Am 08. Spieltag der Saison 2009/2010 machte Paul Stalteri bei der 0:1-Niederlage gegen Borussia Dortmund im September 2009 seine bisher letzte Bundesligapartie für Borussia Mönchengladbach. Weitere werden zumindest beim VfL sicher nicht dazukommen, denn der Vertrag des nicht mehr berücksichtigten Kanadiers läuft im Sommer aus. Seine Fußballschuhe an den Nagel hängen, möchte er im Anschluss jedoch nicht.
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| Der vergessene Fußballprofi Paul Stalteri - Foto: Marc Schöne, Fohlen-Hautnah.de |
In der Partie gegen den BVB verletzte sich der Kanadier am Innenband des rechten Knies und feierte erst im Januar 2010 sein Debüt im Mannschaftstraining. Unter der Sonne Spaniens wollte Stalteri in La Cala de Mijas wieder angreifen. Dies gelang ihm jedoch nicht, denn bereits am dritten Tag des Trainingslagers musste der Verteidiger aufgrund erneuter Schmerzen im rechten Innenband vorzeitig die Heimreise antreten.
Fortan bekam Stalteri buchstäblich kein Bein auf den Boden und benötigte einige Zeit, um wieder in das Mannschaftstraining einsteigen zu können. Das tat er dann auch, allerdings in Borussias zweiter Mannschaft.
Ex-Coach Michael Frontzeck hatte den Rechtsfuß mit Jan-Ingwer Callsen-Bracker, der mittlerweile mit dem FC Augsburg Kurs in Richtung 1. Bundesliga nimmt, »aus rein sportlichen Gründen« aussortiert, was auch nach dem Trainerwechsel zu Lucien Favre nach wie vor Bestand hat.
Doch im Gegensatz zu Callsen-Bracker kam der einst von Hans Meyer in der Winterpause 2009 vom FC Fulham zur Stabilisation des Abwehrverbundes nach Gladbach gelotste kanadische Nationalspieler in der U23 bis dato zu keiner Spielpraxis.
Diese holte sich Stalteri dann in der kanadischen Nationalmannschaft, für die er mittlerweile 84 Länderspiele absolviert hat und somit Rekordnationalspieler seines Landes ist. »Sicher macht mich das stolz, aber das ist auch lediglich eine Zahl, über die ich mir nicht so viele Gedanken mache«, sagt Stalteri.
»Ich denke, es wird in den nächsten Jahren den einen oder anderen jungen Spieler geben, der über 100 Länderspiele kommen wird«, vermutet der Kanadier. »Aber am Ende einer Karriere kann man durchaus stolz sein, für die Nationalmannschaft gespielt zu haben. Die Anzahl der Spiele ist da nicht das Wichtigste«.
Zuletzt weilte der Kapitän der kanadischen Nationalmannschaft in der vergangenen Woche im Trainingslager der Nationalmannschaft im türkischen Antalya. Beim 1:0 Testspielsieg am 29. März gegen Weißrussland kam der 33-Jährige im Gegensatz zu Ex-Borusse Rob Friend allerdings nicht zum Einsatz.
Nun ist Paul Stalteri wieder in Mönchengladbach und hält sich bei der U23 der Borussia in den täglichen Trainingseinheiten fit, wo er mit Eifer bei der Sache ist und einen durchaus spritzigen Eindruck hinterlässt.
Doch das ist dem ehrgeizigen Fußballprofi selbstredend nicht genug. »Ich weiß, dass ich fit genug bin, um noch zwei Jahre zu spielen«, will Stalteri seine Fußballschuhe nach Ablauf seines im Sommer auslaufenden Vertrags noch nicht an den Nagel hängen. »Nun müssen ein anderer Verein und ein anderer Trainer an mich glauben und mich verpflichten wollen«.
Dabei scheinen die Fähigkeiten des sympathischen Kanadiers bei anderen Vereinen nicht im Verborgenen zu bleiben. So scheinen einige Clubs den im Sommer ablösefreien Abwehrspieler auf dem Zettel zu haben.
»Für Paul gibt es aus der Major League Soccer (MLS) sehr konkrete Anfragen. Auch einige türkische Vereine, die ihn jetzt beobachtet und sich Videomaterial besorgt haben, zeigen konkretes Interesse. Dazu einige deutsche Zweitligisten«, verrät Berater Dr. Andreas Kirsch auf Nachfrage von unserer Redaktion. »Es gibt einige interessante Sachen, die da auf dem Weg sind, aber da ist noch nichts bei, wo man sagen kann, das ist spruchreif«.
So wird Stalteri also in den kommenden Wochen den Dingen harren, die da kommen werden. »Ich schaue, was die nächsten ein, zwei Monate bringen und welche Optionen ich habe. Am Ende muss man dann zu einer Entscheidung kommen«, sagt der Abwehrspieler und will in Ruhe die kommenden Angebote sondieren. »Ich lasse mir da aber noch ein bisschen Zeit. Es kommt auf die Optionen an, wo diese sind und ob sie Sinn machen«.
»Ich sehe die türkische Liga im Moment viel besser als noch vor fünf oder zehn Jahren. Es spielen dort einige kanadische Spieler die erzählen, dass es dort nicht schlecht ist«, sieht der 33-Jährige die SüperLig als keine schlechte Option und wäre somit einem Wechsel in die Türkei nicht gänzlich abgeneigt. »Wenn es eine Möglichkeit und Angebote gibt, dort zu spielen, dann muss man natürlich überlegen, ob das eine gute Sache ist«.
Eine Rückkehr nach Kanada, wo auch aus seiner Heimatstadt Toronto ein Angebot aus der MLS vorliegt, kommt für den erfahrenen Abwehrspieler zumindest derzeit nicht infrage. » Natürlich ist dort meine ganze Familie, das wäre die einfachste Option, aber soweit denke ich noch nicht. Ich möchte in Europa weiterspielen«, unterstreicht Stalteri. »Das ist mein Gedanke im Moment. Ich weiß nicht, wie das in nächster Zeit aussieht«.
Fakt ist jedoch, dass sich die Wege von Paul Stalteri und Borussia Mönchengladbach am Saisonende trennen werden. »Am Anfang war die Zeit natürlich gut, aber danach gab es Dinge, über die ich nicht mehr sprechen möchte«, zieht der Kanadier ein erstes kleines Fazit.
Im Oktober wird der deutsche Meister und DFB-Pokalsieger von 2004 34 Jahre. Ein für einen Fußballprofi fortgeschrittenes Alter, weshalb er sich auch schon Gedanken über die Zeit nach seiner aktiven Laufbahn macht. »Ich kann mir vorstellen, weiter im Fußball zu arbeiten. Ob das im Manager- oder im Trainerbereich ist, weiß ich noch nicht«, sagt Stalteri.
Doch das ist noch Zukunftsmusik, denn »erst möchte ich noch Fußball spielen«, unterstreicht der 33-Jährige. Und gerade auch sein Berater Dr. Kirsch ist überzeugt, dass dies ab Sommer der Fall sein wird. »Paul ist fit und möchte noch ein, zwei Jahre spielen. Ich bin mir sicher, dass er das noch ein, zwei Jahre in Europa machen wird«. Das ist dem Kanadier, der sich nie etwas zu Schulden hat kommen lassen, durchaus zu wünschen.






