vor allem in den ersten 20-25 Minuten waren wir die gefährlichere Mannschaft, aber ich hatte auch das Gefühl, dass daraus hätten mehr machen müssen und auch können«, meinte der linke Verteidiger.
»Bayern war nicht so gut. Ich denke, wir haben es teilweise auch ganz gut gemacht, nach vorne hin hat uns dann aber die richtige Durchschlagskraft gefehlt«, haderte Marco Reus. »Da konnten wir nicht die richtigen Akzente setzten«.
Akzente setzte der FC Bayern auch nach dem Seitenwechsel zunächst nicht, wenngleich der Rekordmeister nun mehr für das Spiel tat, während die Borussen bei ihren Offensivbemühungen zu wenig Mut zeigten. »In der zweiten Halbzeit kamen wir dann mehr unter Druck, aber trotzdem hätten wir es nach vorne besser ausspielen können«, stellte Filip Daems fest.
Lange sah es in der Allianz Arena nach einem torlosen Remis und der damit verbundenen Punkteteilung aus, doch dreizehn Minuten vor dem Ende führte ein folgenschwerer Fehlpass von Marco Reus zum ‚Knock Out' für die Borussen.
Der Youngster verlor in der Vorwärtsbewegung den Ball, das Duo Robben und Ribéry war zur Stelle und markierte in Zusammenarbeit den Führungstreffer, der gleichbedeutend mit dem Siegtreffer war. »Ich hätte den Ball natürlich auch nach vorne spielen können, aber ich wollte ihn lieber halten und vielleicht sogar nach vorne spielen. Das hat in dieser Situation nicht geklappt und daraus fiel dann das Tor«, schaute Reus auf die entscheidende Szene zurück. »Nach dem Spiel war ich natürlich sehr geknickt, weil es natürlich von mir auch richtig unnötig war, den Ball dort so zu verlieren«.
»Marco spielt da einen Fehlpass, aber danach gab es noch genügend Spieler und Situation, um das Ding noch zu klären und zu retten«, nahm Daems einen Mitspieler in Schutz und haderte: »Da haben wir uns zu einfach ausspielen lassen«.
Damit war das Spiel für den VfL gelaufen. Lucien Favre verswuchte nochmals alles und beorderte Roel Brouwers als kopfballstarken Spieler in die Offensive, doch diese Maßnahme fruchtete nicht. »Wir haben versucht, mit mir vorne drin noch etwas zu forcieren, aber es hat leider nicht geklappt«, sagte Brouwers.
Zudem hatten die Borussen sechs Minuten vor Schluss Glück, als der Unparteiische nicht auf den Punkt zeigte. Logan Bailly kam gegen Robben zu spät und brachte den Niederländer unsanft zu Fall. Ich habe ihn vielleicht ein bisschen berührt, aber ich denke nicht, dass es elfmeterreif war, meinte Borussias Schlussmann, der nach dem Spiel die Szene mit dem Torschützen Revue passieren ließ und mit Ribéry das Trikot tauschte.
So standen die Borussen am Ende wiedermal mit leeren Händen da. »Wir haben lange das Null zu Null gehalten. Schade, dass wir dann so ein Ding rein bekommen«, resümierte Brouwers. »Insgesamt war das Spiel von uns nicht schlecht, aber leider sind wir am Ende ohne Punkte«.
Recht ordentlich gespielt, doch unter dem Strich keine Punkte aus der bayrischen Landeshauptstadt entführt, was im Abstiegskampf und gerade in der prekären Situation, in der sich der VfL nach wie vor befindet, zwingend von Nöten ist. »Wir haben eine ordentliche Leistung gezeigt und ich denke, darauf können wir aufbauen. Aber im Abstiegskampf zählen Punkte und die haben wir nicht geholt«, sagte Reus.
»Es ist einfach ärgerlich. Wir haben durch einen dummen Fehler verloren«, haderte Mo Idrissou. »Es ärgert uns alle, dass wir gegen so schwache Bayern nicht unsere Chancen genutzt haben«.
Denn nach wie vor beträgt der Abstand auf den Relegationsplatz fünf und auf das gänzlich rettende Ufer sechs Punkte. »Eigentlich hätten wir das Spiel gewinnen müssen, um wieder an die anderen Mannschaften heranzukommen. Leider haben wir es wieder nicht geschafft«.
So blieb den Borussen am Ende des Tages lediglich die Parole, den ordentlichen Auftritt mit in die kommende Woche zu nehmen. Dann wartet mit dem rheinischen Derby so etwas wie das Spiel des Jahres auf die Fohlen. Dort ist erst Recht verlieren verboten. »Wir müssen das Vertrauen, dass wir gegen Bayern ein gutes Spiel gemacht haben und etwas hätten holen können, mit in die nächste Woche nehmen«, schaute Roel Brouwers nach vorne und unterstrich: »Da müssen die drei Punkte hier bleiben«.
»Jetzt müssen wir aber den Kopf oben halten und am Sonntag im Derby gewinnen. Da müssen wir Charakter und den Willen zeigen, die Punkte zu holen«, gab Idrissou die Marschroute vor. »Jeder muss da jetzt 120 Prozent bringen. Dann werden wir die drei Punkte hier behalten«.
Das wird auch zwingend von Nöten sein, um zumindest den Relegationsplatz nicht in ganz weite Ferne rücken zu lassen. »Wir wissen, dass es schwierig ist, aber wir haben noch das Vertrauen. Es sind im Fußball schon komischere Dinge passiert. Alles ist möglich«, meinte Roel Brouwers.
»Es sind noch 18 Punkte zu holen und nach den letzten Jahren wir wissen, dass wir zwölf brauchen, um in jedem Fall in die Relegation zu kommen. Das ist unser Minimalziel und dafür werden wir alles versuchen«, rechnete der Niederländer vor.
»Es sind noch sechs Spiele. Wir müssen mindestens vier gewinnen. Gegen Köln müssen wir unbedingt gewinnen. Wenn man das Spiel nicht gewinnen kann, dann wird es sowieso sehr schwer«, weiß Filip Daems. »Wenn wir aber da die Punkte holen, sind wir richtig im Geschäft«.
Für die Borussen und gerade auch für die Fans ist das Derby gegen den 1. FC Köln gleichermaßen ein wichtiges Spiel in dem es gilt, den Hinspielerfolg zu wiederholen. »Wer gegen Köln nicht motivieret ist, der ist fehl am Platze«, sagte Patrick Herrmann und ergänzte: »Es steht aber fest, dass wir punkten und gewinnen müssen. Wir brauchen den Dreier. Dafür werden wir alles versuchen und unser Bestes geben.






