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Igor de Camargo: »Wenn wir absteigen, müssen wir sprechen«

Verbleib des Stürmers bei Abstieg noch in der Schwebe

Jeden Mittwoch ist beim Mönchengladbacher Radiosender 90,1 Zeit für die Sendung ‚Borussia hautnah'. So auch gestern, als sich Igor de Camargo den Fragen von Moderatorin Petra Koch stellte. Der 27-jährige sprach unter anderem über die Chancen auf Klassenerhalt, über seine Zukunft und über das anstehende Derby gegen den 1. FC Köln. Wir haben das Interview in den Kernpunkten zusammengefasst.

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Igor de Camargo zu Gast bei Radio 90,1 - Foto: Marc Schöne, Fohlen-Hautnah.de

Petra Koch: Es ist jetzt fast einen Monat her, als du dich verletzt hast. Jetzt bist du wieder im Training. Wie geht es dir?

Igor de Camargo: In den letzten Tagen war es besser, aber heute wieder etwas weniger. Da habe ich mein Knie  noch mal etwas gespürt. Ich muss noch ein bisschen weiter mit den Physiotherapeuten arbeiten, um auf das Wochenende schauen zu können.

Petra Koch: Sonntag ist das Derby gegen Köln, da wärst du sicher gerne dabei. Glaubst du denn, dass es möglich ist, dass du am Sonntag schon spielen kannst?

Igor de Camargo: Ich kann jetzt viel sagen, aber es ist natürlich schwer. Nach vier Wochen bin ich wieder dabei, das ist sehr schön. Ich habe auch jetzt noch viel im Kraftraum gearbeitet und heute auch mit dem Ball, um das Gefühl zu bekommen. Es kann alles passieren. Ich hoffe dabei zu sein, aber ich muss noch ein bisschen warten.

Petra Koch: Wir hören, Igor de Camargo spricht richtig gut Deutsch. Igor, du bist ein Sprachtalent, du sprichst viele Sprachen ...

Igor de Camargo: Ich versuche mit den Sprachen mein Bestes zu machen, aber es ist natürlich nicht so einfach. Ich möchte mich da anpassen, wo ich gerade bin. Ich glaube, dass die Kommunikation in einer Mannschaft sehr wichtig ist, um mit den Leuten reden zu können. Das ist wichtig.

Petra Koch: Du sprichst Portugiesisch, Spanisch, Englisch, Französisch, Flämisch, Italienisch und Deutsch? Wenn du mal nicht mehr Fußball spielst, wirst du Dolmetscher?

Igor de Camargo: Nein.

Petra Koch: Aber noch bist du ja jung genug, dass du Fußball spielen könntest, wenn dein Körper es zulässt. Du hast jetzt einige Verletzungen gehabt ...

Igor de Camargo: Ja, in der letzten Zeit habe ich einige Verletzungen hinnehmen müssen. Jetzt auch schon das zweite Mal bei Borussia. Ich hoffe, dass jetzt mal alles durch ist.

Petra Koch: Das hoffen wir alle, denn wenn du spielst, dann triffst du meistens auch. Du bist immer noch  der beste Torschütze, obwohl du durch die Verletzung gar nicht so viele Spiele gemacht hast.  Sieben Tore hast du geschossen.Wie sehr ärgert dich das?

Igor de Camargo: Ich möchte natürlich immer dabei sein. Aber wir haben Spieler mit viel Qualität, die auch Tore schießen können. Im Moment ist es nicht so gut bei Borussia, aber die Qualität in der Mannschaft haben wir. Natürlich müssen wir immer ein Tor mehr als der Gegner haben. Das ist in letzter Zeit ein bisschen schwer.

Petra Koch: Das klappt in letzter Zeit auch nicht immer. Wenn du die Situation siehst. Es sind fünf Punkte bis auf diesen Relegationsplatz, der zumindest noch Hoffnung auf die Bundesliga machen würde. Wie siehst du die Situation im Moment?

Igor de Camargo: Ich glaube immer noch fest zu 100 Prozent daran, dass Borussia es schaffen kann, in der ersten Bundesliga zu bleiben. Natürlich wird es sehr schwer, wir haben viele Punkte hergegeben. Jetzt müssen wir probieren mit dem Druck zu spielen, was sicherlich nicht einfach ist. Aber ich glaube noch zu 100 Prozent an Borussia.

Petra Koch: Ihr sagt zumindest, dass ihr alle noch daran glaubt. Der Trainer und auch Martin Stranzl sagt: 12 Punkte aus sechs Spielen holen. Was macht euch optimistisch, dass das klappt?

Igor de Camargo: Borussia hat es sehr, schwer mal zwei oder drei Spiele hintereinander zu gewinnen. Das ist ein Problem. Es ist natürlich nicht gut, wenn du ein Spiel gewinnst, dann wieder verlierst und im nächsten nur einen Punkt holst. Das ist natürlich für das Selbstvertrauen und auch für die Fans, die ihre Mannschaft immer mit einem Sieg vom Platz gehen sehen wollen, nicht gut. Wir müssen probieren, zwei bis drei Spiele hintereinander gewinnen, um es noch zu schaffen.

Petra Koch: Ihr müsst den Kampf annehmen und müsst jetzt punkten. Ihr habt ein ordentliches Spiel gegen vielleicht nicht so gute Bayern gemacht. Trotzdem hat es dann nicht für einen Sieg gereicht. Davor das Spiel gegen Kaiserslautern war nicht gut. Was sehen wir denn jetzt am Sonntag gegen Köln?

Igor de Camargo: Am Sonntag ist es natürlich ein spezielles Spiel für Borussia - das Derby. Da brauchen wir nicht über Motivation sprechen, die ist in einem großen Spiel immer da. Gegen Bayern haben wir eine Chance zu punkten weggegeben, es war nicht der beste Tag für Bayern. Wir hatten zu viele Ballverluste und auch das Zusammenspiel war gegen Bayern nicht gut. Am Sonntag müssen drei Punkte her, aber ein Endspiel ist dieses Spiel noch nicht. Danach sind noch fünf Spiele. Aber daran dürfen wir nicht denken. Wir müssen jetzt mit drei Punkten beginnen. Danach denken wir an die nächsten Spiele. Da müssen wir alles machen, um die drei Punkte zu holen.

Petra Koch: Ist es etwas ganz anderes, wenn man Papa wird?

Igor de Camargo: Es ist viel Arbeit, aber es macht auch sehr viel Spaß und es ist sehr interessant mit ihm. Wenn ich nicht gut drauf bin, dann schaue ich meinen Sohn Enzo an und es geht mir besser. Ich kann alles das als Papa, was die Mama auch kann, dazu gehört auch das Windeln wechseln.

Petra Koch: 1. Was kannst du überhaupt nicht leiden? 2. Was magst  du besonders? 3. Drei Dinge, die du auf eine Insel mitnehmen würdest?

Igor de Camargo: Zu 1: Im Winter zu spielen. Zu 2: Zuhause Filme schauen. Ich schaue gerne Abenteuerfilme und Drama. Zu 3: Einen Fußball, meinen Sohn und meine Frau.

Petra Koch: Igor, du bist Brasilianer, ein bisschen Belgier und ein bisschen Deutsch im Moment. Wie viel Brasilianer bist du noch?

Igor de Camargo: Viel. Meine Familie macht alles, wie beispielsweise das Essen, was normal ist in Brasilien. Aber natürlich habe ich auch zehn Jahre in Belgien gewohnt und das ist mein zweites Heimatland. Ich spiele für die Nationalmannschaft und habe immer ein sehr gutes Gefühl, wenn ich dort bin. Man kann sagen halb und halb. Zuerst bin ich aber Brasilianer. Auf dem Platz möchte ich immer Spaß haben wie ein Brasilianer, aber mit viel Disziplin wie die Belgier und die Deutschen.

Petra Koch: Als du von Belgien nach Deutschland in die Bundesliga kamst, hast du da von der Umstellung Probleme gehabt?

Igor de Camargo: Doch. In Deutschland herrscht eine andere Mentalität, es ist eine andere Sprache und ein anderes Gefühl. Die Belgier sind ein bisschen mehr offener. Aber natürlich muss man sich anpassen, die Leute und die Kultur von Deutschland kennenlernen. So was geht natürlich nicht in einem Monat.

Petra Koch: Deine Familie lebt in Brasilien, du wohnst mit deiner Frau und deinem Sohn in Deutschland. Wie oft bist du in Brasilien?

Igor de Camargo: Ich versuche es zweimal im Jahr nach Brasilien zu fliegen, da ich dann dort auch immer viel zu erledigen habe.

Petra Koch: Als du im letzten Jahr nach Mönchengladbach kamst, war Dante ja schon hier. Ich habe von damals noch ein Interview gelesen in dem du gesagt hast: Mensch die sind Zwölfter geworden in der letzten Saison. Die sind eigentlich viel besser, die können eigentlich viel mehr die Mannschaft ist eigentlich richtig gut. Was ist passiert?

Igor de Camargo: Es ist sehr schwer das zu sagen. Eine Saison ist nicht leichter als eine andere und auch ein Spiel ist nicht leichter als das andere. Jedes Spiel hat seine Wahrheit und wir müssen analysieren, was passiert ist. Diese Saison ist nicht gut. Es hat mich schon ein bisschen überrascht, dass es so schlecht läuft.

Petra Koch: Es sind noch 18 Punkte zu vergeben, klar es ist alles noch machbar, aber es ist auch schwierig. Es gibt nicht viele Menschen die daran noch glauben. Was passiert mit Igor de Camargo und wo spielt er dann, wenn ihr absteigt?

Igor de Camargo: Bis jetzt habe ich einen Vertrag mit Borussia. Wenn wir absteigen, müssen wir natürlich sprechen, was danach passiert. Jetzt habe ich meine Gedanken aber nur bei Borussia. Danach denke ich, was in der nächsten Saison kommt. Ich muss mich jetzt nur auf Borussia konzentrieren, um in der ersten Liga zu bleiben.

Petra Koch:  Würde es für dich generell infrage kommen, in der zweiten Liga zu spielen?

Igor de Camargo: Wir müssen noch überlegen.

Petra Koch: Schauen wir mal auf das Derby gegen Köln. In der Hinrunde war es eins der wenigen Spiele, wo alles gepasst hat. 4:0-Sieg, du hast ein Tor geschossen. Was hast du noch für Erinnerungen an dieses Spiel?

Igor de Camargo: Ich habe noch eine sehr gute Erinnerung an dieses Spiel. Es war schön, das Derby in Köln zu gewinnen. Das war sehr gut. Dann auch noch mit einem Tor von mir, dass ist natürlich wunderbar.

Petra Koch: Da haben auch alle gehofft, dass das der Moment ist, wo alles besser wird. Gibt es in Belgien ein vergleichbares Derby?

Igor de Camargo: Ja doch. Standard Lüttich gegen Anderlecht. Es war richtig schön diese Spiele zu spielen. Die Fans von Standard sind sowieso immer richtig gut, aber gegen Anderlecht ist es schon immer etwas sehr Spezielles.

Petra Koch: Das wird hier auch am Sonntag so sein, auch wenn die Bedingungen für Borussia schlechter sind als für die Kölner. Die Kölner waren eine ganze Zeit lang ganz unten drin und haben das gemacht, was die Borussia gerne gemacht hätte, nämlich einfach mal ein paar Spiele hintereinander gewonnen. Trotzdem haben sie auswärts Probleme. Was wird das für ein Spiel?

Igor de Camargo: Ein Derby ist immer ein sehr schweres und sehr brisantes Spiel. Auch gegen Köln wird es natürlich für uns nicht so einfach sein. Wir müssen jedes Spiel jetzt als Finale annehmen. Köln hat in den letzten Spielen fast immer in der letzten Sekunde getroffen, aber ich hoffe, dass es gegen uns nicht so sein wird und das wir die drei Punkte zuhause behalten.

Petra Koch: Novakovic und Podolski - sind das die Spieler die man ausschalten, oder gibt es auch noch ein paar andere, auf die man aufpassen muss?

Igor de Camargo: Ja. Podolski und Novakovic sind natürlich gefährlich in den Spielen, aber ich glaube, wir müssen als Einheit auftreten, 90 Minuten sehr gut organisiert und konzentriert sein, um den Sieg zu holen.

Petra Koch: Ich drücke euch die Daumen. Ihr sagt es ist kein Endspiel, ich denke, es ist eins. Wenn das nicht gewonnen wird, sehe ich endgültig schwarz. Ich glaube ihr müsst es gewinnen und hoffe ihr werdet es gewinnen. Dein optimistischer Tip?

Igor de Camargo: Sieg.

Petra Koch: Hoffentlich mit einem Tor von Igor de Camargo, dass würde dann bedeuten das du fit bist. Vielen Dank das du hier warst.

Igor de Camargo: Vielen Dank.


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