Überschwängliche Freude bei Borussia Mönchengladbach. Durch den harterkämpften 2:0-Erfolg gegen den SC Freiburg und die gleichzeitigen Niederlagen der Konkurrenz sind die Fohlen nach zuletzt drei Siegen in Folge am 33.Spieltag auf den Relegationsplatz galoppiert und haben es nun selbst in der Hand, das nicht für möglich gehaltene Fußballwunder Realität werden zu lassen.
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| Große Freude bei Marco Reus. Die 'Rakete' sorgte gegen Freiburg mit seinem 10. Saisontreffer für die Entscheidung.Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de |
Viele Szenarien waren vor dem 33. Spieltag der Fußballbundesliga gerade im Bezug auf die Borussen möglich. Gar ein Abstieg wäre bittere Gewissheit gewesen, wenn der VfL gegen den Sportclub nicht gewonnen und gleichzeitig Frankfurt gegen den rheinischen Rivalen einen Punkt geholt hätte.
Doch der ‚Fußballgott' sollte an diesem Samstagmittag holt mit den Borussen sein, die zweifelsohne die Gewinner des Spieltags sind. Und das gerade, weil zunächst die Hausaufgaben in Form des dritten Sieges in Folge gemacht wurden.
Ausgesehen hatte es danach zunächst jedoch nicht. »Ich wusste und hatte es die ganze Woche gesagt, dass es sehr schwer für uns wird«, hatte Lucien Favre bereits im Vorfeld gewarnt, dass seine Mannschaft mit dem SC Freiburg eine harte Nuss zu knacken hatte.
Der 53-Jährige sollte zunächst Recht behalten. Wie gewohnt agierten die Breisgauer mit einem dicht gestaffelten Mittelfeld, machten die Räume eng und ließen die Fohlen so nicht ins Spiel kommen. »Es waren keine Lücken im Spiel und wir hatten Mühe, nach vorne zu spielen, weil wir keinen richtigen Spielaufbau kreieren konnten«, sagte Favre.
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Tatsächlich fand der VfL gegen die diszipliniert und organisiert auftretende Freiburger Mannschafft keine Mittel, um sich offensiv in Szene zu setzten. »Wir haben versucht den Ball laufen zu lassen, aber das klappte nicht, weil Freiburg im Mittelfeld immer nah dran war und ein gutes Pressing gespielt hat«, sagte Filip Daems und Mike Hanke pflichtete bei: »Freiburg hat uns gut zugestellt«.
Gerade aufgrund dessen hatten die Borussen Mühe, überhaupt in Tornähe zukommen. »Es war wirklich sehr, sehr schwer. Freiburg hat es richtig gut gemacht«, analysierte Marco Reus und ergänzte: »Phasenweise haben wir keine Mittel gefunden und es war schwer, sich Torchancen zu erarbeiten«.
Dies hatte auch bis zum Pausenpfiff Bestand, wenngleich Dante kurz vor dem Pausenpfiff beinah für die dann doch überraschende Führung hätte sorgen können. Auf den anderen Spielplätzen lief hingegen alles für die Borussia. Köln führte gegen Frankfurt und Kaiserslautern doch etwas überraschend in Wolfsburg.
Alles Zwischenstände, die die Borussen eigentlich beflügeln sollte. Tat es eigentlich auch, doch der SC Freiburg erstickte jedes Aufbauspiel im Keim, sodass die Fohlen auch nach dem Seitenwechsel zunächst keine Mittel fanden, um ein Loch in den massiven Gäste-Beton zu bohren. »Freiburg hat unseren Spielaufbau verhindert, sagte Favre und monierte: »Da hätten wir schneller und flacher spielen sollen«.
„Flach spielen, hoch gewinnen", besagt ein gutes und altes Sprichwort auch in der Fußballersprache. Das taten die Borussen, nach dem nach 65 Minuten Schwung in die Partie kam. Die Borussia spielte ab dieser Zeit in Überzahl, nach dem Toprak mit Gelb-Rot vom Platz flog.
Doch auch mit einem Mann mehr tat sich der VfL weiterhin schwer und es sah alles danach aus, als könne die Truppe von Lucien Favre die ‚Hilfe' von Kaiserlautern und Köln nicht entscheidend nutzen. Bis zehn Minuten vor Schluss.
Mike Hanke erlöste die Borussia mit seinem ersten Treffer, den Jantschke vorbereitet hatte. »Ich kann das Tor gar nicht richtig beschreiben«, sagte Hanke unmittelbar nach dem Spiel und rekonstruierte 'platt': »Ich habe den Ball irgendwie vor die Füße bekommen und dann gesehen, dass er im Tor zappelt«.
»Mike Hanke ist sehr viel gelaufen. Die Wege waren lang für ihn, weil er immer wieder mit zurück musste, aber er hat für die Mannschaft gespielt«, lobte Favre seinen Schützling und freute sich mit und für ihn: »Ich freue mich für ihn und die Mannschaft, dass er sein erstes Tor gemacht hat«.
Groß freuen wollte sich der Fußballlehrer zunächst allerdings nicht. Und das wohlwissend, weil die Gäste aus dem Breisgau zu jeder Zeit in der Lage sind, zurückzuschlagen. »Nach dem ersten Tor bin ich sehr ruhig geblieben, weil das Spiel für mich noch sehr lang war und Freiburg auch nach dem Gegentreffer gefährlich war«, so Favre.
Doch lediglich zwei Minuten nach der Führung bebte der Borussia-Park erneut, denn seine Mannschaft legte nach und baute die Führung aus. »Nach dem 2:0 war ich definitiv erleichtert«, fiel dem VfL-Coach an der Seitenlinie mit Jubelsprüngen ein Stein vom Herzen. Marco Reus netzte nach Vorlage von Mike Hanke zum alles entscheidenden 2:0 ein. »Das Zuspiel von Mike Hanke war super«, strahlte Reus und ergänzte: »Dazu hat er selber auch noch ein Tor erzielt - es hat einfach alles gepasst«.
Tatsächlich hatte an diesem Samstagmittag unter dem Strich alles gepasst. Die Borussia machte ihre Hausaufgaben und holte den dritten Sieg in Folge, die Ergebnisse der Konkurrenz spielten voll in die Karten. »Es ist natürlich schön das Köln gewonnen hat, auch wenn man das nicht oft und gerne sagt«, so Hanke und wusste: »Aber in diesem Augenblick ist es überlebenswichtig«.
Das erfreuliche Resultat nach dem 33.Spieltag: Relegationsplatz 16. Und das punktgleich mit dem VfL Wolfsburg, der auf Platz 15 liegt. »Wir haben jetzt alles in eigener Hand«, brachten es Mike Hanke und Tony Jantschke treffend auf den Punkt.
Mit einem Sieg am letzten Spieltag beim Hamburger SV behalten die Borussen in jedem Fall den Relegationsplatz und könnten sogar die direkte Rettung schaffen, wenn Wolfsburg in Hoffenheim lediglich einen Punkt holt oder gar verliert. »Vor dem letzten Spiel ist es natürlich sehr schön, dass du es wieder aus eigener Kraft schaffen kannst und nicht hinterher laufen musst«, freute sich Filip Daems.
Freuen durften sich die Borussen auch, denn erstmals seit dem 8.Spieltag steht man nicht mehr auf einem direkten Abstiegsplatz. »Es ist ein tolles Gefühl und nicht in Worte zu fassen«, strahlte Reus. »Es gibt kein besseres Gefühl, als nicht mehr auf einem direkten Abstiegsplatz zu stehen«.
Doch erreicht ist mit dieser zwar schönen Momentaufnahme dennoch noch nichts. »Es kann trotzdem noch alles passieren«, mahnte Borussias Kapitän und fügte hinzu: »Wir können noch nach oben und unten gehen«.
»Ich sehe keinen Grund, euphorisch zu sein«, pflichtete Lucien Favre seinem Kapitän bei und mahnte: »Wir sind jetzt zwar auf dem Relegationsplatz, aber wir haben noch nichts erreicht«. Und das aus gutem Grund, denn schließlich steht noch die eine Hürde, die am kommenden Samstag Hamburger SV heißt, bevor.
Doch ohne Zweifel ist die Ausgangsposition vor dem letzten Spieltag dank der tollen Aufholjagd eine mehr als gute. Gerade auch deshalb, weil eben die Konkurrenz gepatzt hat. »Wir müssen am Samstag in Hamburg auf jeden Fall gewinnen«, gibt Marco Reus unmissverständlich zu verstehen und fügte hinzu: »Wenn wir das schaffen, dann können wir mal schauen was Wolfsburg gemacht hat. Vielleicht gelingt uns dann doch noch das Wunder«.
Das noch vor Wochen nicht mehr für möglich gehaltene Fußballwunder von Mönchengladbach, sei es die Relegation oder die direkte Rettung, ist in diesen Tagen jedenfalls greifbarer denn je. Ein Sieg beim HSV, und alles is ok ...






