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»Konnten gut dagegen halten«

Gladbacher Borussen sind nach Sieg gegen BVB wieder am Drücker

Wenn der Tabellenletzte Borussia Mönchengladbach den souveränen Tabellenführer und wohl kommenden deutschen Meister Borussia Dortmund empfängt, sind die Rollen zumindest vom Papier her klar verteilt: Eine Niederlage war für den VfL nahezu vorprogrammiert. Doch weit gefehlt. Die Gladbacher Borussia rang den BVB mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung nieder, hat damit die „Rote Laterne" in der Bundesliga abgegeben und spricht zumindest im Kampf um den Relegationsplatz weiter ein gehöriges Wörtchen mit.

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Roman Neustädter hielt den BVB mit seinen Mannschaftskollegen in Schach. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de

Es war auf Seiten des Tabellenführers aus Dortmund eigentlich fast alles angerichtet. Wenngleich der BVB aufgrund des erwarteten Leverkusener Siegs gegen Hoffenheim im Borussia-Park zwar nicht vorzeitig die Meisterschaft feiern konnte, so hätte man in Gladbach dennoch einen großen Schritt in Richtung Schale machen können.

Doch am Ende musste der BVB, der mit einer gigantischen Fanmasse und voller Vorfreude an den Niederrhein gereist war, den Sekt vorerst wieder kalt stellen, denn der VfL hatte dem Tabellenführer gehörig in die Suppe gespuckt. Und das mit einer geschlossenen Mannschafts- und starken Abwehrleistung.

»Herzlichen Glückwunsch an Lucien Favre und Borussia Mönchengladbach zum durchaus auch verdienten Sieg«, begann Jürgen Klopp seine Analyse zum Spiel und hatte auch gleich die Gründe parat: »Gladbach hat es in der ersten Halbzeit verstanden, uns das Leben doch relativ schwer zu machen. Sie haben massiv gestanden und diszipliniert und leidenschaftlich verteidigt«, honorierte der BVB-Coach die gute und disziplinierte Leistung des VfL.

Womit der wohl zukünftige Meistertrainer in der Tat Recht hatte, denn wenngleich seine Mannschaft von Beginn an das Heft in die Hand nahm und bereits nach wenigen Sekunden die erste Duftmarke setzte, so spielte der VfL aus einer kompakten Defensive heraus durchaus mit und fuhr dabei auch den einen und anderen Angriff auf die BVB-Wand in der Südkurve. »Wir wollten ein paar Nadelstiche und Konter setzen und ich denke, dass wir das phasenweise ganz gut gemacht haben«, befand Marco Reus.

In der Tat machten es die Gladbacher Borussen bei Ballbesitz recht ordentlich und versuchten, das Mittelfeld mit schnellen Ballstafetten zu überbrücken, was das ein und andere Mal durchaus gelang. »Gladbach hat nicht nur auf Konter gelauert, sondern bei eigenem Ballbesitz richtig gut Fußball und nicht im Ansatz so gespielt, wie eine Mannschaft, die ganz unten in der Tabelle steht«, lobte Jürgen Klopp.

Während sich der VfL bei den Bemühungen offensiv jedoch nicht zwingend in Szene setzten konnte, so galt gleiches auch für den BVB, der sich an den leidenschaftlich verteidigenden Fohlen die Zähne ausbiss. Gerade im Mittelfeld stand die Truppe von Lucien Favre kompakt und bot den Gästen wenig Raum. »Wir haben in der ersten Halbzeit sehr gut verteidigt und ziemlich gut gespielt«, befand der VfL-Coach. »Aber gegen eine solche Mannschaft musst du auch sehr gut verteidigen, das ist klar«.

Eine knappe halbe Stunde gelang dies seiner Mannschaft auch mit viel Leidenschaft und Intelligenz, doch dann hätte sich beinah der Tabellenführer auf Kurs gebracht. Lewandowski überlupfte Marc-André ter Stegen am linken Strafraumeck, doch Tony Jantschke rette und kratzte das Leder von der Linie.

Glück für die Borussen, die somit weiter im Spiel waren. »Wenn Dortmund führt, ist es extrem schwer«, weiß Lucien Favre. Wenige Minuten später nutzten die Gladbacher Borussen einen Konter und brachten sich zwar etwas überraschend, doch nicht unverdient mit 1:0 in Front. Mo Idrissou setzte sich auf der linken Seite im Laufduell gegen Subotić durch und überlistete Roman Weidenfeller im Strafraum mit einem Schuss ins kurze Eck.

»Es war wichtig zu führen«, sagte Favre nach der Partie und hatte damit durchaus Recht. Denn mit der Führung im Rücken gewann seine Mannschaft mehr an Selbstvertrauen und hielt gegen den nun wieder zulegenden BVB mit Einsatz und Kampfgeist dagegen. Das gelang den Fohlen auch aufgrund einer Parade von ter Stegen, der kurz vor dem Pausenpfiff mit einer starken Rettungstat gegen Lewandowski parierte.

Nach dem Seitenwechsel wendete sich das Blatt zunehmend, denn der deutsche Meister in Lauerstellung bestimmte nun deutlich das Spielgeschehen und erhöhte die Schlagzahl. »Wir wussten, dass Dortmund in der zweiten Halbzeit viel Druck machen wird«, sagte Filip Daems. »Da haben sie das Spiel bestimmt«.

Der BVB drängte auf den Ausgleich, konnte sich im Gladbacher Strafraum dennoch zunächst nicht zwingend in Szene setzten. Und das gerade auch deshalb, weil der VfL die Gäste in Schach hielt. »Da konnten wir gut dagegen halten«, befand Roman Neustädter und hatte damit durchaus Recht.

Weiterhin bestimmte die Truppe von Jürgen Klopp das Geschehen und hatte auch die ein oder andere vielversprechende Gelegenheit, doch die Fohlen wehrten sich mit vereinten Kräften. »Da mussten wir sehr viel arbeiten und sehr viel laufen«, sagte Martin Stranzl und ergänzte: »Wir haben ein paar Situationen zugelassen, aber da hatten wir auch einen starken Torwart, der uns dann den ein oder anderen Ball rausgeholt hat«. »In der zweiten Halbzeit hätten wir sicherlich ein oder zwei Tore verdient gehabt, aber es waren der Pfosten und ter Stegen im Weg«, so der BVB-Coach.

Der Weg ist bekanntlich das Ziel und an diesem Ostersamstag führte der Weg zum Sieg vor allem über eine geschlossene Mannschaftsleistung im Verbund mit Leidenschaft, Intelligenz, Disziplin und Kampfeskraft.

Dazu ein stabiler Abwehrverbund, der in der Innenverteidigung mit Roel Brouwers neu besetzt werden musste. Doch der Niederländer, der erstmals seit dem Derbysieg am 16.Spieltag wieder von Beginn an auf dem Platz stand, ließ in Zusammenarbeit mit Martin Stranzl nichts anbrennen.

»Es war sehr schön heute mal wieder zu spielen, vor allem vor ausgeverkauftem Haus gegen einen solchen Gegner. Das man dann auch noch gewinnt, da denke ich mal, war es ein super Tag«, strahlte Roel Brouwers und ergänzte: »Mit Martin trainiere ich schon seit fast einem halben Jahr zusammen, daher wissen wir, wie wir dem anderen helfen können. Ich denke, dass wir wenige Chancen zugelassen haben«.

»Er war wie die gesamte Mannschaft solide«, lobte Favre den 29-Jährigen, der für Dante verteidigte. Verteidigen musste die Gladbacher Borussia vor allen Dingen in der Schlussphase, wo sie gehörig unter Druck stand. Doch diesem hielt der VfL stand und kämpfte aufopferungsvoll. »Wir haben heute gezeigt, dass wir gut mit Druck umgehen können«, stellte Filip Daems fest.

So durfte sich Gladbach am Ostersamstag darüber freuen, mit dem vierten Saisonheimsieg wieder dran zu sein. Der Relegationsplatz ist wieder in Sichtweite. Und das auch, sollte Wolfsburg sein Heimspiel gewinnen. »Wir sind wieder im Rennen«, stellte Roman Neustädter fest.

Das ist tatsächlich so, aber erreicht ist dennoch nichts, denn nach wie vor rangiert der VfL auf einem Abstiegsplatz, wenngleich die „Rote Laterne" erstmals seit langer Zeit abgegeben werden konnte. »Es war heute ein schöner Sieg, aber erreicht haben wir noch nichts«, weiß auch Filip Daems und funkt damit selbstredend auf einer Frequenz mit seinem Trainer. »Der Sieg ist gut und wichtig. Die Hoffnung ist da, aber wir müssen weiter punkten. Sonst bringt es nichts«, unterstreichte Lucien Favre.

In der Tat, denn nun gilt es, den Sieg in Hannover zu vergolden und erstmalig in dieser Saison zwei Siege in Folge einzufahren. Demzufolge gilt es, den Sieg zwar auch zu genießen, sich jedoch bereits auf den kommenden Gegner Hannover 96 zu fokussieren, der mit 34 Punkten die drittbeste Heimmannschaft ist.

Gehen die Fohlen gegen 96 so engagiert und diszipliniert zu Werke, dann ist auch in der AWD-Arena ein Dreier möglich, was die Chance auf den Klassenerhalt weiter erhöhen könnte. »Wir brauchen mindestens noch sechs Punkte, um den Relegationsplatz zu erreichen, rechnete Favre vor. »Ob es dann tatsächlich reicht, weiß ich nicht«.

Ob es dann reicht, ist auch von der Konkurrenz abhängig, was jedoch alles nichts hilft, wenn nicht die eigenen Hausaufgaben gemacht werden.»Wir haben immer gesagt, dass wir einen langen Atem brauchen«, sagte Max Eberl. Fakt ist jedenfalls, dass der VfL weiter atmet und sich mit dem Sieg gegen den BVB weiter am Leben hält.

Jetzt gilt es, die Taktfrequenz des Herzens höher schlagen zu lassen und in Hannover nachzulegen, denn sonst sind die drei Bigpoints im Kampf um den Klassenerhalt unter dem Strich wenig wert. So ist die Marschroute und das Auftreten in Niedersachsen bei 'den Roten' auch für Marco Reus klar: »Da müssen wir da weitermachen, wo wir gegen Dortmund aufgehört haben«.

»Wir werden uns jetzt ausruhen und regenerieren und dann mit einem guten Gefühl nach Hannover fahren«, blickte Roman Neustädter nach vorne. Möge sich das gute Gefühl bestätigen und in ein Erfolgserlebnis ummünzen ...


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