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Marc-André ter Stegen: »Bin auch nur ein Teil der Mannschaft«

Borussias Nummer eins war zu Gast bei Radio 90,1

Jeden Mittwoch ist beim Mönchengladbacher Radiosender 90,1 Zeit für die Sendung ‚Borussia hautnah'. So auch gestern, als sich zum zweiten Mal in dieser Rückrunde "Torwart" Marc-Andre ter Stegen den Fragen von Moderatorin Petra Koch stellte. Der 19-Jährige sprach unter anderem über seine Eindrücke zu seinem Bundesligadebüt, die letzten zwei Spiele bis zum Klassenerhalt, seine Leistungen in den ersten Spielen sowie über das letzte Heimspiel der Saison gegen den SC Freiburg. Wir haben das Interview in den Kernpunkten zusammengefasst.

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Marc Andre ter Stegen zu Gast bei Radio 90,1 - Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de

Petra Koch: Wie fühlt es sich an, die Nummer Eins in deinem Heimatclub zu sein?

Marc Andre ter Stegen: Es fühlt sich sehr gut an. Ich bin froh, dass es jetzt geklappt hat und dass mir der Trainer und der Verein jetzt das Vertrauen schenken.

Petra Koch: Hättest du gedacht, dass es so schnell geht?

Marc Andre ter Stegen: Nach meiner Verletzung hatte ich zwei Wochen Zeit, mich auf das Spiel gegen Köln vorzubereiten. Ich habe dann einen Tag vor dem Spiel erfahren, dass ich spiele und dies war eine der schönsten Nachrichten.

Petra Koch: Wie hat der Trainer dir dies mitgeteilt, dass du mit damals 18 Jahren spielen wirst?

Marc Andre ter Stegen: Er hat dadurch, dass er mich erst einen Tag vor dem Spiel informiert hat, den Druck von mir genommen. Er hat mich natürlich gefragt, ob ich bereit dafür bin. Wie soll es auch anders sein, wenn man aus Mönchengladbach kommt und man gegen Köln spielen darf, dann ist das gar keine Frage.

Petra Koch: Du bist momentan der jüngste Torhüter in der Bundesliga, aber nicht der jüngste der jemals angefangen hat. Das war Uwe Kamps, dein jetziger Torwarttrainer, der war ein paar Tage früher im Tor. Wie sehr ärgert dich das?

Marc Andre ter Stegen: Das ärgert mich nicht. Ich bin froh, dass es jetzt passiert ist und kann mir nichts Schöneres vorstellen.

Petra Koch: Was war denn die größte Umstellung, wenn man plötzlich Bundesliga spielt?

Marc Andre ter Stegen: Es gab natürlich eine Umstellung. Es war Gewöhnungssache an die Mitspieler, auch wenn man mit denen trainiert hat, weil man dennoch mit der U23 gespielt hat. Man muss sich auch dem Spielniveau anpassen, dass habe ich auch direkt in einer Situation mit Novakovic gemerkt.

Petra Koch: Das sind dann aber auch Erfahrungswerte, die man sammelt, oder?

Marc Andre ter Stegen: Ja. Es ist schön, dass aus der Situation nichts passiert ist. Ich habe natürlich das Risiko in Kauf genommen, aber das ist nun mal mein Spiel. So spiele ich gerne, aber besser als so zu lernen geht es nicht.

Petra Koch: Kommen wir noch mal zu den Umstellungen. Du hast regelmäßig in der U23 gespielt und du hast in den Nationalmannschaften gespielt. Muss man sich dann immer wieder auf die anderen Leute einstellen und auch auf die schwereren Gegner aus der Bundesliga?  Was ist das Schwierigste?

Marc Andre ter Stegen: Es sind viele Faktoren, die da zusammenkommen. Mitspieler sind das Eine, Gegenspieler sind das Andere. Dann kommen noch so Nebeneffekte, wie die ganzen Zuschauer und Fans dazu. Aber ich bin froh, dass der Trainer mir das Vertrauen gegeben hat und dass ein ganzer Verein hinter mir stand und eine ganze Mannschaft. Dazu gehören nicht nur die anderen Zehn, die auf dem Platz stehen, sondern auch die anderen. Ich sage mal, Max Eberl oder mit denen ich engeren Kontakt habe.

Petra Koch: Es steht auch ein ganzes Stadion hinter dir. Du bist ein Junge, der hier alles durchlaufen hat, was man so durchlaufen kann. Also bist du im Endeffekt auch eine Identifikationsfigur für die Fans draußen ...

Marc Andre ter Stegen: Ich denke, dass müssen die Fans dann am Ende entscheiden. Ich bin froh, dass die Fans mich so empfangen haben, dass sie mich so unterstützen wie es im Moment ist. Nicht nur gegen Köln und Dortmund habe ich es gemerkt, sondern auch in den Auswärtsspielen. Gerade in Mainz war es sehr wichtig für unsere Moral. Wir haben es nach der 0:1 Niederlage in Mainz sehr gut umgesetzt. Die Fans haben uns so gepuscht, dass wir nur Höchstleistungen gegen Dortmund bringen konnten. Wir sind den Fans natürlich auch einiges schuldig.

Petra Koch: Die Kollegen vor dir sind ja zum Teil erfahrene Jungs. Tony Jantschke ist auch noch frischer Bundesligist. Wir haben mal gefragt, was die anderen so von dir halten. "Er ist ruhig, er ist solide und er ist gut", sagt der Trainer. Netter Spruch oder?

Marc Andre ter Stegen: Ja klar, der Trainer hat mir das Vertrauen gegeben.

Petra Koch: Filip Daems hat auch einiges gesagt: "Es ist unglaublich für einen 19-jährigen, was er im Tor schon ausstrahlt. Er ist ein Torhüter mit sehr viel Talent, der es auf jeden Fall weit bringen wird". Wie weit willst du es denn bringen?

Marc Andre ter Stegen: Ich habe meine eigenen Ziele, dass habe ich ja auch schon in Sendungen davor gesagt. Ich habe Ziele, die ich mir gesteckt habe und die möchte ich natürlich auch erreichen. Bundesliga war das erste Ziel, aber das ist eines von vielen Zielen, die ich habe. Jetzt geht die volle Konzentration erst mal auf Freiburg und dann auf den Rest der Saison.

Petra Koch: Du spielst sehr weit draußen und bist ein Torhüter, der manchmal so aussieht wie ein Libero ...

Marc Andre ter Stegen: Ja, dass ist meine Art zu spielen. Bis jetzt hat es immer sehr gut geklappt und das hat auch vorher immer gut geklappt, sonst hätte ich es nicht weiter ausgeführt. Bis jetzt bestätigt sich das alles, dass es gut ist, wenn ich vorne stehe.

Petra Koch: Es ist auch gut für euer Spiel, wenn ihr relativ frühzeitig angreifen wollt, oder?

Marc Andre ter Stegen: Es gibt natürlich verschiedene Pressingsituationen, die wir im Moment durchführen und dann denke ich, dass es meine Aufgabe ist, wenn keiner mehr da ist, dass ich die Situation irgendwie kläre. Es ist immer einer da, selbst wenn es mal schief gehen sollte, der mir den Rücken frei hält.

Petra Koch: Als du deinen Muskelfaserriss hattest, war Lucien Favre gerade Trainer. Wir Journalisten haben alle gedacht, Marc-Andre kommt in die Kiste von Borussia. Ich denke, du hast auch gespürt, dass der Wechsel da möglich war. Was hast du in dem Moment gedacht?

Marc Andre ter Stegen: Es war zu dem Zeitpunkt nicht ganz so optimal. Ich habe mich in den sechs Woche, in denen ich verletzt war, sehr gut erholt. Mit Andreas Blum zusammen habe ich sehr gut gearbeitet. Ich bin dann sehr fit wieder aus der Zwangspause gekommen und dass es dann so schnell mit dem ersten Einsatz kam, dass war optimal.

Petra Koch: Denkt man dann im ersten Augenblick, dass war es dann mit der Chance, du hättest ja auch länger warten können? Oder zieht man dann einfach weiter sein Ding durch und übst dich in Geduld, auch wenn du dass dann nicht so gerne tust?

Marc Andre ter Stegen: Zu dem Zeitpunkt war Geduld dann natürlich angebracht. Ich habe mich eher damit beschäftigt, wie ich es hinbekomme, Schritt für Schritt die Verletzung abzubauen. Ich habe mich nicht geärgert, dass ich mich verletzt habe, sondern habe direkt nach vorne geschaut.

Petra Koch: Hättest du mit Blick auf die letzten Spiele gedacht, dass das alles so problemlos wird? Also hast du dieses Selbstbewusstsein gehabt, wenn ich da drin stehe, dann klappt das?

Marc Andre ter Stegen: Ich meine, man muss auch ein bisschen von sich selber überzeugt sein. Ich bin aber auch nur ein Teil der Mannschaft und wir haben es sehr kompakt geschafft, gegen diese beiden Mannschaften zu gewinnen und das ist auch das, was wir in den nächsten Spielen veranstalten wollen.

Petra Koch: Hat sich dein Leben verändert, seit du jetzt Bundesligaprofi bist?

Marc Andre ter Stegen: Zuhause werde ich immer noch gleich angesehen. In der Stadt ist es jetzt natürlich ein bisschen mehr, dass man schon mal erkannt wird. Aber es ist nicht schlimm und auch kein Problem. Ich denke, man kann sich sehr viel Schlimmeres vorstellen. Das gehört auf jeden Fall dazu. Die Flaschen zuhause muss ich dennoch runter bringen, dass gehört denke ich mal dazu.

Petra Koch: Dann kommt man wieder auf den Boden zurück und das ist auch ganz wichtig. Man muss auf dem Boden bleiben, oder? Ich glaube Bodenhaftung ist ganz wichtig in dem Beruf, wo man entweder nach oben gejubelt wird oder nach unten verdammt wird, dass geht ja in diesem Geschäft relativ schnell.

Marc Andre ter Stegen: Ja, das ist richtig, aber ich habe mir von Anfang an gesagt, dass für mich nur Leistung zählt und alles andere hat kein Gewicht. Egal was irgendwo steht, es steht halt da, aber man muss es auch immer wieder bestätigen. Das lebe ich im Moment und bisher hat es sehr gut geklappt.

Petra Koch: Dein Torwarttrainer war nicht so sehr überrascht, dass es gut klappt. Kannst du dir das vorstellen?

Marc Andre ter Stegen: Das ist natürlich ein Gefühl, was jeder für sich selber hat. Es ist natürlich schön zu hören, dass der Torwarttrainer so ein Gefühl hatte und ich denke, er hatte nicht ganz Unrecht.

Petra Koch: Ich habe ihn gefragt: Uwe, du warst nicht sehr überrascht, oder?

Uwe Kamps: Nein eigentlich nicht. Von dem, was er uns im Training angeboten hat und ich denke auch die Leistung, die er in der U23 abgerufen hat. Da denke ich, war schon alles auf dem richtigen Weg und er hat es dann jetzt auch in den Spielen bei uns bestätigt.

Petra Koch: Hoffnungsträger durfte ich lesen ...

Marc Andre ter Stegen: Das höre ich jetzt schon zum zweiten Mal. Ich denke nicht, dass ich alleine irgendwas bewegen kann. Es sind immer elf Mann plus die, die noch reinkommen. Es ist ein ganzes Team, was das ausmachen muss und jeder trägt seinen Teil dazu bei.

Petra Koch: Ich habe deinen Torwarttrainer mal gefragt, ob das auch eine Last für dich ist, wenn man so was nach draußen bringt: Hoffnungstrainer Marc-Andre ter Stegen. Das hat er gesagt: "Er sollte eigentlich unbelastet an die Situation herangehen, die natürlich auch schwierig ist. Das hat er bisher sehr gut hinbekommen und hoffe, dass er da nicht zu viel drüber nachdenkt und sich nicht so viele Gedanken macht, sondern das genießt, wie es bisher läuft und erst mal so weiter macht". Ist das eine Last für dich, wenn so was behauptet wird?

Marc Andre ter Stegen: Ich habe damit kein Problem, dass ich als solcher betitelt werde. Ich kann aber immer nur wieder sagen, dass es eben ein ganzes Team ist, was man dazu braucht um so was zu schaffen. Unser Ziel ist es, das als Team zu erreichen und das nächste Ziel ist es, gegen Freiburg zu gewinnen.

Petra Koch: Nach einem Spiel gehst du gerne schon mal an den Journalisten vorbei indem du sagst: Nein jetzt nicht. Bewusst?

Marc Andre ter Stegen: Ja. In den ersten Spielen war es schon bewusst, dass ich gesagt habe, ich möchte erst mal nicht. Ich möchte langsam an die Situation herangeführt werden und mich auf meine Leistung konzentrieren. Das hat gegen Köln angefangen, gegen Hannover habe ich dann das erste Mal was gesagt, aber ich denke, dass es auch nicht so wichtig ist, wenn ich etwas sage. Von daher lasse ich lieber Leistung sprechen.

Petra Koch: Das finde ich auch gut, aber es gehört schon, wenn auch nicht primär, zum Sportlerleben dazu ...

Marc Andre ter Stegen: Ja, dass ist richtig, aber ich denke, nach meinen ersten Spielen ist es noch nicht so wichtig, was ich zu sagen habe. Es ist nur wichtig, dass es auf dem Platz läuft.

Petra Koch: Der Druck ist groß, der ist schon die ganze Zeit relativ groß. Ihr scheint relativ problemlos damit umzugehen?

Marc Andre ter Stegen: Wir haben die letzten zwei Spiele gewonnen und ich denke, man kann auch sonst nicht groß etwas dazu sagen als Taten sprechen zu lassen. Wir haben es gegen Dortmund und Hannover hinbekommen. Wir müssen jetzt mit Vollgas in das nächste Spiel gehen und drei Punkte gegen Freiburg holen. Wir müssen wirklich zusammen halten, und damit sind nicht nur wir gemeint sondern auch die Fans, der ganze Verein muss zusammenhalten, und dann ist so was am Ende möglich.

Petra Koch: Man darf jetzt aber nicht hingehen und sagen, wir haben die beiden jetzt geschlagen und jetzt schlagen wir die anderen beiden auch noch. Das geht nicht, oder?

Marc Andre ter Stegen: Im Gegenteil. Wir müssen noch mehr machen als wir vorher gemacht haben. Wir müssen mit Vollgas in die zwei Partien gehen Jetzt steht erst mal Freiburg an und da müssen einfach drei Punkte her. Dann wollen wir mal abwarten, was die anderen machen.

Petra Koch: Warum klappt auf der Endgeraden so vieles, was die ganze Zeit lang nicht geklappt hat?

Marc Andre ter Stegen: Ich denke, es gibt viele Gründe dafür und ich denke auch, dass im Laufe der Saison viele Sachen angesprochen wurden. Aber wir müssen uns jetzt nicht mehr mit dem beschäftigen, was passiert ist, sondern mit dem was passieren wird. Und dass ist das nächste Spiel gegen Freiburg. Es sind noch zwei Spiele und wir müssen alles rausholen, um die Klasse zu halten.

Petra Koch: Schauen wir mal auf den nächsten Gegner. Freiburg ist sicher eine Überraschung, eine Mannschaft mit Charakter die sicherlich nicht sagen wird, bei uns geht es um nichts mehr, wir machen uns mal einen ruhigen Tag.

Marc Andre ter Stegen: Für die geht es ja auch noch um etwas. Sie müssen versuchen, den Platz zu halten oder noch zu verbessern. Das wollen wir denen natürlich auch irgendwo versauen und für uns natürlich kämpfen. Das ist klar. Wir müssen uns da raus kämpfen.

Petra Koch: Kämpfen und Fußball spielen ist der Ansatz sagt der Trainer, dass scheint ganz gut zu klappen. Ihr sagt oft, er bereitet euch gut auf den Gegner vor. Wie macht er das?

Marc Andre ter Stegen: Wir gehen ja das Programm wie jede Woche durch. Zu dem Programm gehört natürlich auch eine Videoanalyse vom Gegner. Das ist ein Teil jeder Bundesligamannschaft, denke ich. Aber er bereitet uns schon sehr gut vor, muss ich sagen. Es sind viele individuelle Sachen, über den Gegner und der Gegenspieler. Aber es sind auch viele Sachen was passiert, wie wir stehen müssen. Er hat für alle Sachen eine Lösung. Er gibt uns die nötigen Sachen mit auf dem Weg und wir haben es dann natürlich umzusetzen.

Petra Koch: Ich denke, das er den Druck zur richtigen Zeit erhört hat. Nicht von Anfang an wir müssen.

Marc Andre ter Stegen: Ich denke, es ist nicht zu verkennen, dass es noch zwei Spiele sind, in denen wir versuchen müssen, die Punkte zu holen. Das brauche ich glaube ich keinem mehr zu erklären. Der Trainer weiß genau wie wir auch, dass da nicht viele Punkte bleiben um den Klassenerhalt zu sichern. Wenn wir so spielen wie in den letzten vier Spielen, auch Mainz war eine super Partie, dann bekommen wir dass auch auf jeden Fall hin.

Petra Koch: Wieso warst du dir so sicher, dass es klappen wird? War das ein Gefühl oder Zweckoptimismus?

Marc Andre ter Stegen: Das war nicht nur ein Gefühl was ich hatte, sondern die Mannschaft hat das ganz klar vermittelt. Natürlich kamen dann hier und da auch mal wieder eine Niederlage, dass schlaucht natürlich im Laufe der Saison dann auch. Wir müssen jetzt aber nach vorne schauen und die letzten beiden Spiele gewinnen und dann denke ich, dass wir dass dann schaffen werden.

Petra Koch: Die Null steht seit zwei Spielen und wir hoffen das diese auch in den nächsten zwei Spielen anhält und das möglichst nur hinten. Vielen Dank das du hier warst.

Marc Andre ter Stegen: Vielen Dank.


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