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Martin Stranzl: »Wer den stärksten Willen hat bleibt drin«

Der Österreicher bleibt dem VfL auch in Liga zwei erhalten

Jeden Mittwoch ist beim Mönchengladbacher Radiosender 90,1 Zeit für die Sendung ‚Borussia hautnah'. So auch gestern, als sich zum zweiten Mal in dieser Rückrunde "Abwehrchef" Martin Stranzl den Fragen von Moderatorin Petra Koch stellte. Der 30-Jährige sprach unter anderem über seine Zukunftsplanung bei der Borussia, die letzten drei Spiele bis zum Klassenerhalt, seine jüngeren Mitspieler sowie über das kommende Auswärtsspiel bei Hannover 96. Wir haben das Interview in den Kernpunkten zusammengefasst.

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Martin Stranzl zu Gast bei Radion 90,1 - Foto: Marc Schöne, Fohlen-Hautnah.de

Petra Koch: Der Abwehrchef Martin Stranzl zu Gast. Abwehrchef habe ich gesagt. Das hörst du nicht so gerne, oder?

Martin Stranzl: Ich höre es sehr oft in letzter Zeit. Ich finde, wir teilen die Aufgaben hinten sehr gut auf. Chef ist für mich nicht so ein schönes Wort, deswegen höre ich es eigentlich nicht gerne.

Petra Koch: Aber auf jeden Fall bist du maßgeblich daran beteiligt, dass in der Mannschaft alles stabil bleibt. Du hast schon alle Hände voll zu tun, gerade auch im letzten Spiel gegen wild anrennende Dortmunder ...

Martin Stranzl: Ja, man hat schon viel zu tun, aber das macht ja auch Spaß und den Reiz der Aufgabe aus. Das Wichtige ist, dass du Nebenleute hast, die zuhören und die du dirigieren kannst und die das dann auch umsetzen. Alleine gewinnst du solche Spiele so oder so nicht. Wir sind eine Mannschaft und da muss jedes Rad ineinander greifen, da muss alles funktionieren und jeder muss seinen Teil dazu beitragen.

Ich versuche meinen Teil dazu beizutragen, indem ich viel mit den Spielern spreche und versuche durch meine aggressive spielweise, Ausstrahlung in das Spiel zu bringen. Das funktioniert ganz gut und jetzt hoffen wir, dass wir das auch in den letzten drei Spiel so hinbekommen.

Petra Koch: Die etwas jüngeren haben mir gesagt, wenn der Stranzl spricht, dann hören wir zu ...

Martin Stranzl: Ja das ist natürlich positiv und das hört man auch gerne, weil man dahin ja auch sehr viel Energie investiert und hofft, dass das bei den Spielern ankommt. Wenn das so ist, dann freut einen dass natürlich umso mehr. Ich habe ja von Anfang an gesagt, dass ich glaube, dass wir in der Mannschaft die richtigen Charaktäre haben. Da ist jetzt kein Stinkstiefel dabei. Die hören zu und versuchen das dann umzusetzen und das ist natürlich sehr positiv, wenn die Energie die man einsetzt nicht verpufft.

Petra Koch: Wir haben vor kurzem mal gesprochen und da sagtest du, die Standards werden besser, die Stabilität wird mehr. Gegen Dortmund habt ihr viel richtig gemacht, oder?

Martin Stranzl: Ja, gegen Dortmund haben wir viel richtig gemacht, aber ich sage auch, die Spiele davor haben wir auch eigentlich viel richtig gemacht. Die Ergebnisse waren immer eng, aber am Ende hat immer etwas gefehlt. Gegen Dortmund war es dann auch mal so, dass du 1:0 in Führung gegangen bist. In der ersten Halbzeit haben wir phasenweise richtig gut gespielt, auch wenn wir nicht die richtig guten Möglichkeiten gehabt haben, aber wir haben versucht, den Ball laufen zu lassen.

Das hat den Dortmundern natürlich nicht so gefallen. Das ist es eigentlich wo wir hin müssen. Das müssen wir uns weiterhin zutrauen. Aber ich sage mal so, wenn du den Ball hast, hat der Gegner keine Möglichkeit ein Tor zu schießen, sondern du hast die Möglichkeit und ich glaube, für keinen Fußballspieler ist es schön, wenn er dauernd hinterher laufen musst.

Petra Koch: Sind sie dir phasenweise wieder etwas zu weit zurückgefallen?

Martin Stranzl: Ja, absolut. In der zweiten Halbzeit war es ja auch so, dass wir viel zu tief waren. Das geht nicht. Erstens ist dann der Weg nach vorne viel zu weit, dass ist für unsere Offensivspieler ja auch nicht angenehm, wenn du dann teilweise 60 oder 70 Meter nach vorne laufen musst. Wenn du dann zu weit hinten bist oder wenn die Mittelfeldspieler dann nicht mehr so nach vorne schieben können, dann sind die Wege einfach zu weit und du gerätst immer mehr unter Druck und kannst für keine Entlastung mehr sorgen.

Solche Geschichten müssen wir uns zutrauen, da darf man nicht in Angst verfallen und denken, wenn alle hinter dem Ball sind, dann wird schon nichts passieren. Du musst den, der den Ball hat stören. Es waren zu viele Situationen, wo die frei den Ball haben laufen lassen können. Das ist das Schwierige und müssen wir natürlich auch im nächsten Spiel wieder besser machen.

Petra Koch: Seit November war Borussia Letzter. Jetzt ist das nicht mehr so. Hat das eine Wirkung für den Kopf?

Martin Stranzl: Das ist eine sehr gute Frage. Ehrlich gesagt habe ich da jetzt nicht so drauf geachtet. Im Endeffekt hast du ja noch nicht so viel erreicht. Unser Ziel ist, dass wir nicht absteigen, dass wir drin bleiben und die Liga halten und da gehört halt noch viel mehr dazu. Es ist zwar eine schöne Momentaufnahme, die rote Laterne weg zu haben, aber erreicht haben wir unser Ziel noch nicht. Ich freue mich dann, wenn wir nicht auf einem Abstiegsplatz oder dem Relegationsplatz sind. Wir haben noch harte Arbeit vor uns und darauf will ich mich mehr konzentrieren.

Petra Koch: Max Eberl hat nach dem Spiel gegen Dortmund gesagt, dass du bleibst. Seit ihr euch schon einig, egal ob wir absteigen oder nicht?

Martin Stranzl: Ja. Ich habe ein super Gespräch mit Max Eberl gehabt. Wir haben uns zusammengesetzt und ganz normal über die Zukunft gesprochen. Er hat mich gefragt wie es ausschaut, wenn wir runter gehen müssen. Ich habe gesagt, dass wir nach wie vor nicht davon ausgehen, dass wir runter gehen, aber er sagte, ja man muss halt planen. Ich habe dann gesagt, dass ich mich hier wohl fühle und dass es mir hier richtig Spaß macht.

Auch wenn wir runter gehen, dann gehe ich davon aus, dass wir eine Mannschaft haben, die dann auch schlagkräftig genug ist, um sofort wieder aufzusteigen, auch wenn es dann sehr schwer wird, dass ist klar. Aber ich habe gesagt, dass ich mich freuen würde, wenn ich bleiben kann und von daher war das Gespräch dann relativ schnell vom Tisch.

Ich habe ja auch einen Vertrag, der auch für die zweite Liga zählt, natürlich mit der Option, aber das kann man ja dann schnell bereinigen und schnell vergessen. Dann haben wir uns die Hand gegeben und das war es dann.

Petra Koch: Also Martin Stranzl bleibt Borusse, egal was passiert. Das ist schön und wichtig. Bist du als 30-Jähriger und ter Stegen als stabiler 18-jähriger so ein bisschen die Hoffnungsträger?

Martin Stranzl: Naja, als Hoffnungsträger würde ich das nicht bezeichnen. Man hört natürlich gerne, wenn eine Leistung honoriert wird, genau so ist es bei Marc. Es fehlt halt nach wie vor das kleine Stück zum rettenden Ufer, dafür werden wir alles dafür tun. Marc hat in den letzten Spielen eine super Leistung gebracht, darüber brauchen wir gar nicht zu diskutieren.

Dass ist für sein Alter unglaublich, auch die Ruhe, die er ausstrahlt. Man darf aber auch nicht vergessen, das Heimi in Nürnberg den Elfmeter hält und wir dadurch 1:0 gewonnen haben, in Bremen hat Logan eine super Partie geliefert. Jeder trägt dazu bei, jeder muss seine Leistung abrufen.

Bei uns geht es halt nur um die Mannschaft, natürlich nimmt jeder gerne die Komplimente an, dass ist klar, wer hört die nicht gerne. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass es nächste Woche schon wieder ganz anders ausschauen kann, daher muss man konzentriert bleiben, seine Leistung abrufen und diese bestätigen.

Das wird bei Marc genauso sein. Das erste Jahr in der Bundesliga ist immer das Einfachste, dass zweite wird dann in der Karriere das schwierigste überhaupt sein, weil jeder genau hinschaut. Jede Kleinigkeit wird dann bemängelt und das ist halt die schwierige Situation im Fußball. Dann zeigt es sich, wie stabil man ist und ob man den nächsten Schritt nach vorne machen kann.

Petra Koch: Martin Stranzl hat gesagt er bleibt, aber wer dich hat spielen sehen in den letzten Wochen, da könnte ich mir schon vorstellen, dass da auch andere noch Interesse haben. Kannst du dir vorstellen, dass auch vielleicht andere sagen, der Martin bleibt, dann bleibe ich vielleicht auch?

Martin Stranzl: Das kann sein. Als Spieler wünscht man sich auch, dass der ein oder andere da auch mitzieht. Wichtig ist es, dass man dann auch wirklich eine gute Truppe zusammenhat um möglichst sofort wieder aufzusteigen. Ich habe es ja auch schon mehrfach betont, vom Verein oder den Fans her gehören wir einfach in die erste Bundesliga. Das Stadion, vom Drumherum und alles was gemacht wird.

Das ist eigentlich alles fantastisch. Ich habe auch den jungen Spielern schon gesagt, dass sie es eigentlich gar nicht richtig zu schätzen wissen, was sie hier eigentlich für eine Struktur und für ein Umfeld haben. Als ich als junger Spieler in die Bundesliga gekommen bin, da war dass alles noch nicht so.

Deswegen sollte man es richtig zu schätzen wissen und ich glaube auch, dass es auch wichtig ist, dass jeder einzelne Eigenverantwortung übernimmt, weil jeder einzelne hat im Endeffekt auch dazu beigetragen, wie es sportlich zur Zeit ist. Wenn es dann wirklich so weit sein sollte, dass wir wirklich runter müssen, dann müsse auch jeder Eigenveratwortung übernehmen und jeder einzelne hatt ja auch dazu beitragen, dass es wieder in die andere Richtung geht.

Petra Koch: Da kommen ja dann vielleicht auch schon mal Berater hinzu, die da vielleicht anderer Meinung sind. Was würdest du beispielsweise einem Marco Reus raten, der nach meinem Eindruck sich hier richtig wohl fühlt und gerne hier ist, dem man aber dann vielleicht ins Ohr setzt, zweite Liga muss nicht sein?

Martin Stranzl: Mein Berater, den ich schon sehr lange kenne, ist auch mein Freund. Natürlich haben auch andere Berater angerufen und gesagt, dass und das habe ich für dich. Ich habe mir immer alles angehört, aber im Endeffekt habe ich immer alles selber entschieden, auch mit meiner Familie zusammen. Ich glaube das ist auch das Wichtigste. Man darf sich da nicht verrückt machen lassen, sondern man muss wirklich auf seine eigene, innere Stimme hören.

Man muss sich das in aller Ruhe anhören und Vor- und Nachteile abwägen. Aber im Endeffekt sollte man das tun, was für einen das Richtige ist, womit ich mich mit der Entscheidung identifizieren und wohlfühlen kann und wo ich dann nicht nach einen halben Jahr sage, hätte ich doch mal besser ...

Wenn ich nicht mit vollem Herzblut dabei bin, dann kann ich auch nicht die 100 Prozent abrufen. Wenn ich mich aber damit identifiziere, dann bin ich immer topfit und vom Kopf her soweit. Dann fällt Fußballspielen auch leichter. Man darf auch nicht vergessen, dass Psychologie mittlerweile auch eine sehr große Rolle spielt und wenn ich mich wohl mit meiner Entscheidung fühle, spielt man auch besser Fußball.

Petra Koch: Diese eigene Meinung zu finden ist wahrscheinlich auch ein Reifeprozess, oder?

Martin Stranzl: Ja das auf alle Fälle. Aber ich schätze die Jugend von heute wird auch schon teils so erzogen, dass sie auch schon in jungen Jahren, sehr viel Eigenverantwortung übernehmen muss. Und die, die jetzt bei uns sind und die ich kennenlernen durfte, die machen mir eigentlich einen guten Eindruck. Auch wenn meiner Meinung nach ab und zu zu viel geflachst wird, wo dann teilweise nicht die Ernsthaftigkeit dabei ist, aber die sind ja noch jung und das ist auch ein Reifeprozess.

Ich sage auch, jeder muss Fehler machen um sich weiterzuentwickeln. Dass gehört dazu und das ist im Fußball sowie auch im privaten Bereich so. Wenn du keine Fehler machst, dann wirst du nie reifen und dich entwickeln und deswegen, wenn man eine Entscheidung trifft und es dann die falsche war, dann muss dass für die weitere Entwicklung nicht unbedingt stören, sondern kann natürlich auch förderlich sein.

Petra Koch: Wenn zu viel geflachst wird ...

Martin Stranzl: ...dann sagt man auch schon mal was. Wenn du so viele Junge drin hast, dann wirst du teilweise auch schon mal schief angeguckt und bist dann schon mal etwas in der Unterzahl. Aber es ist jetzt alles anders wie früher. Wenn du 18 Jahre alt warst hast du gar nichts gesagt, bist raus gegangen und hast deinen Job gemacht, wenn ein älterer was gesagt hat, dann warst du ruhig. Jetzt ist das alles ein bisschen anders.

Petra Koch: Matin, wir haben es gerade in den nachrichten gehört. Stefan Effenberg möchte Sportdirektor werden. Wie geht man mit solchen Schlagzeilen um?

Martin Stranzl: Natürlich bekommt man so was mit. Aber das darf dich auf dem Platz Im endeffekt nicht beeinflussen. Das sind Sachen vom Verein und das muss dieser auch regeln. Wie oder was der Hintergrund ist, dass weißt du ja sowieso nie. Ich kann nur von meiner Seite sagen, dass ich super Gespräche hatte, als ich hier her gewechselt bin mit Max Eberl und auch aus diesem Grunde hergekommen bin.

Auch mit Schippers hat alles super geklappt. Die Hintergründe kennen ja auch die Spieler nicht, deswegen darf uns das auch nicht beeinflussen, sondern wir müssen unseren Job auf dem Platz machen. Alles andere muss der Verein machen.

Petra Koch: Glaubst du denn, dass das Unruhe bringen könnte?

Martin Stranzl: Jetzt in der Mannschaft kann ich mir das eigentlich nicht vorstellen, dass das Unruhe bringen könnte. Natürlich wird das in den Verein Unruhe reinbringen, wenn man das so mitbekommt. Dann ist klar, dass da eine Unruhe entsteht. In der Mannschaft glaube ich aber nicht, dass das leistungsbeeinflussend sein wird.

Petra Koch: Gott sei Dank, denn ihr habt ja noch drei schwere Spiel vor der Brust, die ihr nicht alle drei gewinnen müsst, aber es wäre schon ganz gut, oder?

Martin Stranzl: Ich glaube schon, dass wir alles drei Spiele gewinnen müssen. Es ist natürlich sehr schwer, Hannover ist eine gute Mannschaft, wie schon öfters beton,t aber uns muss egal sein wer da kommt, weil wir die Spiele gewinnen müssen. Wir haben es in der Rückrunde noch nicht geschafft, zwei Spiele hintereinander zu gewinnen. Ich hoffe, dass wir jetzt mal nachlegen können und einen Sieg einfahren in Hannover.

Das ist jetzt unsere Aufgabe und es muss einfach in unseren Kopf rein, dass du zuhause den wahrscheinlichen Meister geschlagen hast und teilweise auch guten Fußball gespielt hast, dass musst du mitnehmen, dass muss im Kopf drin sein, dass du das dann auch gegen einen Gegner wie Hannover spielen kannst. Nicht einen Schritt zurück machen, sondern im Gegenteil. Noch einen Schritt drauf packen und dann hast du da sicherlich auch die Möglichkeit.

Petra Koch: Wir reden jetzt hier über Hannover. Da hätte ich nach der letzten Saison nicht gedacht, dass die so weit oben mitspielen. Was ist denn da so gut gelaufen?

Martin Stranzl: Die werden einen super Job gemacht haben. Wir haben ein Spiel gesehen. Die Mannschaft schaltet nach Ballgewinn sehr schnell um, hat vorne sehr schnelle Leute drin und das strahlt natürlich große Gefahr aus. Da müssen wir natürlich drauf aufpassen und daran arbeiten wir auch im Training dran, dass uns da nicht die Fehler unterlaufen, was uns auch gegen Dortmund mit den einfachen Ballverlusten unterlaufen ist.

So was bricht dir schnell das Genick, dann kriegst du wieder einen und dann läufst du wieder hinterher. Dieses Jahr ist es natürlich so, dass andere Mannschaften große Ausrufezeichen gesetzt haben, unter anderen eben auch Mainz und Hannover, oder eben auch in der Rückrunde Nürnberg. Fußball ist einfach so und ich glaube, dass ist auch das Schöne.

Petra Koch: Mirko Slomka hat gesagt, dass Hannover eine der Mannschaften ist, die am schwersten zu verteidigen ist. Ist das so, oder redet er die Mannschaft stark?

Martin Stranzl: Ja natürlich will er seine Mannschaft stark reden. Ich glaube jeder Trainer muss das machen. Aber man ist immer nur so stark, wie man es selber zulässt. Ich bin immer ein Fan davon, dem Gegner unser eigenes Spiel aufzudrücken. Auch wenn es schwer ist. Wenn die Laufbereitschaft passt und du immer deine 100 Prozent läuferische Leistung abrufst, dann kannst du jeden Gegner unter Druck setzen und kannst ihm den Schneid ablaufen.

Ob dann technische Fehler passieren, dass ist im Fußball so. Im Zweikampf kann alles passieren, aber schon durch die Laufbereitschaft, wenn der Gegner merkt der ist verrückt, der geht wieder nach vorne und wieder zurück, dann geht einfach die Psychologie irgendwann weg und das sind einfach die Sachen, die du abrufen musst, wenn du im Abstiegskampf steckst. Warum sollst du dann auch nicht Hannover schlagen?

Petra Koch: Und Freiburg ...?

Martin Stranzl: Wenn du gegen Hannover gewinnst, dann wird unser Stadion voll sein und dann wirst du auch Freiburg schlagen können. Aber das ist alles noch viel zu weit weg, weil wir konzentrieren uns immer auf die nächste Aufgabe, dass ist jetzt Hannover und da musst du eben diese drei Punkte wieder holen, dass du da weiterhin dran bleibst und weiterhin die Möglichkeit da ist, den Abstieg zu verhindern.

Petra Koch: Viele sagen das Restprogramm ist schwierig. Du sagst, das kommt gerade richtig ...

Martin Stranzl: Schwierig ist es immer dann, wenn man sich das selber einredet. Genau so ist es, wenn du aufs Feld gehst. Die Sonne knallt runter, der Gegner heißt Dortmund oder Bayern und du gehst raus und denkst dir: Heute wird es sauschwer. Ja dann wird es ja auch schwer. Das ist reine Kopfsache. Wenn du aber raus gehst und sagst, super Stimmung, tolle Atmosphäre, heute geht was, dann bist du auch schon vom Gefühl her so positiv, dass du noch viel mehr bewegen kannst.

Das ist einfach eine Kopfsache.Von daher, wer sagt denn, dass das Restprogramm für uns schwierig ist. Jeder hat es zwar gesagt, aber ich habe es nicht so empfunden, weil du in 90 Minuten jeden Gegner schlagen kannst, wenn du einen guten Tag hast und der Gegner einen weniger guten Tag, du immer alles abrufst, warum sollst du dann nicht jeden Gegner schlagen können? Wenn du Fehler vom Gegner bestrafst und deine Fehler gering hälst, dann hast du immer eine Möglichkeit.

Petra Koch: Hamburg hat so ein bisschen enttäuscht. Wenn man das letzte Spiel gesehen hat, dann hatte man den Eindruck, die haben eigentlich keinen Bock mehr ...

Martin Stranzl: Das würde ich jetzt nicht so drastisch formulieren. Ich habe mir die Zusammenfassung von dem Spiel angeschaut und die hatten auch schon sehr gute Möglichkeiten. Nur hinten haben sie halt sehr große Fehler gemacht und diese hat Stuttgart eben eiskalt ausgenutzt. Deswegen viel dieses Ergebnis dann eben so groß aus.

Die Mannschaft hat eine große Qualität, sie haben auch zuhause gegen Dortmund sehr gut gespielt und hat auch gute Lösungen gefunden. Deswegen ist es ein genauso schwieriges Spiel, vor allem wenn es bei uns dann auch noch darum geht: Ist es das entscheidende Spiel oder nicht.

Da kommen dann auch noch mal ein bisschen die Nerven hinzu und Hamburg will zuhause sicherlich auch nicht das letzte Spiel verlieren, von daher wird es sicher ein heißer Tanz dort werden, keine leichte Aufgabe aber wie schon gesagt, für uns muss es egal sein, wer da zum Schluss kommt.

Petra Koch: Seit Kaiserslautern sage ich, die packen das nicht mehr auch wenn ich was anderes Wünsche. Sage mir doch mal, warum ihr jetzt mal zwei Spiel hintereinander gewinnt?

Martin Stranzl: Wenn du den wahrscheinlichen Meister zuhause schlägst, dann muss es eigentlich in der Birne drin sein, dass du dann auch in Hannover gewinnen kannst und es muss auch in der Birne drin sein, dass du noch mal einen Schritt drauflegen kannst, wer dass nicht kapiert, der ist eh Fehl am Platz.

Bisher haben wir in der Woche einen sehr guten Eindruck hinterlassen, wir haben konzentriert und aggressiv gearbeitet. Auch heute im Training war es sehr gut. Deswegen sage ich, dass uns nichts anders mehr möglich bleibt. Du musst dieses Spiel gewinnen, ohne Wenn und Aber. Sonst schaut es so aus, wie du es vorhin erwähnt hast ...

Petra Koch: Wenn ich jetzt sage: Drei Wochen und wer die stärksten Nerven hat, bleibt drin. Würdest du das unterschreiben?

Martin Stranzl: Nein, würde ich nicht. Ich würde sagen, wer den stärksten Willen hat bleibt drin. Das wird entscheidend sein. Wer den stärksten Willen hat, die Angst besiegt und alles gibt und abruft, dass wird auch bei uns entscheidend sein. Man hat gesehen, was alles möglich ist und da müssen wir einfach dran bleiben.

Wenn du es gegen Hannover nicht packst, dann musst du dich wieder darauf verlassen, was die anderen machen und wenn die gewinnen, dann sind es auf einmal schon sechs oder fünf Punkte, aber du hast dann nur noch zwei Spiele. Deswegen, die Mannschaft mit dem stärksten Willen wird drin bleiben.

Petra Koch: Das heißt so ein bisschen das Glück und den Torerfolg erzwingen?

Martin Stranzl: Das gehört sicherlich auch dazu, auf alle Fälle. Wenn du positiv bist wie auch gegen Dortmund, die Atmosphäre ist super, wir haben ordentlich gespielt, Marc hält super, was auch ein Hauptgrund ist. Dass wir dann auch so positiv waren und auch das Umfeld, dann schießt der den an die Latte oder Marc lenkt den ab.

Aber wenn du so bist, hoffentlich passiert nichts, dann ist das schon wieder negativ und die Bälle können dann schon wieder reinrutschen. Ein Trainer hat mal zu mir gesagt, dass wenn eine positive Energie in der Mannschaft ist, dann gehen auch mal Dinge gut, wo du denkst, dass gibt es ja gar nicht.

Petra Koch: Hat Mike Hanke euch vielleicht schon ein paar Tips gegeben?

Martin Stranzl: Er hat mit dem Trainern schon intensiv gesprochen und wir haben auch verschiedene Trainingsübungen gemacht, wo die Stärken und die Schwächen von der Mannschaft sind. Wir haben uns darauf vorbereitet, er wird aber sicherlich dem ein oder anderen Spieler noch was sagen, wo er meint, dass er das braucht. Er ist ja erfahren genug und natürlich zählt da jedes Detail was einen weiter bringen kann.

Petra Koch: Geht man bei solchen Spielen, wo es um alles geht anders ran im Training, macht der Trainer etwas anders, oder ist es ganz normal wie sonst auch immer?

Martin Stranzl: Es ist der gleiche Ablauf wie auch die Wochen davor. Es nützt ja nichts, wenn du auf einmal panisch bist oder die Situation wo erst alles perfekt läuft, dann aber mal nicht so gut, dass es dann viele Trainer gibt, die alles über den Haufen werfen. Ich habe so viele Trainer gehabt und die Erfahrung gemacht, dass dann so eine Verunsicherung in die Mannschaft kommt, dass dann auf einmal gar nichts mehr geht. Dann fängst du wieder bei Null an und es geht überhaupt nichts mehr.

Bei uns ist der Ablauf so wie immer, wie die letzten Wochen auch und dass ist auch gut so. Wir bereiten uns genauso konzentriert vor, wie in den letzten Wochen auch. Da musst du nichts verändern. Jeder im Umfeld, in der Mannschaft, alle Mitarbeiter im Verein und ich sage mal auch alle Journalisten wissen, worum es geht. Das ist ja auch das Interessante im Sport und im Fußball. Ich gehe davon aus, dass wir die Nerven in den Griff bekommen und den Willen zeigen werden und das schaffen.

Petra Koch: Dein realistischer Tipp gegen Hannover?

Martin Stranzl: Mit Tipps bin ich seit meinem letzten Besuch vorsichtig. Mir ist es auch egal, Hauptsache wir gewinnen.

Petra Koch: Glaube mir, den meisten Journalisten ist die erste Liga auch lieber.

Martin Stranzl: Ja. Ich glaube ja auch nicht, dass es für die Journalisten dann so angenehm ist. Die Berichterstattung für die zweite Liga macht ja auch keiner gerne und deswegen müssen alle an einen Strang ziehen und für uns Spieler ist es auch so, dass keiner da runter will. Deswegen müssen und werden wir in Hannover alles abrufen, was möglich ist, damit wir das eben noch schaffen.

Petra Koch: Ich bleibe vorsichtig pessimistisch und ihr überzeugt mich von einem besserem. Das wäre gar nicht so schlecht. Vielen Dank das du hier warst.

Martin Stranzl: Vielen Dank für die Einladung. Es mit wieder sehr viel Spaß gemacht.


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