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»Nicht nur so, sondern überzeugt gewonnen«

Borussen zeigten auch beim Sieg in Hannover ihre Qualitäten und leben weiter

Noch vor Wochen sah es ziemlich düster aus rund um den Borussia-Park, doch nicht nur aufgrund des Wetters schaute man am Maifeiertag in durchweg strahlende Gesichter. Die Gladbacher Borussia hatte am Vortag des ‚Tages der Arbeit' beim 1:0-Sieg in Hannover ganze Arbeit geleistet und hat mit dem zweiten Sieg in Folge die Hoffnung auf den Klassenerhalt aufrecht erhalten.

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Die Borussen durften in Hannover jubeln und leben weiter. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de

Viel los war am Borussia-Park, am Tag nach dem Sieg von Borussia Mönchengladbach. Und das nicht ‚nur', weil wie gewohnt einige Jugendmannschaften des VfL auf Tore- und Punktejagd gingen, sondern gerade weil die Borussen ihren Anspruch auf den Klassenerhalt mit dem zweiten Sieg in Folge nachhaltig unterstrichen haben.

Und das auf eine beeindruckende Art und Weise, die gerade die Anhänger der Borussia zuversichtlicher auf die kommenden Aufgaben blicken lässt. ‚Nachlegen' war in den letzten Wochen das Schlüsselwort, womit der VfL so seine Mühe und Not hatte. »Ich denke, es wurden noch mal alle wachgerüttelt. Wir wissen, um was es in den letzten Spielen geht«, beteuert Mike Hanke.

Doch dies ist dem VfL gelungen und hat sich mit dem überzeugenden Sieg in Hannover näher an den Relegationsplatz und an das rettende Ufer herangearbeitet. »Erst mal war es wichtig, dass wir eine kleine Serie gestartet haben. Zwei Siege in Folge - das haben wir in dieser Saison noch nicht geschafft«, strahlte Hanke.

Geschafft haben dies die Borussen gegen Hannover wie auch schon beim 1:0-Sieg gegen den BVB mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung. »Heute sind wir auf eine Mannschaft gestoßen, die uns das Leben wirklich ernsthaft schwer gemacht. Sie haben die Räume sehr eng gemacht, standen tief«, sagte Mirko Slomka im ‚Aktuellen Sportstudio' und musste eingestehen: »Wir konnten unser Spiel nicht so aufziehen, wie wir es gerne wollten. Es war so ein Spiel, wo du als Trainer an der Linie stehst und sagst: Da geht heute nichts«.

In der Tat ging bei seiner Mannschaft nichts. Und das gerade aufgrund dessen, weil die Borussen den bis dato Tabellendritten mit seinen eigenen Waffen schlug und dabei auch die Stärke Umschaltspiel unterband. Der VfL machte die Räume eng und arbeitete geschlossen gegen den Ball, woran sich Hannover 96 die Zähne ausbiss.

Bis auf die Anfangsphase hatten die Fohlen mehr Ballbesitz, die besseren Zweikampfwerte und erarbeiteten sich eine Vielzahl von Tormöglichkeiten. Einziges Manko, dass dabei lediglich ein Tor gelang.

Doch dieses war mehr als verdient und reichte, um als Sieger vom Platz zu gehen. »Wir haben gut gespielt, hatten sehr viele Torchancen, waren ganz klar die bessere Mannschaft und haben auch ganz klar verdient gewonnen«, resümierte Mike Hanke. »Wir haben das Spiel nicht nur so, sondern auch überzeugt gewonnen, wenn man die Tormöglichkeiten sieht«, war der erneut starke Martin Stranzl zurecht dergleichen Meinung.

Tatsächlich überzeugte die Borussia in Hannover. Und das auf eine Art und Weise, an der sicherlich auch Lucien Favre einen großen Anteil hat. Der 53-Jährige ist kein großer Redner, sondern macht mit akribischer Arbeit auf sich aufmerksam, was sich beim VfL auch auf dem Platz wiederspiegelt. »Wir trainieren unter der Woche jeden Tag taktisch. Jeder Spieler weiß, was der Trainer von ihm erwartet«, erklärt Filip Daems und fügt hinzu. »Das versuchen wir so gut wie möglich umzusetzen. Wir stehen insgesamt stabiler. Alle verteidigen mit, was in der Hinserie nicht immer der Fall war«.

»Klar ist das sicherlich auch ein stückweit die Handschrift vom Trainer, pflichtete Martin Stranzl bei. »Wir arbeiten im Training sehr viel im Defensivverbund«.

So sind die Borussen unter Lucien Favre von der ‚Schießbude der Liga' zu einer Mannschaft gereift, die nur schwer zu knacken ist. »Alle Mannschaftsteile arbeiten sehr konzentriert nach hinten und versuchen bei Ballverlusten schnell umzuschalten, an den Ball zu kommen, weiter hoch zu stehen und gegen den Ball zu attackieren«, erklärt Stranzl. »Jeder weiß mittlerweile, wie er sich zu verhalten hat. Keiner bleibt stehen, sondern hat die Laufbereitschaft und schaltet schnell um. Das passiert in den letzen Spielen sehr gut«.

So konnten sich die Borussen zwar über einen verdienten Sieg in Hannover freuen, aus dem Schneider ist man dennoch jedoch noch nicht. »Gestern haben wir uns natürlich gefreut, aber wir haben noch nichts erreicht. Wir stehen immer noch auf einem Abstiegsplatz«, hob Filip Daems am Sonntag den Finger.

Immer noch stehen die Borussen auf einem direkten Abstiegsplatz und können sich demnach in den letzten beiden Spielen keinen Ausrutscher mehr erlauben, wenngleich die Tendenz und die Formkurve gerade in Punkto Beständigkeit im wahrsten Sinne des Wortes nach oben zeigen. »Wir haben einen wichtigen Schritt gemacht und sind wieder näher rangekommen, aber wir müssen weiter punkten«, weiß Torschütze Marco Reus.

Eine gewisse Drucksituation, mit der der VfL augenscheinlich gut zurecht kommt. »Wir können unter enormen Druck gut spielen. Es war natürlich auch für den Kopf sehr wichtig«, meint Mike Hanke. »Das haben wir jetzt auch wieder gegen Freiburg. Jetzt können wir gegen Freiburg mit sehr, sehr viel Selbstvertrauen spielen. In dieses Spiel, auf das wir uns freuen, müssen wir mit breiter Brust gehen«.

Machen die Fohlen ihre Hausaufgaben und gewinnen auch gegen den Tabellensiebten aus dem Breisgau, dann kann man durchaus auch auf die Ergebnisse der Konkurrenz schauen. »Wir sind zwar auch abhängig davon, dass die anderen Punkte liegen lassen, aber wir müssen erst mal auf uns schauen und unsere Spiele gewinnen«, gibt Roel Brouwers die Parole aus und ergänzt: »Dann kann man auch auf andere schauen«.

Schauen wird der VfL dann am nächsten Wochenende auch und gerade nach Frankfurt. Dort empfängt die Eintracht, aktuell mit zwei Punkten Vorsprung auf dem Relegationsplatz, den rheinischen Rivalen aus der Domstadt. »Köln-Fan ist jetzt ein bisschen übertrieben, aber ich hoffe, dass Köln in jedem Fall gewinnt«, sagt Roel Brouwers.

»Man muss erst mal seine eigenen Aufgaben machen. Natürlich wollen und müssen wir aus den nächsten beiden Spielen sechs Punkte holen«, sagte Martin Stranzl. »Dann werden wir sehen, was die anderen gemacht haben und hoffen natürlich, dass da auch ein bisschen was zu unseren Gunsten läuft«.

Doch alle Rechenspiele machen eben erst dann Sinn, wenn der VfL eben seine Hausaufgaben macht. Und so brachte es Mo Idrissou auf den Punkt: »Die anderen interessieren mich erst mal nicht. Uns helfen nur Siege. Da zählen für uns drei Punkte gegen Freiburg«.

Auf jeden Fall sieht die Borussia wieder deutlich mehr Licht am Ende des Tunnels, lebt weiter und darf auf den Klassenerhalt hoffen. »Der Glaube muss da sein, vor allem jetzt. Er war immer da, auch wenn uns viele schon abgeschrieben haben«, sagt Filip Daems und Roel Brouwers ist der Meinung: »Wenn wir noch zweimal gewinnen, dann denke ich, schaffen wir das«.

Gelingen den Borussen in den verbleibenden zwei Spielen tatsächlich zwei Siege, dann könnte das noch vor Wochen für nicht mehr möglich gehaltende Fußballwunder doch noch Wirklichkeit werden. In der derzeitigen Verfassung ist dies durchaus möglich ...


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